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Fes | Stadt der neuntausend Gassen

Die Medina - zu eng für Qe

Wir erreichen Fes. Kaum sind wir auf den Straßen der Stadt, schon begleiten uns Moskitos – so nennt Thomas die rollerfahrenden Schlepper, die uns selbstverständlich zu den schönsten, preiswertesten und komfortabelsten Unterkünften führen werden, weil wir die allein nie finden würden.

Wir ignorieren sie einfach. Oder geben Gas. Irgendwann verlieren sie das Interesse oder die nötige Geschwindigkeit. Wir erhielten den Übernachtungstipp eines Freundes und speicherten deswegen die GPS-Daten des Hotel Batha auf dem Navi, das sich genau am Rande der Medina befindet.

Moskitos in den gassen der Medina von fes

Die Medina von Fes wird von einer unglaublichen Anzahl Gassen durchzogen. 9000 sollen es sein! Durch die kein Auto hindurchpasst. Die Gassen sind zwischen einem und drei Metern breit. Alle Waren – und was sonst noch so in der Stadt gebraucht wird – werden auf Eseln und humanoid gezogenen Karren in die Medina befördert. Auf ebensolchem Weg verlässt der Müll die Altstadt. Theoretisch passt zwar ein Motorrad hindurch, aber mit den Koffern wird es eng. Und spätestens in den rechtwinkligen Abzweigungen ist Schluss mit lustig.

Müllabfuhr und Spedition auf marokkanisch

Aber zunächst gilt unser Hauptinteresse einer möglichen Schlafstatt. Wir erfahren, dass das Hotel Batha voll belegt ist. Sofort materialisiert sich ein "Moskito" von der gegenüberliegenden Hauswand und schleust uns zu einem Riad in der angrenzenden Medina, einem Stadthaus mit lichtem, meist begrüntem Innenhof, das traditionell eingerichtete, um einen Innenhof gruppierte Zimmer vermietet. Aber nicht an uns. Das erste Riad, das zweite Riad – alle sind vollbelegt.

Während unsere Mitreisenden außerhalb der Medina die Moppeds hüten, laufen Joseph und ich mit dem Schlepper durch die Gassen, wo den „Moskito“ eine freundliche, sanfte Frau anspricht, die sich uns als Hatica vorstellt. Sie hätte auch ein Riad – und sogar mit freien Zimmern. Wir schauen uns das frisch renovierte Haus an und belegen drei der Zimmer.

Der Innenhof mit einem Brunnen ist mit buntem Mosaik gefliest. Der Brunnen wird bei unserem Eintreffen mit Wasser gefüllt und in Gang gesetzt, während wir auf einer bequemen Sitzgruppe Tee serviert bekommen. An der Wand das obligatorische Foto der Königsfamilie mit Mohammed den Sechsten (liebevoll MSix genannt).

In den Randgebieten der Medina von Fes wurden viele Stadthäuser von Einheimischen kunstvoll restauriert und dienen als stilvolle Herberge für Gäste. In Marrakesch herrscht der Trend, dass die Häuser vor allem von vermögenden Ausländern, darunter viele Prominente, aufgekauft und hergerichtet werden, in Fes sind es noch eher die reichen Fassi (wie sich die Feser nennen), die die Häuser bewohnen und sich mit der Zimmervermietung eine Lebensgrundlage schaffen.

Schriftzeichen

Wir hatten uns das vor unserem Marokkobesuch gar nicht vorstellen können: dass man in die Medina nicht wenigstens mal kurz hineinfahren kann, die Koffer abladen und wieder hinaus ... Aber nein, wirklich, die Gassen sind eng, saueng! Keine Chance für Dickschiffe!

Die Motorräder dürfen zum Abladen ein kleines Stück in die Gasse fahren – wobei schon die erste Abzweigung eine Herausforderung für die bekofferten Qe sind. Die Motorräder füllen die Gasse in der Breite fast vollkommen aus.

Passanten haben Not, sich an uns vorbei zu quetschen. Danach werden die Dickschiffe rückwärts wieder raus geschoben und auf einen bewachtem Parkplatz gleich um die Ecke gebracht. Ein Wächter ist für zwanzig Dirham pro Nacht und Motorrad für die Diebstahlsicherung verantwortlich. Neben den 15 bis 20 Motorrädern und Rollern hat er sich einen Verschlag aus zahlreichen Materialien gezimmert, in dem er sich vor Sonne und Regen schützen kann.

Bewachter Parkplatz in Fes

In Marokko gehen nicht nur die Uhren anders – hier schließen auch die Schlösser wieder einmal vollkommen andersrum. Um die Zimmer abschließen zu können, benötigen wir einen Kurs in marokkanischer Schlösserkunde. Unsere Gastgeberin erteilt geduldig Unterricht und lässt uns in ihrem Beisein ein Dutzendmal das Abschließen und das Schlüsselabziehen üben.

Der Schlepper bringt uns am Abend zu einem Restaurant, wo wir nach seinen Aussagen gute marokkanische Küche bekämen und in dem es auch Bier geben soll, was besonders die Herren der Schöpfung freut, da sie ihr Gut-Ankommer-Bier noch nicht hatten (und in Marokko auch in den wenigsten Fällen bekommen). Ein überaus prunkvolles Riad aus dem 14. Jahrhundert erwartet uns. Mit einer erlesenen Speisekarte mit erlesenen Speisen und natürlich mit erlesenen Preisen.

Das Essen ist sehr lecker, die Vorspeisen werden sogar einmal nachgefüllt – all you can eat – und eigentlich sind wir nach der Vorspeise schon satt... aber es folgen noch Hauptgericht und Nachspeise.

Frühstück im Riad

Die Zeche ist eminent! Für die Statistik ist das die höchste Zeche unserer gesamten Marokkoreise. Wieso haben wir nicht nach dem Preis der Alkoholica gefragt?

Am Urlaubsanfang in einem unbekannten Land darf man schon mal ein bißchen doof sein. Und wieder holt uns der „Moskito“ ab. Während er uns zurück an den Rand der Medina bringt, quetscht ihn Thomas über die Höhe seiner Einkünfte für derartige Dienstleistungen aus.

Thomas rechnet später aus, dass er mit dem Bakschisch von uns, vom Restaurant sowie vom Riad und bei mehreren Kunden pro Tag locker auf das Gehalt eines Beamten kommen könnte. Betrachtet man die modische Kleidung des „Moskitos“, schaut er tatsächlich nicht besonders notleidend aus.

Der nächste Morgen. Thomas hat eine starke Erkältung erwischt und kämpft still leidend mit den Symptomen, die ihm das typisch marokkanische und seeeehr reichhaltige Frühstück von Hatica vergällen. Erst serviert sie uns im hellen Innenhof Griessuppe mit Anissamen. Danach Baguette und selbstgemachte, in Fett ausgebackene „Donuts“. Dazu sehr schmackhafter (weil nicht bitterer), sehr süßer Tee und auf unseren speziellen Wunsch auch Kaffee.

Ferberei in Fes

Die Medina von Fes mit seinen 9000 (wenn es denn stimmen sollte) Gassen ist nicht kartografiert. Wir vereinbaren eine Führung durch die Medina und den Meriniden-Gräbern oberhalb der Stadt. Der führerlose Gang durch die Medina ist eine große Herausforderung für jeglichen Orientierungssinn. Farida holt uns um zehn Uhr im „Riad Baba“ ab. Für die älteste der vier Königsstädte Marokkos haben wir gern die Empfehlung eines Freundes angenommen, der nur wenige Wochen vor uns auch mit dem Motorrad in Marokko war und Farida als gut deutsch sprechende Fremdenführerin kennen und schätzen lernte.

Gerberei von Fes

Unser Reiseführer enthält einen groben, kleinen Stadtplan, aber da sind natürlich nur die wichtigsten Gassen eingezeichnet. Sie tragen zwar vereinzelt Namensschilder, oft aber nur in arabisch – so würden wir vermutlich Tage brauchen, um zurück zum Hotel zu finden.

Es wäre auch eine Idee, den elektronischen Navigationsballast mitzuschleppen, aber ob die Satellitenstrahlen bis in diese handtuchbreiten Häuserschluchten reichen?

Ursprünglich war die Medina ein Wohnviertel der Reichen mit teilweise prunkvollen Wohnbauten / Riads. Im letzten Jahrhundert verließen viele Reiche die enge Altstadt und zogen in die moderne und komfortablere Neustadt. Ärmliche Landbevölkerung ersetzte die Haute Voilé der Altstädte und mit diesen kam der bis heute kaum bekämpfte Analphabetismus, die Kinderarbeit und der Verfall der Gebäudesubstanz und des Hygienestandards.

Seit 1976 steht nun die gesamte Medina unter dem Schutz der UNESCO, die den Kampf gegen den Verfall aufgenommen hat. Große Angst herrscht vor einer Feuersbrunst: denn kein Feuerwehrauto kann die Altstadt durchqueren und Wasserquellen (in diesem Fall der Fluss Fes) sind unerreichbar.

Wir besuchen die Medersa Atterine, eine historische Hochschule 
                für islamische Gelehrte aus dem 14. Jahrhundert mit angeschlossenem Internat.

Farida führt uns zielsicher durch das Gassengewirr – sie wuchs hier auf. Wir besuchen die Medersa Atterine, eine historische Hochschule für islamische Gelehrte aus dem 14. Jahrhundert mit angeschlossenem Internat. In diesem mit herrlichen Ornamenten, Fayence-Mosaiken und Stuckarbeiten verzierten Gebäude wurde bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts noch unterrichtet.

Danach führt sie uns in einen Fundouk. Fundouks dienten als Herbergen für Händler (wie die Karawansereien oder Hane in der Türkei). Heute sind kleine Lager und Werkstätten darin untergebracht.

Platz der Messingschmiede

Wir folgen dem vielstimmigen Klang von Hammerschlägen und gelangen schließlich auf einen kleinen Platz, der Place es-Seffarine – Platz der Messingschmiede – genannt wird. Der helle Schall von vielen Hämmern erschwert die Erklärungen Faridas. Früher wurden hier große Töpfe und Kessel für Hochzeiten hergestellt, bei denen man für Hunderte Gäste kochen musste. Heute dienen die Töpfe wohl eher als Fotomotiv und ausgefallenes Mitbringsel.

Im Souk der Tischler, einer schmalen Gasse, in der sich rechts und 
                links offene Tischlerwerkstätten befinden, werden Sänften hergestellt.

Im Souk der Tischler, einer schmalen Gasse, in der sich rechts und links offene Tischlerwerkstätten befinden, können wir prunkvolle (für westeuropäischen Geschmack kitschig verzierte) Sänften für die Hochzeitszeremonien bewundern und werden schließlich ins Gerberviertel geführt, wo wir von einer Dachterrasse aus auf die Bottiche der Gerber hinunterschauen.

Die Terrasse ist nur erreichbar, wenn wir durch ein Lederwarengeschäft nach oben steigen. Gnädigerweise bekommen wir einen Zweig Minze als natürliche Gasmaske in die Hand gedrückt, die im „Notfall“ unter die Nase gehalten werden kann, wenn die Düfte der Gerberei einem die Sinne rauben wollen. Unterhalb arbeiten Männer in und an gemauerten Bottichen. Sie gerben das Ziegen- Schaf- und Rindsleder in einer mit Taubenkot versetzen Brühe und färben es danach in verschiedenen, natürlichen Farbtönen. Je nachdem wie der Wind steht, stinkt es atemberaubend. Doch der Wind meint es gut mit uns und der Zweig kommt kaum zum Einsatz.

Kairaouine-Universität und Moschee

"Ballack!" Es dauert einige Zeit, bis wir auf die Fußballer-Rufe konditioniert sind und mit einem beherzten, schnellen Rettungssprung reagieren. Wir hechten auf die Seite, um von dem Transportkarren oder dem Esel nicht umgerannt zu werden. Eigentlich heißt es ja Bellek, aber mit dem Eselsbrücke-Fußballer im Genick reagiert man schneller ...

Wir gelangen zur riesigen Kairaouine-Universität und Moschee. Hier wurden seit der Erbauung im Jahr 857 Philosophie, Medizin und Astronomie gelehrt. Die Portale öffnen sich für uns zwar, aber leider dürfen wir sie nicht betreten – so wie in Marokko keine Moschee von einem Ungläubigen betreten werden darf (mit einer Ausnahme in Casablanca). Unsere Kamera wird jedoch als gläubig eingestuft – der nette Herr am Portal nimmt sie gegen ein kleines Trinkgeld gern mit hinein und schießt einige Fotos für uns.

Fes von oben

Natürlich darf auch der Besuch einer Teppichknüpferei nicht fehlen. So gern wir so ein Kunstwerk kaufen würden ... wäre es nicht etwas dekadent, einen Teppich mit dem Motorrad zu befördern? Wir liebäugeln wirklich damit, eine Teppich zu erwerben, sind uns nur nicht sicher, wie wir ihn transportieren.

Sollten wir bei einem der Tausenden Teppichangebote schwach werden, dann vermutlich erst am Ende der Reise. Einen leeren, wasserdichten Packsack hätten wir ja dabei ... Nachtigal ick hör dir trapsen.

Zwei Frauen sitzen an dem Holzrahmen und knüpfen in einem vorgegebenen Muster Wolle in die Kettfäden. Einhändig! Ich setze mich dazu und versuche es ebenso. Um Gotteswillen - wie machen die das? Die brauchen gerade mal eine Sekunde für jeden Knoten – mit EINER Hand! – und ich mindestens zehn! Respekt!

Geschäft mit Arganprodukten

Nächster Laden. Der weitere Weg (bzw. Farida) führt uns in ein Geschäft mit Arganprodukten, für die vor allem der Süden berühmt ist. Eine Kooperative von Frauen beschäftigt sich mit der Verarbeitung der Früchte des Arganbaums, dessen Öl in Reinform verkauft, aber auch als Bestandteil in verschiedenen Kosmetikprodukten verarbeitet wird.

Früher kostete das Arganöl soviel wie ein gutes Olivenöl, aber seit man verbreitet, dass es auch schön macht, ist es zum Luxusartikel avanciert. Am Boden sitzen zwei Frauen, die mit einfachen Mitteln Nüsse knacken. Sie reichen mir zur Demonstration eine dieser Nüsse. Danach fuchteln sie wie wild über einem Bastkorb herum. Ich werfe die Nuss hinein. Erst nach Verlassen des Ladens trete ich von meiner langen Leitung herunter: in den Korb sollte nicht die Nuss, sondern ein Scheinchen hinein! Sorry nachträglich.

Kupferschmied

Obwohl wir eigentlich keinen Hunger haben (man erinnere sich: die Donuts!!!) und uns der Sinn höchstens nach einem Kaffee steht, besuchen wir ein Speiselokal, hier werden wir mehr oder weniger gedrängt, etwas zum Essen zu bestellen. Judith wird zum Verköstigen in die Küche entführt und ist danach eigentlich satt.

Zugegebenermaßen ist das Aufgetischte dann doch ganz lecker und wird trotz „keinem Hunger“ verputzt. So wie es aussieht besteht Faridas Honorar nicht nur aus dem mit uns vereinbarten Lohn für diese Führung. Sie hält sich sehr dezent zurück und möchte auch kaum etwas Spendiertes annehmen. Im Vorfeld betonte sie, dass wir zu Käufen nicht verpflichtet sind, aber wir bilden uns ein, dass sie leicht angesäuert ist, wenn wir in den Läden, durch die wir geschleust werden, nichts kaufen. Kann aber auch Einbildung sein.

Schließlich treten wir auf einen Platz und Farida organisiert uns ein Taxi oder zumindest ein Fahrzeug, das uns als Taxi dient, denn ein offizielles Schild hat es nicht. Da wir zu sechst sind, aber nur fünf Personen Platz darin finden – Farida vorn, vier im Fond – wird Jochen zum Gepäck degradiert und faltet sich quer in den Kofferraum des Kombis. Wir werden zu den Resten der Meriniden-Gräber gebracht, diese liegen auf einer Anhöhe im Norden der Stadt und bieten einen einmaligen Blick auf Fès.

Menschlicher schutzwall am Bab boujeloud
Im Souk

Am Abend schlendern wir – vorbei an den streng bewachten Motorrädern (wir haben die Probe gemacht: der Wächter ist sofort da, als wir uns seinen zweirädrigen Schutzbefohlenen nähern!) zum Stadttor Bab Boujeloud, das sich unweit unserer Unterkunft befindet.

Das Tor wurde erst 1913 errichtet und ist mit seinen blauen und grünen Kacheln älteren maurischen Stadttoren der Stadt nachempfunden. Grün ist die Farbe des Islam, blau die Farbe der Stadt Fès. Rund um das Tor warten viele selbsternannte Stadtführer, die recht aufdringlich werden können. Einfach ignorieren!

Wir brauchen Nachschub an Barem, denn da ein Großteil der Geldautomaten uns jeweils nur 2000 DH ausspuckt, ist die Barschaft bei einem Zimmerpreis von 700 DH schnell aufgebraucht. Der erste Bancomat ist uns nicht wohlgesonnen. Vielleicht ist er leer? Der nächste Automat befindet sich mitten im größten Trubel am Stadttor. In diesem Menschengewusel sollen wir unsere Kreditkarten benutzen? Auf Tuchfühlung mit den durch die Gassen drängelnden Passanten und Seite an Seite mit dem Obstverkäufer, der direkt neben dem Automaten marktschreierisch und laut seine Früchte anpreist? Wir bauen uns zu Fünft als menschlicher Schutzwall vor dem Automaten auf.

In einem Fundouk in Fes

Unsere Fährfahrt zurück nach Europa bzw. mit der GNV von Tanger nach Genua lässt sich immer noch nicht buchen. Verrückt! Nach Angaben der netten ADAC-Mitarbeiterin gibt es irgendwelche Probleme mit den Hafenagenten in Tanger. Die pokern wohl um mehr Hafengebühren, vermuten wir. Spätestens in vierzehn Tagen müssen wir jedoch zurück. Wir entschließen uns auf die marokkanische Fährgesellschaft Comanav und die Strecke Tanger – Sete (Südfrankreich) auszuweichen. Das ist zwar für uns mit einer 1000 km-Heimfahrt an einem Tag verbunden, weil die Fähre statt Freitag erst am Samstag abfährt , aber wir bauen auf unseren Eisenarsch.

Fährbuchung inmitten von Kifdealern

So hocken wir nun in einem Internetcafé, in dem uns herumlungernde Jugendliche Kif anbieten, kämpfen mit der stickigen Luft und der arabisch belegten Tastatur. Uns ist gar nicht wohl dabei, hier in diesem Etablissement mit Kreditkartendaten herum zu fuhrwerken. Mehrere Anläufe, ein Dutzend Flüche und ein durchgeschwitztes T-Shirt braucht es schließlich, die Buchungsdaten durch's marokkanische Internet zu jagen.

An einem Imbissstand verführen uns wenig später wagenradgroße Crepes. Der Imbissmitarbeiter würgt hasserfüllt einen dicken, zusammengerollten, vermutlich ein halbes Kilogramm wiegenden Crepe mit beiden Händen, rupft kraftvoll ein Stück ab und haut es voller Verachtung in die mit Sicherheit (Achtung Ironie) penibel gereinigte Waagschale , bevor er es mit Frischkäse beschmiert und zusammengerollt über die Theke reicht. Anschließend knallt er das Wechselgeld mit Karacho auf die Theke. Der Nächste bitte! Schon würgt er den nächsten Crepe ... Trotzdem: Es war sehr lecker. Gerne wieder.

Auf dem Hügel mit den Meriniden-Gräbern

Der Besitzer des benachbarten Cafés rückt schnell eine Reihe Stühle in Reihe und Front zur Straße. In den marokkanischen Cafés stehen alle Stühle mit der Lehne zur Hauswand. Man sitzt wie im Kino und die Menschen auf der Straße sind die Darsteller.

Bei einem pappsüßen Minztee, die Marokkaner nennen ihr Lieblingsgetränk Whiskey maroccain, beobachten wir noch lange die Szenerie vor dem Tor, die zur Hälfte von Touristen und zur Hälfte von Bewohnern der Medina bevölkert wird.

Mit diesem Abend endet unsere Zeit in Fes, denn morgen zieht es uns schon wieder weiter. Wir wollen den Mittleren Atlas überqueren. Heute war es den ganzen Tag mit 32°C sehr warm. Abends überlege ich tatsächlich in irrwitzigen Anwandlungen, die Membrane aus der Jacke zu nehmen. Ich, die Frostsocke! Bloß gut, dass ich es nicht tat! Wer rechnet denn mit einem 30 °C-Temperatursturz innerhalb 24 Stunden?

Dem Tourverlauf folgen: weiter mit
Midelt - Kältestarr über den Mittleren Atlas

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