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Von Krujë nach Berat

Verkaufsstand am Straßenrand
Kein Geld, aber Handy muß sein

Bis Berat sind es von Krujë aus zwischen 130 und 160 Kilometer, je nachdem welche Route man wählt. Das sitzen wir auf einer Backe ab. Die erste Hälfte geht flott. Schnellstraße, nichts Bemerkenswertes. Auch durch Durrës sind wir schnell durch. Die Straße führt am Meer vorbei, vom Wasser trennt uns nur eine Reihe Häuser – die meisten sind Hotels. Wenn wir, wie ursprünglich geplant, durch Tirana gefahren wären, hätten wir mit Garantie wesentlich länger gebraucht. Es gibt immer was zu sehen oder zu entdecken. Oder zu kaufen, an den Obstständen am Straßenrand.

Wir halten an einem solchen Verkaufsstand an, Kirschen müssen welche mit! Der Stand ist phantasievoll aus Latten, etwas Folie und grünen Netzen zusammengezimmert. Die Auswahl könnte in einem deutschen Supermarkt kaum besser sein. Die Möhren, die in Trauben an den Seiten des Standes hängen, werden aus einem Wasserschlauch bewässert. Der Schlauch ist einfach über den Möhren angebracht und die Möhren sehen knackig frisch aus. Aus welcher Hausleitung das Wasser wohl illegal abgezweigt wird? Die Verkäufer sind durch die Bank junge Männer, die sich manchmal auch selbst einen kleinen Sonnenschutz gebastelt haben, um nicht in der prallen Sonne stehen zu müssen. Überall stapeln sich alte Obstkisten, einer der jungen Verkäufer beschäftigt sich mit seinem Handy. Cool, Geld ist keines da, aber ein Handy muss sein.

Nach Durrës rennen uns wild gestikulierende Kinder in die Fahrbahn, die uns darauf hinweisen wollen, dass die Asphaltierarbeiten da vorne ein Durchkommen unmöglich machen. Danke, wir haben verstanden, sie deuten einen U-Turn an, aber ein Anwohner in Blaumann meint, der Feldweg rechts von uns wäre auch eine Alternative. Hmmm, nett gemeint, aber wir hätten wohl besser auf die Kinder gehört! Das ist vielleicht eine Scheißpiste! Aber irgendwann hat uns die richtige Straße wieder.

Wenn es etwas im Überfluss in Albanien gibt, dann sind es Tankstellen und Lavazh

Kurze Pause vor einer Lavazh. Wenn es etwas im Überfluss in Albanien gibt, dann sind es Tankstellen und Lavazh. Letzteres sind Waschanlagen für die heißgeliebten Mercedesse. Eine albanische Waschanlage besteht aus einem meist betonierten Platz, oft überbaut mit einem an zwei Seiten offenen Zelt, aber auch ein verlassener Rohbau kann schon mal als Lavazh herhalten. Am Waschplatz steht dann ein Dampfstrahler, mit dem die Fahrzeuge wie bei uns abgespült werden. Keine Ahnung, was diese Dienstleistung kostet. Vermutlich kein Vermögen, wenn man sieht, dass es grob geschätzt genau so viele Waschplätze wie Autos gibt. Bestimmt gilt in Albanien das Sprichwort: Wer sein Auto liebt, der wäscht. Das Auto hat in der albanischen Gesellschaft einen immens hohen Stellenwert. Ein Albaner hat zwei Lebensziele: nach außen hin eine gute Figur abzugeben und ein großes Auto zu kaufen, im günstigsten Fall natürlich einen Mercedes. Wahrscheinlich bedingt eins das andere.

Verrückt: den Müll schmeißt der Albaner an den Straßenrand, aber das Auto muss staubfrei sein. Als wir am ersten Tag unserer Tour in Ksamil ankommen, haben wir zwei große Flaschen Wasser gekauft und sie in unseren drei Liter Trinksack gefüllt, der als unterste Schicht in unserem Tankrucksack liegt. Die Verkäuferin schaut vollkommen verdattert drein, als ihr Jochen die zwei leeren Flaschen fünf Minuten nach dem Kauf wieder über den Tresen reicht: "Wieso kann der seinen Müll nicht selber wegwerfen?"

Diese Gegend riecht wie eine Tankstelle!
Zwei junge Moppedfahrer - oder wie bezeichnet man diese Transporteure?

Als wir nun Richtung Elbasan abbiegen bezweifeln wir unseren Entschluss, eine "gelbe" Abkürzung zu nehmen, denn die Straße wird schlecht, dicke LKWs vor uns bremsen den Verkehr und nehmen uns die Sicht. Staub. Hust. Keuch. Vielleicht hätten wir doch auf der Hauptverbindungsstrecke bleiben sollen?

Irgendwann überholen wir die LKWs und die Straße Richtung Elbasan hat uns wieder. Kurz darauf biegen wir in Richtung Berat ab. Auf dieser Route Richtung Kuçovë müssen wir wohl nochmal den falschen Abzweig erwischt haben, denn bald geht es auf einer staubigen Piste weiter. Zuerst bemerken wir nur den fehlenden Asphalt ... Naja, in Albanien überrascht uns bald nichts mehr. Also einfach weiterfahren. Nach etlichen Kilometern Staubpiste halten wir an einer Tankstelle, dessen Tankwart sehr enttäuscht ist, dass wir ihm kein Benzin abkaufen, sondern nur auf die Karte schauen wollen. Ein Kleinbusfahrer spricht gut englisch und zeigt uns, wo wir sind. Die Strecke ist auf unserer Straßenkarte weiß eingezeichnet – weiß ist gleich ungeteert. Ah ja. Dann mal weiter. Jetzt wissen wir wenigstens, wo wir sind.

Diese Gegend riecht wie eine Tankstelle!

Dieses Tal ist dem Geruch nach die größte Tankstelle des Landes. Nachdem wir einige Kilometer Land gewonnen haben (wenn auch staubiges), stellen wir unser Motorrad an den Straßenrand und schauen uns in der angrenzenden Wiese ein quietschendes Monster an. Es riecht nach Öl. Die leicht hügelige Landschaft ist mit alten, verrosteten Ölfördergestellen gespickt. Die meisten dieser Anlagen sind stillgelegt, aber nur zwanzig Meter von der Straße entfernt hebt und senkt sich eins dieser ölverkrusteten Monster im Zeitlupentempo in den Untergrund.

Qyteti stalin (Stalinstadt)

Kucovë hatte ab den 1920er Jahren eine florierende Ölindustrie und in den 50er Jahren wurde die Stadt in Qyteti Stalin (Stalinstadt) umbenannt, da die Sowjetunion die Ölförderung förderte und vorantrieb. Heute liegt das Ölaufkommen bei lächerlichen vierzig Tonnen im Jahr, die meisten Förderanlagen rosten in den Wiesen vor sich hin, die Stadt hat ein ökologisches Problem und ist entvölkert und heruntergekommen. Paradox ist, dass die Förderanlage ein langezogenes, gequältes Quietschen von sich gibt. Eigentlich müsste man doch annehmen, dass genug Öl zum Schmieren da ist?

Moto-Servis
Mechanikus bei der Arbeit

Laute Enduromaschinen knattern vorbei und ziehen eine lange Staubfahne hinter sich her. Wie jedes Jahr im Juni findet derzeit die Albanien-Ralley statt. Ein großes Grinsen überzieht die Gesichter der Fahrer und während sie grüßend die Hand heben, ahnt man ein klein wenig die Verwunderung, dass keine leichte Hardenduro, sondern eine dicke BMW am staubigen Straßenrand steht. Wir werden den teilnehmern der Ralley in dieser Gegend noch öfters begegnen. Vor den Häusern sitzt Jungvolk auf allem, was als Sitzgelegenheit herhalten kann. Die jungen Männer in Kucovë schauen uns hinterher, als kämen wir vom Mond. So sehen wir für sie vermutlich auch aus, in unseren Motorradklamotten!

Neben den kaffeetrinkenden Halbstarken stehen viele Moppeds und Mokicks, nur mit kleinen Kubikzahlen, aber man kommt von A nach B. Als an einer Wand neben einem dunklen Raum, der vermutlich mal eine Garage oder ein Geschäft war, mit blauer Farbe "Moto Servis" aufgesprüht ist, halten wir an und schauen neugierig rein, was die so fabrizieren. Es stehen einige Roller und Mokicks draußen und in der dunklen Werkstatt mit holprigem, öligen Boden werkeln vier Männer. Obwohl ... eigentlich werkelt nur einer, die anderen schauen nur zu. Unsere Verständigung ist rein pantomimisch, denn "Faleminderit", "Miropafshim" und "Ju lutem" auf der einen Seite und "Bayern München" sowie "Merkel" auf der anderen Seite reichen für eine ausgiebige Konversation nicht aus.

Berat
Herrlicher Panoramblick von unserer Dachterrasse

Berat zählt zu den ältesten Städten Albaniens. Einerseits gleicht sie Gjirokastër und ist doch ganz anders. Beide Städte haben gemeinsam, dass sie vor wenigen Jahren in die Liste der UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen wurden und ihre schiefergedeckten, osmanischen Wohnhäuser an steilen Berghängen übereinandergetürmt sind.

Drei alte, osmanische Stadtviertel, darunter das bekannteste namens Mangalemi, sind in Berat zu besichtigen sowie ein christliches, das als einziges auf der anderen Seite des Osum liegt. Hoch über der Stadt auf dem 187 Meter hohen Felsen thront die Burg – hier liegen die geschichtlichen Anfänge der Ansiedlung. Die Häuser der alten Viertel sind ein- bis zweistöckig und mit rechteckigem Grundriss. Das Wahrzeichen von Berat sind die vielen Fenster, weswegen sie auch „Stadt der tausend Fenster“ genannt wird. Berat war eine Handwerker- und Handelsstadt, was sie wiederum von Gjirokastër unterscheidet, das ein türkisches Verwaltungszentrum mit Großgrundbesitzern war. Die Häuser fallen entsprechend kleiner aus.

Älterer herr mit brille und Fahrrad kontra BMW

Heute ist der erste Tag mit Schmorfaktor. Über 30° Grad. Und zum ersten Mal während unserer Albanienfahrt geht uns ein Schlepper auf die Nerven. Schon als wir das erste Mal die Hauptstraße am Osum entlang fahren, springt ein älterer Herr mit Brille auf und verfolgt uns mit einem Fahrrad. (Ein alter Herr mit Fahrrad verfolgt eine BMW – schöner Gag!) Dreimal radelt er uns über den Weg und bietet uns sein Zimmer wie Sauerbier an. Langsam wird Jochen ungemütlich. Er gibt erst auf, als er sieht, dass wir anderweitig fündig werden ... Aber eins muß man ihm lassen, fit war er für sein Alter, frei nach dem Motto: Der alte Mann und die GS.

Im Zentrum von Berat

Auf einer Rampe gegenüber des Hotels Mangalemi sitzt eine Dame hinter einem Schild "Rent e Room" und wartet auf ortsfremde Fahrzeuge. Vermutlich fischt sie die Touristen ab, die nicht im Hotel Mangalemi unterkommen und spricht jeden Fremden an, der potentiell zimmersuchend die Augen schweifen lässt. Sie ruft ihren Sohn an, der deutsch spricht und dieser holt uns ab. Wir kochen schon in unseren Klamotten, aber es hilft nichts: wir müssen die steile, gepflasterte Gasse hinauf. Ein Stückchen noch mit dem Motorrad, dann geht es nur zu Fuss weiter. Die Gassen sind eng und nichts für Fahrzeuge.

Das Zimmer ist top! Wir haben eine riesige Dachterrasse mit Blick auf die Stadt und das türkische Viertel. Nun muss nur noch die BIG TURTLE zu einem versteckten Gassenparkplatz gebracht werden und das Gepäck nach oben. Dabei durchsteigen wir so viele Treppen, Häuser und Gassen, dass wir noch nicht sicher sind, die BIG TURTLE morgen wiederzufinden. Die Gasse zur Eingangstür des Hauses ist zwar steil und eng, aber Jochen meint, da wäre er ja locker raufgekommen. Unser Vermietersohn erzählt, dass diese weißen Mittelsteine in der Gasse sehr glatt seien und jeder Fahrversuch zur Rutschpartie geraten würde. Ein Schweizer Motorradfahrer hätte das auch schon mal probiert und dann in der 90°-Kurve sein Motorrad geschrottet...

Ein dicker Audi ...
Die Gasse, in der sich der Eingang unserer Unterkunft befindet

Hier in Berat wird ca. 80% des Inlandsverbrauchs an Weinen produziert und obwohl wir schon vorher Beratweine kauften, trinken wir hier das erste Mal einen wirklich guten Wein.

Man hatte uns ja vorgewarnt, dass Albanien keine Weinkultur hätte. Aber so richtig glauben wollten wir das nicht – bei der Nähe zu Griechenland echt nicht zu glauben! Wir mussten uns leider eines Besseren belehren lassen: Gestern mussten wir in Krujë eine halbe Flasche Rotwein wegschütten. Frank, du hast recht gehabt mit deiner Aussage, dass in Albanien Essig getrunken wird! Biertrinker sind in Albanien wesentlich besser dran: es gibt mehrere gute Biersorten.

Abends essen wir im Restaurant des Mangalemi-Hotels zum ersten Mal in Albanien das Hirtengericht Kokoreç. Seit Jahren ist das in all den Ländern, in denen dieses Gericht gekocht wird, unsere Pflichtübung. In Albanien ist Kokoreç ein Überbleibsel der ungeliebten osmanischen Besatzung (aber das darf man vermutlich nicht laut sagen, genausowenig wie man türkischen Kaffee in Griechenland „türkisch“ nennen darf). Kokoreç besteht zum großen Teil aus Schafsinnereien, die mit Darm umwickelt und gegrillt werden. Auch in Griechenland ist dieses Gericht bekannt, steht aber nicht mehr so selbstverständlich auf der Speisekarte wie in der Türkei und wie hier in Albanien. Die Geschmäcker sind verschieden, dieses Gericht hat schon einen sehr eigenen Geschmack, der nicht jedem angenehm ist. Im Umland von Berat soll es sogar eine Kneipe mit Igel auf der Speisekarte geben. Naja.

Die burg und die blöde Sache mit dem Schütteln
Byzantinische Kirche im Burggelände von Berat
In der Burg von Berat

Wir ahnten es! Schon wieder die blöde Sache mit dem Kopfschütteln ... Als wir über verwinkelte Gassen den Weg hinüber zur Burg suchen, weist uns eine nette Anwohnerin den Weg, ohne dass wir gefragt haben. Wenn Fremde durch die Gassen irren, werden sie wohl generell die Burg suchen. Sie deutet immer in die Gasse und schüttelt den Kopf. Beim dritten Kopfschütteln kapieren wir endlich: das ist der richtige Weg! Klar! Diese Kopfbewegung heißt hier doch JA!

Später geleiten uns zwei Schuljungs durch die Gassen. Klar, sie kennen ihren Schulweg aus dem Effeff. Vermutlich wohnen sie in der Burg. Auf jeden Fall sind sie fit. Sie streben bei 30° C mit viel Elan in Richtung Burgberg. Tja, wer das jeden Tag läuft und junge Beine hat. Nachdem der weitere Weg klar ist, verabschieden sie sich. Übrigens ohne darauf zu hoffen oder anzudeuten, dass sie ein Trinkgeld erwarten.

Das Burggelände hat riesige Ausmaße: es ist etwa 1000 Meter lang und 500 Meter breit und stellt ein eigenes Stadtviertel dar. Die malerischen Steinhäuser mit ihren dicken Mauern scheinen sich seit Jahrhunderten nicht verändert zu haben, in ihnen leben noch immer etwa 350 Familien. Die Anzahl von 350 aus unserem Reiseführer scheint uns jedoch etwas zu hoch gegriffen – vermutlich sollte es 350 Menschen heißen.

Venedig
Blick von der Burg auf die Universität von Berat

Im Eingangsbereich bieten einige Frauen ihre Handarbeiten an: gestickte und gestrickte Tischdecken, auch Blusen und Antiquitäten, es steckt viel Arbeit und Können in diesen Kunstwerken, doch sie sind leider nicht ganz unser Geschmack. Ein kleiner Minimarkt verkauft Getränke und Eis sowie ein Restaurant serviert albanische Küche (wie wir hörten, nur in kleiner Auswahl, dafür aber immer frisch).

Ein Video- und Fototeam pilgert gerade mit einer Hochzeitsgesellschaft durch die weitläufige Anlage und nutzt sie als Kulisse für Hochzeitsfotos. Das arme Brautpaar! Bei den Temperaturen stundenlang, er im Anzug, sie im Hochzeitskleid, posieren zu müssen: kein Zuckerschlecken! Die Bildausschnitte sind jedoch sorgfältig zu wählen, damit der allgegenwärtige Plastikmüll nicht die Romantik zerstört.

Im Hintergrund die Berge des Tomorr-Nationalparks (2416 m)
Telefon und Strom - alles vorhanden. Vielleicht legal ... vielleicht auch nicht.
Im Burggelände

Im hinteren Teil des Geländes steht eine große, überdachte Zisterne. Alles ist ungesichert, ein Fehltritt und man liegt in einem metertiefen Loch. Es stinkt gewaltig muffig, der Boden da unten ist mit Schlamm bedeckt. Und leider auch mit Müll. Im Inneren wispert es hochfrequent, vermutlich Fledermäuse. Wir laufen zurück zur begehbaren Burgmauer, wo sich jetzt auch das Brautpaar wieder phantasievoll vom Fotografen drapieren lässt. Auch hier sollte man genau schauen, wo man hintritt: es geht jäh in die Tiefe! Einige Meter unter uns leuchtet das rote Ziegeldächlein des kleinen byzantinischen Kirchleins Shen Todrit, das auf vielen Fotos von Berat vertreten ist. Auf der anderen Seite des Tales erheben sich die breiten, regelmäßigen Gebirgsfalten des Mali i Shpiragut, wie ein riesiger Plisseerock liegt er in der Landschaft. Im Westen erheben sich die Berge des Tomorr-Nationalparks bis auf 2416 Meter.

Ein wildes Gewirr von Kabeln durchzieht das Gelände. Es gibt also Telefon und auch Strom hier oben. Nur ob der Strom auch ganz legal hier ankommt, ist nicht sicher. Nicht hier und auch nicht im restlichen Land. Überall wird abgezweigt, was nur möglich ist. Von westeuropäischen Verhältnissen ist man noch weit entfernt. Wir machen begeben uns auf den Rückweg. Den Weg durch die verschlungenen Gassen finden wir dieses Mal alleine.

Jetzt haben wir den Salat: ab sofort kämpfen wir mit Temperaturen über 30° C. Sauna für Motorradfahrer. Aber es war abzusehen, wenn man sich die Durchschnittstemperaturen in Albanien für den Juni vorher angeschaut hat. Wir haben in den ersten zwei Wochen saumäßig Glück gehabt. Die bisherigen Temperaturen von 18° C bis maximal 25° C waren natürlich optimal. Deshalb werden wir nicht über die jetzt herrschenden Temperaturen klagen, sondern glücklich sein, dass es zwei Wochen lang perfekt war!

Unsere Gastgeber in Berat

Als wir abends nach dem Essen auf unserer Dachterrasse sitzen, schauen unsere Vermieter vorbei und wir laden sie anlässlich Jochens Geburtstag zu einem Glas Wein ein. Auch der Sohn und dessen Cousine gesellen sich zu uns. Nachdem sie erfahren haben, dass Jochen Geburtstag hat, werden Oliven, gefüllte Paprika und gefüllte Mini-Auberginen aufgetischt. Dabei sind wir ja schon so satt! Richtig schade, dass wir vorhin schon so viel gegessen haben. Außerdem spendieren sie den albanischen Raki Rrushi, der nichts mit dem Raki der Türken zu tun hat, sondern ein Traubenschnaps ähnlich dem Grappa ist.

Bis in die späte Nacht unterhalten wir uns in deutsch-englisch-albanischem Kauderwelsch. Es ist kaum vorstellbar: bis vor kurzem hatte Berat noch keine Straßennamen. Erst vor zwei Jahren wurden für jede Straße oder Gasse sieben Vorschläge gemacht und die Anwohner konnten für einen von ihnen abstimmen. So erklärt sich auch, warum unsere Gastgeber, als wir nach der Adresse unserer Unterkunft fragen, permanent eine Nummer und den Namen des Stadtteils nennen. Den Beratern (Beratern? Ha! Die Einwohner in Berat sind Berater!) gehen die neuen Straßennamen noch nicht über die Lippen. Hausnummer 13 im Stadtteil Shtatori schon eher – das ist die alte Adresse und die wurde uns erst mal genannt.

Eine Ampel mitten im Baum ...
Zahnarzt gefällig?
Kaffee gefällig?
Motorisierte Packesel

Soviel Alkohol war das doch gestern gar nicht?! … Wir verspüren noch Restalkohol, als wir uns zum Frühstücken auf unsere Dachterrasse niederlassen. Der Raki? Vermutlich - wir sind ja nix gewohnt. Na gut, genießen wir halt heute etwas ausgiebiger den gigantischen Ausblick auf den osmanischen Stadtteil Mangalemi sowie den christlichen Stadtteil Gorica und lassen das Motorrad stehen. Die beiden genannten Siedlungen werden durch den Fluss Osum getrennt, über den sich im Stadtgebiet drei Brücken spannen.

Bei einem ausgedehnten Rundgang durch die kleinen Läden der Hauptstraße erstehen wir unser Frühstück für morgen und lassen das geschäftige Treiben in Berats Hauptstraße auf uns wirken. Wir passieren die Fussgängerbrücke nach Gorica, dessen alte Häuser sich malerisch den Hang hinauf ziehen. An der anderen Brücke, auf der auch Autos diesen Stadtteil erreichen können, steht eine Ampel. Eine Ampel? Hier? Na fein, dann stehen die Chancen fifty-fifty, dass wir gestern, als wir nach einem Zimmer suchten, bei einer Rotphase drüber gefahren sind. Die Ampel ist so versteckt unter den herabhängenden Zweigen eines mächtigen Baumes aufgestellt, dass Auswärtige sie bestimmt öfters übersehen und wie wir - vielleicht - bei Rot fahren.

Der Osum zwängt sich fünfzig Kilometer flußabwärts durch eine Engstelle: den Osum-Canyon. Wie wäre es eigentlich zur Abwechslung mal mit einem anderen Verkehrsmittel als dem Motorrad? Bei der Hitze wäre doch ein Schlauchboot nicht schlecht?! Auf dem Osum werden Rafting-Touren angeboten und wir versuchen, eine zu buchen. Leider lässt sich das so kurzfristig nicht mehr organisieren. Außerdem führt der Osum nur noch wenig Wasser. Aber wer etwas früher im Jahr kommt und vielleicht einige Tage vorher buchen kann, dem ist ein Mordsgaudi garantiert.

Dem Tourverlauf folgen:
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