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Burg Stein | wo der Prinzenräuber hauste

Burg Stein in Hartenstein

Als Abschluß besuchen wir am sechsten Tag unserer Motorradtour Burg Stein, die sich in Hartenstein am Flußlauf der Zwickauer Mulde befindet. Direkt auf steilen Felsspitzen gebaut, bietet vor allem der alte Teil mit dem Bergfried ein imposantes Bild.

Nachdem wir um 13:30 Uhr an der Burg eintreffen, versuchen wir irgendwie hineinzukommen. Aber alles ist "verrammelt und verriegelt". Schließlich finden wir eine Klingel. Unser Geklingel hilft nichts. Es stellt sich heraus, dass nur ein einziger Mann diese Führungen leitet und dieser erst den nächsten Schub Besucher hereinlassen kann, wenn die laufende Führung wieder am Tor eintrifft. Die nächste Führung soll um 14:00 Uhr stattfinden und bis dahin müssen wir uns gedulden.

Und da ist sie wieder: die dunkle Seite unserer Seele! Hier können wir uns wieder einmal von den Foltermethoden des Mittelalters eine Gänsehaut erzeugen lassen. Der Inhalt der Burg ist für sensible Seelen "gar erschröcklich". In den düsteren Mauern der Altburg befindet sich eine umfangreiche Waffensammlung und man erfährt allerlei über mittelalterliche Folter- und Hinrichtungsmethoden. Das ausgestellte Richtschwert, mit dem in Hartenstein ca. 80 Menschen einen Kopf kürzer gemacht wurden, hängt an der Wand neben verschiedenen Daumenschrauben und anderen grausligen Werkzeugen.

Folterkeller auf Burg Stein in Hartenstein

Während Eltern ihren Sprösslingen besorgte Blicke zuwerfen, geht unser Burgführer sehr ausführlich auf verschiedene Hinrichtungs- und Foltermethoden ein. Wir erfahren, für welche Vergehen welche Strafen angewendet wurden. Untreuen Ehefrauen drohte für Ehebruch die Todesstrafe, während den ehebrechenden Männern "nur" eine Hand abgehackt wurde. Die Welt ist ungerecht!

Die Burg der Herrschaft Hartenstein entstand zwischen 1160 und 1170 an einem böhmischen Handelsweg, der von Altenburg über Zwickau führte. Solche Wege nach Böhmen gab es in dieser Zeit viele. Man muß sie sich als Waldweg vorstellen, die die unwirtlichen Täler meist umgingen und auf den Höhen entlangführten. Gründer war Meinher von Werben, der als Burggraf von Meißen erwähnt wird. Der Fluß Zwickauer Mulde war zu damaliger Zeit die Landesgrenze zwischen dem Erzgebirge und dem Vogtland. Zahlreiche Burgen entstanden deshalb als Grenzschutz.

Der älteste Bau mit Burghof, Palas, Bergfried und Wehrgang nahm ca. 10 Personen auf. Hier wohnten ausschließlich Soldaten und Lehnsmänner, also Männer, die für bestimmte Dienste z.B. das Wohnrecht in einem Gebäude des "Lehnsherrn" erhielten. Im 16. Jahrhundert wurde ein großzügiger Anbau errichtet, nach dem die Burg einen geschlossenen Ring mit einem zweiten, ebenerdigen Innenhof bildete. Ein Teil davon wurde von einem Brand vernichtet. Es steht nur noch die Hälfte von diesem Anbau, der für die Öffentlichkeit nicht zugängig ist.

Ritterrüstung in der Burg Stein in Hartenstein

Die Burg ist heute wieder im Besitz des Prinzen von Schönburg, dessen Vorfahren im Mittelalter die Geschicke des Oberen Erzgebirges wesentlich beeinflussten. So gründete zum Beispiel Ernst von Schönburg nach Silberfunden die höchstgelegene deutsche Stadt Oberwiesenthal.

Die Schönburger waren mehr als ein halbes Jahrtausend in Hartenstein. Dr. Alfred Prinz von Schönburg-Hartenstein und Prinzessin Marie Therese von Schönburg-Hartenstein kauften im Jahr 1996 den großväterlichen Besitz von der Stadt Hartenstein zurück, der 1945 entschädigungslos enteignet worden war.

Kunz von Kauffungen war einer der Lehnsmänner der Burg. Er bewohnte sie ab 1448. Jedem Kind im Erzgebirge ist die Geschichte über den Prinzenraub des Kunz von Kauffungen bekannt. Man schrieb das Jahr 1455. Kunz von Kauffungen sah sich um den Lohn für seine Kriegsdienste für den sächsischen Kurfürsten betrogen. Um ein Lösegeld zu erpressen, entführte er die beiden kurfürstlichen Prinzen Ernst und Albrecht.

Nachdem die Prinzen befreit worden waren (einer davon aus der "Prinzenhöhle", die man nahe Hartenstein besichtigen kann), versuchte sich Kunz von Kauffungen nach Böhmen in Sicherheit zu bringen. Kurz vor Schwarzenberg, das damals auf böhmischem Gebiet lag, nahm man ihn gefangen. Schon wenige Tage später rollte sein Kopf über den Freiberger Marktplatz.

Nach vierzig Minuten ist auch diese Führung vorbei und somit tuckerten wir gemütlich über die Landstraßen wieder zurück zu unserer Unterkunft.

Burg Stein in Hartenstein

Burg Stein
Stein 1
08118 Hartenstein
Tel.: 03 76 05 | 72 46
Fax: 03 76 05 | 68 11 8
www.burg-stein.de

Öffnungszeit
Dienstag bis Donnerstag, Samstag, Sonntag
Nur Führungen zur jeweils vollen Stunde:
10:00 Uhr, 11:00 Uhr, 13:00 Uhr, 14:00 Uhr, 15:00 Uhr und (im Sommer) 16:00 Uhr

Anmerkung
Dies ist eine Burg, wo man klingeln muß. Es gibt anscheinend nur einen Burgangestellten, der die Besucher durch die massiven Räume führt. So standen wir etwas ratlos 20 Minuten während der vorangegangenen Führung vor der Tür (und klingelten vergeblich ;-)).


Dem Tourverlauf folgen:
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