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Amalfitana

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Amalfi | Motorradtour an der Amalfitana

Blick von Ravello auf die Küstenlinie - kaum ein Motiv steht so für die Amalfiküste 
    wie dieses Foto mit der Pinie.
Foto: Andreas Wahra [CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

O sole mio! So begrüßt uns der Tag, nachdem wir uns erstmal kräftig die Augen gerieben haben. So wolkenverhangen wie sich der Vortag präsentiert hatte, so wolkenlos ist der heutige, was sich allerdings am späten Nachmittag schlagartig ändern sollte. Aber noch sind wir ahnungslos.

Unser Beschluss vom Vortag, bei bleibender Wetterlage Pompeji zu besichtigen, ist schnell zu Fall gebracht und wir starten nach dem Frühstück zu unserer Königstour entlang der göttlichen Küstenstraße. Den Kopf voll gepackt mit Beschreibungen dieses einzigartigen Stück Asphalts fahren wir nach Sorrent, um unseren halbvollen Tank zu füllen. Das ist sinnvoll, da es auf der gesamten Amalfitana keine Tankstellen gibt!.

Voller Euphorie hangeln wir uns dann über Sorrent auf der SS 145 bis nach Positano, dem Einstiegspunkt der Amalfitana. Erste Rast machen wir an einem Gemüsestand über den Dächern von Positano, direkt an einer Parkbucht. Häuser dicht an dicht, Zentimeter um Zentimeter tollkühn übereinandergestapelt, von Generationen ge- und benutzt. Rundkuppeln und Bogendächer, gemischt mit weißen Mauern und blauen Fensterläden drängen den Vergleich mit griechischen Bauweisen auf. Ein Multikulti-Stadtbild, anders als das bisherig gewohnte italienische.

Die sengende, straßenrandverbrennende Hitze heizt uns jetzt im Mai schon ganz schön ein und so setzen wir unsere Helme wieder auf und erkundeten den weiteren Weg. Einige Kilometer später zieht eine Miniaturlandschaft in einem tropfsteindurchzogenen Felsüberhang unsere Aufmerksamkeit auf sich. Augenscheinlich ist hier die Amalfitana in Kleinformat-Nachbau zu bestaunen. Kleine Häuser, Kirchen und sogar eine Pizzabäckerei mit dem dazugehörigen Pizzabäcker, sind hier mit Liebe zum Detail nachgestellt.

Amalfiküste
Foto: Matthias Kabel [CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

Am zehn Zentimeter breiten Randstreifen der gegenüberliegenden Seite, wenn man bei wenigen Zentimetern überhaupt von einem solchen sprechen kann, fallen die Felsen senkrecht in ein hellgrünes, gischtendes Meer ab. Parken mit dem Motorrad ist riskant, mit dem Auto jedoch echt gewagt. Trotz Schatten gebietet die schwüle Hitze eine baldige Weiterfahrt. Dem endlosen Band von aneinandergereihten Kurven folgend, führt uns der Weg, begleitet von einzigartigen Ausblicken, weiter nach Praiano.

Vorher unternehmen wir noch einen Abstecher in das Bergdorf Montepertuso, das als Besonderheit ein riesiges Loch in der Felswand hat. Dieses Phänomen gibt es angeblich in dieser geografischen Formation nur drei Mal auf dieser Welt. Kurz nach Praiano, dessen Stadtbild sich deutlich von denen Positanos und Amalfis abhebt, lädt uns die "Grotta Smeralda" zu einer weiteren Entdeckung ein. Wir verschieben den Besuch allerdings auf einen anderen Tag.

Straßenführung in kampanien / Amalfiküste
Foto: Matthias Kabel [CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

Kurve um Kurve arbeiten wir uns weiter voran. Manchmal blockieren rangierende Reisebusse, die aufgrund der Platzverhältnisse nicht aneinander vorbeikommen, die Straße. Im Süden Italiens heißt es als Verkehrsteilnehmer generell: Mitfahren. Was bedeutet: Lücken nutzen und vorbei.

Wer von Sorrent nach Positano und auf der Küstenstraße Amalfitana weiterfährt, landet auf halber Strecke unweigerlich in Amalfi. An die Ausläufer des Monti-Lattari-Gebirgszuges schmiegen sich Hunderte ineinander verschachtelte Häuser, sieben Kirchen und ein Dom. Auf engstem Platz leben hier sechstausend Menschen. Auf den Felsen thronen zwei mittelalterliche Klöster aus dem 13. Jahrhundert (Luna und Cappuccini), die allerdings schon vor Jahrzehnten zu Nobelherbergen umgebaut wurden.

Der Dom von Amalfi
Foto: Sudodana2048 [CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

Steht man auf der Dompiazza, fühlt man sich in den Orient versetzt. Nach einem Erdrutsch im Jahre 1861 stand nur noch der Kirchturm mit seinen majolikaverzierten Minarettkuppeln. Erbaut wurde der Dom Sant`Andrea im 11. Jahrhundert, jedoch ist er in den folgenden Jahrhunderten mehrmals umgebaut und erweitert worden. Nach dem Erdrutsch baute man den Dom orginalgetreu wieder auf. Hinter dem breiten Säulenatrium verbergen sich zwei Kirchen und ein Kreuzgang aus arabischen, normannischen und barocken Stilelementen: die Ursprungskirche Capella del Crocifisso aus dem 10. Jh., die dreischiffige Hauptkirche aus dem 11. Jahrhundert mit dem eindrucksvollen Bronzeportal und der Kreuzgang Chiostro del paradiso aus dem 13. Jahrhundert.

In diesem Kreuzgang war einst der Friedhof für die reiche Aristokratie Amalfis untergebracht. Im Dom befindet sich ein Museum mit religiösen Schätzen. An der Piazza Flavio Gioia, direkt am Hafen, befindet sich eine Statue des Flavio Gioia, der als Bürger Amalfis den Kompass erfunden haben soll. Doch diesen Erfinder hat es vermutlich niemals gegeben, doch auch Positano beansprucht ihn für sich. Ohne berühmte Einwohner ist der ganze Tourismus nix.

Fakt ist, dass der Kompass Ende des 10. Jahrhundert von den Chinesen erfunden wurde. Wahrscheinlich brachten amalfitanische Seeleute den Kompass nach Europa - aber erfunden haben sie ihn gewiß nicht. Geht man durch die Altstadtgassen, vorbei an unzähligen Boutiquen, Souvenirläden und kleinen Lebensmittel- und Obstgeschäften, sieht man unzählige enge Treppenwege und Gassen, die in die seitlichen Wohngebiete führen. In die Häuser geschlagene Tunnelgänge verbreiten eine besondere Atmosphäre, insbesondere dann, wenn sich dort noch kleine Läden befinden, die durch ihren süditalienischen Flair ihr Bestmögliches zu dieser Atmosphäre beitragen.

Scharfe Sachen: Chilli in Amalfi
Foto: Jorge Royan [CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

Im Mittelalter schwang sich Amalfi zu einer einflußreichen Größe auf. Amalfi gründete im Jahre 920 eine autonome Seerepublik - die damit die älteste in Italien ist. Mit ihren großen Handelsgaleeren brachten die amalfitanischen Kaufleute wertvolle Stoffe, Teppiche, Parfüm, Kaffee u.v.m. aus dem Orient in den nordwestlichen Mittelmeerraum. Man unterhielt eigene Schiffswerften. Noch heute sind am Hafen die alten Werfthallen der Seerepublik (Antichi Arsenali) zu sehen und zu besichtigen. 1343 vernichtete ein Seebeben einen Großteil der Häuser, der Werftanlagen und den Hafen. In den beiden übriggebliebenen Säulenhallen werden heute die Boote aufbewahrt, die bei der historischen 4-Städte-Regatta zum Einsatz kommen.

Kaum zu glauben, dass Amalfi zu Zeiten der Seerepublik ca. 50.000 Einwohner zählte (heute 6000!), die sich aber bei dem Seebeben um vermutlich die Hälfte dezimierten. Landeinwärts drängt sich die Bebauung Amalfis ins enge Mühlental (Valle dei Mulini) und verliert sich dort allmählich.

Nach dem Untergang der Seerepublik mußte man sich neue Erwerbszweige erschließen und lebte nun vermehrt von Fischfang, Handwerk und Goldschmiedekunst. Außerdem besann man sich auf die bei den Arabern erlernte Papierherstellung und baute an den Bergbächen des Mühlentals zahlreiche Papiermühlen. Im Valle dei Mulini befindet sich heute das Papiermuseum (Museo della carta) in den Räumen einer mittelalterlichen Papiermühle. Und in der Via Fiume arbeitet seit Jahrzehnten ein wahres Fossil der Papierherstellung, Antonio Cavaliere. Mit mittelalterlichen Gerätschaften stellt er in seiner Mühle handgeschöpftes Büttenpapier her. Und wenn man Glück hat, läßt er sich von Besuchern gern mal über die Schultern schauen.

Wanderung durch Ravello mit Blick auf die Küste
Foto: Sudodana2048 [CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

Kurz nach Amalfi treibt uns der Hunger weg von der Küstenstraße SS 163. Im Bergdorf Ravello finden wir einen Supermarkt, dessen Inhaber seine belegten Riesen-Sandwiches mit einer Dose Cola sieben Euro wert sind. Unser anschließender Versuch, einen Schattenplatz für die Einnahme dieses Mahls zu finden bleibt lange Zeit von Misserfolg gekrönt. Erst in Minori sollen wir im Stadtpark an der Hafenmole eine Möglichkeit finden. Wir lassen den Blick durch die Gegend schweifen und unser Blick fällt auf einige hinter uns auf der Amalfitana fahrende Motorräder. Motorräder haben auf der Amalfitana, jedenfalls bei unserem Besuch, einen Raritätswert.

Die weitere Fahrt führt uns über Cetara nach Vietri sul Mare. Ab Vietri sul Mare läßt die Einzigartigkeit der Amalfitana merklich nach, so dass wir uns dann die Weiterfahrt nach Salerno ersparen. Beim Genuss einer der vielzähligen Cappuccini in Vietri sul Mare bemerken wir die immer größer werdende, dunkelgraue Motorradfahrerwolke: Ein Gewitter zieht auf.

Jetzt lautet das Motto: Ohren anlegen und Schräglage optimieren. Kurve um Kurve freuen wir uns über das Kurvenverhalten unseres Motorrads. Kein Wackler, kein Rutscher. Wir schlängeln uns raubkatzenartig durch die Kurven. Bei Positano beobachten wir mit Besorgnis das immer näherkommende Gewitter hinter uns. Es verfolgt uns regelrecht. Nach Positano beobachten wir, wie der Ort hinter uns Stück für Stück von den Regenschwaden erfasst wird.

Das nahe Meer wird vom Sturm aufgepeitscht und Laub und kleine Äste fliegen durch die Gegend. Es ist wie in einem billigen Horrorfilm - ein Paar flieht mit schreckgeweiteten Augen vor dem undefinierbaren Etwas. Nach einer Felsecke beutelt uns unvermittelt der Sturm und der Regen setzt ein. Da wir durch ganz Sorrent müssen, bekommen wir noch kräftig was ab. Schutz suchend unter einer Brücke wie zehn weitere Rollerfahrer, versuchen wir dem Wolkenbruch zu entkommen. Nachdem der Regenguss seine Tätigkeit eingestellt hat, löst sich die illustre Versammlung durch Betätigung der E-Starter schlagartig auf und wir stehen mutterseelenalleine unter der Unterführung am Straßenrand. Gut durchfeuchtet kommen wir am Campingplatz an.

Dem Tourverlauf folgen:
weiter mit Die göttliche Küstenstraße

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