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Ankunft in Klaipėda

Klaipeda hat wunderschöne Ecken - hier der Jachthafen mit dem markanten Hotel OLD MILL

Die Fährüberfahrt kommt uns dieses Mal ziemlich kurz vor, was aber auch daran liegen mag, dass die Fähre nicht um dreiundzwanzig Uhr, sondern schon um zwanzig Uhr ablegt und die Ankunftszeit sich dadurch in den späten Nachmittag fällt. Klaipėda empfängt uns mit leicht diesigem, aber trotzdem sonnigen Wetter bei 25 °C. Es sind einige Kilometer Fahrt bis in die Innenstadt. Im Diakoniehaus Sandora vermietet man einfache, saubere Ferienwohnungen, und das auch für eine Nacht. Die BMW findet im mit einem dicken Stahltor verschlossenen Hof einen sicheren Abstellplatz. Mit dem Preis für die Übernachtung, die eigentlich eine Spende ist, wird im gleichen Haus eine Suppenküche für bedürftige Einwohner Klaipėdas betrieben.

Klaipeda zieren markante Bauten, die Geschichten erzählen könnten

Angesichts des rundbuckeligen Pflasters in der Altstadt Klaipėdas würden wir jedem Besucher zu bequemen Bergschuhen oder zumindest festen Tretern raten. Nichtsdestotrotz empfinden die charmanten Litauerinnen hier Plateausandalen, Highheels oder Flip-Flops als passendes Schuhwerk. Bewundernswert, aber ich könnt‘s nicht!

Auch sind viele Passanten für mein Verständnis ganz schön leicht gekleidet. Wegen des Winds, der doch relativ zuverlässig weht, wäre es mir zu kalt für kurzen Rock und ärmelloses Shirt. Die Litauer scheinen für „warm“ sowie die Jahreszeit „Sommer“ eine andere Maßeinheit als unsereins zu besitzen.

Klaipeda zieren markante Bauten, die Geschichten erzählen könnten

Schon nach kurzer Zeit unterscheiden wir die Litauer nur am Outfit vom Touristenvolk: die Litauerin trägt kurze Röcke, Hotpants und elegante Schuhe, hat sich zum Schutz gegen den Wind maximal ein leichtes Tüchlein um die Schultern gewunden, während der Tourist bzw. die Touristin (gibt es überhaupt eine weibliche Form?) in langen Hosen, festen (meist weniger eleganten) Schuhen und Windblousons daherkommt. In Zip-Hosen und Funktionsbekleidung komme ich mir da manchmal ein bisschen wie Aschenputtel inmitten lauter kleiner Prinzessinnen vor. Aber während einer Motorradtour darf man nicht eitel sein.

Witzige Pflanzgefäße

Das Pflaster in der Altstadt besteht aus runden, kindskopfgroßen Steinen, das sind keine eckigen, einigermaßen plan gehauene Pflastersteine, wie wir sie kennen, sondern verschiedenfarbige Riesenkiesel mit gewölbter Oberfläche. Fahrradfahrer holpern schicksalsergeben über dieses schüttere Pflaster und dicke SUVs fahren demütig Schritt. Vermutlich kann man die Gassen Klaipėdas nur mit SUVs einigermaßen gemütlich durchqueren. Im Schritttempo wohlgemerkt.

Urige Kneipen in versteckten Höfen

Die Altstadt von Klaipėda ist ein kleines, ungeschliffenes Juwel. Unweit der Börsenbrücke, direkt hinter unserer Unterkunft im Diakoniehaus ankert in der Dane (deutsch Dange) der Segler „Meridianas”, der zum Restaurantschiff umgebaut wurde. Unter vollen Segeln ein eindrucksvolles Bild. Die schönsten Häuser verstecken sich in kleinen Straßen und Gassen, die mit dem erwähnten Hubbelpflaster aufwarten. Dazwischen urige Häuser, die die Geschichte förmlich ausdünsten. Wir erreichen eine kleine Passage, eigentlich einen Innenhof. Weiß getünchte Wände zwischen blau gestrichenem Fachwerk. Hier, in einer kleinen Kneipe inmitten alter Fachwerkhäuser bestellen wir jeder zwei Vorspeisen. Und lachen uns halb scheckig, als Jochens erste Vorspeise kommt, in englisch stand auf der Karte OLD FINGERS. Man serviert ihm fünf Stück mit Käse gefüllte Hefeteigwurstfinger, doppelt so dick wie eine Bockwurst, also riesig, paniert und frittiert.

Šaltibarščiai  (gesprochen: Schaltibarschtschäi), eine kalte Joghurtsuppe, und dazu gut gewürzte, heiße Kartöffelchen - lecker!

Für mich gibt es Šaltibarščiai (gesprochen: Schaltibarschtschäi), eine kalte Joghurtsuppe, und dazu gut gewürzte, heiße Kartöffelchen, später noch Blynai, Kartoffelpuffer. Auch hier hätte eine Vorspeise gereicht. Aber weiß man das?

Šaltibarščiai ist ein verblüffendes Gericht. Letztes Jahr behauptete ich felsenfest, dass ich keine kalte Suppe mag. Da ich mich nicht mit meinen eigenen Argumenten schlagen lassen wollte, nämlich dass man etwas gekostet haben muss, bevor man behaupten kann, dass es nicht schmeckt, hatte ich mir eine bestellt. Und siehe da: lecker, sehr lecker! Vor allem in Kombination mit den heißen Kartoffeln, die extra serviert werden. Ohne diese wäre die Suppe nichts, aber mit ... ein Gedicht! Vermutlich wegen der versteckten Lage wird die Kneipe fast ausschließlich von jungen Litauern besucht, Touristen sind keine in Sicht. Uns zählen wir natürlich nicht mit. Wir sind Reisende, keine Touristen. Obwohl ... auf Tour sind wir ja – sind wir dann auch Touristen?

Am Fluss hinter dem Haus stehen einige Bänke. Aber genau auf der letzten, nur wenige Meter von unserem vergitterten Erdgeschossfenster entfernt, sitzen ab Mitternacht vier russischsprachige Männer und palavern in einer schlafraubenden Lautstärke! Müssen die sich genau die Bank unter unserem Fenster aussuchen? Meine Russischkenntnisse reichen leider nicht, um dem Gespräch folgen zu können. Fenster zu und gut is‘.

Dem Tourverlauf folgen:
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