Pozzallo

Wir treffen in Pozzallo ein. Diese Stadt befindet sich unweit des absolut südlichsten Fischereihafens Porto Palo, dem wir kurz zuvor auch einen Besuch abgestattet haben. Am Hafen warten viele teilweise sehr dunkelhäutige Männer mit großen Karren auf die Fischerboote, um die Ladung zu übernehmen.

Die Dunkelhäutigkeit der Männer begründet sich darin, daß in dieser Region viele Emigranten aus dem nur einen Katzensprung entfernten Nordafrika leben. Die nahe Stadt amüsiert uns: Portopalo di capo passero. Sie ist wie so viele Städte in der Provinz Ragusa schachbrettartig aufgebaut. Bei dem großen Erdbeben 1693 wurde sie komplett zerstört und neu aufgebaut. Die Straßen Richtung Hafen haben alle Vorfahrt. Wenn man also wie wir quer durch die Stadt fährt, hat man alle 20 m ein Stopp-Schild, da nach jedem Häuserblock eine neue Straße beginnt. "Die Stadt der Stopp-Schilder" tauften wir sie.

Schließlich standen wir am Kai von Pozzallo und vor uns lag der Katamaran "Sanquan", laut Eigenwerbung die schnellste Fähre der Welt, die uns von diesem Kap mitsamt unserer "Turtle" nach Malta hinüber bringen sollte. Vor dem Fährbüro, das erst um 16 Uhr wieder öffnet, machen wir es uns auf einer Bank an der Meerpromenade gemütlich. Allerdings behalten wir die komplette Motorradkluft an. Es scheint zwar die Sonne, aber der Wind ist so stürmisch und eiskalt, daß es ohne Jacke nicht auszuhalten ist.

16.00 Uhr. Der nette Fährbüro-Angestellte schaut sehr skeptisch auf seinen Bildschirm und meint, er könnte uns maximal auf die Warteliste setzen. Aber da stünde auch schon ein Rollerfahrer, und erst wenn der unterkommt und dann noch ein Platz wäre... Na Mahlzeit, das hört sich gar nicht gut an!

 
 

Die Fähre verläßt den Hafen erst um 21.30 Uhr. Wir sollen um 20.00 Uhr am Schiff sein, dann wird man uns sagen, ob es einen Platz gibt.

Die Zeit verbringen wir im Windschatten vor einem Restaurant, hier kann man die Sonne genießen und die Motorradjacke ausziehen. Wenn wir geahnt hätten, was es mit dem Wind auf sich hat. Noch vor 20 Uhr stehen wir am Schiff und warten und warten und warten.

Es warten noch viele Autofahrer mit uns. Wir erfahren von anderen Fast-Passagieren, daß die Fähre in den letzten zwei Tagen wegen dem Sturm einmal ganz ausgefallen ist und ein anderes Mal den Hafen von Pozzallo schon um 14 Uhr verlassen hat, weil die Sturmprognosen so ungünstig aussahen. So gibt es natürlich einiges an Rückstau von Leuten, die auf das Schiff wollen. Als einfacher Passagier ohne fahrbaren Untersatz könnten wir jederzeit an Bord gehen.

Um 21.15 Uhr offenbart man uns, daß wir uns ein Zimmer für die Nacht suchen müssen. Na super! In einer Stadt, in der sich Fuchs und Hase Gute Nacht sagen, in der Dunkelheit ein Zimmer zu suchen! Leute sind "natürlich" auch nicht mehr auf der Straße.

Wir finden in einem relativ neuen Haus am Stadtrand eine "Bed & Breakfast", in dem wir unterkommen. Nach ersten Trotzreaktionen: "Gut, vergessen wir Malta! Fahren wir in Sizilien eben auch an die Westküste!", ist schnell klar: Das nächste Schnellboot in zwei Tagen von Catania nach Malta ist unseres! Als netten Abschluß (wenigstens einer!) diesen Tages bilden wir uns ein, in einem Lokal noch gemütlich ein Glas Rotwein zu genießen. Aber wo? Fahren wollen wir nicht mehr. Wir stiefeln noch mal los. Ja, denkste! Fuchs und Hase....

Irgendwann finden wir sowas wie einen Imbiss, in dem zwei junge Männer Fußball schauen. Dort erstehen wir eine Flasche Rotwein. Unsere weitere Tourenplaung findet auf dem Zimmer statt.

Am nächsten Vormittag fahren wir erneut zum Fährbüro, diesmal um definitiv Tickets für den nächsten Tag zu kaufen, und zwar für die Fahrt von Catania nach Malta, die doppelt so lang dauert: 3 statt 1 ½ Stunden ab Pozzallo.

Beim Provianteinkauf im Supermarkt streift mich wieder mal dieser Blick, der mich bei der Ost-Tour begleitet hat, und der mich hier in Sizilien auch wieder köstlich amüsiert: Die Leute schauen mir ins Gesicht, schauen auf meine Jacke, der Blick rutscht tiefer und bleibt an den Knien mit den leicht auftragenden Protektoren hängen. Immer wenn das losgeht, flüstere ich verkniffen zu Jochen: "Achtung, jetzt sind wieder meine Knie dran..."

Nun haben wir einen ganzen Tag Zeit, um diese Gegend etwas zu erkunden: die 13 km lange Schlucht von Ispica und deren Tausende Jahre alte Grabhöhlen, die alte verfallene Stadt Noto Antica, die ebenfalls vom Erdbeben 1693 zerstört und an anderer Stelle in prunkvollem Barock wieder erbaut wurde.

 
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