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Sadistische Alpenüberquerung mit Winterfeeling

Die kunstvollen Masken von Venedig

(Red. Elke) Angenommen, Dir würde ein Chef befehlen, bei anhaltendem Regen und einstelligen Temperaturen mit dem Motorrad über die Alpen zu fahren. Würdest Du ihm nicht garantiert eine sadistische Ader unterstellen und ihm (vorsichtshalber nur im Geiste) einen Vogel zeigen? Aber nein. Die Temperaturen haben wir uns zwar nicht ausgesucht, trotzdem müssen wir sagen: wir wollen das so.

Eigentlich erachteten wir Ende Mai / Anfang Juni als fast zu spät, um in Albanien bei angenehmen Temperaturen Motorrad zu fahren – und nun das! In Deutschland haben wir Tagestemperaturen von 8 °C. Regen. Schneefall in den Mittelgebirgen. Aber wir müssen über den Brenner. Stimmt nicht ganz: wir wollen - und zwar in luftdurchlässigen Sommerklamotten. Immerhin ist in Albanien Sommer mit Temperaturen, die schon öfters mal über 30 °C liegen. In den Alpen empfängt uns kalter Regen, der Brenner spendiert uns 4 °C und Regen, aber in Bozen jubeln wir schließlich über die hervorspitzelnde Sonne und die wunderbar warmen 16 °C. Wow! Der Sommer!

Ankunft in Venedig
Venedig

Als wir laut Navi unser Ziel erreicht haben, betreten wir suchend eine Gasse. Irgendwo hier muss ein Bed-and-Breakfast sein, das wir per Mail gebucht haben. Auf der einfach gestrickten Website stehen zwar Bilder der Unterkunft, aber in den umliegenden Häusern können wir keine Ähnlichkeit mit den Fotos entdecken. Ein Bäcker kommt aus seiner Paneteria und fragt, ob er uns helfen könne. Er deutet uns, das Zimmer befände sich am Ende der Gasse, die nach wenigen Metern an einem blickdichten, großen Holztor endet. Es stehen keine Namen auf den zwei Klingeln, aber die Hausnummer ist die Richtige. Nachdem wir beide Klingeln betätigt haben, öffnet ein Mann mittleren Alters und führt uns in ein geräumiges Zimmer.

Erst später fällt uns die Anonymität dieses Hauses auf. Wir haben ein ordentliches Zimmer zu einem annehmbaren Preis bekommen, jedoch keinerlei Anmeldeformular ausgefüllt. Keine Ausweise abgegeben. Das haus befindet sich in einem abgeschlossenen Gelände, perfekt abgeriegelt von der wuseligen Stadt. So einen sicheren Parkplatz zu finden dürfte in Venedig schwerfallen. Wir fressen einen Besenstiel, wenn die Zimmer hier nicht schwarz vermietet würden.

Venedig

Auch wenn ich unterwegs zu erfrieren drohe, würde ich eins nicht mehr machen: mehr Klamotten mitnehmen, als ich bei wärmeren Temperaturen transportieren kann. Aber danach ist man immer schlauer! Denn es stellt sich mir in Venedig das Problem, dass ich mein Übergepäck wieder loswerden muss.

Am Brenner hatte ich mit Temperaturen von annähernd null Grad und Schnee gerechnet, deswegen ist eine große Thermosflasche und eine Heizweste im Gepäck (gestatten: FrFostsocke!). Die möchte ich nun per Post nach Hause bzw. in die Firma schicken, was ich mir definitiv zu einfach vorgestellt habe. So wie in Deutschland eben: rein in den Karton, zukleben, einen Anschriftaufkleber drauf, paar Euros zahlen und ab geht die Fuhre ... Denkste! Eins vergaß ich jedoch: die italienische Realität! Oder Mentalität? Oder beides?

Die ersten vorsichtigen Recherchen in Foren, was ein Paket von Italien nach Deutschland kostet, sind niederschmetternd. Über fünfzig Euro für ein Gewicht von zwei Kilogramm – spinn' ich denn? Die italienische Post-Website ist konfus. Ich finde nur Preise für die Express-Pakete und da komme ich immer noch auf über dreißig Euro. Unser Hauswirt hat uns einen Karton und eine Rolle Klebeband gegeben. Wir versuchen das einfach mal, dackeln auf die nächste Poststelle und schauen, was so ein Paket kostet. Zur Not schleppen wir die Sachen mit und verschenken die Thermosflasche in Albanien.

Venedig

Also los. Wir stiefeln durch den Regen zur nächsten Poststation. Und dort sehen wir: es lag nicht an der Sprache, warum unser Hauswirt nicht so richtig auf unsere Bitte ansprang, das Paket für uns wegzubringen. Der gesamte Geschäftsraum der Post ist voll mit Leuten, die sitzend oder stehend darauf warten, dass ihre Nummer aufgerufen wird. Okay, wir ziehen wie alle anderen an einem Automaten eine Nummer und wählen eine von vier Kategorien, in der Hoffnung, anschließend nicht zum Geldabheben aufgerufen zu werden.

Nach einer dreiviertel Stunde in der Poste-Italiano-Sauna ist es endlich soweit – wir dürfen an einen Schalter herantreten. Unser Schneckentempopaket kostet 21,99 Euro – das geht ja gerade noch – die Heizweste ist ein Vielfaches wert.

Wir füllen ein Formular aus. Wieso liegt das nicht schon irgendwo aus, damit man das schon mal vorbereiten kann? Das ginge wohl zu schnell ... Man muss den Inhalt angeben: ich schreibe in deutsch "Weste und Flasche". Die Postbeamtin fragt nun nach der italienischen Übersetzung. Ich pantomime ihr "Jacke" in das Formular. Die Flasche erspare ich mir, weil ich befürchte, dass sie mir nicht glaubt, dass ich eine Flasche für 21,99 Euro Versandkosten nach Hause schicken möchte.

Schließlich darf ich noch zwei weiße, handgerissene Blanko-Zettel mit Adresse und Absender füllen, die sie mit Klebeband auf das Paket pappt. "Sehr professionell!", bemerkt Jochen spöttisch. Aber das war's dann. Jetzt wollen wir nur noch hoffen, dass das Paket wohlbehalten in Germany ankommt. Die Poste Italiano kann sich viel Zeit lassen.

Venedig
Venedig
Venedig
Venedig

Wir strahlen, dass wir es endlich mal schaffen, Venedig anzuschauen. Aber der Himmel weint! Also stiefeln wir los. Im wahrsten Sinne, denn in unseren Leinenschuhen oder Trekkingsandalen würden wir nicht lang froh. Eine Viertelstunde fährt der Bus bis zur Piazza Roma, von dort aus müssen wir nur noch laufen, laufen, laufen. Durch kleine zwei bis drei Meter breite, kopfsteingepflasterte Gassen, inmitten alter, verfallener Gemäuer, über zahlreiche kleine, bogige Brückchen über Wasserkanäle, je nach Gusto aus Stein, Holz oder Metall.

Schade, dass es regnet. So ist das Gedränge zwar einerseits nicht so groß, andererseits durch die vielen Regenschirme aber anstrengend und mühsam. Die Venezianer, die hier leben, tun uns leid. Wann ist der Trubel wohl kleiner? Vielleicht im November und Dezember? Tagein, tagaus schieben sich tausende fremdsprachige Touris in unpassender Kleidung durch die Gassen. Gerade bei Regen: Schönheit geht vor angemessen. Lieber kalte Füße in winzigen, dünnen Ballerinas und nasse Hosen bis zu den Knien als wasserdichte, klobige Wanderschuhe.

Hunderte Souvenirläden bieten ihre Waren feil. Wenn die Besitzer der Läden asiatische Gesichtszüge haben, fragt man sich, ob die angebotenen Waren wirklich "Made in Venezia" sind. Die Gondelfahrt dauert zwanzig Minuten und kostet achtzig Euro. Ein Schnäppchen! Andere bieten dreißig Minuten für 28 Euro an. Das ist vermutlich der staatliche Tourismusverein, der nicht ganz so unbescheiden auftreten darf. Ein Kaffee am Markusplatz kostet lächerliche 16 Euro.

Canale Grande, Markusplatz, Rialtobrücke. Nach einigen Stunden sind wir wieder zurück an der Piazza Roma und suchen uns den richtigen Bus für die Rückfahrt. Wir ergattern einen Stehplatz und nach acht Stationen sind wir wieder draußen.

Dem Tourverlauf folgen:
weiter mit der Fähre von Venedig nach Igoumenitsa

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