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Wohnturm Kiiu

An der Ostseeküste entlang

Und weiter geht es Richtung Tallinn. Die Straße führt direkt am Meer entlang. Genial, da heißt es: ab in den Sand. Bei sonnigem Wetter ist hier bestimmt die Hölle los und der Straßenrand von parkenden Autos übersät. Nur heute lockt die Lufttemperatur mit 15 °C noch nicht ins kaum wärmere Wasser. Wobei das dann eigentlich ein Argument wäre?! Ein Blick in den Himmel zeigt, dass das Wolkenbild auflockert, der große Regen scheint vorbei zu sein.

Drei Geräte streiken gleichzeitig. Wenn das mal nicht die Reste der U-Boot-Station waren ...

Zwischendurch glauben wir an einen russischen Störsender. Oder sind es die magnetischen Überbleibsel der alten russischen U-Boot-Basis, von der wir gerade weggefahren sind? Die BMW zeigt mit einem genervten Blinken an, dass das ABS nicht funktioniert. Die Videokamera meldet Speicherkartenfehler, ebenso unsere Spiegelreflexkamera. Drei voneinander unabhängige Geräte streiken zu gleicher Zeit! Sehr eigenartig.

Was ist denn da los? Wer würde da nicht an hinterhältige Machenschaften glauben? Nach einem Neustart funktionieren alle Geräte glücklicherweise wieder wie gehabt. Vielleicht sind noch irgendwelche elektromagnetischen Reste in der U-BootStation aktiv, die ja bekanntermaßen der Entmagnetisierung von U-Booten fungierte? Und die Reste dieser Anlage wirbeln die Geräte durcheinander?

Kaffeepause im Wohnturm Kiiu

Nicht immer ist es möglich, mit Blickkontakt zur Ostsee zu fahren. Wir verlassen die Küste und biegen ins Landesinnere ab. In Kiiu legen wir den nächsten Stopp ein. Hier wartet der ehemalige Wehrturm des Gutsherrn Fabian von Tiesenhausen auf uns. Der Turm, Torn auf estnisch, im sechzehnten Jahrhundert erbaut, ist die kleinste mittelalterliche Festung im Baltikum. In diesen zog man sich bei Angriffen zurück. Warum der Turm auch gelegentlich „Mönchsturm“ genannt wird, bleibt uns verborgen. 1974 wurde der Turm renoviert und ein kleines Café darin eingerichtet. Wir werden herzlich willkommen geheißen von einer älteren Dame, die sich uns als Mare vorstellt.

Der Wohnturm Kiiu, im sechzehnten Jahrhundert erbaut, ist die kleinste mittelalterliche Festung im Baltikum.

Steinerne Treppen führen in die verschiedenen Etagen des Turmes, wo schmale Fenster nur wenig Licht ins Innere lassen. Nur das Erdgeschoss und die erste Etage wurden früher als Wohnraum genutzt. Die beiden weiteren Stockwerke dienten Verteidigungszwecken im Falle einer Belagerung. Immer schön den Kopf einziehen heißt es beim Aufstieg im Turm. Man merkt, vor Jahrhunderten waren die Menschen noch etwas kleiner als heutzutage.

Im Rapunzelzimmer im Wohnturm Kiiu

Die letzte Etage nennt Mare Rapunzelzimmer, ein Raum mit kaum auszuhaltender Kitschnote. Der hölzerne Umlauf des Turmes – die Bauweise ist eine Seltenheit – ist von Wein umrankt, der durch die luftig verlattete Holzkonstruktion von außen nach innen und wieder nach draußen wächst. Man könnte den Turm auch für eine umgebaute Windmühle ohne Flügel halten.

Mare, eine Frau von vielleicht sechzig Jahren, bewirtschaftet den Turm und das Café nun seit 25 Jahren. So lange hat sie dieses Gebäude schon gepachtet. Sie öffnet es für Besucher nur von Mai – Oktober, weil die Strom- und Heizkosten im Winter zu teuer würden. Stellt sich die Frage, ob im Winter überhaupt genügend Besucher kämen? Die einzelnen Räume sind dunkel und nicht beleuchtet. Zwar gibt es metallene Lampen an den Wänden, aber die meisten enthalten keine Birnen und wenn welche drin sind, sind sie nicht eingeschaltet. Vermutlich zu teuer.

Kaffee und Kuchen vor dem Wohnturm Kiiu

Im Café wird seit langer Zeit Eierlikör verkauft. Der Kiiu-Torn-Eierlikör ist legendär. Also nehmen wir als Souvenir drei kleine Flaschen mit. Fünf Euro für 200 Milliliter Eierlikör – das ist dann doch ein stolzer Preis. Unseren Kaffee trinken wir draußen vor dem Turm an einer Biertischgarnitur. Vielleicht hätten wir uns an einen der kleinen Tische in der Holzgalerie hocken sollen, da hätten uns die Mücken nicht so angefallen. Vielleicht.

Dem Tourverlauf folgen:
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