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Peloponnes | Die "fast-vier-Finger"-Insel

Griechische Esel

Peloponnes - die "fast-vier-Finger-Insel" ist ein sehr ergiebiges Ziel für Motorradtouren. Dem "Tankrucksack-Touristen“ präsentiert sich dieses Stück Griechenland mit einer unerreichbaren Vielfältigkeit. Selbst die landschaftliche Abtrennung vom Festland durch Menschenhand wurde bereits vor über hundert Jahren realisiert. Korinth - weltbekannt durch eben diesen Kanal. Zugegeben, landschaftlich eher eine Enttäuschung, bautechnisch aber sehenswert. Leider nimmt aber auch in der Nähe der größeren Städte der Straßenverkehr zu. Somit wird ein Fahren in diesem Brutkasten gemischt mit den Abgasen nahezu zum Überlebenstraining.

Ein Erlebnis ganz anderer Art ist eine Tour durch die karge Landschaft des mittleren "Fingers", Mani genannt. Hier beeindruckt vor allem die Mischung aus trockener, rauher Gebirgslandschaft, hohen, wehrhaften Wohntürmen und menschenleeren, halb verfallenen Dörfern. Die Touren auf dem Peloponnes beginnen für uns eigentlich auf der Insel Kefalonia mit unserer Anreise nach Kyllini im Westen des Peloponnes. Ein paar Regenwolken sind aufgezogen und begleiten uns auf dem Weg zur Fähre.

Da unsere letzte Schlafstatt in dem kleinen Fischerstädtchen Poros auf Kefalonia gestanden hat, dauert es nur ein paar Minuten, bis wir am Fährhafen eintreffen. Die Wolken spucken zum ersten Mal während der gesamten Griechenland-Tour ein paar vereinzelte Tröpfchen aus, die jedoch kaum gelandet, schon wieder verdunstet sind. Die anderthalbstündige Überfahrt auf der Fähre verläuft komplikationslos, selbst die Zweiräder werden diesmal gut vom Personal verzurrt.

Da wir auf der Fähre mit leichten Schuhen und kurzen Hosen bekleidet sind, suchen wir nach Verlassen der Fähre erst einmal ein ruhiges Plätzchen, um uns für die nächsten 230 Kilometer bis Githio motorradgerecht umzuziehen. Direkt am Fährhafen beginnt jedoch eine dicht befahrene Fernstraße und es gibt keinerlei Möglichkeit anzuhalten. So können wir erst nach einigen Kilometern einen Stopp einlegen. Bis dahin heißt es für mich als Sozia, eingeklemmt zwischen allen möglichen Jacken und Hosen, in jeder Hand krampfhaft ein Paar Motorradstiefel festzuhalten.

Olympia
Olympia

Das antike Olympia liegt genau auf unserem Weg. Wir wollten nicht daran vorbeifahren und beginnen unseren Rundgang um die Mittagszeit. Wir haben genug Wasser dabei (außerdem gibt es genug schattenspendende Bäume in Olympia).

Der Zeus-Sohn Herakles soll seinem "olympischen" Vater zu Ehren die Olympischen Spiele eingeführt haben. In historischer Zeit waren die Fürsten von Elis und Pisa für die Abhaltung der Zeus-Feste (Olympiaden) verantwortlich. In der Blütezeit dauerten die olympischen Spiele nahezu eine Woche. Die letzte antike Olympiade fand 385 n. Chr. statt.

Die Wettkampfarten erweiterten sich im Laufe der Zeit: Zum Kurzstreckenlauf über rund 200 Meter (ein Stadion = 192 Meter) kamen Mittel- und Langstreckenläufe (400 Meter und 5000 Meter), zeitweise auch ein "Waffenlauf" in Rüstung, ferner Ringen, Boxen und Freistil. Der Fünfkampf war Krönung der Einzelwettkämpfe. Als Höhepunkt aller Sportdisziplinen galt das Wagenrennen, mit vier bzw. zwei Pferden.

Olympia
Olympia

Das Ausgrabungsgelände liegt zwischen den Flüssen Kladeos im Westen und Alfios im Südosten, im Norden wird es durch den Kronos-Hügel begrenzt. Im Zentrum lag schon seit frühester Zeit der mit Platanen und Ölbäumen bewachsene Heilige Hain.

Die Länge der Laufbahn beträgt ein Stadion, das sind sechshundert antike bzw. olympische "Fuß" (192 Meter). Dass das Stadion von Olympía im Vergleich zu anderen griechischen Stadien verhältnismässig groß ausgefallen ist, liegt der Mythologie zufolge daran, dass der hünenhafte antike Superheld "Herakles" höchstpersönlich seine Füße zum Ausmessen zur Verfügung gestellt haben soll.

Die 40.000 Zuschauer saßen auf Erdaufschüttungen, denn nur in der Mitte der südlichen Begrenzung der Laufbahn gab es eine Tribüne aus Stein, die den Hellanokiden (Schiedsrichter), Prominenten und Beamten vorbehalten war. Auch in Olympia, genauso wie auch in den anderen Sehenswürdigkeiten, ist es ratsam, Trinkbares mit auf die Besichtigungstour zu nehmen. In Olympia besteht sogar die Möglichkeit, seinen Wasservorrat direkt am Eingang durch einen offiziellen Brunnen wieder aufzufüllen. Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor ist obligatorisch.

Es gibt zwar in Olympia ausgesprochen viele schattige Plätze (durch Platanen und Ölbäume), abe das Stadion liegt in der prallen Sonne. Nach einer ausgiebigen Pizza-Frappè-Pause geht es weiter über Kalamata in Richtung Githio. In Kalamata verfranzen wir uns erst mal richtig. Unsere Irrfahrt ist einem Riesen-Kreisverkehr nicht unähnlich. Abgesehen davon, dass man teilweise direkt am Meer entlang fährt, ist Kalamata eine häßliche Großstadt ohne jedes Flair. Es ist schon nachmittags und wir haben vor, gegen neunzehn Uhr in Githio einzutreffen. Aslo nix wie weiter.

Die Hauptstadt Lakoniens, zu dem auch Mani gehört, ist Sparta. Jedem von uns sind die Begriffe "spartanisch" und "lakonisch" bekannt. Vor allem bei letzterem wird aber kaum einem bewußt sein, dass dieses Wort von dieser Gegend abgeleitet wird. Der Militärstaat Sparta erzog seine Soldaten zu Menschen, die von Kindheit an lernten, klaglos Schmerz, Kälte und Hunger zu ertragen, und dabei nur das Allernötigste zu sprechen: lakonisch eben.

Die Strecke von Kalamata nach Sparta ist ein Traum.

Die folgenden Kilometer entschädigen uns. Die Strecke von Kalamata nach Sparta ist ein Traum. Diese 60 km sind eine einzige Kurve! Wenn es nicht schon spätnachmittags wäre, hätten wir uns die antike, verlassene Stadt Mistra (kurz vor Sparta) anschauen können. Aber wir müssen noch Kilometer schrubben. Gegen zwanzig Uhr treffen wir endlich in Githio ein und beginnen mit unserer Unterkunftssuche.

Die Zimmersituation ist wesentlich entspannter als auf Kefalonia. Aber das erste Angebot ist so miserabel, dass wir weiterziehen. Wir finden bald eine nette Pension. Beim traditionell griechischen Abendessen planen wir die nächsten Tage. Die erste Tour auf Peloponnes gilt dem mittleren "Finger", der berühmt-berüchtigten Mani. Blutrache, Wohntürme und keine Tankstellen - das sind unsere Assoziationen zur Mani.

Dem Tourverlauf folgen:
weiter mit Die Halbinsel Mani

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