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Shëngjin

Boomender Badeort Shengjin - beliebt in den Balkanländern

Einige Kilometer weiter: Eintritt in die Tiefebene bei Lezhë. Wo betten wir heute unser müdes Haupt? Wir ziehen unseren Reiseführer zu Rate, der nicht viel zu dieser Gegend zu berichten hat. Am Meer ist wohl am ehesten mit Übernachtungsmöglichkeiten zu rechnen. Wir fahren nach Shëngjin, das an einer weiten Bucht unweit des Drin-Flussdeltas liegt und ein bei den Albaner beliebter Badeort sein soll. Im Hinterland zieht sich das 561 Meter hohe Küstengebirge Mali i Rencit über mehrere Kilometer an der Küste entlang. Eingeklemmt zwischen Lagunen, Meer und den Hügeln ist Shëngjin nur von Süden her auf einer schmalen, aber schlechten Straße durch brettlebenes Gelände erreichbar.

Hotel in Shengjin

Irgendwo dahinten müsste also eine Lagune sein. Aber wir sind noch zu weit entfernt, um sie zu sehen. Und hineinfahren in das Lagunengebiet darf man unseres Wissens sowieso nicht. Also weiter mit der Hotelsuche

Shëngjin muss irgendwann eine verschlafene Hafenstadt gewesen sein. Bis geldgierige Investoren und Spekulanten das große Geschäft witterten. Wenn man früher bis zum Hafen gefahren ist, fuhr man an kleinen ein- bis zweistöckigen Häusern vorbei. Einige dieser Gebäude stehen da auch noch – eingeklemmt zwischen fünf- bis siebenstöckigen Hotels, die dicht an dicht in zwei Reihen am Strand stehen. Der breite Strand besteht aus schwarzem Sand und ist mit Liegen und Sonnenschirmen ausgestattet.

Der Ort boomt - auch in der Nacht

Es gibt also genug Hotels zur Auswahl – eigentlich könnten wir würfeln, in welchem Hotel wir nach einem Zimmer fragen. Also spült uns der Faktor Zufall in irgendeines der Hotels. Es hat fünf Stockwerke und keinen Lift, aber eine große Tiefgarage. Und das eine wiegt das andere auf. Nach Abpacken, Dusche und einem kühlen Getränk verlassen wir das Hotel auf der Suche nach einem Restaurant, aber außer einer Pizzeria und einem Fastfoodlokal finden wir nichts.

Die Urlaubssaison in Albanien ist kurz und heftig wie ein Strohfeuer: in den Monaten Juli und August steppt überall an der Riviera der Bär und ab September versinkt wieder alles in einen tiefen Dornröschenschlaf.

Es wird gebaut, gezimmert, gehämmert, als wenn die Urlaubssaison wieder mal 
                seeeehr überraschend käme ...

Mitte Juni ist deshalb überhaupt noch keine Saison, im ganzen Viertel wird noch gehämmert, gepflastert, gemauert, verputzt und geputzt, man rüstet sich hektisch auf den kommenden Ansturm. Der – wie es aussieht – jedes Jahr sehr unverhofft kommt.

Auch unser netter Hotelboss ist noch nicht ganz fertig. Erst ab nächste Woche eröffnet er das Hotel “La Ola” offiziell – wir sind seine ersten Gäste (nur wissen wir das nicht). Deshalb also die Handwerker, die noch in den Zimmer werkelten, Fernseher an die Wand schrauben (wollten) und erst bei unserer Ankunft abzogen. Unser Hotelboss bietet uns an, einen griechischen Salat zuzubereiten und uns eine frische Dorade zu braten. Als es nach der Bestellung etwas dauert, mutmaßen wir, dass der Koch wohl erst einkaufen gehen muß. Und als hätte er es gehört, kommt der Koch (war er nicht vorhin noch Handwerker?) gerade mit einer Gemüsetüte aus dem gegenüberliegenden Lebensmittellädchen. Als wir schließlich noch Rotwein bestellen, muß er leider noch mal losziehen ...

Wir geraten nach dem Essen ins Gespräch mit Sabit, wie sich unser Hotelboss vorstellt. Daß er Kosovoalbaner sei, erzählt er uns dabei, und dass er dieses Hotel komplett renoviert hätte. Stolz präsentiert er uns die verschiedenen Zimmer im Haus, wir machen einen Rundgang bis auf's Dach. Jedes Zimmer hat ein anderes farbliches Design, auf das Sabit sehr stolz ist. Wir zahlen pro Nacht fünfundzwanzig Euro. In der Hochsaison rechnet er pro Zimmer, das meistens mit drei bis vier Betten ausgestattet ist und eine kleine Küche hat, mit hundert Euro.

Wir sind uns nicht sicher, ob Sabit der Besitzer oder der Pächter ist. Als er erzählt, er rechne damit, in der kurzen zweimonatigen Saison seine gesamte Investition wieder hereinzubekommen, können wir es kaum glauben. Sein absolut größter Stolz ist die Dachterrasse. Hier oben, umzäunt von einem gerade mal oberschenkelhohen Geländer, mit Blick auf's weite Meer, will er eine Cocktailbar einrichten. Er beschrieb uns seine Phantasien in den schillerndsten Farben. Ob die albanischen Badegäste fünf Stockwerke nach oben steigen? Und sich nach dem dritten Drink über die Brüstung stürzen?

Abends findet trotz Vorsaison hundert Meter vom Hotel entfernt eine Freiluftdisco statt. Wir sehen die Videoleinwand und die Musik ist nicht zu überhören, als wir noch bei einem Glas Wein auf dem Balkon sitzen und uns mit den wegen der neuen (deutschen) Geschmacksrichtungen hocherfreuten Mücken herumschlagen. Boom. Boom. Boom. Brav: um 23 Uhr ist der Spuk vorüber. Vielleicht wegen mangelnder Kundschaft?

Die letzten Tropfen Wein können wir in himmlischer Ruhe genießen. Apropos Wein. „Solche Alkis!“ denkt sich der Hotelbesitzer garantiert! Wir hatten nur nach zwei Gläsern gefragt und da lässt er es sich nicht nehmen, eine Flasche Wein auf Kosten des Hauses zu spendieren und persönlich zu servieren. Dabei wird ihm nicht entgangen sein, dass schon eine Flasche auf dem Tisch steht. Und da am nächsten Morgen beide Flaschen leer sind ... Er kann ja nicht wissen, dass wir die zweite Flasche in eine Wasserflasche umgefüllt haben.

Dem Tourverlauf folgen:
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