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Abenteuerlichstes Freibad Estlands | das versunkene Gefängnis Rummu Quarry

Abenteuerlichstes Freibad Estlands: das versunkene Gefängnis Rummu Quarry

Morgens in unserem Zimmer in Tallinn. Wassertropfen klopfen auf den Fenstersims. Der Blick nach draußen ... besser nicht. Der Himmel ist grau und düster. Noch im Bett checken wir das Regenradar. Ab zehn Uhr soll es trocken sein. Also lassen wir uns das Frühstück ausgiebig schmecken. Und tatsächlich, als wir losfahren, sind es zwar nur 13 °C, aber die Wolken halten dicht.

Heute geht es weiter gen Westen. Raus aus dem Tallinnschen Trubel. Wir freuen uns unendlich drauf, wieder gemächlich durch die Lande zu tuckern. Großstadt ist auf Dauer nicht so unseres .

Abenteuerlichstes Freibad Estlands: das versunkene Gefängnis Rummu Quarry

Rummu Quarry. Klingt wie ein Kartenspiel. Oder ein Ort in Australien. Aber nicht wie ein Dorf im Nordwesten Estlands. Keine Ahnung, wie man diesen Namen ausspricht, wahrscheinlich einfach Rummu, wie es geschrieben wird. Rummu ist ein kleiner, nur wenige Einwohner zählender Ort und das Besondere an ihm ist ein Gefängnis, das berüchtigte Murru vangla. Mit Gefängnissen haben wir es dieses Mal.

1938 eröffneten die Sowjets in Rummu im Kreis Vasalemma gleichzeitig einen Steinbruch und bauten direkt an den Rand ein Gefängnis bzw. Arbeitslager.Die teilweise zu lebenslangen Haftstrafen Verurteilten holten in schwerster körperlicher Arbeit den Kalkstein aus der Tiefe. Noch heute zeugt ein stark durch Erosion zerklüfteter Berg, die siebzig Meter hohe Kalksteinhalde, von der jahrzehntelangen Abbautätigkeit.

1991 wurde das Gefängnis und damit auch der Steinbruch geschlossen. Sobald die Grundwasserpumpen nicht mehr arbeiteten, stieg das Grundwasser in rasanter Geschwindigkeit. Der Steinbruch und das Gefängnis wurde geflutet und zwar so schnell, dass alle Gebäude in kürzester Zeit unter Wasser standen. Selbst Maschinen fanden ein nasses Grab. Einige Gebäudeteile überragen heute noch die Wasseroberfläche und bilden zusammen mit den erodierten Halden ein unheimliches Szenario. Wie man sich denken kann, übt dieser Ort eine magische Anziehungskraft aus. Taucher finden im Rummu Karjäär, wie der See heißt, ebenso einen Nervenkitzel wie junge Leute, die einfach nur an einem skurrilen, geheimnisvollen Ort baden gehen möchten. Naturfotografen zieht es hierher, auch als Drehort wurde Rummu Quarry schon benutzt.

Abenteuerlichstes Freibad Estlands: das versunkene Gefängnis Rummu Quarry

An dem See befindet sich auch noch ein zweites ehemaliges Gefängnis, dieses aber weit über dem Grundwasserniveau. Vor dessen Mauern mit Stacheldrahtrolle auf dem Sims stehen wir nun. Dahinter erhebt sich ein verrosteter Wachturm. Die Fensterhöhlen dort oben sind leer, die Scheiben sämtlich eingeschlagen. Ein fest verschlossenes Stahltor mit Kette und dem Schild „Eramaa“ (Privatgelände) sprechen eine eindeutige Sprache. Hier kein Zutritt. Es muss doch noch einen anderen Zugang geben?!

Dreihundert Meter weiter hoppeln wir einen grottenschlechten Weg entlang. Die Schlaglöcher sind enorm tief. Während das Vorderrad gerade wieder in eines der Monsterlöcher eintaucht, hat das Hinterrad das letzte noch nicht wieder erklommen. Achterbahn! Unsere Big Turtle, voll bepackt, schwankt wie ein Wüstenschiff.

Abenteuerlichstes Freibad Estlands: das versunkene Gefängnis Rummu Quarry

Nach einiger Zeit tut sich ein Loch in der Steinmauer auf. Mit einiger Vorsicht könnten wir an dem Stacheldrahtgewirr vorbei hineinklettern. Aber direkt dahinter liegen Gittertore und weiterer Stacheldraht, die die Kletterei zusätzlich erschweren. Wir fahren noch ein kleines Stück weiter, aber Jochen, der sonst auf jedem grottenschlechten Eselspfad seine Fahrkunst und die Griffigkeit der Reifen testen muss, murmelt irgendwann mit fester Stimme den selten gehörten Satz: „Das hat doch keinen Sinn!“

Das Wüstenschiff tritt den Rückzug an und schaukelt bedächtig die Buckelpiste entlang, um nicht in einer der planschbeckengroßen Pfützen zum Liegen zu kommen. Ich ziehe es vor zu laufen, zumindest bis die Piste wieder einigermaßen fahrbar wird. Es sollte eben nicht sein. Wir müssen ja nichts erzwingen. Wer neugierig ist, was wir hätten zu Gesicht bekommen, der sollte einfach mal die Google-Suche bemühen. Da gibt's zu lesen und mehrere interessante Filmchen auf Youtube zu sehen.

Dem Tourverlauf folgen:
weiter mit Haapsalu - Zur Abwechslung mal ein Bahnhof für einen Zaren

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