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Die Fahrt ins Rifgebirge

Die Blaulichtviertel von Chefchaouen

Wir sind auf dem Weg nach Chefchaouen und kommen von Tetouan, wo wir nach der nachmittäglichen Fährankunft in einem hygienisch grenzwertigen Hotel übernachtet hatten. An einem einfachen Cafè am Mittelmeer ergattern wir unser erstes marokkanisches Frühstück: Espresso, Café au lait und für jeden zwei Muffins. Für acht Kaffees und zehn Muffins bezahlen wir umgerechnet 7.50 Euro.

Rifgebireg | Grün wohin man sieht

Nachdem wir kurz nach Et-Tleta-de-Qued-Laou in Richtung Landesinnere bzw. Chefchaouen abgebogen sind und nun dem Fluss Laou folgen, wird die bröckelnde Asphaltpiste besser.

Ab und zu gibt's noch Schotterpassagen, trotzdem meist flüssig zu fahren und mit TKC-Reifen überhaupt kein Problem, allerdings werden wir fürchterlich eingestaubt. Die Straße windet sich in großzügigen Kurven durch das Rif-Gebirge mit grünen, spärlich mit Nadelbäumen bewaldeten Berghängen.

Rifgebirge | durchzogen von tiefen Tälern und Schluchten

Dazwischen immer wieder weiße Häuschen. Eine Schlucht wie sie im Bilde steht. Wow, einfach nur genial, diese Landschaft!

Das Rif-Gebirge ist bekannt für den Haschischanbau und berüchtigt durch seine aufdringlichen Haschischverkäufer, die allerdings von Jahr zu Jahr weniger ein Problem darstellen, so daß vor allem Chefchaouen und sein Umland ein Magnet für zahlreiche Besucher ist.

Plötzlich liegt ein zehn Meter breites und ebenso langes rotes Wasserloch vor uns. Wir werden bis zu den Knien mit Schlammwasser besudelt und kommen kurz danach in Chefchouen an.

Chefchaouen | Stadt des Kif

Unser Plan lautet, daß wir uns in Chefchaouen einquartieren und den Nachmittag und Abend in den Gassen der sehenswerten, blaugetünchten Medina verbringen, um am nächsten Tag nach Fes weiterzufahren. Nur stimmt unser Plan nicht mit den Vorhaben unseren drei Reisebegleiter überein.

Es ist erst 13:00 Uhr. Die Anderen würden gerne noch weiterfahren und sich die 260 Kilometer bis nach Fes oder eine Teilstrecke davon antun. Ein Frevel. Kaum zu schaffen, finden wir.

Josef schlägt vor, hier einen Kaffee zu trinken und dann weiterzufahren. Nach einigen Diskussionen können wir die drei überzeugen, hierzubleiben.

Ehrlich gesagt waren wir drauf und dran, sie ziehen zu lassen und wären am nächsten Tag allein auf die – wegen den Kiffern und Rauschgifthändlern – berüchtigte Strecke über Ketama gegangen, vor der das Auswärtige Amt seit Jahren warnt und die wir eigentlich nicht allein fahren wollten.

Aber Chefchaouen nicht anzuschauen oder nur auf einen Kaffee und einen 10minütigen Spaziergang durch die Stadt wäre für uns nicht in Frage gekommen. Wir haben uns die "Stadt des Kif" sehr intensiv angeschaut und möchten es jedem Marokkoreisenden wärmstens ans Herz legen.

-> Ausführlich im Menüpunkt: Chefchaouen

Strecke nach fes - very dangerous?
Gemächlich ist das Leben in Marokko

Am Abend zuvor trafen wir zwei italienische Paare mit zwei BMWs, die sich besorgt nach den Befindlichkeiten der Straße Richtung Fes erkundigten („Very dangerous?“), denn schon seit Jahren warnt das Auswärtige Amt vor dieser Strecke wegen der Haschischplantagen und der Belästigung durch die Haschverkäufer.

In Foren und Reiseberichten war von Verfolgungsjagden und anderen gefährlichen Belästigungen die Rede. Man sollte nicht anhalten und keinesfalls irgendwas von dem angebotenen Rauschgift kaufen.

In letzter Zeit wird das jedoch alles ziemlich locker gesehen, jeder, der durchfuhr, schrieb: „Alles in Ordnung, kein Problem.“ Nachtfahrten sollen trotzdem unbedingt vermieden werden. Wir bieten den vier Italienern an, mit uns zusammen zu fahren. So machen sich fünf Motorräder auf den Weg durch das Rifgebirge, um heute bis nach Fes zu fahren. Noch wärmt die Sonne kaum, das Thermometer zeigt nur 11 °C, aber am Himmel ist keine Wolke zu sehen.

Eine geniale, gebirgige Strecke erwartet uns, bis Ketama sind es rund 100 km.

Eine geniale, gebirgige Strecke erwartet uns, bis Ketama sind es rund hundert Kilometer. Vor Chefchaouen lagern neben der Straße große Korkrindenstapel und Korkeichenplantagen. Den Eichen fehlt meist an den unteren drei bis vier Metern die Rinde.

Die Asphaltdecke ist durchwegs ordentlich, so dass wir ein angenehmes Reisetempo erreichen. Streckenweise bewegen wir uns in Höhen über tausend Metern und genießen eine wunderbare Panoramaaussicht auf das malerische Rifgebirge.

Die Anmache durch Kiff-Händler hält sich in Grenzen. Ab und zu werden wir mit Zigaretten oder einem Päckchen Haschisch herbeigewinkt sowie mit eindeutigen Gesten gelockt. Da wir keine derartigen Ambitionen verspüren, halten wir nur in Gegenden, wo uns keine dieser Typen belästigen können.

Rif | paradies des kif

In Marokko bezeichnet der Begriff "Kif" Cannabis im Allgemeinen und ist dem Arabischen entlehnt, wo es "Wohlbefinden" bedeutet. Die Hippies der 60er und 70er Jahre brachten diesen Begriff nach Europa, wo er als Verb "kiffen" seine Verbreitung fand. Etwa 800.000 Menschen leben im nordmarokkanischen Rifgebirge vom Cannabis-Anbau, obwohl er offiziell nicht erlaubt ist. Die Regierung versucht mit Hilfe der EU, den Bauern Alternativen anzubieten. Der Besitz von Rauschgift wird in Marokko mit Haftstrafen von bis zu zehn Jahren sowie hohen Geld- und Zollstrafen geahndet. Bereits der Besitz kleinster Mengen ist strafbar – man sollte also die Finger von derartigen Angeboten lassen, denn ein Aufenthalt in einem marokkanischen Gefängnis ist gewiss kein Zuckerschlecken.

In der Auslage umkreisen Fliegen ganze Schafe und Lämmer, die im Freien hängen ...

Vor Ketama durchqueren wir einen unglaublichen Ort. Es muss Bab Berret sein. Selbst die Hauptstrasse ist eine einzige Schlammwüste. Das rotbraune Zeug verhält sich wie Schmierseife. Alle dirigieren ihre GS-Kühe vorsichtig durch ein Gewusel von Fußgängern, Fahrrad- und Mofafahrern, diversen klapprigen Lieferwagen und LKWs.

Links und rechts der Straße wird Handel betrieben: In der Auslage umkreisen Fliegen ganze Schafe und Lämmer, die im Freien hängen; daneben stehen mehrere Reihen Schuhe zum Verkauf, im angrenzenden Verschlag wird ein Gestell geschweißt und im nächsten dunklen, mit allerlei Gerätschaften zugestellten Raum werkelt ein Reifenflicker. Manche Kisten mit Verkaufswaren stehen direkt am Straßenrand im Schlamm. Puuuh, hier möchten wir keine Panne haben. Bloß nicht anhalten und die Füsse runternehmen. Das ist vielleicht ein Dreckloch! Wir überqueren vor Ketama den Pass Bab Besen mit 1600 Metern.

Von einigen Stellen bietet sich eine kilometerweite 
                Sicht auf die vorgelagerten Bergrücken.

Danach ist Ketama schnell durchquert. Zwei an der Ausfallstraße kontrollierende Polizisten grüßen freundlich, halten uns aber nicht an. Wir machen eine Pause auf einer Bergstrecke mit altem Nadelwald. Die Temperatur bewegt sich immer noch knapp unter 20°C, es ist sonnig und perfekt zum Fahren.

Kurz nach Ketama ändert sich die Landschaft nur marginal. Die Wälder liegen hinter uns. Dafür steigt die Temperatur rasant auf 30 °C. Unsere Route nach Fes führt durch zerklüftete Täler inmitten bizarrer Felsen.

Von einigen Stellen bietet sich eine kilometerweite Sicht auf die vorgelagerten Bergrücken. Bisher hatten wir es nur mit Haschverkäufern zu tun, die uns "Kif" andrehen wollen, in dieser Gegend jedoch machen die Rifbauern keinen Hehl mehr daraus, womit sie ihren Lebensunterhalt verdienen. Die Hänge sind zunehmend terrassiert und leuchten schon von weitem in einem satten Grün. Die angebauten Pflanzen entpuppen sich beim Vorbeifahren auch ohne nähere Inaugenscheinnahme als Hanfpflanzen. Es erstaunt uns, daß wir die Pflanzen oft fast vom Motorrad aus pflücken könnten. Ab und zu sichten wir vereinzelt Personen, die vermutlich als Wachpersonal abgestellt sind.

Hanf. Bisher hatten wir es nur mit Haschverkäufern zu tun, die uns „Kif“ 
                andrehen wollen, in dieser Gegend jedoch machen die Rifbauern keinen Hehl mehr daraus, 
                womit sie ihren Lebensunterhalt verdienen.

Kinder am Straßenrand winken freundlich (oder erwartungsvoll?). Bisher haben wir kein Problem mit bettelnden Kindern. Allerdings fanden unsere Pausen bisher meist abseits statt.

Ein Junge rennt jetzt auf uns zu und bildet mit beiden Händen eine Pistole. Und gestern sahen wir einen Jungen, der einen Hühnerei großen Stein in der Hand hatte. Ob er ihn auch werfen wollte? Er tat es jedenfalls nicht.

Wir sind gespannt, ob uns noch steinewerfende Kinder begegnen, wie es oft in älteren Reiseberichten zu lesen ist. Angeblich sollen diese negativen Erscheinungen, dass Kinder betteln und mit Steinen werfen, wenn man nicht anhält, zunehmend der Vergangenheit angehören. Sollten wir damit konfrontiert werden, würden wir sofort anhalten bzw. auf ihn zuhalten, den Blickkontakt mit dem Steinewerfer suchen und wenn er dann immer noch nicht davongerannt ist, absteigen. Ich schätze mal, spätestens dann nehmen die Kiddies die Beine in die Hand. So wäre der Plan, aber ob das dann auch in der Realität funktioniert? Keine Ahnung, wir mussten es Gott sei Dank nicht ausprobieren.

Dem Tourverlauf folgen:
weiter mit Chefchaouen

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