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Col de la Bonette, Col de Restefond

Auffahrt zum Col de la Bonette Für die "Königstour" zum Col de la Bonette suchen wir uns einen Tag mit Kaiserwetter heraus. Dieser Umstand sollte auch gegeben sein, denn die Rundumsicht ist genial!

Aber mal ganz von vorn. Da wir in Castellane stationiert sind, müssen wir erst einmal nach Norden.

Wir durchqueren die schönste Schlucht der Gegend, die Daluis-Schlucht, zum x-ten Mal (von der kann man nie genug kriegen!), besuchen die trolligen Murmeltiere auf dem Col de la Cayolle (müssen die sich immer mitten auf der Strasse sonnen, um sich dann bei der Flucht vor dem knatternden Ungetüm den Kopf an der Leitplanke anzuschlagen??? ;-) und gelangen schließlich nach Jausiers.

Alte Militärstellung am Col de la Bonette

Hier in Jausiers beginnt die fünfzig Kilometer lange Passroute und endet südlich in St-Etienne-de-Tinee. Sie ist die höchstbefahrbare Transitstrecke der Alpen, die normalerweise von Juli bis November geöffnet ist, aber bei günstigen Wetterverhältnissen auch schon zeitiger freigegeben wird. Die Auffahrt ab Jausiers ähnelt zunächst einer vierspurigen Autobahn.

Auf dieser breiten Piste macht sich ein gewisses Verlassenheitsgefühl breit und wir witzeln, dass in höheren Regionen wohl mit sechsspurigem Ausbau der Fahrbahn zu rechnen ist.

Ein paar Kilometer weiter ist die Straße dann jedoch schmaler und wird landschaftlich reizvoller, auch die Verkehrsteilnehmer werden exotischer. Wer ist schon mal mit dem Motorrad unter Panzerkanonen weggetaucht? Oder wer musste sich während einer Pause von einem Panzer überholen lassen? Genau dies ist uns passiert. Die französische Armee übt "Passfahrten für Panzer". Nun ist auch die Straßenbreite wieder nach unserem Geschmack: knapp zwei- bis einspurig mit Ausweichstellen. Bald werden die freundlichen Almwiesen von felsigem Gelände abgelöst. Immer mehr Schneereste säumen den Weg und bedecken die umliegenden Gipfel.

Der Denzel schreibt: "Auch die Asphaltdecke war im Besuchsjahr sehr unterschiedlich, auf der Nordrampe wies sie stellenweise Schäden infolge von Witterungseinflüssen auf; an den Fahrbahnrändern abbröckelnder Belag deutet auf einen mangelhaften Unterbau hin. Fehlende Randsicherungen machen sich unbehaglich bemerkbar."

Dem ist zwar wirklich so, aber welcher Pass hat schon eine durchgehende Leitplanke und nicht ein paar Schlaglöcher? Ebenso weisen sie auf die Steinschlaggefahr hin.

Alte Militärstellung am Col de la Bonette Auf dem Col de Restefond (2678 Meter), an den sich der Col de la Bonette nahtlos anschließt, findet man direkt neben der Straße das alte "Fort Casernes de Restefond", einer 1931 von Maginot befestigten Militäranlage.

Leider sind die Eingangstüren versperrt, so dass eine Besichtigung nicht möglich ist. Von hier aus erreicht man nach einigen weiteren Kehren den Scheitelpunkt der Route bei 2715 Meter und könnte an diesem Durchstich sofort die Abfahrt beginnen.

Aber das wäre ein unverzeihlicher Frevel: Hier beginnt der zwei Kilometer lange Rundkurs um die "Cime de la Bonette", die ihren höchsten Punkt bei 2802 Meter erreicht.

Und vom höchsten Punkt der Bonetteschleife sollte, nein, muß man die letzten Höhenmeter bis 2862 Meter per pedes überwinden!

Am Gipfel des Col de la Bonette Wir haben zwar Glück, dass diese Passstrecke schon geöffnet ist, aber auch das Pech, dass die Schleife um die Cime noch gesperrt ist. Schneereste und ein Erdrutsch machen ein Fortkommen unmöglich. Aber nicht, wenn wir das Ganze zu Fuß angehen!

Wir wissen, dass die Leistung eines Motors in dieser Höhe um ca. 30 % absackt. Daß auch die menschliche Leistung um mindestens den gleichen Wert, wenn nicht sogar um 50 % absackt, spüren wir nun am eigenen Leib - wir schnaufen wie Dampflokomotiven bei der Anfahrt am Berg!!! Weil hier oben ein scharfer, kalter Wind weht, haben wir die Motorradjacken an, in denen es uns schon nach kurzer Wegstrecke mächtig heiß wird. Auch fluchen wir, weil wir vergaßen, die Nierengurte abzulegen ...

Nettes Wortspielchen wenn man sich links daneben fotografieren läßt ;-)

Als wir den höchsten Punkt der Rundstrecke erreichen, sind wir jedoch froh, mit unseren Motorradstiefeln ein festes Schuhwerk an den Füßen zu haben, denn nun geht es für die letzten sechzig Höhenmeter über loses Geröll und Schneereste. Schwer prustend schweift unser Blick neidisch hinauf zur Panoramaplattform, wo sich andere (allerdings alles Nicht-Motorradfahrer) schon ausruhen und den Ausblick genießen dürfen.

Offensichtlich sind wir die einzigen Motorradfahrer, die diesen Aufstieg in voller Montur gewagt haben ... Nun jedoch kassieren wir der Mühe Lohn. Ein unverbautes Panorama über weite Teile der Seealpen und des Nationalparks Mercantour wie im Bilderbuch. Nach zwanzig Minuten machen wir uns wieder auf die Socken und steigen hinab zu unseren achzig Pferdchen. Wir schummeln uns an meterhohen Schneewänden vorbei, die den Rundkurs blockieren. Ein Blick auf die Uhr: uppps, schon wieder siebzehn Uhr. Wahnsinn, wie in den Bergen die Zeit vergeht. Kurze Zeit später erreichen wir in 2250 Metern Höhe den verfallenen Kasernenkomplex Camp des Fourches, der aus vielen kleinen Häuschen besteht.

Alte Militärstellung am Col de la Bonette Alte Militärstellung am Col de la Bonette

In den 1912 erbauten und bis Ende des II. Weltkrieges von Gebirgsjägern genutzten Gebäuden stecken wir kurz unsere Nasen hinein. Aber außer Tretminen (vermutlich nicht aus dem II. Weltkrieg) gibt es nichts zu sehen. Weiter geht's.

Vorbei an sprudelnden Wasserfällen windet sich die Straße dem Ort St-Etienne-de-Tinee entgegen. Der Tag neigt sich schon stark dem Ende zu. Den schluchtartigen Charakter des Tales, das sich der Fluß Tinee in den Fels gegraben hat, erleben wir schlichtweg nur im Vorbeifliegen.

Bei Madone de Utelle biegen wir auf die schon gut bekannte N202 ein, die entlang des gut wasserführenden Var wieder nach Entrevaux führt. Eine flottere Gangart ist auf dieser Nationalstraße gut möglich, die Straße ist anfangs sogar 4spurig ausgebaut, und trotzdem landschaftlich unheimlich reizvoll. An Entrevaux rauschen wir (ausnahmsweise) ohne "Café au lait" vorbei. Am Ende sind wir über den Zeitaufwand dieser Tour ziemlich erstaunt: Wir sind zehn Stunden unterwegs und verbuchen trotzdem nur ein Plus von reichlich dreihundert Kilometern auf dem Tacho.

Dem Tourverlauf folgen:
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