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Der Weihnachtsberg im Erzgebirge | ein Lebenswerk

Ein Weihnachtsberg in Brünlos
Bastlerarbeit über Jahrzehnte: Weihnachtsberg im Erzgebirge

Den Weihnachtsberg in Brünlos findet man in einem Privathaus. Wenn man ihn findet! Erst nach etwas Suchen, von kleinen Wegweisern mit einem goldenen Kometenstern, dem Schriftzug "Weihnachtsberg" und hilfsbereiten Einheimischen unterstützt, die uns den Weg beschreiben, erblicken wir ein Schild an einem unscheinbaren Häuschen, wieder mit dem Kometen darauf - und dem Wort "Hier".

Bei unserem letzten Besuch öffnete uns eine ältere Dame, Frau Kobel, die Tür. "5 Minuten später", erzählt sie, " un iech wär zim Eikaafn gegange." Auf hochdeutsch: sie wäre zum Einkaufen gegangen. Wir sind die einzigen Besucher, wie um die herbstliche Jahreszeit nicht anders erwartet.

Frau Kobel ist mittlerweile verstorben, jedoch wird der Schatz dieses Weihnachtsberges von ihrem Sohn Christian Kobel, dem Enkel des Erbauers, bewahrt, gepflegt und Interessenten vorgeführt. Unseres Wissens ist die Anlage die letzte dieser Art, die sich so gut erhalten noch in Privatbesitz befindet. Alle anderen stehen in Museen.

Weihnachtsberge sind in mühevoller Kleinarbeit entstandene Modelle, die durch Uhrwerkantrieb die Weihnachtsgeschichte erzählen. Unzählige kleiner Figuren, die sich mechanisch bewegen, erzeugen eine erstaunliche Szenerie. Liebe zum Detail und der christliche Glauben ist für die unzähligen Arbeitsstunden nötig, um dieser Landschaft Leben einzuhauchen.

Aus irgendeinem wundersamen Grund verbirgt sich in jedem Weihnachtsberg eine banale Begebenheit, die so gar nicht zur Weihnachtsgeschichte passt. In der Knochenstampfe Dorfchemnitz ist dies eine Gruppe Zwerge mit Zipfelmützen. Hier bei Frau Kobel werkeln fleißige Glück-Auf-Jünger in einem Bergwerksstollen. Es passt zwar nicht in die christliche Geschichte, in Anbetracht der Bergbaugeschichte wirkt es wiederum auch nicht gänzlich deplatziert.

Ein Weihnachtsberg war vor dem Fernsehzeitalter das, was heute die Modelleisenbahn ist. Wir bekommen für die fünfzehnminütige Vorführung zwei Stühle hingestellt - und los geht's. Die Mechanik wird von Frau Kobel in Gang gesetzt und so den Figuren auf dem Berg Leben eingehaucht.

Die Mechanik des Weihnachtsberges besteht aus sieben Uhrwerken 
                mit großen Gewichten und viel Fahrradzubehör
Ein erzgebirgischer Weihnachtsberg, der immer noch funktioniert

Währenddessen erzählt Frau Kobel die Geschichte bis zum Auszug nach Ägypten. Jochen hat etwas Mühe, den erzgebirgischen Ausführungen zu folgen. Dabei gibt sich Frau Kobel sooo große Mühe, hochdeutsch zu sprechen!

Die mechanische Meisterleistung wurde von Friedrich Nötzel, dem Vater der (1925 geborenen und vor ein paar Jahren verstorbenen) Frau Kobel gebaut.

Friedrich Nötzel begann 1907 als Dreizehnjähriger mit der Bastelarbeit und erst 1960, durch zwei Weltkriege unterbrochen, konnte er die Arbeit beenden. Als er 1985 im Alter von 91 Jahren starb, hatte er sämtliche Vorführungen bis zuletzt noch selbst gestaltet. Danach übernahm es seine Tochter.

Uns stellt sich die Frage: wer übernimt den Weihnachtsberg als nächste Generation? Haben die Jungen noch Muse für eine derartige Spielerei? Der Enkel Friedrichs pflegt ihn heute auf jeden Fall weiter und hoffentlich werden ihn auch die Urenkel weiterhin hegen und schätzen.

Die Mechanik besteht aus sieben Uhrwerken mit ebenso vielen grossen Gewichten. Die restlichen Teile stammen unter anderem aus Fahrädern. Außer der Beleuchtung ist nichts elektrisch. Die Mechanik ist sehr eindrucksvoll! In den zwei Fotos ist sehr anschaulich der mechanische Teil des Weihnachtsberges zu sehen. Durch das Aufziehen von Gewichten wird er in Gang gesetzt und die Laufzeit ist so berechnet, dass die Weihnachtsgeschichte nach dem Ablauf der Gewichte vorbei ist. Wir kommen uns mit unserer "High-Tech-Fotoausrüstung" etwas deplatziert, um nicht zu sagen skurril vor.

Hoffen wir, dass solche Bauwerke nie zur Gänze und auf Kosten des Computer-Zeitalters weichen müssen. Die Menschheit wäre um eine verspielte Sehenswürdigkeit ärmer.

Weihnachtsberg Brünlos
Familie Kobel
Windmühlenweg 7
09380 Brünlos
Tel.: 03 72 96 | 1 77 90

Öffnungszeit
Täglich, 9:00 bis 17:00 Uhr
Außerhalb der Weihnachtszeit ist es ratsam, sich telefonisch anzumelden.

Wegbeschreibung
Von Thalheim kommend, in der Ortsmitte gegenüber der Gemeinde rechts abbiegen, geradeaus, dann rechts den Berg hinauf, der Beschilderung folgend links, dann noch einmal links.

Dem Tourverlauf folgen:
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