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Kuldiga | eine goldige Stadt

Das alte Rathaus von Kuldiga. In Schwarz-weiss und mit entsprechenden Statisten davor könnte man sich hier in einem Kostümfilm wähnen.

Die letzte Teiletappe führt uns nach Kuldiga. Die Straße dorthin ist äußerst unspektakulär. Sie folgt der Venta, leider nicht deren Windungen. Sie ist geflickt, buckelig und die Fahrbahnmarkierungen sind verblasst bis nicht mehr vorhanden. Verwilderte Wiesen, bewirtschaftete Felder und vereinzelt einige Häuser grenzen an unsere Route. In den Niederungen wuchert überall im Land Riesenbärenklau. Das ist diese mannshohe Pflanze, deren Saft schwere Verbrennungen hervorruft, wenn sie mit der menschlichen Haut in Berührung kommt und diese gleichzeitig von der Sonne bestrahlt wird. In allen drei baltischen Ländern sehen wir das Teufelszeug immer wieder mit Grausen.

Richtige Ortschaften bekommen wir nur sehr selten zu Gesicht. Dafür öfters ein paar Störche, die in ihren zentnerschweren Nestern sitzen oder in Formation über die Wiesen turnen. Wie an der Küste Möwen den Fischerbooten folgen, sind die Störche hier hinter den Landmaschinen her. Vielleicht hätten wir die Straße jenseits der Venta nehmen sollen? Aber auch die führt durch absolut die gleiche Landschaft, einziger Unterschied ist, dass ein ganzes Teilstück noch nicht geteert ist. Dazu kommt derzeit ein sehr häßlicher Seitenwind. Er drückt uns heftig zur Fahrbahnmitte und dröhnt derart im Helm, so dass ich mir wieder mal Ohropax-Stöpsel herbeiwünsche.

Natürlich ist auch hier nicht alles ansehnlich, renoviert und gut erhalten. Alt und bestens restauriert steht neben alt und fast abbruchreif.

Gegen Abend erreichen wir Kuldīga. Es ist eine der malerischsten Städtchen Lettlands. Die Kleinstadt ist irgendwie schnuckelig. Zwar gibt es auch hier ein paar heruntergewirtschaftete Betonwohnblöcke, die üblichen Randsiedlungen solcher Städte eben. Aber der Stadtkern ist adrett. Man könnte glauben, aus Versehen einen Zeitschalter umgelegt zu haben. Natürlich ist auch hier nicht alles ansehnlich, renoviert und gut erhalten. Nein, das sind nur einige Gebäude. Der überwiegende Teil der holzverkleideten Häuser aus dem siebzehnten bis neunzehnten Jahrhundert hätte dringend eine Sanierung nötig und meist nicht nur ein äußerliches Make Up. Einige stehen auch leer. Viele Häuser sind holzverkleidet und gerade das Holz ist natürlich pflegeaufwändig.

Schilderwald in Kuldiga Das besondere Schmuckstück Kuldīgas ist der Wasserfall Ventas rumba.

Das alte Rathaus, ein fast schwarzes Holzhaus mit ockergelben Fensterläden und Dachabschlüssen sowie mit rotem Ziegeldach, erbaut im siebzehnten Jahrhundert, würde super in einen 30er-Jahre-Film passen.

Das besondere Schmuckstück Kuldīgas ist der Wasserfall Ventas rumba (Windauer Rummel). Mit 249 Metern ist er ein Superlativ Lettlands. Die 249 Meter sind jedoch dummerweise nicht die Höhe, sondern die Breite. Der Fluss Venta stürzt sich über eine etwa zwei Meter hohe Gesteinsstufe in die Tiefe. Er ist der breiteste Wasserfall des europäischen Kontinents, immerhin. 1874 wurde über die Venta unweit davon eine der längsten Ziegelbrücken Europas gebaut.

Dieses Mal beziehen wir ein Zimmer in einem Hotel direkt am Hauptplatz und fragen, wohin wir die BMW stellen sollen. Direkt neben dem Haus wäre ein Durchgang, dort wäre der beste und sicherste Platz. Der Zugang zu dem Durchgang besteht aus einem Holztor, das so ziemlich genau lenkerbreit ist. Gerade noch, dass die BMW – ohne Koffer – hindurchgeht. Wir essen in einer einfachen Kneipe. Sogar mit Bedienung. Verflixt, woran erkennen wir, ob bedient wird oder wir an den Tresen müssen? Während wir essen, betritt eine ältere Dame die Gaststube, setzt sich, bestellt eine Kleinigkeit zu trinken und vor allem: einen Schnaps. Nach zehn Minuten ist sie wieder weg. Das gleiche Spiel wiederholt sich einige Minuten später mit einer anderen Dame. Sind das hier alles heimliche Trinker? Allgemein ist ja bekannt, das die Einwohner der nordischen Länder dem Alkohol sehr zugeneigt sind. Nicht ganz ohne Grund ist wohl der Konsum von alkoholischen Getränken in der Öffentlichkeit und auch der Verkauf so reguliert. Fragt sich, ist das eine Folge der Russifizierung? Die Russen lieben ja, wie allgemein bekannt ist, ihren Wodka über alles. Oder trinken die Bewohner dieser Länder im allgemeinen einfach gerne?

Dem Tourverlauf folgen:
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