www.bikerdream.de
Albanien

Startseite Motorradtouren Albanien Nordalbanische Alpen Fierze | Koman-Stausee

Fierze | Koman-Stausee und weiter geht's

Die wilde Valbona im Valbonatal
Beide Autofähren mit den typischen gelben Eisenkragen über der Auffahrtrampe 
                dümpeln an der Anlegestelle nebst Müllbergen im Wasser herum.

Nächster Morgen. Kurz nach acht Uhr sind wir wieder unterwegs und haben eine ziemliche Kurbelei vor uns. Soviel wissen wir. Erst mal wieder die Schotterpiste an der wild sprudelnden Valbonë entlang bis Bajram Curri (für diese insgesamt 23 Kilometer brauchen wir wieder eine dreiviertel Stunde), dann in zwei Stunden die 72 Kilometer auf der SH22 bis zur Straße Richtung Pukë.

Die Straße ist für albanische Verhältnisse sehr gut, etwa anderthalbspurig und windet sich mit den landschaftlichen Gegebenheiten die Hänge entlang. Der Verkehr hält sich in diesen knapp drei Stunden wie im gesamten Norden sehr in Grenzen: fünf Autos, zwei davon Touristenfahrzeuge.

Unterwegs machen wir noch einen kurzen Abstecher nach Fierzë. Hier ist gleich um die Ecke der Fähranleger der legendären Komanfähre, für viele Albanienreisende in den vergangenen Jahren ein Highlight.

Der angestaute Drin leuchtet aus den Tälern herauf.

Der Komansee wurde in der Gryka e Malgunit, der Schlucht von Malgun, in den 80er Jahren angestaut und windet sich 34 Kilometer lang wie ein norwegischer Fjord zwischen hohen Felswänden und himmelragenden Gipfeln durch die Alpen. Dabei kommt man durch eine sehr abgeschiedene, landschaftlich traumhafte Gegend, in die kaum Straßen führen.

Leider verkehrt die Autofähre nicht mehr, nur noch Personenschiffe, die morgens um 6:30 Uhr ablegen. Diese nehmen zwar, wie uns Catherine erzählte, auch schon mal Motorräder mit, aber es wäre ziemlich abenteuerlich, auf welche Weise das Motorrad auf das Schiff käme und wie es dort verstaut würde. Mit diesem Wissen im Gepäck überlegen wir einen ganzen Abend lang hin und her, ob wir es wagen und früh um fünf aufbrechen sollten. Wie aber kommt unser fahrbarer Untersatz auf das Schiff? Catherine meinte, eine Rampe gäbe es nicht und die Motorradbesitzer dürften nicht zimperlich sein, was Kratzer und eventuelle Beschädigungen anbetrifft ... Also entscheiden wir uns für die weniger abenteuerliche Variante und fahren nun eine Kurve nach der anderen. Jaja, Schisser! Weniger wegen der Kratzer, aber was ist, wenn das Umladen mißlingt? Eine BIG TURTLE auf Tauchstation?

Albanische strassen sind wie Wundertüten

Am Fähranleger legen also heute nur noch die Personenfähren ab. Aber wie es nun mal in Albanien ist: was nicht mehr gebraucht wird, bleibt dort, wo es zuletzt abgestellt wurde. Beide Autofähren mit den typischen gelben Eisenkragen über der Auffahrtrampe dümpeln an der Anlegestelle nebst Müllbergen im Wasser herum. Schade, im Jahr 2012 beschloss man die Fährtätigkeit einzustellen, wegen Unrentabilität. Die wenigen abenteuersüchtigen Motorrad- und Allradfahrer sind wohl nicht genug gewesen.

Nur ein paar kleine Straßenmängel ... ;-)
Da klafft ein Loch, aber was für eines!!

Gegen Mittag erreichen wir die auf der Karte als rote Hauptverbindung eingezeichnete Straße mit der Nummer SH5 nach Puke. Sie hat die gleiche Klasse wie die von Bajam Curri herunter. Kein Verkehr, viele Kurven, recht guter Straßenbelag... letzteres vielleicht gerade wegen dem nicht vorhandenen Verkehr?

Ab und zu ist der Straßenrand weggebrochen. Dann schütten die Albaner einfach größere Steinhaufen um die Löcher herum und malen die Randsteine weiß an. Einzeln in Reihe gelegte Steine bedeuten immer "Vorsicht".

An einer Stelle klafft mitten im Asphalt ein rund ein Meter großes Loch, eigentlich eher ein senkrechter Tunnel mit Verbindung zum Hang. Der gesamte Untergrund ist weggerutscht. Wieder ist das Ganze mit Steinen gesichert. Überall, auf der gesamten Strecke, liegt Steinschlag. Mal größere Brocken, aber meist sind es einfach Kiesel und Sand, die man bei der Kurvenfahrt einrechnen muss. Generell und überall. Nicht nur hier.

Albanische Straßen sind wie Wundertüten – man weiß nie, was man bekommt. Irgendwann biegen wir nach Süden auf die SH30 ab. Wir wissen, dass diese Straße asphaltiert ist, auf unserer Karte ist sie orange eingezeichnet. Aber mein Gott! Eine Piste könnte nicht holpriger sein. Abschnittsweise schaukeln wir in Schrittgeschwindigkeit von einem Loch zum nächsten. Das nennt wohl keiner mehr Straße. Es liegen auch keine nennenswerten Ortschaften an diesem Streckenabschnitt, nur ein kleines Kaff durchqueren wir im Querfeldeinmodus, aber hier möchte man nicht begraben liegen.

Zwischendurch gibt es immer wieder gute Abschnitte, auf denen fast normales Fahren möglich ist. Aber kaum hat man Fahrt aufgenommen, kommt eine zwanzig Zentimeter hoch aufgeworfene Bodenwelle und man haut die Bremse rein. Oder wir stehen beide bei einem tiefen Schlagloch auf den Rasten.

SH30 - Merken und meiden
Irgendwo an der SH30 - die Landschaft ist gigantisch, nur die Straße ist Sch... 
                äääh, in miserablem Zustand.
Hier windet sich die SH30 kurz vor der Küste durch die Berge. 
                Durchaus ein schönes Stück.

Merke: SH30 = asphaltierte Offroadpiste. Für diese 55 Kilometer bis Rrëshen brauchen wir wieder eine blamable Zeit von zwei Stunden. Mehr ist mit Gepäck und Sozia einfach nicht drin. Aber landschaftlich ist es ein Genuss. Wir kommen uns allerdings ziemlich einsam vor. Nur ab und zu sehen wir ein paar Anwesen in den umliegenden Hängen. Kaum zu glauben, dass hier Menschen leben – haben sie doch weit und breit keine Möglichkeit zum Einkaufen. Und wo sind hier Schulen? Wir befürchten, es gibt keine.

Während dieser zwei Stunden auf der SH30 besteht der Gegenverkehr aus einem einzigen Fahrzeug: einem Kieslaster und zwar punktgenau in einer steilen Kehre, als wir bergaufwärts fahren. Wir können ihn nicht kommen sehen und der Fahrer grinst freundlich-schadenfroh über mein lautes "Aaaaaahhhhhh!" als der Kipper quer vor uns steht und wir im Scheitelpunkt auf 20%iger Steigung stoppen müssen.

Von oben blicken wir schon seit Kilometern immer wieder auf ein graues Asphalttband, das sich wie ein Fremdkörper durch die braunen Berge schlängelt. Und ab und zu sehen wir sogar ein Auto darauf! Die wenigen Autobahnen wurden erst in den letzten Jahren gebaut, sie werden allerdings nur sehr spärlich benutzt. Schließlich treffen wir auf eine Autobahn, die aber gleich nach unserer Auffahrt keine mehr ist – hier geht die SH30 nahtlos in eine gepflegte Schnellstraße über.

Krujë im unwirklichen Abendlicht

Wir erreichen Krujë, das vom Abendlicht für einige wenige Minuten in ein unwirkliches Rotlicht getaucht wird. Unser Entschluß steht fest: hier bleiben wir zwei Nächte. Die Burg gibt es zu besichtigen, außerdem soll die Stadt eine reizvolle Umgebung besitzen.

Gleich nach dem Abpacken machen wir uns auf den Weg in die Stadt. Heute sind wir mutig. Wir essen Eis und zwar kein "Industrieeis" aus der Tiefkühltruhe, sondern loses Eis in einem Café. Später kaufen wir ein Kilo Kirschen. Und ich kann es mir nicht verkneifen, einige noch ungewaschen zu verputzen. Ich werd' schon sehen, wenn mir schlecht wird. (Ganz am Rande: wurde mir nicht!)

Hier zahlen wir vermutlich den Preis mit Touristenaufschlag. In Pogradec kostete das Kilo Kirschen 70 LEK. Das sind umgerechnet 0,50 Euro und ein Spottpreis für ein Kilo Kirschen. Hier will man nun 280 LEK haben, was natürlich immer noch angemessen ist. Derartige Schwankungen gibts überall.

Dem Tourverlauf folgen:
weiter mit Albanische Riviera | Krujë

Email Impressum Datenschutz Partner

links rechts Schließen X