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Vilnius | Užupis - Keep smiling, tu langsam ...

Wandschmuck in Uzupis
Vor der Ablösung Litauens von der Sowjetunion war Užupis ein ziemlich heruntergekommener Stadtteil.

Wir belegen ein großes Zimmer unter dem Dach und wandern wenig später nach Užupis, einem historischen Stadtteil von Vilnius. Wohl der bekannteste. Er wird an drei Seiten vom Fluss Vilnia umgeben. Bis zum zweiten Weltkrieg galt der Stadtteil als Jerusalem des Ostens, hier lebten fast nur Juden. Nachdem diese großteils ermordet wurden, standen viele Häuser leer.

Vor der Ablösung Litauens von der Sowjetunion war Užupis ein ziemlich heruntergekommener Stadtteil, in den meisten Häusern gab es keinen Strom, geschweige denn ausreichend sanitäre Anlagen. Nach der Unabhängigkeit wurden viele Häuser besetzt und Künstler verwirklichten sich in den billig erstandenen oder besetzten Immobilien.

Heute ist Užupis ist ein typisch osteuropäisches Altstadtviertel: mit schönen alten Häusern, manchmal renoviert, manchmal verfallen, mal von Künstlern bewohnt, mit schmucken Hinterhöfen und kleinen engen Gassen, mal von wohlhabenden Litauern aufgekauft, die eine schicke Galerie oder Boutique daraus machten. Aber von einem hochglanzpolierten In-Viertel ist Užupis noch weit entfernt, viele Hinterhöfe weisen noch den morbiden Charme jahrzehntelanger Vernachlässigung auf.

Viertel der armen, Viertel der Künstler
Wahrzeichen ist seit 1999 der bronzene Engel von Užupis, der am zentralen Platz aufgestellt wurde.
Užupis bedeutet „jenseits des Flusses”. „Jeder hat das Recht, beim Fluss Vilnia zu leben, und der Fluss Vilnia hat das Recht an jedem vorbei zu fließen” ist der erste von 41 Artikeln der Verfassung.

Die Berühmt-und Bekanntheit von Užupis beruht auf einem feuchtfröhlichen Abend, auf dessen Höhepunkt einige Künstler in der Kneipe Užupio Kavine beschlossen, hier, in diesem heruntergekommenen Stadtteil von Vilnius, die unabhängige Republik Užupis auszurufen. Was sie am 1. April 1997 dann auch taten. Als die Künstler die Unabhängige Republik proklamierten, wurde das Viertel schlagartig in der ganzen Welt berühmt. Romas Lileikis, ein bekannter Filmemacher und Musiker in Litauen, wurde zum Präsidenten ernannt, der er noch heute ist. Man trifft ihn ab und zu in seinem „Präsidentenpalast”, der oben genannten Užupio Kavine.

Užupis bedeutet „jenseits des Flusses”. „Jeder hat das Recht, beim Fluss Vilnia zu leben, und der Fluss Vilnia hat das Recht an jedem vorbei zu fließen” ist der erste von 41 Artikeln der Verfassung, die in 24 Sprachen an einer Hauswand angebracht sind. Hier hat laut Verfassung jeder das Recht, einzigartig zu sein. Und Artikel 21 berechtigt jeden, für seine Unbedeutsamkeit dankbar zu sein. Außer dem Präsidenten erfüllen ein Außenminister, ein Bischof und (zeitweise) eine Armee in zwölf Mann Stärke öffentliche Aufgaben. Die Armee wurde jedoch wieder abgeschafft, weil keiner Angst vor ihr hatte.

Uzupis

Aber Botschafter gibt es eine Menge: 92 werden derzeit auf der Homepage der Republik genannt – einer von ihnen ist der Dalai Lama, dieser war 2001 in Vilnius. Man entdeckte Gemeinsamkeiten, denn eine Regel des tibetischen Buddhismus lautet: „Jeder hat das Recht, glücklich zu sein.” Das entspricht Artikel 16 der Užupis-Verfassung. Nummer 17 gewährt zusätzlich das Recht, unglücklich zu sein. Die Botschafter sind in der ganzen Welt verstreut und residieren in den verschiedensten Botschaften der Welt. Auf der Užupis-Website sind alle aufgelistet. Einer gibt als Botschaft „alle öffentlichen Toiletten der Welt” an. Doch es wurden nicht nicht nur Botschafter für geografische Plätze ernannt. Auch Botschafter für Babysitting, für den guten Geschmack und für Überlebensangelegenheiten sind in der ganzen Welt tätig.

Vor der Kneipe Užupio Kavine - sozusagen dem Präsidentenpalast

Sogar eine Zeitung „Užupis Herald” geben sie heraus. Wenn man das Datum der Un­ab­hängig­keitserklärung sieht und die Verfassungsartikel liest, wird sehr schnell klar: Lebensfreude und Augenzwinkern sind die elementaren Grundbedürfnisse, gleich danach folgt „Feiern feiern”. Schließlich findet man immer einen Grund zum Feiern, wenn man will, das kennt man ja. Also kürte man auch eine Menge Feiertage. Um nur drei zu nennen: den „Tag des Windes”, den „Tag des Flusses” oder den „Tag des Fisches”.

An der Grenze zu Uzupis

Besonders staatstragend gefeiert wird natürlich am 1. April – an diesem Tag hat der Stadtteil sogar seine eigene Währung und wer ihn betreten will, braucht ein Visum. Aber die Bürokratie ist gering: die Wachposten auf der Brücke erteilen es.

Wahrzeichen ist seit 1999 der bronzene Engel von Užupis, der am zentralen Platz aufgestellt wurde. Eine Flagge wird gehisst, dessen Farben jedoch je nach Jahreszeit wechseln – mal grün, mal blau, mal rot oder gelb. Angeblich soll der Stadtteil mittlerweile zu einem der teuersten Wohnviertel von Vilnius aufgestiegen sein. Angesichts der doch oft noch maroden Bausubstanz kann man das allerdings kaum glauben.

Keep Smiling. Tu langsam ...
 Keep smiling, tu langsam, bleib unergründlich. Und pass auf, dass du mit dem Auto nicht in die Vilnia fällst ...

Die Grenze wird vom Ortsschild: „Uzupio Res publika” gekennzeichnet. Jede Blechtafel zieren vier Symbole – einen Smiley, ein Tempolimit von 20 km/h, die Mona Lisa und ein Symbol, bei dem ein Auto ins Wasser fällt. Damit wird jeder Besucher gemahnt: Keep smiling, tu langsam, bleib unergründlich. Und pass auf, dass du mit dem Auto nicht in die Vilnia fällst ...

Wir lassen den Abend in einem Restaurant in Užupis ausklingen. Das erste litauische Bier rinnt zischend durch die Kehle. Nachdem wir in verschiedenen Kanälen Lobeshymnen auf den „flüssigen Bernstein” gelesen und gehört hatten, mussten wir es testen ... Nicht schlecht, Herr Specht!

Zum Bier werden gern geröstete Brotstreifen mit einer gehörigen Portion Knoblauch geknabbert.

Die Litauer verstehen es, Bier zu brauen. Wie viele Brauereien es gibt? Keine Ahnung. Viele. Einige große Industriebrauereien und eine Menge kleinere, lokale Betriebe. In der Stadt Biržai im Norden des Landes existieren noch zahlreiche kleine Dorfbrauereien. Die Route zur (Bier)Stadt haben wir jedoch aus Zeitgründen vom Tourplan gestrichen.

Zum Bier werden gern geröstete Brotstreifen mit einer gehörigen Portion Knoblauch geknabbert. Die wären hier in Litauen sehr beliebt, schrieb unser Reiseführer. Also haben wir uns im Maxima solche Brotwürfel mitgenommen und testen sie später im Zimmer. Aber mit Knabbern is' nicht ... Man bräuchte schon einen Nussknacker, so knochenhart sind die Dinger! Angesichts meiner eh' schon angeschlagenen Kauleiste verschmähe ich die Betonwürfel und überlasse das betonähnliche Zeugs Jochen.

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