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Kurische Nehrung | Juodkrante - Ab in den Sandkasten

Kurische Nehrung - Blick auf das Haff und das litauische Festland

Schließlich liegt Klaipėda vor uns und von der Kurischen Nehrung trennt uns nur noch das 300 Meter breite Haff. Eigentlich hatten wir nicht geplant, heute noch bis auf die Nehrung zu fahren. Aber die Entfernungen sind nicht so riesig. Zumal es auf Mittsommernacht zugeht, verschiebt sich unser Tagesrhythmus merklich nach hinten. Es ist egal, ob wir schon um 17 Uhr ein Zimmer finden oder erst nach 19 Uhr. Wir lassen uns treiben und haben jede Zeit der Welt.

Die kurische Nehrung ist ein Phänomen: sie ist ein Sandstreifen, knapp hundert Kilometer lang und zwischen vierhundert Metern und vier Kilometern breit. Politisch ist sie zwischen der russischen Exklave Kaliningrad im Westen und Litauen im Osten aufgeteilt. Auf der einen Seite nach Süden erstreckt sich das Haff, auf der anderen Seite die Ostsee. Von Klaipėda aus fahren zwei verschiedene Fährlinien auf die kurische Nehrung, wobei nur eine von beiden auch Fahrzeuge mitnimmt.

Die kurische Nehrung ist ein Phänomen: sie ist ein Sandstreifen, knapp hundert Kilometer lang und zwischen vierhundert Metern und vier Kilometern breit.

Wieso baut man nicht einfach eine Brücke hinüber? Es sind doch nur 300 Meter Wasser bis zum Örtchen Smiltynė auf der Nehrung, in dem die Schiffe und Fähren anlegen. Vermutlich sind es politische Gründe, um die großen Besuchermassen fernzuhalten. Denn dies ist der einzige Zugang, abgesehen vom Nadelöhr der russischen Grenze zur Exklave Kaliningrad. Was aus Richtung Kaliningrad an internationalen Touristen reinkommt, lässt sich an einer Hand abzählen (für Russland benötigt man ein Visum, das erschwert internationalen Touristen die Sache erheblich). Und der Rest sind Russen. Diese werden zwar vermutlich als ehemalige Besatzer nicht so gern gesehen, doch die Russen kommen oft sehr zahlungskräftig, um nicht zu sagen protzig, daher. Sie sind leicht zu erkennen: aufgestylt, die Damen mit Highheels, das Röckchen handflächenbreit und die Herren mit dicken Uhren. Da rollt der Rubel ...

Die gesamte Sandinsel ist Nationalpark, auch der russische Teil, und gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe. Die Fährfahrt (Hin-und Rück) ist mit über elf Euro kein Schnäppchen und nach einigen Kilometern muss ein weiterer Obolus als Nationalparkeintritt bezahlt werden.

Die Anfahrt gelingt nur mit der Fähre über das hier 300 Meter breite Haff.

Die Fähre hat anscheinend nur auf uns gewartet. Kaum sind wir oben, tuckert sie los. Bezahlt wird unterwegs. Aber das „unterwegs” dauert nur wenige Minuten, dann spuckt sie uns mit den anderen Fahrzeugen in Smiltynė wieder an Land. Nach Ankunft in Smiltynė (bis 1945: Sandkrug) legen wir noch sechzehn Kilometer auf der einzigen Straße mit der Nummer P167 zurück. So ziemlich in der Mitte der Nehrung ist vom Meer oder vom Haff nichts zu sehen, aber schließlich wendet sich das Asphaltband dem Haffufer zu.

Ort mit 45 Kilometer langer Hauptstrasse
Nach Ankunft in Smiltynė (bis 1945: Sandkrug) legen wir noch sechzehn Kilometer auf der einzigen Straße mit der Nummer P167 zurück.

Ab und zu blinzeln die Reflexionen des Haffs zwischen den Bäumen hindurch, meist verhindert jedoch ein hundert Meter breiter Streifen Kiefernwald den Blick auf's Wasser.

Sämtliche Orte auf der Nehrung sind zu einem einzigen, künstlichen Verwaltungsgebilde zusammengefasst: Neringa heißt es. Neringa war der Sage nach die Riesin, die den Sand zum Schutz der Fischer vor der stürmischen Ostsee hier aufgeschüttet hat. Egal ob wir kurz nach Smiltynė durch den Kiefernwald cruisen, in Juodkrantė den Jachthafen passieren oder in Nida die Touristeninfo aufsuchen: immer rauscht unter uns die Hauptstraße Neringas hindurch. 45 Kilometer lang.

In Juodkrantė (bis 1945 Schwarzort) sticht uns 100 Meter vom Jachthafen entfernt eine alte, restaurierte Holzvilla aus dem 19. Jahrhundert ins Auge.
Holzhäuser wohin man sieht

In Juodkrantė (bis 1945 Schwarzort) sticht uns 100 Meter vom Jachthafen entfernt eine alte, restaurierte Holzvilla aus dem 19. Jahrhundert ins Auge. Sie beherbergt das Hotel „Vila Flora”, in dem wir uns einquartieren.

Nach dem Frühstück, bei dem wir aus verschiedenen Omeletts und gefüllten Pfannkuchen wählen können, steht Nida auf dem Programm. Oder Nidden, wie das Städtchen vor 1945 hieß. Ein nettes Sträßchen ist das hier. Fast ein richtig kleines Motorrad-Eldorado, wo es doch mal ein paar Kurven gibt und selbst Berge und Täler in der Streckenführung! Auch wenn die genannten Berge und Täler wohl gerade mal 20 Meter Höhenunterschied aufweisen – in den baltischen Staaten lernt man Bescheidenheit. Wo doch die höchsten Erhebungen kaum etwas mehr als 300 Meter messen.

Natürlich hatten wir gehofft, hier oder irgendwo im Baltikum auch einmal einen leibhaftigen Elch zu Gesicht zu bekommen, aber dazu lagen wir vermutlich zum einen am Morgen viel zu lange im Bett und/oder begaben uns am Abend nicht spät genug auf die Pirsch. Sei es wie es will, einen der acht Nehrungselche vor die Linse zu bekommen ist wohl genauso wahrscheinlich wie ein Ufo in den Dünen landen zu sehen.

Geissel der gewässer. Oder was?
Kormorane. Gefräßige Monster, die Geißel der Gewässer, Fischdiebe, schwarze Kampftaucher – in den Augen der Fischer. Schützenswerte Kreaturen – in den Augen der Naturliebhaber.
Es herrscht ein Geräuschteppich aus tausenden Kehlen, ein Krächzen und Krähen.

Nur einen Kilometer von Juodkrantė entfernt, in Richtung Nida, wo die Straße vom Haff weg und bergauf führt, halte man die Augen rechts. Verwundert reibt man sich die Augen. Wieso sind alle Bäume grau-weiß und nur noch Gerippe, sprich abgestorben? Es herrscht ein Geräuschteppich aus tausenden Kehlen, ein Krächzen und Krähen. Dann sieht man die Vögel ... große Vögel. Von einer Art, bei deren Namen jeder Fischer und Angler Hassgefühle entwickelt: Kormorane. Gefräßige Monster, die Geißel der Gewässer, Fischdiebe, schwarze Kampftaucher – in den Augen der Fischer. Schützenswerte Kreaturen – in den Augen der Naturliebhaber. Sie stehen zwar nicht unter Naturschutz, jedoch heißt das noch lange nicht, dass man sie schießen dürfte.

Mit Flügelspannweiten bis zu anderthalb Metern sind sie eine imposante Erscheinung. Sie nisten in den Baumkronen, weiter unten haben es sich auch noch Graureiher gemütlich gemacht. Den Pinien in der Kolonie macht der ätzend saure Kot der Vögel den Garaus, die meisten sind schon abgestorben. Der Kreislauf ist fatal: haben sie die Bäume zum Absterben gebracht, brechen die Äste und irgendwann der ganze Baum. Die Kormorane suchen sich einen besseren Nistbaum und der Kreislauf beginnt von vorn.

Mit Flügelspannweiten bis zu anderthalb Metern sind sie eine imposante Erscheinung.

Man braucht nur mal das Stichwort „Kormoran” in eine Suchmaschine einzugeben. Über acht Millionen Einträge, darunter neutrale Artikel mit der Frage „Plage oder Sündenbock?”, aber auch hitzige Hasstiraden von Fischern, die hochrechnen, wie viel Fang ihnen durch die Kormorane durch die Lappen gehen. Man ist hin-und hergerissen angesichts des schönen Vogels und den angegebenen Fischbeutezügen in Binnenseen, die angeblich leergefischt würden.

Ein einzelner Kormoran vertilgt pro Tag 400 Gramm Fisch – macht im Jahr drei Zentner. Bei 3500 Vögeln ergibt das eine stattliche Zahl von 500 Tonnen Fisch. Das Haff ist perfekt für ihre Tauchgänge, die bis in eine Tiefe von zehn Metern gehen können. Da das Haff hier jedoch nur drei bis vier Meter tief ist, können sie jede Ecke erreichen – und jeden Fisch. Kein Wunder, dass die Fischer die gänsegroßen „Wasserraben” hassen.

Unheimliche Gestalten
Eine kleine Wanderung führt uns am Spätnachmittag noch zum Hexenberg. Ein etwa anderthalb Kilometer langer Wanderweg schlängelt sich durch einen der ältesten Kiefernwälder bei Juodkrantė.

Eine kleine Wanderung führt uns am Spätnachmittag noch zum Hexenberg. Ein etwa anderthalb Kilometer langer Wanderweg schlängelt sich durch einen der ältesten Kiefernwälder bei Juodkrantė. Die bis zu 50 Meter hohen Kiefern sind eine Seltenheit in der Flora der Nehrung, denn die meisten Bäume auf der Nehrung wurden wesentlich später angepflanzt und sind deutlich kleiner.

Namensgebend für die Attraktion sind rund hundert Hexen-, Teufel-und andere geschnitzte Sagengestalten, die entlang des Weges kleineren Kindern den einen oder anderen Schreck einjagen können. Naja, für Familien mit Kindern ist der Rundgang bestimmt ganz spannend, die Figuren laden auch manchmal mit einem Augenzwinkern zum Klettern, Sitzen oder Irgendwie-Benutzen ein. Für Erwachsene ist es ein netter Spaziergang, aber mehr auch nicht.

Die Ostsee ... kühl und erfrischend, im Juni mit 14°C vielleicht ein wenig zu erfrischend.

Wer den Weg nicht als Rundweg nach Juodkrantė nimmt, sondern geradeaus „über den Berg” wandert, gelangt zu einem einsamen Ostseestrand, der für seine Sauberkeit ausgezeichnet wurde. Man muss aber wohl einwenden, sauber zu bleiben ist hier relativ einfach – bei den geringen Besucherzahlen, gemessen an der Attraktivität des Landstriches. Wenn man da an italienische Adria-Strände denkt und deren Handtuchdichte ... Die Strände der Ostsee sind hier das absolute Highlight! Wenn das Wasser derzeit auch noch nicht zum Baden einlädt: 13°C ist nur was für Hartgesottene! Selbst im Hochsommer erwärmt sich die Ostsee nicht auf mehr als 20°C.

Dem Tourverlauf folgen:
weiter mit Kurische Nehrung - Nida

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