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Die
Fähre verläßt den Hafen erst um 21.30 Uhr. Wir sollen
um 20.00 Uhr am Schiff sein, dann wird man uns sagen, ob es einen
Platz gibt.
Die Zeit verbringen wir im Windschatten vor einem Restaurant, hier
kann man die Sonne genießen und die Motorradjacke ausziehen.
Wenn wir geahnt hätten, was es mit dem Wind auf sich hat. Noch
vor 20 Uhr stehen wir am Schiff und warten und warten und warten.
Es warten noch viele Autofahrer mit uns. Wir erfahren von anderen
Fast-Passagieren, daß die Fähre in den letzten zwei Tagen
wegen dem Sturm einmal ganz ausgefallen ist und ein anderes Mal
den Hafen von Pozzallo schon um 14 Uhr verlassen hat, weil die Sturmprognosen
so ungünstig aussahen. So gibt es natürlich einiges an
Rückstau von Leuten, die auf das Schiff wollen. Als einfacher
Passagier ohne fahrbaren Untersatz könnten wir jederzeit an
Bord gehen.
Um
21.15 Uhr offenbart man uns, daß wir uns ein Zimmer für
die Nacht suchen müssen. Na super! In einer Stadt, in der sich
Fuchs und Hase Gute Nacht sagen, in der Dunkelheit ein Zimmer zu
suchen! Leute sind "natürlich" auch nicht mehr auf
der Straße.
Wir finden in einem relativ neuen Haus am Stadtrand eine "Bed
& Breakfast", in dem wir unterkommen. Nach ersten Trotzreaktionen:
"Gut, vergessen wir Malta! Fahren wir in Sizilien eben auch
an die Westküste!", ist schnell klar: Das nächste
Schnellboot in zwei Tagen von Catania nach Malta ist unseres! Als
netten Abschluß (wenigstens einer!) diesen Tages bilden wir
uns ein, in einem Lokal noch gemütlich ein Glas Rotwein zu
genießen. Aber wo? Fahren wollen wir nicht mehr. Wir stiefeln
noch mal los. Ja, denkste! Fuchs und Hase....
Irgendwann finden wir sowas wie einen Imbiss, in dem zwei junge
Männer Fußball schauen. Dort erstehen wir eine Flasche
Rotwein. Unsere weitere Tourenplaung findet auf dem Zimmer statt.
Am nächsten Vormittag fahren wir erneut zum Fährbüro,
diesmal um definitiv Tickets für den nächsten Tag zu kaufen,
und zwar für die Fahrt von Catania nach Malta, die doppelt
so lang dauert: 3 statt 1 ½ Stunden ab Pozzallo.
Beim
Provianteinkauf im Supermarkt streift mich wieder mal dieser Blick,
der mich bei der Ost-Tour begleitet hat, und der mich hier in Sizilien
auch wieder köstlich amüsiert: Die Leute schauen mir ins
Gesicht, schauen auf meine Jacke, der Blick rutscht tiefer und bleibt
an den Knien mit den leicht auftragenden Protektoren hängen.
Immer wenn das losgeht, flüstere ich verkniffen zu Jochen:
"Achtung, jetzt sind wieder meine Knie dran..."
Nun haben wir einen ganzen Tag Zeit, um diese Gegend etwas zu erkunden:
die 13 km lange Schlucht von Ispica und deren Tausende Jahre alte
Grabhöhlen, die alte verfallene Stadt Noto Antica, die ebenfalls
vom Erdbeben 1693 zerstört und an anderer Stelle in prunkvollem
Barock wieder erbaut wurde.
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