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Kap Kolka | Stürmisches Kap von Kurland

Eine von vielen Straßen, die nicht geteert sind.

Am nächsten Morgen begeben wir uns entspannt auf die nächste Tagestour. Die Straße nach Kolka ist gerade und meist auch von guter Qualität. Holzstrommasten surren an uns vorbei. Immer wieder führen Stichstraßen zu kleinen Weilern, die über geschotterte, festgewalzte Straßen erreichbar sind, dahinter kabbelt die Ostsee. Ungefähr zwanzig Kilometer vor Kolka dann eine kleine lettische Abwechslung: das Schild „Kurvige Strecke”! Endlich wieder mal ein klein wenig Schräglage. Yiiipiiiieh! Durch den Ort Kolka müssen wir ganz durch, auch die Tankstelle brauchen wir nicht. So viele gibt es in dieser Ecke zwar nicht, aber seit Rīga haben wir ja auch erst so um die 160 Kilometer zurückgelegt.

Strand der zwei Meere. Hier treffen die Wellen der Ostsee (das große Meer) machtvoll mit denen der Rīgaer Bucht (das kleine Meer) zusammen.

Die Einheimischen nennen das Meer an der windigen Landspitze Kap Kolka „Strand der zwei Meere”. Hier treffen die Wellen der Ostsee (das große Meer) machtvoll mit denen der Rīgaer Bucht (das kleine Meer) zusammen. Manchmal ist das Wasser auf der einen Seite spiegelglatt, während auf der Seite der offenen Ostsee kräftige Winde die Wellen peitschen. Baden ist am Kap strengstens untersagt, denn die Strömungen sind unberechenbar und lebensgefährlich.

Das Kap ist heute noch wesentlich aufgewühlter als bei unserem Besuch letztes Jahr. Der Wind weht nur auf der Ostseeseite. Auf der der Rīgaer Bucht zugewandten Seite ist es fast windstill. Die Wellen klatschen am Ende der Sandbank zusammen. Sie rollen nicht an den Strand, sondern treffen sich in der Mitte, türmen sich aneinander auf und spritzen schäumend auseinander. Das letzte Mal, abends um 21 Uhr, waren wir hier bei heftigem Wind mit einem Angler alleine. Heute wandern noch ein halbes Dutzend weitere Besucher über den flachen Ausläufer einer Sandbank, für lettische Verhältnissesind das vielleicht Menschenmassen, für deutsche eher beruhigend wenige.

Kap Kolka | Kolkasrags

Weit draußen im Meer ist gerade noch so ein Leuchtturm zu erkennen. Bis dorthin zieht sich eine unterseeische Sandbank, die von den Strömungen geformt wird. Gebaut wurde der Leuchtturm Ende des 19. Jahrhunderts ursprünglich in fünf Kilometern Entfernung. Die kraftvollen Wettereinflüsse tragen jedoch das Land dazwischen immer weiter ab, so dass der Leuchtturm heute sechs Kilometer vor dem Kap liegt. Auch die Reste des alten, im 16. Jahrhundert erbauten Leuchtturms auf der Landmasse des Kaps werden vom Meer und den Winden gefressen, heute befinden sich die letzten kaum noch als Mauern erkennbaren Reste direkt an der Wasserlinie.

In einiger Entfernung zum Wasser wurde ein Denkmal aus drei tonnenschweren Steinen errichtet, die ein schulterbreites Tor bilden. Einige Quellen besagen, dass diese Steine an „Die vom Meer genommenen” erinnern; andere, sie wären den Liven gewidmet, den finno-ugrischen Ureinwohnern der baltischen Küste, die als fast ausgestorben gelten.

Genau hingucken: Hier treffen sich in der Mitte zwei Meere!

Wir waren erstaunt, als wir die Fotos später sahen, wie duster das doch aussah. Ganz so bedrohlich hatten wir die Wolken gar nicht empfunden. Aber als wir wieder zum Motorrad zurücklaufen, hangeln wir uns unter den Kiefern entlang, die uns etwas Schutz vor dem einsetzenden Platzregen bieten. Der Kiosk am Parkplatz verkauft uns zwei Kaffees und gewährt uns Schutz unter seinem Vordach. Obwohl wir wesentlich länger als eine Stunde hier parkten, berechnet man uns trotzdem nur eine Stunde. Sicher zählt die erzwungene Regenpause nicht als Parkzeit. Als wir uns gerade wieder auf den Weg machen, biegt einer Sechsergruppe finnische Motorradfahrer auf den Parkplatz ein. Alle grüßen und winken.

Da das Kap wie eine Zipfelmütze in die Ostsee ragt, haben wir jetzt den höchsten Punkt passiert und wenden uns nach Südwesten. Die Straße ist insgesamt recht gut, bis auf kurze Teilstücke, auf denen man ein kummergewöhntes Fahrwerk benötigt. Und auch hier heißt es: alle paar Kilometer eine Kurve oder besser: ein Kürvchen. Das ganze Gebiet am Kap hat man zum Slītere-Nationalpark zusammengefasst, der 1921 als Naturreservat gegründet wurde. Nach 1991 wurde der Park in drei Zonen geteilt: eine Sperrzone, in der die Natur absolut sich selbst überlassen bleibt, eine Zone für wissenschaftliche Forschung und eine zur wirtschaftlichen Nutzung. Zu Sowjetzeiten war das auch hier alles Militärgebiet, selbst die Letten aus dem Inland hatten nur mit einer amtlichen Erlaubnis Zutritt.

Dem Tourverlauf folgen:
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