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Fahrt nach Roja | Kurland – unsere große Liebe

Die Straßen von Kurland sind meistens gerade. Oder kann man bei einem Kurvenradius von einem Kilometer schon von Kurve sprechen?

Die Straße aus Jūrmala heraus zieht sich erst ziemlich, immer wieder Kreisverkehre, dazwischen gerade Strecke. Dann sind wir raus aus dem bewohnten Gebiet. Neben der Straße dichter Laubwald. Manchmal auch kurze Abschnitte nur Birken. Nach einigen Kilometern taucht neben uns ein flacher Süßwassersee auf. Um uns herum ist jetzt Düne. Da jedoch alles mit Kiefern, Heidelbeersträuchern und Büschen bewachsen ist, ist sie für uns nicht als eine solche erkennbar. Wir dachten immer, als Dünen bezeichnet man nur diese nackten Sandberge. Aber weit gefehlt: man unterscheidet verschiedene Entwicklungsabschnitte einer Düne und eine davon ist das Stadium, wenn sie von diversen Pflanzen besiedelt ist. Hinter dem schätzungsweise fünfzig Meter breiten Dünengürtel plätschert die Ostsee. Aber von hier aus sieht man sie nicht, höchstens als blaue Fläche auf dem Navi.

Die Straßen von Kurland sind meistens gerade. Oder kann man bei einem Kurvenradius von einem Kilometer schon von Kurve sprechen?

Die Wälder hier sind generell lichte Kiefernwälder, auch ein Indiz für Dünen. Baltische Wälder kommen generell ohne Gestrüpp, Sträucher und anderen bremsenden Bewuchs aus. Man kann sich frei in ihnen bewegen. Und keine Ahnung warum: die ersten drei Meter der Kiefernstämme leuchten graubraun, dann weiter oben sind sie hellbraun, als schiene die Abendsonne darauf. Einmal parkt ein Auto am Straßenrand, gewiss, weil der Fahrer entweder auf Heidelbeer- oder Pilzsuche ist. Das ist ja die große Leidenschaft der Letten, auch wenn der Erfolg ihrer Suche nicht immer für den Eigenbedarf bestimmt ist, sondern auf dem Markt landet. Es ist nur legitim, sich das monatliche Einkommen ein wenig aufzubessern. Kurland (Kurzeme), insbesondere diese Ecke von Kurland ist nicht gerade dicht besiedelt. Wir sind meistens alleine auf der Straße.

Auf einem Streckenabschnitt bis Mersrags ist der Asphaltbelag bucklig, hucklig, eine Prüfung fürs Fahrwerk. Jedoch nur wenige Kilometer. Die Straße von Rīga zum Kap Kolkasrags (Nummer P131) ist erst seit wenigen Jahren geteert, bis 2011 war das hier eine staubige, in der Gesamtheit wellige, meist kerzengerade Schotterpiste. Altertümliche Holzstrommasten begleiten den Straßenverlauf.Ganz oft weist ein Schild in den Wald Richtung Ostsee. Weiße Schrift auf blauem Grund ... Das heißt bestimmt „Zum Strand“ oder so. Aber nichts genaues weiß man nicht. Wer baden will, wird auf jeden Fall hier öfters Gelegenheit dazu bekommen, wenn er einfach von der kerzengeraden Straße runter fährt.

Roja – mit blauem Schwein am Strand
Hotel Roja

Schließlich erreichen wir Roja. Diesen kleinen Ort mit gut 2500 Einwohnern kennen wir schon von der letzten Tour. Irgendwo hier wird es schon ein Zimmer für uns geben. Am liebsten hätten wir zwar wieder einige Kilometer weiter in dem einfachen Guesthouse von Dzeneta am Kap Kolka genächtigt, aber ihre zwei Zimmer sind leider schon belegt.

Roja ist eigentlich ein etwas größeres Fischerdorf, hat eine reiche Fischereitradition und besaß sogar eine Schifffahrtsschule, dessen Schüler später als Kapitäne auf den Weltmeeren unterwegs waren. Alles dreht sich um das Thema Fisch. An der Einmündung des Flusses Roja befindet sich ein kleiner Hafen mit einer angeschlossenen Werft. Das Hotel Roja liegt zentral und ein Zimmer haben sie auch. Das Zimmer passt, hier bleiben wir. Zwar hat man dauernd den Türknauf lose in der Hand, was uns auf die Dauer unendlich nervt, aber ansonsten kann man für den Preis von fünfundvierzig Euro für‘s Zimmer nicht meckern.

Blaues Schwein am leeren Strand von Roja

Wir rödeln ab, parken das Motorrad hinter‘m Haus, sogar in Sichtweite unserer Zimmerfenster. Wir schauen zwar immer noch, dass unser fahrbarer Untersatz einigermaßen sicher und nicht unbedingt von der Straße einsehbar steht, aber ob hier wirklich was wegkäme? Eigentlich fühlen wir uns sicher. Aber schließlich werden potentielle Diebe sich uns vorher nicht auffällig zeigen: „Schaut her, wir sind böse und würden gerne euer Mopped klauen!“ – von daher: der Teufel ist ein Eichhörnchen. Wir ergreifen überall die gleichen Vorsichtmaßnahmen, egal in welchem Land. Trotzdem sind wir der Meinung, dass an den touristischen Hotspots in Spanien, Frankreich oder Italien die Gefahr eines Motorraddiebstahls um ein Vielfaches höher ist als hier in dieser einsamen, touristisch relativ unerschlossenen Region.

Idyllisch und wenig Besucher. So lieben wir die Ostsee in Kurland.

Unser Zimmer ist nur zweihundert Meter vom Meer entfernt. Raus aus den Motorradklamotten und rein in die erfrischende Ostsee. Huiii, erfrischend ist das richtige Wort. 17 °C, das haben wir später bei einer Wetterstation nachgesehen. Das Wasser schmeckt gar nicht so salzig wie man es von Salzwasser gewohnt ist. Der Salzgehalt der Ostsee wird umso geringer, je weiter in den Osten oder Norden (Finnland/Schweden) sie vordringt. Die Nordsee hat noch 3,5%, die Ostsee in Schleswig-Holstein dagegen nur 1,8 %. Und vor Tallinn schmeckt man nur noch 0,5% Salzgehalt.

Idyllisch und wenig Besucher. So lieben wir die Ostsee in Kurland.

Der Strand ist breit und feinsandig. Alle zwanzig Meter ein, zwei Menschlein. Wir haben unsere Badelatschen mitgebracht – es gibt nichts Schlimmeres, als auf spitzen Steinen herum zu balancieren. Braucht es aber nicht. Der Sand ist auch im Wasser ganz weich. Keine Steine wie an den Küsten Estlands. Die Schuhe sind nutzlos. Kann uns jemand verraten, warum am Strand von Roja ein brusthohes, blaues Schwein steht? Keine Ahnung. Vielleicht ist das der Grund? Dass man über den Zweck rätseln kann?

Die Besatzung unseres kleinen Hotels mit Restaurant mutet wie eine Truppe Arbeiter im Lehrlingsalter an, die man zum Führen eines Hotels zwangsverpflichtet hat. Entschuldigung, dass wir gerne etwas essen möchten! Sorry, dass ich beim Frühstück nach der fehlenden Butter frage. Ich mag einfach keine Kräuterbutter unter der Marmelade.

Dem Tourverlauf folgen:
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