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Meteora | Klöster in den Wolken

Kastraki

Zu den Meteora-Klöstern muss man wohl nicht viel Worte verlieren. Die Klöster sind so ziemlich in jeder klassischen Griechenland-Rundtour zu finden. Steht man vor so einer spitzen Felsnadel, auf deren Spitze ein Klosterbau thront, kann man es kaum fassen, dass es Menschen vor Jahrhunderten möglich war, Baumaterial da hinauf zu schaffen. Und es verwundert niemandem, dass es bei so manchem Kloster bis zu siebzig Jahre dauerte, bis das Material oben war.

Meteorakloster - zwischen Himmel und Erde

Am grusligsten sind wohl die alten Seilwinden: In einem Netz wurden Lebensmittel oder die Mönche selbst nach oben transportiert. Wir können uns gut vorstellen, wie sie Blut und Wasser geschwitzt haben während ihrer luftigen Reise...

Die Rundtour zu den Klöstern ist rein von der Fahrtzeit her schnell absolviert. Aber nur für Leute, die ihren Blick nicht vom Asphaltband losreißen können. Der Rest der Fahrer (ob Motorrad oder Auto dürfte egal sein) wird unzählige Stopps einlegen. Oder vielleicht sogar die Wanderschuhe schnüren...

Es gibt wohl keinen besseren Platz als die riesigen Felsnadeln und Steinsäulen des "Steinernen Waldes" am Rand der thessalischen Tiefebene, um Klöster zu "Himmel und Erde" zu errichten. Vor mehr als sechzig Millionen Jahren soll die Gegend von einem gewaltigen See bedeckt gewesen sein, der sich im Laufe der Jahrtausende einen Weg durch das Felsmassiv bahnte.

Das ist die erste Theorie, denn die Wissenschaftler sind sich nicht einig über die Entstehung. Die zweite Theorie: Wind und Regen haben die Felsen zu ihrer heutigen Form gebracht. Und die dritte und letzte Theorie: Gott höchstpersönlich hat die Felsen erschaffen, auf dass man auf ihnen Klöster errichten kann... Egal wie die Felsen entstanden sind: Viele Jahrtausende oder Jahrmillionen später, im 9.Jahrhundert, seilen sich Eremiten über dreihundert Meter in die Schluchten ab, um dort Gebetsstellen zu schaffen. Dreihundert Jahre später wiederum wurde der Grundstock für den ersten richtigen Klosterbau, dem des Hl. Stephanos gelegt.

Meteorakloster - zwischen Himmel und Erde

Im 14. Jh., genauer im Jahre 1356, ließ sich der Mönch Athanássios Kinovitis, auch Meteoritis genannt, in der Gegend nieder (er kam vom Berg Athos) und gründete auf dem Platylithos-Felsen "Meteora", was soviel bedeutet wie "Schweben zwischen Himmel und Erde". Von ihm erhielt die ganze Region ihren Namen. Der Felsen erhebt sich 613 Meter über Meereshöhe und 413 Meter über Kalambaka. Nachdem Meteoritis eine Kapelle und einige Einsiedeleien errichtet hatte, scharte er weitere vierzehn Mönche um sich und gründete eine Gemeinschaft.

Im Laufe der Zeit nahm die Anzahl der Mönche immer mehr zu und die Klosterbauten mussten erweitert werden. Zur gleichen Zeit trug sich ein anderer Mönch namens Varlaam mit der Idee, auf dem gegenüberliegenden Felsen einen weiteren Klosterbau zu errichten. So entstand das noch heute zu besichtigende Kloster Varlaam. Während der folgenden zweihundert Jahre wurden insgesamt 23 Klöster auf den steilen Felsnadeln errichtet, wobei die Oberhoheit das Kloster "Metamorphosis" bekam. Sogar den Zerfall des byzanthinischen Reiches und die Türkenherrrschaft überstanden die Klöster wegen Ihrer Reichtümer nahezu unbeschadet.

Erst im 17.Jh. wurden die Türken immer unverschämter in ihren Forderungen und die Klöster stritten sich untereinander um ihre Ländereien in der Ebene. Immer weniger Gläubige zog es hinauf in die Klöster, die nur über gefährliche Seilzüge erreichbar waren. Ein Kloster nach dem anderen wurde aufgegeben und verfiel.

Eine zweite Klosterflucht setzte ein, als in den sechziger Jahren des 20.Jh. der Tourismus auch nach den Klostern griff. Aus Protest gegen den Besucheransturm und die damit gestörte Ruhe zog ein großer Teil der Mönche in die Klöster auf dem Berg Athos, zu dem "normale" Touristen keinen Zutritt haben. Heute sind lediglich noch vier Klosteranlagen bewohnt, insgesamt sechs sind zu besichtigen.

Die klöster agia triás und metamorphósis
Meteorakloster - zwischen Himmel und Erde

Die Rundtour von Kastraki über die Klöster zurück nach Kalambaka ist relativ schnell zu absolvieren, genaue Angaben sind allerdings wegen den vielen Foto- und Besichtigungsstopps nicht möglich. Zwei ganze Tage sollte man aber in dieser Region verweilen, um es ausgiebig kennenzulernen. Noch idealer ist es, wenn in den Koffern auch noch Platz für Wanderschuhe wäre, so kann man das Gebiet noch unmittelbarer erleben.

Während unseres Aufenthalts besichtigten wir zwei Klöster von sechs. Mehr muss nicht sein, es sei denn, man ist ein Experte für orthodoxe Kunst. Wir sind leicht gefrustet, dass es bei unserer dreiwöchigen Griechenland-Tour von vier Meteora-Tagen fast zwei volle Tage regnet. Deutschland schwitzt sich bei 30°C die Seele aus dem Leib und wir frieren bei 16°C. Verkehrte Welt. Die Klöster in Regenkombi und bei "Schnürlregen" zu besuchen haben wir wenig Bock. So sitzen wir den Regen meist auf dem Balkon aus. Langeweile. Ich filme in Nahaufnahme Jochens immer wilder wuchernde Bartstoppeln (Urlaub bedeutet jedes Jahr Rasurstreik) und die auf unserem Balkon nistenden Schwalben werden auch verewigt. Aber die flüssige Sonne macht schließlich doch der trockenen wieder Platz.

Meteorakloster - zwischen Himmel und Erde

Der kleine hölzerne Anbau auf dem Foto rechts ist das "Lifthaus". Seit Gründung des Klosters im 14. Jahrhundert schwitzte jeder Mönch, der das Kloster besuchte, eine halbe Stunde lang Blut und Wasser, wenn er von den anderen Mönchen mit der großen Seilwinde in einem Netz hinaufgekurbelt wurde.

Kloster agias trias

Bevor der große Regen kam... haben wir es noch geschafft, das Kloster "Agia Triás" zu besuchen. Absichtlich haben wir uns dieses Kloster ausgesucht. Es ist relativ klein, und was ganz wichtig ist: es gibt keinen großen Busparkplatz. Nur ein paar PKWs passen in die Haltebucht neben der Straße, von der aus wir noch einen Abstieg auf einem steinigen Weg und einen atemraubenden Aufstieg durch die Felsen zu bewältigen haben. Wer gern James-Bond-Filme sieht, kennt das Kloster aus dem Film "In tödlicher Mission".

Blick auf Kalambaka

Der Felsen ist 565 Meter hoch. Fast 300 Meter würde man im freien Fall hinunter nach Kalambaka, das direkt unter dem Felsen liegt, unterwegs sein. Erst 1923 war die spektakuläre Seilwinde Vergangenheit. Hundertvierzig in den Fels gehauene Stufen (andere Quellen berichten von 195 Stufen - hätten wir wohl doch nachzählen sollen) bringen die Besucher nach oben. Zwischendurch blickt man zwischen zwei Felsen hindurch auf Kalambaka.

Ein klein bißchen außer Puste betreten wir den kleinen Klostervorhof. An der Tür erwartet uns ein netter Herr in Zivil. Schade, kein Mönch. Wir hatten gehofft, den kauzigen Bruder Ioannis zu treffen, über den wir einiges in unserem "Kleinen Müllerchen" gelesen hatten. Bruder Ioannis, einer von den vier letzten Mönchen hier, ist auf einem Auge blind und auf dem anderen sieht er gerade mal zwei Meter weit. So ertastet er die Besucher förmlich und zählt die Stimmen. Aber der zivile "Pförtner" ist auch ein sehr fröhlicher Zeitgenosse.

Wir lassen ihm einen Obulus da und ich muss mir erstmal einen Wickelrock über die Motorradhosen binden. Chic. Der letzte Schrei. Vor dem Urlaub hatte ich gespottet: "Wenn die in Meteora Frauen wirklich nicht in Hosen reinlassen, dann wäre das die erste Motorradtour, bei der ein Rock mit muss." Der musste dann aber doch nicht mit, weil ich auf die Geschäftstüchtigkeit der Mönche hoffte ...

Im Meteorakloster - Rock über Motorradhose - griechischer Chic!

Die Kleiderordnung sieht folgendermaßen aus: Männer: keine unbedeckten Schultern, keine Shorts. Frauen: ebenso keine unbedeckten Schultern und keine Hosen, selbst lange nicht. Rock muss sein, auch wenn's doppelgemoppelt ist. Wir lassen uns Zeit. Viele Besucher gibt es um diese Zeit nicht, wir sind meist allein in den Gebäuden unterwegs.

Hinter dem Kloster auf den Felsen ist ein Windspiel aus Eisenteilen aufgebaut, dessen helle Klänge durch die Lüfte schweben. Dahinter ist eine öffentliche Toilette versteckt, zwar in Steh-Form, aber in sauberem Zustand. Als wir uns im Klostergarten noch einige Zeit auf einer Bank niederlassen, zieht der Himmel immer mehr zu. Der "Pförtner" hält sich derweil im Klostervorhof fit: da ein Klimmzug an einem Baum, dort ein Zwanzig-Meter-Dauerlauf, hier ein Balancelauf auf dem Mäuerchen. Es fängt wieder an zu regnen. Wir sitzen den Regen in himmlischer Ruhe unter dem Vordach aus. Als es nachläßt, stiefeln wir die Treppen hinunter und den Weg drüben wieder hinauf bis zu unserer Motorrad.

Hauptkloster metamorphósis

Einen ganz anderen Eindruck als "Agia Triás" hinterlässt das grösste und Hauptkloster Metamorphósis, auch Megálo Metéoron genannt. Ein großer Parkplatz ermöglicht auch Bussen die Anfahrt. Auf dem Parkplatz eine Imbißbude und drei große Souvenirstände. Die Verkäufer sind clever: Sie schauen auf die Buskennzeichen und rufen ihre Verkaufsparolen gleich in der jeweiligen Landessprache.

Meteora-Kloster
Meteora-Kloster

Polnisch. Russisch. Alles kein Problem. Busse gibt es mehr als genug. Uns bleibt nichts anderes übrig, als uns im Touristenstrom schwimmen zu lassen. Erst eine kurze Treppe hinunter, danach eine umso längere wieder hinauf. 265 Stufen sollen es sein. Und andere Quellen sprechen wieder einmal nur von 115 Stufen. Wer Lust hat, sollte mal zählen.

Das Kloster hat die größte Fläche von allen Meteora-Klosterbauten zur Verfügung: 50.000 Quadratmeter. Auch hier war die Seilwinde das einzige Beförderungsmittel nach oben. Erst 1923 wurde die Treppe in den Fels gehauen, sie ist ein sehr schweißtreibendes und schwindelerregendes Vergnügen. Wir treffen Besucher, die sich eng an der Innenseite der Treppe entlangdrücken, weil sie sich nicht an die Begrenzungsmauer getrauen.

Zuerst betreten wir verschiedene Werkstätten mit Ausstellungsstücken aus vergangenen Jahrhunderten, da wo die Schreiner werkelten, steht u.a. ein Riesenweinfass. Gleich nebenan schaut man durch eine Öffnung in der Tür auf hundert Totenschädel. Alles Mönche, die die Fahrt in der Seilwinde nicht überlebt haben?

Die Bustouristen hetzen durch das weiträumige Kloster. Zeit ist Geld - in einer halben Stunde fährt der Bus wieder. Grausam. Und wieso müssen sie sich über den halben Klosterhof irgendwelche "witzische" Parolen zubrüllen? Verständlich, dass die Mönche zu den Klöstern auf dem Berg Athos auswanderten.

Im Innenhof streifen eine Menge Katzen herum. Sie sind so mager wie überall in Griechenland, Wohlstandsbäuche wie bei deutschen Katzen wird man in Griechenland vergeblich suchen. Kaum habe ich mich auf einer steinernen Bank niedergelassen, habe ich auch schon einen schnurrenden Stubentiger auf dem Schoß.

Hinter dem Innenhof wurde eine felsige Plattform eingezäunt, von der aus man einen schönen Ausblick auf die restlichen Felsen und das Nachbarkloster Varlaam genießen kann. Anschließend werfen wir noch einen Blick in einen großen Raum, der als Museum und zugleich Verkaufsraum dient. Die Videokamera um Jochens Hals, die er zum Schutz noch mit der Hand festhält, bringt ihm einen erbosten Ausruf des Wächters ein, der meint, dass er verbotenerweise filmen will.

In diesem Kloster halten wir uns bei weitem nicht so lang auf wie in Agia Triás, der Trubel unter den vielen Besuchern ist einfach zu groß. Als wir uns auf den Rückweg machen, beobachten wir, wie sich die heutige Generation die vielen Treppen erspart. Dem deutschen TÜV hätten die Haare zu Berge gestanden, wenn sie den Mann gesehen hätten, wie er sich vom gegenüberliegenden Felsen in einer zementbottichartigen Seilbahn ins Kloster herüberfahren lässt.

Dem Tourverlauf folgen:
weiter mit Kastraki und Kalambaka

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