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Erzgebirge

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"Wu de Hasen Hosen hasen un de Hosen Husen ..." Na, gute Nacht! Wer als Nicht-Erzgebirgisch-Kundiger ins Erzgebirge reist, hat vielleicht Bedenken, dass er nur Bahnhof versteht. Nicht ganz zu Unrecht!

Aber erstens wird jeder Einheimische (ein Hiesiger / Hies'scher), sobald er von einem Fremden (ein Unhiesiger / Uhies'scher) angesprochen wird, versuchen so gut es geht hochdeutsch zu sprechen. Trotz alles guten Willens kann das Verstehen trotzdem schwierig sein, denn es gibt zuhauf Ausdrücke, dessen Eigentümlichkeit sich der Erzgebirger gar nicht bewußt ist.

Unter Umständen wird der Besucher mit einem "Glück auf" begrüsst. Am Anfang tut man sich noch etwas schwer mit der ungewohnten Grußformel, die phonetisch als "Glick auf" daherkommt. "Guten Tag" stellt zwar in den meisten Fällen die förmliche Anrede dar, jedoch ist das "Glück auf" das vertraute "Hallo" des Erzgebirges. Sprachfaule kürzten früher einfach ab: "Auf!" (In der Vergangenheit deshalb, weil wir nicht wissen, ob das immer noch benutzt wird oder ausschließlich eine Marotte von pubertierenden Jugendlichen war.) Alles kommt vom Bergwerk her - diese alte Weisheit trifft im Erzgebirge 100%ig zu.

Die erzgebirgische Mundart ist eine Wissenschaft für sich. Es gibt bestimmte Gesetzmäßigkeiten der Wort-Umwandlung. Der Vokal E wird oft zu A, J zu G, und das N am Ende eines Wortes wird meist verschluckt.

Die Dialekte unterscheiden sich des weiteren von Ort zu Ort - allerdings dürfte das für "Uhies'sche" (Bedeutung siehe unten) nicht hörbar sein. Bewohner des Osterzgebirges haben auf jeden Fall schon Probleme, die Leute aus dem Ober- und Westerzgebirge zu verstehen.

Verblüffend aber ist, dass Franken und Erzgebirge sich im Dialekt gut verständigen können. In die Geschichte zurückschauend sieht man, warum das so ist: Als im 15. Jahrhundert die großen Silberfunde gemacht wurden und das "grosse Berggeschrey" losbrach, das mit dem Goldrausch des 18. Jahrhunderts in Amerika verglichen werden kann, strömten auch aus nordbayrischen Gegenden viele Menschen in das "Silberland" und brachten ihre Dialekte ein.

Nachfolgend ein paar praktische Beispiele und deren Übersetzungen.

Im restaurant

Griene Klies | "grüne Klöße", rohe Klöße
Frieslich | Schnittlauch
Soljanka | Suppe (Relikt aus DDR-Zeiten)
Aardappeln | Kartoffeln
Knacker | geräuchertes Würstchen, Schinkenpolnische
Wiegebroten | Wurstsorte (ähnlich Leberkäse)
Schwammesupp | Pilzsuppe (auch Saure Schwamme bezeichnet)
Glitscher | Kartoffelpuffer
Griezeich | Grünzeugs, Gemüse
Krabbel | Krapfen
Plinsen | Eierkuchen, Pfannkuchen

Nach dem weg fragen

rachts | rechts
grodaus | geradeaus
dan Barg | nunner den Berg runter
Stroß | Straße
Wag | Weg, Gasse
Baam, Bäämer | Baum, Bäume
Chams | die Stadt Chemnitz
O-thal | Oberwiesenthal
Zwäntz | Zwönitz
Kiehaad | Kühnheide
Tholm | Thalheim

Sonstiges

Uhies'sche | Un-Hiesige Nicht-von-hier-stammende
Rupprich | Knecht Rupprecht, Weihnachtsmann
Husen | Hosen (Beinkleider)
Hosen | Hasen (Karnickel)
nersch | närrisch, wild
Gahrmarkt | Jahrmarkt
Gung | Junge
galing | jählings, plötzlich
brutschen | bummeln, trödeln
Spruutz | Kohlensäure (in Getränken)
Fosnd | Fastnacht, Fasching
Permett | Weihnachtspyramide
Socksch | Socke
B-Bemme | getoastete Brotscheibe
Battelmaabemme | sehr dünne Brotscheibe
Raachermannl | Räuchermännchen
Raaziehglos | "Ranziehglas", Fernglas
buutzeln | dösen (ausbuutzeln=ausschlafen)
Plerre, Lorke | zu dünnes Getränk
baaneln | gehen, laufen

Mehr Wörter hier: www.erzgebirgisch.de

Geschichte des Erzgebirges

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Mit dem Namen "Erzgebirge" ist nicht eine gebirgige Landschaft in unserem heutigen Sinne gemeint. Die Ausdrücke "auf dem Gebirge" oder "auf den Erzgebirgen" sind vielmehr abgeleitet aus der vor Jahrhunderten üblichen Bezeichnung "das Gebirge" als Mehrzahl von Bergwerk, bedeuten also das Gleiche wie das "Land der Erzbergwerke", "die Erzgebirge". Erst um die Mitte des 18. Jahrhunderts kommt das Wort "Erzgebirge" als Landschaftsname auf, davor, zur Zeit der Karolinger und der Sachsenkaiser, tauchen die Namen "Ferguna" (Föhren- oder Fichtenwald) und "Miriquido" und "Miriquidi" (Dunkel- oder Schwarzwald) auf.

Das Erzgebirge erstreckt sich über eine Fläche von 4.000 qkm und ist zwischen 40 bis 70 km breit und rund 130 km lang. Die Tschechen nennen den böhmischen Teil des Erzgebirges "Krušné hory", was übersetzt "beschwerliches Gebirge" heißt. Wenn man sich die Geologie von tschechischer Seite aus anschaut, wird die Bedeutung dieser Bezeichnung bewußt. Steht man in der böhmischen Ebene und schaut nach Norden, steht der Erzgebirgskamm steil mehrere hundert Meter wie eine dunkle Wand im Weg. Das Ganze zu Fuß zu überqueren, ist sicher beschwerlich - mit dem Motorrad jedoch die reinste Freude!

Die besiedlung

Im 11. Jahrhundert war das sächsische Erzgebirge durch seinen unwirtlichen Urwald-Charakter noch weitesgehend unbesiedelt. Erst im 12. Jahrhundert begannen sich erste, bäuerliche Ansiedelungen zu entwickeln. 1168 wird der erste große Silberfund auf Freiberger Flur erwähnt. Rund 40 Jahre später führte dies schon zur Stadtgründung Freibergs, die somit die erste, nachweislich durch den Bergbau gegründete Stadt ist. Viele Orte lassen sich auch auf Klostergründungen zurückführen.

Bergbau im erzgebirge

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Nach weiteren sensationellen Silberfunden, zu nennen wäre vor allem der Fund am Schreckenberg zu Annaberg, zog es im 15. Jahrhundert Tausende nordbayrische, fränkische und mitteldeutsche Siedler in den unwirtlichen "Miriquidi". Durch die steigende Anzahl der Funde von verschiedenen Erzarten gelangten auch andere Handwerkszweige zu großer Blüte. Die Wasserkraft der zahlreich im Erzgebirge vorhandenen Fluß- und Bachläufe wurde fortan von den weiterverarbeitenden Gewerken genutzt. Die gefundenen Erze wurden an Ort und Stelle weiterverarbeitet. So entstanden an den meisten Bergbaustandorten Schmelzhütten, Pochwerke (für die Zerkleinerung des Zinnerzes) und eine Unzahl wasserbetriebener Hammerwerke.

Nach dem bergbau

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Als ab dem 16. Jahrhundert die Erzfunde abnahmen, mussten sich viele, bis dato im Bergbau beschäftigte Menschen umorientieren. Es entstanden Mühlen, die Lumpen zu Papier verarbeiteten und Flachs zu Leinöl. Da aus Flachs nicht nur Leinöl, sondern auch Garn produziert wurde, gab es in vielen Dörfern und Städten Leineweber. Während des Siebenjährigen Krieges (1756 bis 1763) kam der Bergbau vielfach zum Erliegen. Danach erholte er sich nur sehr mühsam oder in manchen Gegenden nie mehr.

Das Beschäftigungsproblem wurde durch andere Tätigkeitsfelder gelöst. Vor allem zwei Handwerke brachten es bis in die heutige Zeit zu großer Blüte und Berühmtheit: die Holzarbeit und die Spitzenklöppelei. Durch Wasserkraft angetriebende "Pochwerke", vorher für die Zerkleinerung von Erz bestimmt, wurden zu Drechsel-Werkstätten umfunktioniert. Wer keinen Wasserlauf zur Verfügung hatte, musste seine Drechselbank mit Muskelkraft betreiben. Vorerst beschränkte sich die Produktion auf Teller, Spinnräder und andere Haushaltsgegenstände. Anfang des 19. Jahrhundert verlegte man sich mehr und mehr auf die Produktion von figürlichem Spielzeug. Wer kennt nicht die Weihnachtsfiguren aus dem Erzgebirge?

Kaiser, Könige und Fürsten

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Die wohl bekannteste geschichtliche Begebenheit im Erzgebirge ist der Prinzenraub. Diese berühmte Kidnapping-Kriminalgeschichte kennt im Erzgebirge jedes Kind. Kunz von Kauffungen, ein Lehnsmann, der sich um den Lohn für seine Kriegsdienste betrogen sah, verschleppte im Jahre 1455 die zwei kurfürstlichen Prinzen Ernst und Albrecht, um ein Lösegeld zu erpressen. Die Prinzen wurden befreit. Kurz bevor sich Kunz von Kauffungen im Böhmischen in Sicherheit bringen konnte, wurde er gefangengenommen. Nur eine Woche später rollte sein Kopf über den Freiberger Marktplatz.

Die Geschicke des Erzgebirges wurde vor allem durch zwei politische Vertragsabschlüsse gelenkt: 1459 der Vertrag zu Eger, wodurch Böhmen auf sein Territorium am Nordhang des Gebirges verzichtete. 1485 die Leipziger Teilung. Sie gliederte das Erzgebirge in ein herzogliches Sachsen unter Albrecht, das von Dresden aus regiert wurde, und in ein Kurfürstentum unter Albrecht. In den folgenden Jahrhunderten bedrückten zahlreiche Kriege, kurfürstliche und kaiserliche Scharmützel das Erzgebirgsvolk. Was Hungersnöte nicht schafften, das führte die immer wieder aufflackernde Pest fort. (Erst Anfang des 18. Jahrhunderst hatte man diese endlich besiegt.) Am schlimmsten haben den Gebirgsstädtchen die Schweden zugesetzt, die ab 1639 das Land überfielen, brandschatzten, plünderten und Kriegsgelder erpressten. Kaum waren die Schäden und Schulden aus "der Schwedenangst" mühsam behoben, bedrückten die Preußen im Siebenjährigen Krieg Sachsen auf ein Neues.

Am Bayrischen Erbfolgekrieg, im Volksmund "Kartoffelkrieg" genannt, nahmen die Sachsen auf Preußens Seiten teil. Sie unterstützten damit Kaiser Joseph II., der einen Versuch unternahm, nach Aussterben der bayrischen Kurlinie Niederbayern und die Rheinpfalz zu annektieren. Die Revolution 1848/1849 erschütterte das Erzgebirge schwerer als andere Landstriche, da 1847 ein Jahr der Missernte und des Hungers gewesen war. Auch im Ersten Weltkrieg litt das landwirtschaftliche Notstandsgebiet sehr unter Nahrungsmangel. Im Zweiten Weltkrieg führte Hitlers Einmarsch in Böhmen über die erzgebirgischen Straßen, die zu diesem Zweck vorher gut ausgebaut wurden. Manche Orte, obwohl kriegsfern, wurden von Bomben getroffen.

Nach dem Krieg wälzte sich der sudetendeutsche Flüchtlingsstrom durch diese Landschaft, die erst von den Amerikanern, dann von den Russen besetzt wurde. Die Russen waren es auch, die ab 1945 jedes bergbauliche Fleckchen nach Uranvorkommen absuchte. Wo sie fündig wurden, z.B. in Schlema, wurde ab sofort der Uranbergbau betrieben ("Wismut"), der erst mit der Wende zum Erliegen kam. (Das Wort "Uranbergbau" fand man zu DDR-Zeiten allerdings in keinem öffentlichen Medium. Da war nur vom Erzbergbau die Rede.) Nach der Wende hat sich das Erzgebirge sehr zu seinem Vorteil verändert. Touristisch ist es nicht mehr den Bonzen und Gewerkschaftlern (Oberwiesenthal) vorbehalten, sondern es gibt überall Unterkünfte für jeden Geschmack und Geldbeutel.

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