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Irbene | Geisterdorf mit Teleskop

In Irbene haben russische Offiziere, Wissenschaftler und Militärbedienstete sowie deren Familien gewohnt. Es gab eine Poststelle, einen Kindergarten und eine Schule.

Etwa fünfzig Kilometer nach Kap Kolka entfernt verspüren wir wieder einmal Lust auf einen „Lost place“. Das Geisterdorf Irbene. Die geheimnisvollen Radioteleskope, die größte Abhörstation der Russen im Land. Wir kennen sie schon, aber das Ganze taugt locker für einen zweiten Besuch, so spannend ist es. Außerdem waren wir letztes Jahr um genau einen Tag zu früh dran. Denn als wir ankamen, lag die weit ausladende Antennenschüssel neben dem massiven Fuß. Ein Kran stand schon bereit, um die restaurierte Schüssel am Tag darauf wieder auf den Fuß zu heben.

In Irbene haben russische Offiziere, Wissenschaftler und Militärbedienstete sowie deren Familien gewohnt. Es gab eine Poststelle, einen Kindergarten und eine Schule.

Hier haben während des kalten Kriegs Hunderte Menschen gewohnt, russische Offiziere, Wissenschaftler und Militärbedienstete sowie deren Familien. Es gab eine Poststelle, einen Kindergarten und eine Schule. Und heute: dunkle, leere Fensterhöhlen in ruinenhaften Wohnblöcken. Alles Betonplattenbauten. Wenn man genau hinschaut: die Fassaden sind mit weißen Mosaikplatten verkleidet. Die einzelnen Betonelemente wirken wie ein Baukasten aus meiner Kinderzeit. Alles ist verwüstet. Keine Fensterrahmen mehr und die Tapeten hängen in Fetzen von den Wänden. Überall liegen Bretter, Trümmer, aber nichts, was irgendeinem Menschen noch nützen könnte. Gestrüpp, Bäume, ungebremstes Wachstum im Umfeld. In einem umzäunten Areal wird eine fensterlose Autokarosserie und ein Tisch langsam vom Unkraut zugewuchert.

Inmitten einer sandigen, wüstenähnlichen Region – bestimmt ist das hier wieder alles Dünengebiet – reckt sich eine riesige Schüssel in den Himmel.

Nun geht es noch einige hundert Meter auf Schotter weiter in den Wald hinein. Man kann irgendwie gar nicht glauben, dass es hier ein Teleskop geben soll. Doch dann taucht es auf. Inmitten einer sandigen, wüstenähnlichen Region – bestimmt ist das hier wieder alles Dünengebiet – reckt sich eine riesige Schüssel in den Himmel. Gerade als wir dort stehen, fängt die Schüssel an sich zu drehen. Sie richtet sich neu aus und schwenkt in einer atemberaubenden Geschwindigkeit um 180° in die entgegengesetzte Himmelsrichtung. Die ganze Aktion dauert nur vierzig Sekunden. Das hätten wir nicht erwartet. Dass sich dieses monströse Teil so behände drehen kann, ist echt erstaunlich.

Auch wenn das Gestell noch etwas rostig aussieht - das Radioteleskop funktioniert einwandfrei.

Irbene war ein strikt von der Außenwelt abgeschottetes, militärisches Zentrum, das bis 1993 in keinen Karten zu sehen war. Es hatte höchste Geheimhaltungsstufe und hieß in Armeekreisen „Zvaigznīte” – zu deutsch Sternchen. In dem Spionagezentrum mit drei Radioteleskopen (8, 16 und 32 Meter im Durchmesser) wurden vom russischen Militär seit 1967 Telefon und Rundfunk der NATO-Länder abgehört. Das sind natürlich alles Vermutungen, denn die russischen Militärs geben ungern Auskunft über ihre Tätigkeit. 1994, nach der lettischen Unabhängigkeit, wurde das Zentrum von den Russen verlassen, vorher drinnen aber noch zerstört, was zu zerstören war. Die Elektromotoren übergossen sie mit Säure, jagten Nägel in die Installationen und zersäbelten möglichst viele Kabel. Nichts sollte den Letten mehr nützlich sein. Oder auf den bisherigen Verwendungszweck Hinweise geben können.

Das kleinste Teleskop mit acht Metern Durchmesser bauten die Russen damals noch ab. Zum Glück zerstörten sie die anderen beiden Antennenschüsseln nicht vollkommen, was allerdings nur den Protesten einer lettischen Initiative zu verdanken war. Mit einer restaurierten Anlage wird nun das ferne Weltall erforscht. In der Universität Ventspils, die diese Station verwaltet, lässt sich nach Voranmeldung eine Führung vereinbaren.

Dem Tourverlauf folgen:
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