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Herrenhaus Aa und die Burgruine Toolse

Herrenhaus Aa - klingt komisch, aber der Ort heißt Aa, ehrlich! Herrenhaus Aa - klingt komisch, aber der Ort heißt Aa, ehrlich!

Diese nordöstliche Ecke ist ruhig und außer zweier Touristen mit Wohnmobil gibt es keine weiteren Verkehrsteilnehmer. Irgendwo hier müssen sich Elche in den Wäldern verstecken. Gerne hätten wir einen gesehen. Bisher mussten wir mit dem Verkehrsschild „Warnung vor dem Elch“ Vorlieb nehmen.

Als nächstes gelangen wir nach Aa. Dass wir uns wirklich in Aa befinden, macht uns eigentlich nur unser Navi begreiflich, denn das Ortseingangsschild, das wir gerne fotografiert hätten, ist nirgends zu sehen. Bald stehen wir vor Aa mõise. Im Gelände des Gutshofs Aa stellen wir unser Motorrad vor einem verkommenen Herrenhaus ab. Ach, das tut einem in der Seele weh. So ein wunderschönes Gebäude und verfällt so!

Herrenhaus Aa - klingt komisch, aber der Ort heißt Aa, ehrlich! Herrenhaus Aa - klingt komisch, aber der Ort heißt Aa, ehrlich! Am Herrenhaus Aa ist ein Altersheim - deshalb die Schilder ...

Das Haus ist mit einer wunderschönen Holzveranda geschmückt, die an den Seiten mit kunstvollen Sprossenfenstern verglast ist. Der Putz bröckelt von den Wänden, der Anstrich der Holzlattung an der Veranda bietet keinerlei Schutz mehr vor Nässe. Hinter den Fenster stapeln sich Matratzen.

Ein alter Mann schlurft behäbig auf einen Stock gestützt auf uns zu und setzt sich auf die Treppe an der Veranda. Endlich herrscht hier mal ein wenig Abwechslung! Im neueren Gebäude, das rund fünfzig Meter weiter hinter den Bäumen durchschimmert, ist ein Altersheim untergebracht. Und ein paar hundert Meter vom Altersheim entfernt steht an der kleinen Landstraße ein Schild, das explizit auf die langsamen Verkehrsteilnehmer hinweist.

In Kunda, einer Kleinstadt etwa vierzig Kilometer westlich von Aa, wollten wir eigentlich den nächsten alten Gutshof anschauen. Doch wir finden ihn nicht, was uns aber nicht großmächtig stört. Unseren Weg werden noch einige weitere „Lost places“ pflastern, denn solche Orte hat Estland viele zu bieten. Nicht immer sind es verfallene Gutshöfe und Herrenhäuser, auch viele andere Gebäude, oft auch bisher in militärischer Verwendung, wurden in den letzten Jahren und Jahrzehnten einfach aufgegeben. Die Natur ist fleißig dabei, sich diese Gebäude zurückzuerobern. Vor allem in strukturschwachen Regionen, in denen ganze Industriezweige nach Rückzug der Russen oder auf Grund der Nachfrage zusammenbrachen, sind entweder die russischstämmigen Bewohner wieder in ihre Heimat gegangen oder die Menschen haben keine Möglichkeit mehr gesehen, Arbeit zu finden und sind abgewandert. So sind oft nicht nur einzelne Häuser unbewohnt, sondern manchmal ganze Straßenzüge.

Es regnet immer wieder mal leicht und dicke Wolken schmücken den Himmel. Das schmälert unseren Elan etwas. Die Ruinen einer alten Zementfabrik lägen noch am Wegesrand, aber bei den derzeitigen Lichtverhältnissen geben sie nicht so viel her. Bei Sonnenschein können derartige Gebäude einen sehr eigenen, morbiden Charme entwickeln, vor allem wenn man in die Gebäude hinein klettern kann. Aber nicht immer ist das auf legalem Wege möglich. Sobald ein Gelände oder ein Gebäude nicht offen ist, ein Schild oder verschlossene Türen uns daran hindern, eine Ruine zu betreten, ist sie für uns gestorben. So gerne wir fotografieren würden – aber Hausfriedensbruch begehen wir keinen. Schon gar nicht in fremden Ländern.

Toolse ordulinnus – eine Burgruine am meer
Toolse ordulinnus - eine Burgruine am Meer Malerische Landschaft um Toolse ordulinnus

Zur nächsten Attraktion finden wir ohne große Probleme. Toolse Ordulinnus steht in der Karte. Ordu-linnus ... was das wohl heißen mag? Ordu heißt übersetzt Verein, Organisation und Linnus wird von Stadt abgeleitet, das wissen wir schon. Tallinn hat was mit Linn, der Stadt zu tun. Ob Ordulinnus dann Ordenssitz bedeutet? Kurz vor dem Erreichen eines Felskaps stellen wir das Motorrad ab.

Ein vielleicht sechzigjähriger Este, der hier in der Einsamkeit entweder wohnt oder zumindest ein Grundstück hat, will sehr gerne ein Gespräch mit uns beginnen, doch mangels gemeinsamen Sprachkenntnissen können wir nur wiederholt mit der Schulter zucken. Er deutet unsere Absichten richtig und zeigt entlang eines für den Verkehr gesperrten Fahrwegs in die Richtung, wo das Meer sein muss. Es ist nicht weit. Die Ordensburg wurde Anfang des 18. Jahrhunderts in Schutt und Asche gelegt und ist heute nur noch als Ruine zu besichtigen. Sie steht nur wenige Meter von der Ostsee entfernt, ein Schwapp und sie stünde im Wasser. Die Wände sind aus Sicherheitsgründen stellenweise abgestützt, aber keine Schilder verbieten, darin herumzulaufen.

Malerische Landschaft um Toolse ordulinnus

Die letzte Eiszeit hat auch hier Hunderte von Findlingen in die Bucht gekippt. Möwen keckern und rufen schrill, wenn sie über‘s Wasser gleiten. Reiher staksen durch das flache Wasser zwischen den Steinen. Die Tümpel zwischen den Steinen riechen unangenehm muffig und verfault. Baden möchte man hier nicht. Für's Auge ist hier einiges geboten, für die Nase eher im negativen Sinne.

Dem Tourverlauf folgen:
weiter mit Vergi im Lahemaa-Nationalpark

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