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Kuldiga und das Superlativ Lettlands

Kuldīga ist eine der malerischsten Städtchen Lettlands.

Abermals verlassen wir nun die Küstenstraße im Westen Kurlands und biegen ab ins Landesinnere. Die Straße ist unspektakulär und nur die Storchennestern auf den Häusern sowie den Strommasten bieten etwas Abwechslung. Gegen Abend erreichen wir das Städtchen Kuldīga. Hier stellen wir nach einer eine Ewigkeit dauernden Irrfahrt durch Einbahnstraßen fest, dass uns wieder einmal die deutsche Korrektheit fürchterlich im Weg steht!

Als wir ein Zimmer gefunden haben, sollen wir hinter dem Haus im Hof parken. Aus unserer Richtung hindert uns jedoch ein kurzes Stück Einbahnstraße und ein Fahrverbotsschild an der Weiterfahrt, und was tun wir? Wir kurven mit zunehmender Verzweiflung durch die einbahngeregelte Altstadt, um den Hintereingang in der Parallelstraße zu finden. Erst nach zwei Ehrenrunden stehen wir endlich im Hof. Als wir danach die Hotelangestellte wieder treffen und ihr von der verzweifelten Suchaktion berichten, lacht sie und meint, alle Gäste führen ungeachtet der Einbahnregelung sowie des Verbotsschilds einfach vorne herein. Das würde keinen stören. Na super! Was sind wir doch doof! Doof und typisch deutsch.

Klein, putzig, alles zu Fuß erreichbar – so mögen wir das.

Kuldīga ist eine der malerischsten Städtchen Lettlands. Klein, putzig, alles zu Fuß erreichbar – so mögen wir das. Diese Stadt wurde von den Kreuzrittern des Schwertbrüderordens im 13. Jahrhundert gegründet. Die schnell aufstrebende Stadt schloss sich schon bald der Hanse an und war sogar Hauptstadt der Region Kurzeme (Kurland). Aber nur für 20 Jahre. Durch verschiedene Kriege und eine Pestepidemie schrumpfte die Stadt wieder zu einer bedeutungslosen Provinzstadt. Die Sowjets siedelten während der „Russifizierung” ziemlich viele Russen in die Region um, was jedoch während unseres Besuchs nicht ins Auge fällt.

Goldig, dieses Goldingen
Goldig, dieses Goldingen

Dass man in Kuldīga seit der Unabhängigkeit einiges für den Tourismus tut, ist unverkennbar. Als wir die Straße von unserem Hotel aus Richtung Rathausplatz hinunterlaufen, könnten wir genauso gut in einem alten Schwarz-Weiß-Schinken aus den 30ern mitwirken.

Die holzverkleideten Häuser aus dem 17. bis 19. Jahrhundert wären eine perfekte Kulisse. Noch nicht alle sind restauriert, aber gerade diese Mischung macht's. Wären diese alten Holzhäuser mit den schnuckeligen Läden nicht, könnte man sich in jeder anderen europäischen Stadt wähnen, denn die Straße wurde zur Fußgängerzone erklärt und ganz frisch gepflastert. Eigentlich wirkt das glatte Pflaster viel zu steril und makellos. Leider sind wir zu spät dran, die kleinen Läden und Boutiquen sind schon geschlossen. Schade.

Auch das alte Rathaus, ein fast schwarzes Holzhaus mit rotem Ziegeldach, erbaut im 17. Jahrhundert, würde ebenso super in den 30erJahre-Film passen wie viele andere Bauten der Altstadt. In Schwarz-Weiß abgelichtet – und keiner merkt, dass das Foto in der Neuzeit entstand. Das neue Rathaus, schräg gegenüber, passt überhaupt nicht hierher, es ist um einiges zu pompös und großspurig für den ansonsten so bescheidenen Ort.

Superlativ Lettlands
Mit 249 Metern ist er ein Superlativ Lettlands. Die 249 Meter sind dummerweise nicht die Höhe, sondern die Breite!
Über die Venta wurde 1874 eine der längsten Ziegelbrücken Europas gebaut.

Das besondere Schmuckstück von Kuldīga, das jahrhundertelang Goldingen hieß, ist der Wasserfall Ventas rumba (Windauer Rummel). Mit 249 Metern ist er ein Superlativ Europas. Die 249 Meter sind dummerweise nicht die Höhe, sondern die Breite! Der Fluss Venta stürzt sich über eine Gesteinsstufe zwischen 1,80 und 2 Metern in die Tiefe. Er ist der breiteste Wasserfall des europäischen Kontinents.

1874 wurde über die Venta unweit davon eine der längsten Ziegelbrücken Europas gebaut. Dass zwei Pferdekutschen sich auf der Brücke begegnen und aneinander vorbeifahren konnten, dokumentierte zu Erbauer-Zeiten den Wohlstand der Stadt. Dieser Brückenbau ist ein weiterer Rekord, nämlich die älteste mit Autos befahrbare Backsteinbrücke.

Die Neuauflage des Kriegsdramas „Die Brücke” wurde im Jahr 2008 komplett in Kuldīga gedreht. Jugendliche turnen den Saum des Wasserfalls entlang und nutzen den Fluss für ein erfrischendes Bad. Vermutlich sehr erfrischend, denn wenn die Ostsee derzeit nur 13 °C hat, dann hat so ein fließendes Gewässer bestimmt nicht so arg viel mehr.

In Pāvilosta steht an der Dzintaru iela ein schwarzer Fischkutter auf einer Wiese.

Und Action. Wir sind wieder auf Achse. Die Straße mit der Nummer P119 von Kuldīga Richtung Ostsee ist wellig und geflickt. Die letzten Kilometer bis Jūrkalne, wo wir auf die P111 abbiegen, ist etwas besser, aber diese Strecke ist vor allem eines: kurvig. Wow! Das kommt einen ein wenig wie ein Sechser im Lotto vor. Okay, vielleicht nicht wie ein Sechser, ein paar Kurven hatten wir ja schon, dann eben wie ein Dreier.

In Pāvilosta steht an der Dzintaru iela ein schwarzer Fischkutter auf einer Wiese. Das Boot wurde in der DDR vor rund 50 Jahren gebaut. Naja, ein Fischkutter auf dem Trockenen eben, nichts Besonderes. Knips und weiter.

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