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Haapsalu | Zur Abwechslung mal ein Bahnhof für 'nen Zaren

Haapsalu: Zur Abwechslung mal ein Bahnhof für 'nen Zaren

Die rund hundert Kilometer bis Haapsalu an der Westküste Estlands bescheren uns eine gelassene Fahrt. Der Asphalt ist wellig und bei 90 km/h fühlt man sich wie auf einem überdimensionierten Waschbrett. Aber es ist nix los auf der Straße, kaum Verkehr. Der sandige Boden ringsherum ist prädestiniert für Kiefernwälder, aber auch Mischwälder gedeihen zwischen den landwirtschaftlichen Flächen.

Selten passieren wir kleinere Orte. Dazwischen liegen, mitten in der Pampa, viele einzelne Gehöfte, mit einem geschnitzten Holzschild an der Straße. Darauf der Name, damit der Besucher weiß, wer hier wohnt. Die Postboten können einem leid tun. Bis zum nächsten Gehöft liegen mehrere hundert Meter Distanz oder sogar mehrere Kilometer.

Diese vielen versprengten Gehöfte sind so typisch fürs Baltikum. Sie sind der Landreform von 1920 zu verdanken. Nachdem sich Estland mit seinem Unabhängigkeitskrieg von 1918 bis 1920 aus der russischen Herrschaft befreit hatte (leider erst einmal nur für knapp fünfzig Jahre) und danach mehr als tausend vorwiegend deutschbaltische Landgüter enteignet wurden, verteilte man den Grund und Boden an die ehemaligen Pächter und Kleinbauern, die sich darauf ihre Höfe bauten und sich fortan ihren Broterwerb auf dem eigenen Land sichern konnten.

Hier wartet man vergeblich auf den nächsten Zug
Haapsalu: Zur Abwechslung mal ein Bahnhof für 'nen Zaren

Wir erreichen Haapsalu. Diesen Kurort umgibt eine flache Bucht, in der das Ostseewasser im Sommer schnell badefreundliche Temperaturen annimmt. Das rührt von der zunehmenden Versandung der Haapsaluer Bucht her, denn der Meeresboden hebt sich im Jahr etwa zwei Millimeter. Deswegen wurden im 18. und 19. Jahrhundert einige umliegende Inseln auch schon zu Halbinseln. Aber das warme Wasser interessiert uns derzeit nicht. Bevor wir weiter in Richtung Saaremaa fahren, steht das Schmuckstück Haapsalus auf dem Plan: der Bahnhof.

Haapsalu: Zur Abwechslung mal ein Bahnhof für 'nen Zaren

Als der russische Zar Nikolaus II, ein Mitglied der 1918 ausgelöschten Romanow-Familie, im Jahr 1907 das von der russischen Aristokratie geschätzte Kurbad besuchen wollte, initiierte er den Bau eines prächtigen Bahnhofs. Das Gebäude besteht aus zwei Teilen, eines für den Aufenthalt der Reisenden, eines nur für den Zaren und ein 214 Meter langer Bahnsteig, der das ganze Ensemble verbindet. Der Bahnhof ist in rot und gelb gestrichen. Als wir ankommen und auf dem großzügigen Bahnhofsvorplatz unser Motorrad abstellen, sind zwei Junge Männer in Gummihosen gerade dabei, mit Gartenschlauch und Abzieher die deckenhohen Fenster des Aufenthaltsbereichs zu putzen. Diese haben es aber auch dringend nötig!

Haapsalu: Zur Abwechslung mal ein Bahnhof für 'nen Zaren

Seit 1995 ist die Strecke stillgelegt, trotz zahlreicher Proteste der Bevölkerung. Nur im Bahnhofsgelände verblieben die Gleisanlagen, auf der fünfzig Kilometer langen ehemaligen Bahntrasse bis Riisipere wurden sie entfernt. Dort verläuft heute ein mit Unterstützung der EU gebauter Radweg. Auf den verbliebenen Gleisen im Bahnhofsgelände rosten einige alte Lokomotiven und Waggons vor sich hin. Ein Eisenbahnmuseum in den ehemaligen Zarengemächern rundet das Ganze ab.

Dem Tourverlauf folgen:
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