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Rhone-Gletscher

Kurvenschaukel Furka- und Grimselpaß Eingebettet zwischen Furka- und Grimselpaß liegt der Rhone-Gletscher. Selbst für Nicht-Gletscherfans lohnt sich ein Besuch bereits wegen dieser beiden Highlights für Kurvenjunkies.

Seit Urzeiten faszinieren den Mensch die Elemente Luft, Wasser, Erde und Feuer. Gefrorenes Wasser ist Eis. Ein Gletscher besteht aus genau diesem Material. Also folgert daraus, daß auch er eine magische Anziehungskraft ausübt, welcher wir nicht widerstehen können.

Die Mehrzahl der Gletscher liegen über 3000 Meter oder höher. Sehr wenige von ihnen dringen bis in die tieferen Täler hinab. Einer der wenigen Gletscher, welcher sich dank seines riesigen Speisegebietes bis auf Regionen um die 2200 m hinabwagen kann, ist der Rhone-Gletscher. Dadurch ist er der einzige Gletscher in Europa, den man nahezu direkt mit dem Motorrad erreichen kann.

Die kurz-geschichte des Rhone-gletschers
Im Rhone-Gletscher

In den letzten 1.000.000 Jahren gab es insgesamt 4 Eiszeiten. Während dieser Eiszeiten dehnte sich der Rhone-Gletscher aus bis hin zum Genfer See, wo er sich in zwei Arme teilte. Somit war das heutige Wallis komplett von den Eismassen bedeckt. Der südliche Arm folgte dem Rhonetal und dehnte sich weit über Genf bis gegen Lyon in Frankreich aus.

Eindeutige Zeitzeugen sind die Gesteins- und Felsbrocken, welche, einige bis zu 100 m3 groß, kaum von Menschenhand bis in diese Entfernung gebracht worden sein dürften. Auch die Art des Gesteins läßt eindeutig auf eine Gletscherherkunft schließen. In dieser Zeit war der gesamte Talkessel von Gletsch bis auf 2800 m Höhe mit Eis gefüllt.

Der mittlerweile sichtbare, drastische Rückgang der Gletscherzunge hat seinen Anfang im Jahre 1600 bis heute. Um 1770 führte Henri Benson erste genaue Messungen durch. Damals lag das Gletscherende 585 östlich der Thermalquelle von Gletsch gelegen. Trotz gelegentlicher "Vorstöße" in tiefere Regionen der Gletscherzunge, läßt sich doch ab ca. 1770 ein ständiger Rückgang verzeichnen. Am Anfang des 20. Jahrhunderts begann sich die Gletscherzunge über den Belvedere-Hang zurückzuziehen.

Zur Zeit liegt das Ende ca. 2200 m über dem Meer. Das bedeutet eine Abnahme gegenüber 1856 von ca. 2.5 km. Sollte dieser Rückgang, welcher mit Sicherheit auf die Klimaerwärmung in unseren Regionen zurückzuführen ist, in diesem Tempo weitergehen, werden folgende "Bikergenera;tionen" einen kleinen Spaziergang zum Gletscher unternehmen müssen.

Der gletscher — tote masse oder lebendiges Element?

Der Zugang wird ständig verlegt - Eingang zum Rhone-Gletscher Für unsere, nur den Moment wahrnehmenden Augen, hört sich wohl schlüssiger an, daß der Gletscher tote Masse ist. Aber genau das Gegenteil ist Realität. Ein Gletscher birgt einen ausgewogenen Haushalt zwischen Ernährung und Abschmelzung.

In nasskalten Jahren speichert der Gletscher Hunderte von Millionen Kubikmeter Wasser als Eis auf und erhält und speist damit in warmen, trockenen Perioden die ihm angeschlossenen Flüsse.

Der Rhone-Gletscher ist somit auch in ständiger Bewegung. Wie Messungen mittels farbig markierten Steinen ergaben, beträgt die Fließgeschwindigkeit zwischen dem Firnbereich und dem Eisfall vom Belvedere ca. 100 m im Jahr.

Im Eisfall selbst ca. 230 m und am Gletschboden 5 bis 30 m. Weiteres Phänomen: Je dicker die Eisschicht, desto schneller ist die Fließgeschwindigkeit und umgekehrt.

Eigene eindrücke zum Gletscher

Rhone-Gletscher Nach dem einzigartigen Fahrspaß, den diese Kurvenschaukel auslöst, muß man innehalten und die Natur wirken lassen. Einfach vorbeirasen ist ein Frevel.

Anhand der oben genannten Zahlen drängt sich der Gedanke in den Vordergrund, wie wichtig ist eigentlich der Mensch und seine Probleme in diesem Naturschauspiel?

Ergebnis dieses Gedankenspiels: Die Natur kommt wohl ohne den Menschen klar (wobei der Ansatz falsch zu sein scheint, da ja auch der Mensch ein Teil der Natur ist!), aber der Mensch wohl kaum ohne die Natur, welche wir derzeit mit aller Macht versuchen zu verändern. Eine gewisse Ehrfurcht läßt für einige Momente die Anstrengung der Anfahrt und die noch vor uns liegende Distanz bis zum Genfer See - wir haben ja noch etliche Kilometer vor uns - komplett vergessen. Faszination pur.

Die eisgrotte des rhone-gletschers

Im Rhone-Gletscher Direkt im Eingang des Belvedere-Hotels liegt die "Zahlstation" für die Eisgrotte. Gegen eine Gebühr erhält man hier seine Eintrittskarte, um anschließend, ein Drehkreuz passierend, in den stahlblauen Tiefen des Gletschers zu verschwinden.

Ganz so idyllisch ist die Sache nicht. Über stark schwankende Holzbohlen, über notdürftig befestigte Trampelpfade, vorbei an einem "Gletscherarbeiter", welcher damit beschäftigt ist, diese Wege passierbar zu halten, führt der Weg hinein.

Unser bayrischer TÜV hätte wohl sämtliche Hände über dem Kopf zusammengeschlagen, wenn er sich diese Konstrutkionen näher betrachtet hätte. Unser erster Gedanke: "Bei dem Eintrittspreis hätten wir ja wohl etwas besseres verdient". Scheiß Anspruchsdenken. Aber wir bedenken dabei nicht, daß die stetigen Gletscherbewegungen den Stollen und die abenteuerliche "Gangway" massiv verschieben. Ein Handwerker ist regelmäßig damit beschäftigt, zu verhindern, daß die Brückenkonstruktion zusammenbricht.

Wissenswertes zur grotte

Im Rhone-Gletscher Seit über 160 Jahren ermöglichen die Grotten im Rhonegletscher jedem, mühelos in den Gletscher hineinzuspazieren. Die Grotte muß jedes Jahr neu herausgearbeitet werden. Durch eine Eisbewegung von ca. 30 bis 40 m jährlich in diesem Bereich (das sind ca. 10 cm am Tag), wird die Grotte im Winter gänzlich zerstört und ist somit im Frühjahr nicht mehr passierbar.

Bereits im Mai, während der Furka-Paß wegen bis zu 10m Schnee noch mit Wintersperre belegt ist, erscheint hier oben eine Mannschaft mittels Hubschrauber, um in mehreren Wochen harter Arbeit eine neue Grotte herauszuarbeiten. Elektriker, Mechaniker und ein Koch, welche durch einen Notstromgenerator mit Energie versorgt werden, sind für den neuen Ausbau verantwortlich. Gearbeitet wird in zwei Schichten, von 5:00 Uhr morgens bis 11:00 Uhr nachts. Nach gut einem Monat Arbeit, genau zur Aufhebung der Wintersperre Mitte Juni, ist die neue Grotte fertig und muß ab sofort "nur" noch erhalten werden. Somit steht dem Touri-Strom nichts mehr im Wege.

Das märchen vom ewigen Eis

Ausgang aus dem Rhone-Gletscher Gletscher werden auch als Regionen des ewigen Eises bezeichnet.

Bedingt durch die Gletscherwanderung, Nähr- und Abschmelzphasen, läßt sich leicht ableiten, daß das ewige Eis ca. 200 bis 300 Jahre alt ist. Vergleichbar zur Ewigkeit ist dieses Alter als relativ kurz einzustufen.

Im Inneren der Eisgrotte kann die Schichtung des Eises beobachtet werden.

Ähnlich wie die Jahresringe eines Baumstammes zeugen auch die im Gletscher aufeinanderliegenden Schichten von seinem Wachstum.

Die Eistemperatur des Rhone-Gletschers beträgt ca. 0° C. Selbst im Inneren der Grotte steigt die Temperatur in den Sommermonaten kaum über 5° C an.

(Also ist warme Motorrradkleidung auch im Sommer durchaus nicht fehl am Platz.)

Woher kommt eigentlich die blaue Farbe des Eises?

Die prachtvolle blaue Farbe der Eisgrotte wird durch zwei physikalische Eigenschaften verursacht. Es sind die wellenlängenabhängige Absorption und die Streuung des Lichtes. Die Intensität der roten Lichtkomponenten des Sonnenlichtes nimmt mit zunehmender Eisdicke rasch ab, wogegen die blauen Lichtkomponenten noch sehr intensiv bleiben. Ab einer gewissen Dicke bleiben somit fast nur noch die blauen Anteile des Spektralbereiches über — das Eis erscheint blau.

Die ideale Dicke für diese intensive Blaufärbung liegt bei 15 m Eis. Durch die schneefreie, relativ saubere Oberfläche des Rhone-Gletschers und seinem unverschmutzten Eis, gehört diese Grotte mit Sicherheit zu der schönsten aller Eisgrotten.

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Samnaun

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