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Touren auf der Pilion-Halbinsel

Horefto

Was haben wir uns vor dem Urlaub auf die Pilion-Halbinsel gefreut! Ein Motorrad-Paradies. Märchenwald. Während unserer vorherigen Tourziele Zagoria-Dörfer, Meteora-Klöster fiebern wir auf den Pilion zu. Doch von den geplanten drei Tagen auf dem Pilion halten wir es nur zwei Tage aus, dann brechen wir unsere Zelte ab und düsen die fünfhundert Kilometer wieder hinüber auf die andere Seite am Ionischen Meer ...

Aber mal j.v.v. - janz von vorn. Mittags gegen halb eins treffen wir in dem Moloch Volos ein. Wow - wir finden sogar Hinweisschilder, die uns auf den Pilion führen sollen!

Nun haben wir die Wahl: Richtung Makrihari, schnurstracks über den 1500m hohen Pilion-Gebirgszug oder erstmal an der Westküste der Landzunge entlang, um erst in Richtung Gebirge abzubiegen und dann auf der anderen Seite zurück. Wir wollen Richtung Makrihari, uns in Horefto ein Zimmerchen mieten und dann noch mal die Straßen unter die Räder nehmen.

Aber daraus wird nichts. Die Wegweisung nach Makrihari ist nach dem dritten Schild nicht mehr existent. Also verlegen wir gezwungenermaßen die Erkundungstour auf dem Pilion vor. Auch Recht. Als wir an den Abzweig kommen, der uns über den Gebirgszug bringen soll, frage ich Jochen vorsichtig, ob er sicher ist, daß er wirklich da hinüber will: Grau und drohend hängen Wolken am Berg und leider nicht über dem Berg. Okay, er ist sich sicher. Wenn es der Beste alle Turtle-Dompteure so will - also durch die Wolken...

Zwischen dem Stop-and-Go in Volos und Horefto liegen 3 1/2 Stunden Fahrt, die Straßen sind sehr zeitraubend, das heißt steil, unheimlich eng oft und mit schlechtem Belag. Und da wir noch keine Karte im kleineren Maßstab von Pilion haben, verfranzen wir uns auch schon mal und haben keine Ahnung mehr, wo wir uns befinden. Was es heißt, auf dieser Seite Pilions einen Ort zu erreichen, kann man aus der Kilometer- und Zeitstatistik ablesen. Das Dorf Zagora liegt zwei Kilometer Luftlinie oberhalb von Horefto. Gefahrene Kilometer jedoch acht Kilometer

Wir ankern also unser Schiff in Horefto und schaukeln noch ein bißchen hierhin und ein bißchen dorthin, um die Hotels zu beschnarchen. Hmm, viele sind noch dicht oder sehen etwas schmuddelig aus. Wir finden etwas oberhalb am Berg das kleine Hotel "Ägeus" mit einem Blumenmeer davor und einer sehr netten Wirtin. Genehmigt. Wir sind die einzigen Gäste. Nur den Kühlschrank im Zimmer müssen wir über Nacht vom Strom nehmen, er plätschert wie ein mittelgroßer Wildbach.

Irgendwas passt uns am Pilion nicht. Wir können zunächst nicht genau sagen, was es ist. Am nächsten Tag geben wir ihm eine zweite Chance, unsere Begeisterung auszulösen. Am wohlsten fühlen wir uns auf unserer "Turtle", die in dieser Region vor allem am Tag zuvor eine Meisterleistung (mit vollem Gepäck) zu erbringen hatte. Unser Tourstart in die Berge beginnt wieder mit der Frage vom letzten Tag, als wir vor den Wolken stehen, die die Berge einhüllen: "Wollen wir wirklich da hinein?" Diesmal lautet die Antwort: Nein.

Wir kurbeln also über die Straßen Richtung Süden, meist ein paar hundert Meter über dem Meer. Das Meer kommt so gut wie nie in Sicht. Was man allgemein unter Aussicht versteht, wird vom Märchenwald verhindert. Kurven ohne Ende - normalerweise Highlight jeden Motorradfahrers - können uns hier nicht begeistern. Einmal treffen wir auf ein mehrköpfiges Team, das Löcher mit flüssigem Asphalt auffüllt - wir sind begeistert und sind gezwungen, Slalom zu fahren! Bei der Rückfahrt ist dann das zweite Team am Werkeln und füllt Split in die ausgegossenen Löcher.

Am Rande einer anderen Baustelle wird mit Brettern und langen Nägeln hantiert. Wir beten zum Gott der Reifenpanne, daß die Nägel nur in den Brettern stecken... Malerisch allerdings sind die vielen Wasserläufe, die sich an einigen Stellen wildwasserartig den Berg hinunterstürzen. Wanderungen durch den Märchenwald sind garantiert ein Erlebnis!

Auf dem Weg zum Pilion

Hier erleben wir eine Begebenheit, die uns etwas Kopfzerbrechen bereitet:An einer Brücke über so ein Flüsschen parken wir unser Motorrad, um ein paar Fotos zu schiessen. Ein weißer Lieferwagen parkt vor der "Turtle", setzt zurück und der junge Fahrer schießt aus dem Autofenster mit dem Handy ein Bild von der TDM. Erster Gedanke: Hier gibt es scheinbar nicht oft solche Bikes und der Fahrer bewundert unser zweirädriges Fortbewegungsmittel. Oooooder doch nicht? Motorradmafia? Klau auf Bestellung? Was denn sonst? Beim Weiterfahren beobachten wir aufmerksam, ob uns ein Lieferwagen folgt. Wir können keinen entdecken. Sehen wir schon Gespenster? Uns ist die Sache unheimlich, auch wenn unser Verstand sagt: so ein Quatsch!

Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste - wir legen unsere "Turtle" abends am Hotel gescheit an die Kette und das Bremsscheibenschloß... Vielleicht hätte es uns auf der Westseite des Pilion besser gefallen, wer weiß. Dort stürzt sich das Gebirge nicht so jäh ins Meer. Versteh es, wer will.

Die Amalfitana-Küste in Süditalien ist ja auch fürchterlich steil, und die ist uns sehr gut bekommen. Es werden wohl die fehlenden Ausblicke auf das Meer sein, die uns davon abhielten, uns wohlzufühlen. Vielleicht ist auch der Anblick der (noch) geschlossenen Hotels und Pensionen etwas trostlos. Der Tourismus schwebt wie ein Damoklesschwert über der Gegend - aber die Urlauber sind noch nicht eingetroffen. Das Verrückte daran ist, daß wir Orte mit viel Tourismus ja meiden wie der Teufel das Weihwasser...

Wir werden es nicht mehr ergründen können. Wir beschließen, den geplanten Aufenthalt von drei auf zwei Tage zu verkürzen und in einer Mammuttour quer durch Griechenland an's Ionische Meer zu fahren. Wir studieren unsere Karte und finden eine sehr schöne Strecke. Wie sich später herausstellt, die schönste Route, die wir bisher in Griechenland gefahren sind.

Aber vorerst kommt am Morgen noch einmal ein ewiges Gekurbel. Die Wolken hängen auch wieder dort oben. Diesmal haben wir keine Wahl. In der Gipfelregion liegen noch Schneereste und die Temperatur sinkt auf 12°C. Bibber bibber. Für die knapp vierzig Kilometer nach Volos benötigen wir neunzig Minuten Fahrtzeit. Dann noch mal fast eine Stunde, bis wir endlich Hinweisschilder gefunden haben, die uns zur Autobahn Richtung Athen bringen.

Da diese 500km-Mammuttour schon nicht mehr zum Pilion gehört, setzen wir sie an anderer Stelle - Ost-West-Strecke

Dem Tourverlauf folgen:
weiter mit Ost-West-Route

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