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Pilion | Heimat der Zentauren

Horefto

Die Halbinsel Pilion, Heimat der Zentauren aus der griechischen Mythologie. Vor dem Urlaub herscht gespannte Vorfreude auf diesen Märchenwald, wie er in unserem Reiseführer beschrieben wird. Was haben wir uns vor dem Urlaub auf die Pilion-Halbinsel gefreut! Ein Motorrad-Paradies. Märchenwald. Während unserer vorherigen Tourziele Zagoria-Dörfer, Meteora-Klöster fiebern wir auf Pilion zu. Doch von den geplanten drei Tagen auf dem Pilion halten wir es nur zwei Tage aus, dann brechen wir unsere Zelte ab und düsen die fünfhundert Kilometer wieder hinüber auf die andere Seite zum Ionischen Meer.

Aber vor die Pilion-Halbinsel haben die Götter die Stadt Volos drapiert. Schön ist Volos gewiss nicht, aber es ist das Tor zum Pilion. Egal, ob man vom Süden oder vom Norden kommt - an der Stadt Volos kommt man nicht vorbei! Man muss mittendurch, ob man will oder nicht. Wir wollen nicht, doch es gibt keine Schleichwege. Augen auf und durch!

Die Pilion-Halbinsel ist in der Mythologie die Heimat der Zentauren (oder Kentauren). Diese beiden Schreibweisen leiten sich offensichtlich aus der Entsprechung des griechischen "C" ab: wir sprechen es wie Zeppelin, die Griechen jedoch eher wie Karla. Diese Fabelwesen besaßen menschliche Oberkörper, der auf einem Pferdeleib saß. Es heißt, Göttervater Zeus habe das Schönste, was Griechenland zu bieten hat, auf dieser Landzunge zusammengetragen, um dort seinen Urlaub zu verbringen.

Also mal j.v.v. - janz von vorn. Mittags gegen halb eins treffen wir in dem Moloch Volos ein. Wow - wir finden sogar Hinweisschilder, die uns auf den Pilion führen sollen!

Volos

Im Jahr 1955 zerstörte ein Erdbeben die Stadt Volos, wonach die Neustadt an der Küste um den Hafen herum im Schachbrettmuster wieder neu aufgebaut wurde. Nur die Altstadt an den Hängen des Pilion wurde nicht so sehr in Mitleidenschaft gezogen. Der Blick von den Hängen der Altstadt Ano Volos hat einen gewissen Reiz. Der Moloch, daneben der Golf von Pagassitikós.

Mit 78.000 Einwohnern ist sie die fünftgrösste Stadt Griechenlands. Wer auf die Pilion-Halbinsel will, muß zwangsläufig durch sie hindurch. Die Straßen haben nach amerikanischen Muster keine Namen, sondern werden vierte, sechste oder siebte Straße genannt. Das eigentliche Herz von Volos ist der Hafen, Hauptumschlagplatz Thessaliens, der das ganze Jahr hindurch einen regen Güter - und Personenverkehr zu verzeichnen hat - zu den Sporaden, zu den grossen Häfen des Mittelmeers, nach Syrien und dem Mittleren Osten.

Orientierung in volos: Fünf. setzen.

Die Beschilderung in der Stadt ist alles andere als vorbildlich, hat griechischen Standard - ist also sehr spärlich bis so gut wie gar nicht vorhanden. Ein Schild übersehen und man ist in den Häuserschluchten verloren. Wir haben uns jedes Mal hoffnungslos verfranzt... Entweder weil wir gar keine Schilder erst entdeckten, die uns Hinweise gaben, in welche Richtung wir fahren müssten. Oder weil wir der Wegweisung folgten, aber nach einiger Zeit keine Schilder mehr entdecken konnten. Mit unseren Versuchen, von Einheimischen Auskunft zu erhalten, scheiterten wir kläglich. Wir hielten ein Taxi an: keine Englischkenntnisse. Wir fragten eine vielleicht 18jährige junge Frau nach dem "Highway". Verlegenes Lächeln. "Autostrada"? Verlegenes Lächeln. Nochmal "Highway" - und damit sie uns wahrscheinlich loswurde, bestätigte sie die Richtung, in die wir zeigten... War natürlich falsch.

Es gibt in Volos nur zwei Varianten, zur Halbinsel zu kommen. Die eine führt nördlich aus der Stadt hinaus und schnurstracks über den Pilion-Gebirgszug auf die andere Seite. Ausschilderung nach Makrihari, nicht Pilio!). Aber diese Straße muß man erst mal finden. Wir können uns dessen nicht rühmen.

Die zweite Variante ist eine kleine Rundtour: In Volos immer der Ausschilderung "Pilio" folgen, so folgt man der westlichen Küstenlinie. Eine von zwei Überquerungsmöglichkeiten des Gebirgszuges sollte man nutzen, wenn man auf die andere Seite will - und mehr als genug Zeit für die andere Seite mitbringen – dort gibt es Kurven, Kurven, Kurven!

Nun haben wir die Wahl: Richtung Makrihari, schnurstracks über den 1500 Meter hohen Pilion-Gebirgszug oder erstmal an der Westküste der Landzunge entlang, um erst nach dreißig Kilometern in Richtung Gebirge abzubiegen und dann auf der anderen Seite zurück. Wir wollen Richtung Makrihari, uns in Horefto ein Zimmerchen mieten und dann noch mal die Straßen unter die Räder nehmen.

Aber daraus wird nichts. Die Wegweisung nach Makrihari ist nach dem dritten Schild nicht mehr existent. Also verlegen wir gezwungenermaßen die Erkundungstour auf dem Pilion vor. Auch recht. Als wir an den Abzweig kommen, der uns über den Gebirgszug bringen soll, frage ich Jochen vorsichtig, ob er sicher ist, daß er wirklich da hinüber will: Grau und drohend hängen Wolken am Berg und leider nicht über dem Berg. Okay, er ist sich sicher. Wenn es der Beste alle Turtle-Dompteure so will - also durch die Wolken...

Zwischen dem Stop-and-Go in Volos und Horefto liegen 3 1/2 Stunden Fahrt, die Straßen sind sehr zeitraubend, das heißt steil, unheimlich eng oft und mit schlechtem Belag. Und da wir noch keine Karte im kleineren Maßstab von Pilion haben, verfranzen wir uns auch schon mal und haben keine Ahnung mehr, wo wir uns befinden.

Unterwegs auf dem Pilion

So ist das nun mal in Griechenland, wir amüsieren uns bei unseren Irrfahrten gottseidank köstlich, schließlich sind wir im Urlaub und nicht auf der Flucht.

Während der türkischen Besatzungszeit hielten sich viele Familien im Pilion versteckt. Es wird folgende Geschichte erzählt: In der felsigen, steilen und schwer zugänglichen Region blieb eine Gruppe zurück, als der Familienvater sich aufmachte, um sich durch die Linien der anrückenden Türken zu schlagen und mit einem Fischerboot zurückzukommen und die Fliehenden zu retten. Doch sie warteten vergeblich.

Als die Türken nur noch einen Steinwurf entfernt waren, nahm die Frau ihre Kinder bei der Hand und sprang von einer Klippe ins Meer, wo sie alle ertranken. Noch heute wird diese Geschichte voller Stolz erzählt und der Felsen in der Nähe von Horefto präsentiert. Furchtbar stolz ist man auf alles, was mit Widerstand gegen die leidigen türkischen Besatzer zu tun hat.

Was es heißt, auf dieser Seite Pilions einen Ort zu erreichen, kann man aus der Kilometer- und Zeitstatistik ablesen. Das Dorf Zagora liegt zwei Kilometer Luftlinie oberhalb von Horefto. Gefahrene Kilometer jedoch acht Kilometer! Ein bißchen vorgewarnt waren wir durch unseren Reiseführer ja schon, daß es Ende Mai auf dem Pilion noch keinen nennenswerten Tourismus gibt, das heißt, daß die Gegend noch nicht auf die Ankunft von Urlaubern eingerichtet ist. Aber das es gleich so leer ist - das hätten wir nicht erwartet. Wir haben uns Horefto für unsere Unterkunftssuche ausgesucht. Es liegt an der Ostküste des Pilion, an der die Berge sehr jäh ins Meer abfallen. Die Gegend ist wasserreich und infolgedessen auch sehr waldreich. Das steile Gelände wird als ein Eldorado für Biker beschrieben.

Unterwegs auf dem Pilion

Wir ankern also unser Schiff in Horefto und schaukeln noch ein bißchen hierhin und ein bißchen dorthin, um die Hotels zu beschnarchen. Hmm, viele sind noch dicht oder sehen etwas schmuddelig aus. Wir finden etwas oberhalb am Berg das kleine Hotel "Ägeus" mit einem Blumenmeer davor und einer sehr netten Wirtin. Genehmigt. Wir sind die einzigen Gäste. Nur den Kühlschrank im Zimmer müssen wir über Nacht vom Strom nehmen, er plätschert wie ein mittelgroßer Wildbach.

Aber irgendwas passt uns am Pilion nicht. Wir können zunächst nicht genau sagen, was es ist. Am nächsten Tag geben wir ihm eine zweite Chance, unsere Begeisterung auszulösen. Am wohlsten fühlen wir uns auf unserer "Turtle", die in dieser Region vor allem am Tag zuvor eine Meisterleistung (mit vollem Gepäck) zu erbringen hatte. Unser Tourstart in die Berge beginnt wieder mit der Frage vom letzten Tag, als wir vor den Wolken stehen, die die Berge einhüllen: "Wollen wir wirklich da hinein?" Diesmal lautet die Antwort: Nein.

Beten zum gott der reifenpanne

Wir kurbeln also über die Straßen Richtung Süden, meist ein paar hundert Meter über dem Meer. Das Meer kommt so gut wie nie in Sicht. Was man allgemein unter Aussicht versteht, wird vom Märchenwald verhindert. Kurven ohne Ende - normalerweise Highlight jeden Motorradfahrers - können uns hier nicht begeistern. Einmal treffen wir auf ein mehrköpfiges Straßenbau-Team, das Löcher mit flüssigem Asphalt auffüllt - wir sind begeistert und sind gezwungen, Slalom zu fahren! Bei der Rückfahrt ist dann das zweite Team am Werkeln und füllt Split in die ausgegossenen Löcher.

Am Rande einer anderen Baustelle wird mit Brettern und langen Nägeln hantiert. Wir beten zum Gott der Reifenpanne, daß die Nägel nur in den Brettern stecken... Malerisch allerdings sind die vielen Wasserläufe, die sich an einigen Stellen wildwasserartig den Berg hinunterstürzen. Wanderungen durch den Märchenwald sind garantiert ein Erlebnis!

Hier erleben wir eine Begebenheit, die uns etwas Kopfzerbrechen bereitet: An einer Brücke über so ein Flüsschen parken wir unser Motorrad, um ein paar Fotos zu schiessen. Ein weißer Lieferwagen parkt vor der "Turtle", setzt zurück und der junge Fahrer schießt aus dem Autofenster mit dem Handy ein Bild von der TDM. Erster Gedanke: Hier gibt es scheinbar nicht oft solche Bikes und der Fahrer bewundert unser zweirädriges Fortbewegungsmittel. Oooooder doch nicht? Motorradmafia? Klau auf Bestellung? Was denn sonst? Beim Weiterfahren beobachten wir aufmerksam, ob uns ein Lieferwagen folgt. Wir können keinen entdecken. Sehen wir schon Gespenster? Uns ist die Sache unheimlich, auch wenn unser Verstand sagt: so ein Quatsch!

Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste - wir legen unsere "Turtle" abends am Hotel gescheit an die Kette und das Bremsscheibenschloß... Vielleicht hätte es uns auf der Westseite des Pilion besser gefallen, wer weiß. Dort stürzt sich das Gebirge nicht so jäh ins Meer. Versteh es, wer will.

Die Amalfitana-Küste in Süditalien ist ja auch fürchterlich steil, und die ist uns sehr gut bekommen. Es werden wohl die fehlenden Ausblicke auf das Meer sein, die uns davon abhielten, uns wohlzufühlen. Vielleicht ist auch der Anblick der geschlossenen Hotels und Pensionen etwas trostlos. Der Tourismus schwebt wie ein Damoklesschwert über der Gegend - aber die Urlauber sind noch nicht eingetroffen. Das Verrückte daran ist, daß wir Orte mit viel Tourismus ja meiden wie der Teufel das Weihwasser... Wir werden es nicht mehr ergründen können. Wir beschließen, den geplanten Aufenthalt von drei auf zwei Tage zu verkürzen und in einer Mammuttour quer durch Griechenland an's Ionische Meer zu fahren. Wir studieren unsere Karte und finden eine sehr schöne Strecke. Wie sich später herausstellt, die schönste Route, die wir bisher in Griechenland gefahren sind.

Aber vorerst kommt am Morgen noch einmal ein ewiges Gekurbel. Die Wolken hängen auch wieder dort oben. Diesmal haben wir keine Wahl. In der Gipfelregion liegen noch Schneereste und die Temperatur sinkt auf 12°C. Bibber bibber. Für die knapp vierzig Kilometer nach Volos benötigen wir neunzig Minuten Fahrtzeit. Dann noch mal fast eine Stunde, bis wir endlich Hinweisschilder gefunden haben, die uns zur Autobahn Richtung Athen bringen.

Da diese 500km-Mammuttour schon nicht mehr zum Pilion gehört, setzen wir sie an anderer Stelle - "Ost-West-Strecke" - fort.

Dem Tourverlauf folgen:
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