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Sorrent | Goldene Stadt am Golf von Neapel

Herkulaneum / Ercolano
Foto: Robbie Jim [CC-BY-SA-2.0], via Wikimedia Commons

Für Motorradausflüge rund um den Golf von Neapel ist Sorrent der ideale Stützpunkt. Sorrent liegt auf einem Tuffsteinplateau, das sich senkrecht 50 m tief ins Meer stürzt und von den Bergen des Monti Lattari gesäumt wird. Angesichts der paradiesischen Zitronenhaine, der herrschaftlichen Uferpalazzi aus dem 18. und 19. Jahrhundert und des dramatischen Küstenverlaufs vergißt man das unglaubliche Chaos der neapolitanischen Vorstädte schnell.

An der gegenüberliegenden Seite des Golfes ist der Vesuv allgegenwärtig. Zum Übernachten gibt natürlich eine Menge Hotels in atemberaubender Lage (aber natürlich kostet die Lage), aber genau so schön ist es auf einem der stadtnahen Campingplätze, die an der felsigen Steilküste kleben.

Nachdem wir aus Castellamare di Stabia kommend den letzten Bergrücken überwunden haben, tut sich uns ein herrliches Panorama auf. Wow! Welch ein Panorama! Allerdings wird uns auch sogleich bewußt, dass wir uns, um den Campingplatz am Ende von Sorrent zu erreichen, durch die zusammengewachsenen Städte Meta, Sant' Agnello und Sorrent kämpfen dürfen, begleitet von zahlreichen Autos und Rollern, die mit bis zu drei Personen besetzt sind. Aber mit Stadtplan oder Navi und einem gehörigen Quantum Kaltschnäuzigkeit angesichts des süditalienischen Verkehrschaos ist auch das kein Problem.

Herkulaneum / Ercolano
Foto: Hajotthu [CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

Wählt man Sorrent als Basissation für die Motorradtouren aus, so hat man viele Möglichkeiten: abendliche Spaziergänge durch die geschäftige Altstadt, Abkühlung in malerischen Felsbuchten, Touren ins Umland und Besuch von vielen Sehenswürdigkeiten im Golf von Neapel. Wir haben einen Bungalow auf einem Campingplatz an der Steilküste bezogen und starten von hier aus unsere Touren.

Die Altstadtgassen beleben sich abends ab zwanzig Uhr zusehends, wobei ein englisch-italienisches Sprachgewirr zu hören ist. Deutsche sind in der Nebensaison (noch?) die Minderheit.

Die Stadt wurde im 7. Jahrhundert v.Chr. von griechischen Kolonisatoren gegründet. Römer bauten die Stadt zur Militärkolonie Surrentum mit Stadtmauer, Forum und befestigten Stadttoren um. Ein kleiner Teil davon ist noch heute im Arco romano zu sehen. Entlang der Küste soll es prachtvolle Villen gegeben haben, auch Kaiser Augustus soll eine besessen haben. Zu sehen sind davon heute nur noch die Reste der Villa des Pollius Felix auf der Punta del Capo. So heißt die nordwestliche Felsspitze von Sorrent, sie ist von unserem Campingplatz aus in kurzer Zeit zu erreichen. Zwischen einigen Häusern hindurch führt eine gepflasterte, für Kfz gesperrte Gasse hinunter.

Kleine Wanderung zur Punta del Capo

Am schwarzen Felsufer - deutlich erkennbar der vulkanische Ursprung - befinden sich die Ruinen der altrömischen Villa des Pollius Felix. Sie ist das einzige Überbleibsel der antiken Küstenbebauung, die einst die Küste überzog. Hier findet man eine kreisrunde Bucht, dessen Meerzugang offensichtlich in die antike Architektur integriert wurde. Ein brückenartiger Teil scheint großteils gemauert zu sein, die Mauerreste entlang dieser Felsen lassen Bewunderung für die wagemutigen Baumeister aufkommen. Der Ort wird auch Bagno della regina Giovanna (Bad der Königin Johanna) genannt.

Laut der Sage hielt sich die neapolitanische Königin hier häufig auf, um in der kleinen, kreisrunden Bucht zu baden. Entlang dieser felsigen Küstenlinie setzen wir unseren Spaziergang über unwirtliche Felsen fort bis wir an einen hundert Meter langen Steg gelangen, der einen besonders felsigen Uferabschnitt überbrückt.

Dieser Steg entspricht ganz und gar nicht unserer Auffassung von einer sicheren Bauweise. Der Steg steht auf naturbelassenen, zehn Zentimeter dicken Stämmen, die, auf welche Weise auch immer, in den Felsblöcken darunter verankert wurden. Aber nachdem schon einige Italiener den Steg ohne körperliche Schäden benutzt hatten, setzen wir unseren Weg, wenn auch schwankend, fort. Hat man die Landzunge umrundet, taucht die kleine Fischersiedlung Marina di Puolo in der Ferne auf. Hier herrscht wieder eine ausgewogene Mischung aus Badebetrieb und Fischereialltag (die Hauptsaison ausgenommen).

Herkulaneum / Ercolano
Foto: Bahnfrend [CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

In der Altstadt von Sorrent herrscht am Abend ein geschäftiges Treiben. Der alte Fischereihafen Marina Grande hat es uns als Pendant zu dem Gewusel in der Altstadt ganz besonders angetan.

Sorrent besitzt zwei Häfen: den Fährhafen Marina Piccola und den Fischereihafen Marina Grande. Beide lassen sich nur über Serpentinenstraßen bzw. über Treppenwege erreichen. In Marina grande blüht noch nicht der Tourismus, sondern das italienische Flair bestimmt die Szene. Im Hafen liegen viele kleine Boote vor Anker, am gekiesten Strand baden Einheimische und auf der angrenzenden Uferstraße spielen Bambinis Fußball.

Fräulein Fliegengewicht parkt um

Eine steile Straße führt hinunter zum Hafenbereich, die allerdings im letzten Abschnitt gesperrt ist. Jedes Fahrzeug wird auf einen bewachten Parkplatz gelotst. Wir sollen das Motorrad in den Bereich für Roller in einer Firmeneinfahrt abstellen. Ein junges Fräulein (Lebendgewicht vielleicht 55 kg) macht uns in ihrer Eigenschaft als Parkwächterin verständlich, dass wir das Motorrad nicht abschließen sollen.

Wiiie bitte???? An einem Roller demonstriert uns Fräulein Fliegengewicht, wie sie bei Bedarf unser 250kg-Gefährt vom Ständer nimmt und wegschiebt ... Danke. Wir suchen uns eine andere Parkmöglichkeit.

Am hinteren Ende des Hafens befindet sich ein bagno (gebührenpflichtiger Strandabschnitt), Bretterstege führen ins Wasser. Der mittlere Strandabschnitt kann von der anspruchslosen Allgemeinheit zum Baden benutzt werden.

Eines Abends befinden wir uns gerade in Marina Grande, als die Fischkutter einlaufen. Zwei Kühlwagen stehen schon bereit, um den Fang aufzunehmen. Zum Teil werden die Fische bereits direkt an der Mole von den Fischern gekonnt zerteilt und an die Besatzung (wahrscheinlich als Abendessen für die Familie) verteilt.

Wir staunen nicht schlecht, als die ersten Fische aus dem Bauch des Schiffes ans Tageslicht gehievt werden. Fast ausnahmslos Schwertfische verschwinden im Inneren der Kühlwagen. Vier kräftige Männer müssen gewaltig zupacken, um die größten Kawenzmänner an Land zu heben.

Unser Campingplatz liegt ja an einem Steilhang und der Abstieg zur felsigen Badebucht ist schweißtreibend. Vergisst man etwas, heißt es acht Minuten lang hinauf zum Bungalow zu schnaufen! Abends um zwanzig Uhr wird das Tor zum Treppenweg geschlossen, damit keiner in der Dunkelheit den gefährlichen Weg benutzt. Beim ersten abendlichen Bad erschall plötzlich weit über uns ein andauerndes Rufen, denn an dem Schild stand 21:00 Uhr. Es dauerte ein wenig, bis wir begriffen: wir sollen hinaufsteigen. Okay, wir kommen ja schon, es dauert halt etwas ...

Dem Tourverlauf folgen:
weiter mit Punta Campanella | Monte Faito

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