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Monemvasia | Die Stadt der Fussgänger

Monemvasia
Monemvasia

Am letzten Tag vor der Weiterfahrt an die Ostküste des Peloponnes haben wir uns die Stadt Monemvasia als Tourziel ausgesucht. Zunächst geht die Fahrt durch kilometerlange Orangenhaine, dessen Früchte zum Teil schon abgeerntet sind. Wir finden aber auch noch tragende Bäume. Der weitere Straßenverlauf ist weniger spektakulär und fotogen. Das Gegenteil bestaunen wir, als wir Monemvasia betreten. In der Stadt Monemvasia verbirgt sich nahezu an jeder Straßenwinkelung ein neues, einzigartiges Fotomotiv.

Monemvasia liegt auf einem wuchtigen, weit ins Meer hineinragenden Felsklotz an der Ost-Küste Lakoniens. Sie ist durch eine Brücke mit dem Festland verbunden. Die Straße führt bis an eine der beiden Stadtmauern, welche vom Steilhang des Berges bis zur Küste hinab reichen. Diese Stadtmauern werden zeitlich in die Türkenzeit datiert und ersetzten die alten byzantinischen Wehranlagen. Der Namen Monemvasía leitet sich von Moni Emvasis ("der einzige Zugang") ab.

Die "Hauptstraße", die man kaum verfehlen kann, wenn man durch das Eingangstor immer den Touristenscharen nachtrottet, ist eingerahmt von Souvenirläden und Film- und Postkartenständen, Tavernen und Restaurants, einfach typisch touristisch ausgelegt. Aus diesem Grunde kamen für uns nur die abgelegenen Straßen und Gässchen in Frage, welche bei weitem nicht so überlaufen waren. Durch die vielen Jahre, die Monemvasía schon auf dem "Buckel" hat, sind Stufen und Treppen außerordentlich abgewetzt und somit spiegelglatt. Feste Schuhe sind da kein unnützes Kleidungsstück.

Unser Versuch, in einem Restaurant unseren schon zur liebgewonnenen Gewohnheit gewordenen "Frappé" zu bekommen, scheitert. Wir werden freundlich, aber bestimmt darauf hingewiesen, dass wir uns in einem Speiserestaurant befänden. Wir verlassen die Örtlichkeit ohne "Frappé".

Monemvasia

In der dichtgedrängten Stadt gibt es viele griechisch-orthodoxe Kirchen. Unfassbar, dass es in der Vergangenheit nahezu vierzig Kirchen gab. Blickt man von oben auf die Stadt (von der Festung oberhalb aus möglich, aber der Weg dorthin ist schweißtreibend und rutschig), kann man diese Tatsache gar nicht so recht glauben. In Monemvasía sieht man kaum Einheimische. Entweder gehen sie in der Touristenschar unter oder aber sie sind wegen des Trubels schon lange ausgewandert. Die andere Möglichkeit wäre noch, dass ihnen die ganzen Souvenirläden und Restaurants gehören, was letztendlich zahlenmäßig auch aufgehen könnte. In der ganzen Stadt ist kein einziges Auto zu sehen. Erstens käme es schon gar nicht durch den Toreingang der Stadt (verläuft im 90° Winkel) und zweitens wären hier weder Garagen noch Parkplätze, um die Blechdose zu parken.

Im 16. Jahrhundert sollen in der Stadt 60.000 (!!) Einwohner gelebt haben, während die Stadt unter der folgenden türkischen Herrschaft in der Bedeutungslosigkeit versank. 1804 waren von 350 Häusern gerade mal noch sechs bewohnt. Heute hat die Stadt siebzig Einwohner.

Was die kulinarischen Möglichkeiten in Monemvasía betrifft, haben wir die Erfahrung gemacht, dass es ratsamer ist, wieder aus der Stadt zu flüchten, um kurz nach der Brücke zum Festland sich in der neuen Stadt Géfira ein Lokal in Strandnähe zu suchen. Hier bieten die Tavernen und Restaurants alles, womit man sein Nahrungsdefizit wieder ausgleichen kann. Außerdem hat man so sein Motorrad wieder in Sichtweite und kann in Ruhe essen.

Ganz ohne koffeinhaltige Stärkung wollen wir die Gegend nicht verlassen. Auf einer von großen Sonnenschirmen beschatteten Freiterrasse in Gefira erhalten wir unsere heißersehnten Eisgetränke. (Gefira ist die "neue" Stadt auf dem Festland vor Monemvasia.) Am Rand der Hafenmole werkelt der Besitzer eines Restaurants. Neben ihm steht eine Schubkarre voller Kalamari. Einer nach dem anderen wird fachgerecht zerlegt. Nicht brauchbare Teile des Kraken werden ins Hafenbecken geworfen, wo sich sofort große Fische auf das Festmahl stürzen.

Als wir ihm bei seinen Arbeiten mit der Videokamera über die Schulter schauen, erklärt er uns bereitwillig, wie er die Kalamari anschließend in Olivenöl und verschiedenen Gewürzen einlegt. Ab neunzehn Uhr würde er sie auf den Grill legen, sodass wir ab zwanzig Uhr zum Essen kommen könnten. Er fragt, ob wir denn abends in der Stadt seien... Nur dumm, dass einer ihm zuliebe mit "Ja" und der andere ehrlicherweise mit "Nein" antwortet.

Monemvasia
Monemvasia

Da wir die Anfahrtsstrecke nicht komplett zurückfahren und unsere Körper außerdem noch einmal kurz in Salzlake pökeln wollen, suchen wir einen Weg, um quer über den Finger zu gelangen. Ein Teilstück ist auf unserer Karte weiß eingezeichnet. Geschätzte vier Kilometer. Als wir in einem Dorf nach dem richtigen Weg fragen müssen, wird er uns sehr freundlich und ausgiebig beschrieben. Allerdings schon wieder so lang, dass wir uns nur die Hälfte merken können.

Mit der Bitte, auf dieser Wegstrecke gaaanz vorsichtig zu fahren, verabschiedet uns der nette Grieche. Dass wir an der kleinen, weißen Kapelle links abbiegen müssen, das wissen wir noch. Bis zur weißen Kapelle ist alles okay. Auf der Schotterweg kommen wir alle dreihundert Meter an eine Abzweigung. Wir benutzen immer die, die uns am ehesten nach Westen bringen könnte. Aber nach weiteren dreihundert Metern stoßen wir auf die nächste...

So irren wir eine Stunde lang durch die lediglich mit Ölbäumen und Macchia bestandene Landschaft. Immer wenn wir auf einer Bergkuppe stehen, halten wir Ausschau nach Anzeichen von Zivilisation. Nichts. Nach anderthalber Stunde geben wir auf und fahren den Weg zurück. Großer Jubel, als wir auf ein Dorf stoßen. Der Asphalt hat uns wieder! In Elika biegen wir ab Richtung Meer und werfen uns, wenn auch mit ziemlicher Verspätung, ins erfrischende Meereswasser.

Beim Wenden am Strand hat sich Willi mit seiner BMW bis zur Achse im Sand eingebuddelt. Beim helfenden Rausschieben der Beemweh wird der Frischefaktor von Jochen wieder zunichte gemacht. In der Zwischenzeit hat sich die Wolkendecke geschlossen und als auf dem Rückweg die Tropfen zu prasseln beginnen, suchen wir ein Bushäuschen als Unterschlupf auf. Aber der Regen hält kaum fünf Minuten an, so dass wir unsere Fahrt bald fortsetzen. Unterwegs werden wir zwar noch einmal nass, aber bis wir in Githio eintreffen, sind wir schon wieder vom Fahrtwind trockengeblasen.

Dem Tourverlauf folgen:
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