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Litauen & Lettland & Estland | Baltikum

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Anreise

Auf der Fähre ins Baltikum laufen lustige Sicherheitsfilmchen im Fernsehen.

Haben wir womöglich vor unserer ersten Baltikum-Tour im vergangenen Jahr alles falsch gemacht? Hätten wir die Götter besänftigen sollen? Schließlich reisen wir in Heidengebiet. Die Einwohner des Baltikums, allen voran die Litauer, bezeichnen sich ja gern als die letzten Heiden Europas. Für alles zeichnen sie einen Gott verantwortlich, für das Brüllen von Ochsen, für die Haselnussernte, einen Gott für den ersten Kuchen aus einem Backofen, einen Gär-, Met- und Braugott, einen Schweinegott – die Liste ließe sich unendlich und unterhaltsam fortsetzen.

Auch einen Gott der Reisenden gibt es. Hätten wir ihm ein Opfer darbringen sollen, um ihn gnädig zu stimmen? Ein paar Flaschen litauischen Sekt auf einem geschotterten Weg auskippen? Eine Dose Memelsprotten an eine streunende Katze verfüttern? Irgendein Opfer dieser Art? Abergläubisch sind wir ja „eigentlich“ nicht. Eigentlich. Aber nun, da wir schon losgefahren sind, ist es zu spät. Alles klar, den Aberglauben lassen wir dann mal lieber zu Hause.

Shit, es schüttet. Aber Gott sei Dank ist vor dem Check-In ein Glasdach.

Also jetzt: Baltikumtour, die zweite. Dieses Mal muss es gelingen, etwas weiter als bis Litauen zu kommen. Es muss! Unsere letztjährige Pleiten-, Pech- und Pannentour – oh ja, wir erinnern uns gut: wie ich mit komplett abgebrochenem Backenzahn bei einem zahnärztlichen Notdienst in Neumünster stand und angesichts der angedrohten Wartezeit sowie dem vollen Wartezimmer entscheiden musste: Zahnarzt oder Fähre? Ich hatte Glück im Unglück und traf auf eine Sprechstundenhilfe, die einen fachkundigen Blick auf den Krater in meinem Mund warf: sieht aus wie wurzelbehandelt. Also Fähre.

Zwei Tage später cruisen wir entspannt an der Memel entlang und durchqueren anschließend Kaunas auf dem Weg nach Vilnius. In Kaunas vermiest uns ein lautes, hässliches Geräusch im Getriebe das Weiterfahren. Das war's für unsere „Big Turtle“ – aber nicht für unsere Baltikumtour. Mit einem Mietwagen setzten wir sie fort. Es gab noch einige weitere unheimliche Zwischenfälle und als auf der Heimfahrt in Deutschland noch ein weiterer Zahn Tschüss sagte, wähnten wir uns in einem Comic. Oder anders: als Darsteller in einem Film: „Truman Baltikum Show“. Keine Ahnung, irgendwo müssen die Kameras gewesen sein.

Wir wurden wiederholt von Menschen gefragt: wäre es nicht besser gewesen, ihr hättet den Getriebeschaden schon in Deutschland gehabt? Immer ernteten wir große Augen, wenn wir antworteten: „Nein! Auf keinen Fall!“ Dann wären wir hier in Deutschland liegengeblieben und das wär's gewesen. So konnten wir die Tour immerhin noch vierzehn Tage lang (wenn auch mit dem Mietwagen) fortsetzen. Die Schäden sind nun soweit beseitigt: unser Fortbewegungsmittel ist ein neues Motorrad, das jedoch ein Zwilling vom alten sein könnte. Gleiches Modell, sogar die Farbe stimmt. Wir gehen es noch einmal an und starten wie beim ersten Mal mit der Fähre ab Kiel.

Kiel begrüßt uns in diesem Jahr etwas feucht: es schüttet! Gestern noch 32 °C, heute Regen bei 20 °C. Auf der Fähre bugsieren sie uns als einzige Motorradfahrer (was uns etwas verwundert) in eine Lücke zwischen zwei LKW-Aufliegern. Kurzer Check, wie die Trailer gesichert sind. Mit Ketten, okay. Der Typ vom Deckpersonal weist uns anschließend einen Weg, an den Trailern vorbei zur Tür in die oberen Decks. Viel dicker hätten wir nicht sein dürfen, wir quetschen uns gerade so zwischen Bordwand und LKW-Trailern vorbei zur schweren Eisentür.

Auto und Hänger stellten wir wieder vierzig Kilometer vor Kiel ab. Wie letztes Jahr. „Weicheimodus“ würde so mancher sagen. Wegen des Motorradhängers. Doch in 24 Stunden knapp tausend Kilometer bis nach Kiel zu schrubben ist kein Pappenstiel. Durch Polen wollen wir auch nicht (möglichst wenig Zeit mit der Anreise verplempern) und so ist auch dieses Mal die Anreise mit Auto und Hänger die beste Variante. Und hätten wir letztes Jahr nicht den Hänger gekauft und wären damit nach Kiel gefahren, hätte unsere Tour schon in Bayern geendet. Denn nach zweihundert Kilometern Fahrt gab es ja dann dieses hässliche Geräusch. Schicksal.

Trocknungskarussell auf der Fähre

Das Check-In-Gebäude der DFDS in Kiel besitzt glücklicherweise ein kleines Glasdach neben dem Eingang. Unter dieses retten wir uns – denn es schüttet. Letztes Jahr standen hier biertrinkende LKW-Fahrer. Mit einem Litauer hatten wir ein angeregtes Gespräch über das Ende der Welt, seiner Welt, Litauen. Heute sehen wir nur wenige LKW-Fahrer, auch das Schauspiel, wie alte, aussortierte Mittelklassewagen auf Autotransporter gehievt werden, bekommen wir dieses Mal nicht geboten. Fast langweilig. Nur normale Reisende.

Dem Tourverlauf folgen:
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