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Ausflug nach Mostar | Bosnien-Herzegowina

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Das Wetter spielt nicht so richtig mit. Mal scheint die Sonne, mal regnet es. Zwar nur leicht, aber es regnet. Da die Straßen dadurch nicht gerade griffiger werden, versuchen wir unsere Outdoor-Aktivitäten in die regenfreien Zeiten zu verlegen. Eines unserer Ziele ist Mostar.

Am Morgen scheint mal wieder die Sonne. Wir bewaffnen uns vorsichtshalber mit Regenklamotten in der Seitentasche. Mit Hilfe der hiesigen Straßenkarten ist der Weg schnell fixiert. "Steffi" wird uns ohne Autorouting (da es keine Detailkarten in Garmin-Software für Kroatien gibt) mit einigen Waypoints hilfreich zur Seite stehen.

Zehn Uhr. Makarska. Das Wetter hält. So begeben wir uns auf die Magistrale und hangeln uns an den Waypoints entlang zur bosnischen Grenze.

Die Ortschaften werden zunehmend kleiner und leerer. Das Tankstellennetz scheint in dieser Region nicht sehr dicht gesteckt zu sein. Wohl dem, der einen großen Tank hat. Unsere Tankuhr zeigt zwar an, dass wir schon auf Reserve fahren, diese wiederum reicht erfahrungsgemäß noch weit über hundert Kilometer.

An der Grenze zu Bosnien-Herzegowina beachtet uns keiner bei der Einreise. Als erstes fällt uns die Geschwindigkeitsbegrenzung von 40 km/h innerhalb geschlossener Ortschaften auf. Gut, mag ja mal noch gehen! Aber die 50 km/h außerhalb geschlossener Ortschaften - ohne ersichtlichen Grund auf gut ausgebauten Straßen - bedürfen schon einer großen Portion Selbstbeherrschung. An manchen Stellen ist die Geschwindigkeitsbeschränkung für fünfhundert Meter wieder aufgehoben. Warum, weiß kein Mensch. Doch es lohnt nicht, auf den kurzen Stücken etwas mehr am Gashahn zu drehen. So schleichen wir mit 50 km/h (na ja, nicht wirklich, vielleicht ein bißchen mehr, aber erwischen darf man sich nicht lassen ;-) über die offene Prärie.

Mostar

Auf den Hauptverbindungen steht die Polizei mit der Radarpistole bewaffnet im Schatten der Bäume. Es ist mittlerweile eine stolze Temperatur erreicht, so das sich der Schattenplatz der Polizei auf Dauer bestimmt bezahlt macht. Mostar ist seit längerem ausgeschildert. Somit erreichen wir die Altstadt Mostars ohne weitere zeitaufwendige Umwege. Kaum dass die Räder unserer Big Turtle zum Stillstand gekommen sind, steht auch schon ein Stadtführer neben uns. So etwa Mitte, Ende Zwanzig wird er sein. Kurz versorgt er uns mit den neuen Spielständen im Fußball und gratuliert uns zum Sieg der Deutschen gegen die Österreicher. Schön, aber davon haben wir mal wieder nichts mitbekommen.

Er stellt sich uns als Dragan vor, gäbe uns eine Stadtführung und kenne einen sehr sicheren Parkplatz und die Kinder setzen sich doch hier auf jedes Motorrad ... und überhaupt wäre er ja der Einzigste, der eine wirklich kompetente Stadtführung anzubieten hätte und das Ganze für "nur" zwanzig Euronen... Punkt. Luftholen. Wir drücken den Preis auf zehn Euro. Unser Führer meint, wäre wohl okay, da er sowieso nichts anderes vorhätte. Vermutlich wäre er auch mit fünf Euro zufrieden gewesen. Er wird sicherlich nicht sein Herzblut in diese Führung investieren.

Mostar hat ein eigenartiges Flair. Hier leben Christen, Orthodoxe, Juden und Moslems direkt Tür an Tür. Das wird schon von weitem her sichtbar durch die anwesenden Moscheen und die dazugehörigen Minarette. Auch das christliche Kreuz ist nicht zu übersehen.

Für den Wiederaufbau des durch den Krieg zerstörten Mostar hat die UNESCO zehn Millionen Euro aufgewendet. Das wird schnell deutlich, da durch den Krieg in Mostar nahezu kein Bauwerk unbeschädigt geblieben ist.

Mostar
Brücke von Mostar

Den neuen verbauten Steinen fehlt allerdings das Charisma von Hunderten von Jahren. Es wird wohl noch ein wenig dauern, bis man wirklich wieder von einer Altstadt im herkömmlichen Sinne sprechen kann. Auf und an der Brücke sehen wir die Nebenwirkungen des Tourismus. Ein junger Mann bietet sich an, für Geld von der Brücke in den Fluss zu springen. In den Gassen haben sich Händler niedergelassen, die jeglichen Kram feilbieten.

Vom Stahlhelm über Öllampen bis hin zum Kugelschreiber in Patronenform (haben die immer noch nicht genug vom Krieg?), kann man hier nahezu alles erstehen, was eigentlich kein Mensch braucht.

Aber gut, der Gott des Tourismus möge es ihnen verzeihen. Und was tut man nicht alles um ein Stück vom Urlaub mit nach Hause zu bringen.

Auf unsere Frage an Dragan, wie es möglich sei, ein solch altes Bauwerk wie die Brücke von Mostar zu zerstören, entgegnet er: "Im Krieg gibt es keine Gesetze." Daraufhin schildert er uns seine als Vierzehnjähriger im Krieg erlittenen Verletzungen durch die Serben. Ein fehlendes Stück vom Ohr, ein Kratzer am Arm sowie Verletzungen an der rechten Schulter waren das Ergebnis eines Granateneinschlags in der Nähe seines Wohnhauses.

Was brachte der Krieg? Schwierig zu beantworten. Außer viel Leid eine teilweise nagelneue Altstadt von Mostar, der Rest eine sehr renovierungs- und restaurierungsbedürftige Altstadt; Grenzen, an welchen man sich wieder ausweisen darf; Einschusslöcher an den Hauswänden; nach wie vor sicherlich der Hass der einzelnen Völker gegeneinander durch das Leid, welches dieser Krieg mit sich brachte, verschiedene Währungen - wobei die Bosnier natürlich auch Kuna und Euro akzeptieren !!??

Brückenspringer von Mostar - leider nur gegen Geld

Also alles in allem ist vieles komplizierter geworden und nichts einfacher. Soviel aus unserer Sicht zum Thema dieses Krieges. Allerdings muß es sich wohl gelohnt haben - oder, was sollte dieser Krieg dann für einen Sinn gehabt haben?? Oder andersrum: Welchen Sinn hat der Krieg überhaupt?

Nach rund einer halben Stunde verabschiedet sich unser junger Stadtführer und verschwindet so schnell in der Menge, als hätte er Siebenmeilenstiefel an. Aber das Gespräch mit ihm hat uns die Stadt Mostar und über den Alltag sowie das Leben in Mostar etwas nähergebracht. An der Brücke wartet der durchtrainierte, rastagelockte Brückenspringer immer noch auf zahlungskäftige Touristen. Für zwanzig Euro springt er von der Brücke in den Fluss. Es sieht nicht so aus, als hätte er in der letzten Minuten etwas verdient. Zu unserem Motorrad finden wir allein wieder, da die Altstadt von Mostar recht übersichtlich ist und man kaum Gefahr läuft, sich zu verlaufen.

Unser Besuch in Mostar endet. Wir machen uns auf dem gleichen Weg wieder zurück nach Makarska. Wieder mit 40 km/h über die Straßen von Bosnien bis zur Grenze. Zum ersten Mal müssen wir an der bosnischen Grenze unsere Reisepässe vorweisen. Schikane? Die Grenzbeamtin entdeckt den "Rolling Turtle"-Aufkleber am Schnabel der GS: unser selbstgezeichnetes Maskottchen, die GS-fahrende Schildkröte. Sie gibt uns lachend die Pässe zurück und winkt uns weiter.

Je näher wir Makarska kommen, desto schlechter wird das Wetter. Die zuerst hohe Bewölkung entpuppt sich schnell als wasserwerfende Reisebegleitung. Wenigstens tröpfelt es nur hier und da etwas. So kommen wir einigermaßen trockenen Fußes wieder zur Küste. Da der Zeiger der Uhr noch nicht so weit fortgeschritten ist, dass es Zeit zum Abendessen wäre, suchen wir Ziel in der Umgebung von Makarska. Laut unserem kleinen Müllerchen existiert hier noch ein kleiner botanischer Garten mit Pflanzen aus dem Biokovo-Gebirge. Biokovski Botanicki Vrt Kotisana. Die Micky-Maus-Straße zu dem Dorf Kotisana gefällt uns schon mal sehr!

Nach kurzer Suche finden wir ihn. Noch siebenhundert Meter bis zum Botanischen Garten. Das Schild an der Auffahrt "Please don't drive with your car!" zwingt uns zum Philosophieren. Also? Ein Auto darf nicht fahren. Aber wir dürfen. Das Eingangsschild ist in meinen Augen das spektakulärste an dieser Einrichtung. Eintritt kostet es keinen. Es gibt einige Pflanzen, die so aussehen, als ob sie von Gottes Hand hierher gepflanzt wurden. Daneben liegt jeweils ein Stein, auf dem geschrieben steht, um welches Gewächs es sich handelt. Aber viele sind wohl extra hierher übersiedelt worden.

Pause

Im Endeffekt hat man alle hier vorkommende Pflanzen bei den Streifzügen durch die kroatische Bergwelt irgendwo und irgendwie schon mal gesehen. Manche kennt man sogar mit Namen. Bei anderen ist vielleicht interessant, zu sehen, wie sie heißen. Wir haben allerdings auch nicht das ganze Areal gesehen, denn wieder mal bewirft uns die Wetterfee mit Regentropfen und vermiest uns so den bergigen Spaziergang ziemlich. Wer allerdings ein wenig von der Flora versteht, der weiß die dargebotenen Pflanzungen durchaus zu schätzen. Jochen verweigert sich allerdings mangels botanischer Vorkenntnisse und kraxelt zunehmend lustlos - sowie wieder mal der Wetterfee grollend - durch die Berge.

Wieder in Makarska nutzen wir die Gunst der Stunde um uns in einer Pizzaria am Hafen einzunisten. Wir sind die einzigen, so frühen Gäste und die Kellner - es sind drei Pizzarien nebeneinander - kurbeln auch schon eifrig an den Gestängen ihrer Markisen. Es regnet schon wieder und auch hier scheint mit Regen kein Geld verdient zu sein.

Dem Tourverlauf folgen:
weiter mit Velebit-Gebirge

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