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Essaouira | Windy City

Essaouira
Essaouira

Wir verlassen am nächsten Morgen Marrakesch auf einem großen Boulevard. Heute liegt nur eine Strecke von 180 Kilometer vor uns und da die Straße meistens kerzengerade durch ebene Landschaft verläuft, kommen wir schnell vorwärts.

Kleine Straßendörfer mit winzigen Werkstätten, in denen unweit der Straße getischlert, geschweißt und gebastelt wird. Es gibt winzige Lebensmittel- und Krämerläden auf maximal sechs Quadratmetern, daneben Metzgereien unter Wellblechdächern. Das Gewusel in diesen Dörfern ist unbeschreiblich: Eselskarren, Eselträger, Handkarren, Mofas, Roller, LKWs, aber auch neuere PKWs, vermutlich oft Leihwagen von Touristen. Außerhalb der Orte sieht man oft Männer, die am Straßenrand auf irgendwen oder -was warten. Wenn keine Sitzgelegenheit vorhanden ist, sieht man sie einfach nur auf ihren Fersen hocken. In der deutschen Wohlstandsgesellschaft halten diese Körperhaltung nur noch die wenigsten Menschen aus, die meisten kommen nicht runter und/oder fallen um. Hier ist es eine durchaus gebräuchliche Art, nicht stehen zu müssen, aber sich auch nicht in den Dreck der Straße zu setzen.

Wieder rauschen wir an Wiesen mit Arganienbäumen vorbei. In einem Baum direkt am Straßenrand stehen fünf weiße Ziegen in luftiger Höhe. Ein schönes Fotomotiv – wir stoppen direkt vor dem Baum. Kaum stehen wir, springt hinter dem Baum ein Marokkaner mit einem Lamm auf dem Arm hervor und bedeutet uns: „Foto?“. Da wir vermuten, dass hier die Ziegen nicht so freiwillig wie am Tizi-n-Test auf dem Baum stehen, lassen wir den nach Foto-Dirham lechzenden Marokkaner stehen und fahren weiter ...

Essaouira

Nach einigen Kilometern versucht uns ein Polizist zu stoppen. Nachdem uns bisher alle Polizeikontrollen durchgewinkt haben, bemerkt mein Bester aller Kuhtreiber das Winken nicht und fährt ungerührt weiter, aber ich deute die Zeichen und auch der Taxifahrer neben uns macht deutliche Handzeichen. Wir haben bis heute keinen blassen Schimmer, was der junge Polizist von uns wollte. Irgendwas mit „Arali“.... oder sagt er „Harley“? Keine Ahnung. Wir können uns nicht verständigen, aber da er lacht, kann es keine ernstgemeinte Kontrolle gewesen sein. Nachdem wir nicht miteinander kommunizieren können, schickt er uns weiter.

Wir treffen in Essaouira ein und beziehen für zwei Tage ein Zimmer an der Strandpromenade, nur einen Katzensprung von der Altstadt entfernt. Am Nachmittag zerrt der Wind während eines Spaziergangs in der Altstadt herrisch an unseren Hosenbeinen. Nicht umsonst wird die Stadt „Windy City“ genannt – eine steife Brise verpasst uns auch am nächsten Tag ständig eine stylische Fönfrisur und schafft es, unsere Videoaufnahmen zu verwackeln. Die Stadt wirkt sehr touristisch, auch künstlerisch ambitioniert und andererseits sehr urig.

Essaouira

Die Anmache der Händler ist nicht ganz so nervig wie in anderen Städten, aber ganz ohne geht es auch nicht. Die Gassen sind äußerst pittoresk. Und nach einigem Herumirren in der Medina finden wir sogar Gassen, in denen sich außer uns kein anderer Tourist befindet. Meist sind dies sehr dunkle, mit Holz gedeckte Gassen, in denen das Abwasser unangenehme Düfte verbreitet. Aber selbst hier existieren kleine Läden, die sich mit dem Handel von Teppichen, Musikinstrumenten, verschiedenen Mobiliar, Gebrauchsgegenständen und afrikanischen Dekoartikeln aus Thujenholz beschäftigen. Tageslicht dringt in diese Läden keines, nur eine meist sehr schwache Funzel beleuchtet die Verkaufsware.

Der Zustand mancher Gebäude ist jämmerlich. Einige andere Häuser sind jedoch liebevoll renoviert, sehen von außen oft unscheinbar und alt aus, verblüffen jedoch mit einem prunkvollem Inneren. Oft dienen diese Riads als Hotels. Durch eine offene Tür kann man gelegentlich in ein herrschaftliches Riad spähen, das ist ein Stadthaus reicher Bürger, in dem die Zimmer um einen lichten, offenen Innenhof gruppiert sind. Wir haben in Fes ja schon in einem solchen gewohnt.

Aus der Hippiezeit übriggebliebene, angegraute Langhaarige, junge Leute mit Rastalocken trifft man öfters als in anderen marokkanischen Orten und angeblich soll auch eine Rauschgiftszene aktiv sein. Das Rifgebirge ist schließlich nicht weit entfernt.

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Andererseits ist der Ort bei der Schickeria und dem weltweiten Jetset bekannt und beliebt. Wir sehen auf einem bewachten Parkplatz Ferraris, Hummer und Lamborghinis, während in dunklen Berberzelten am Strand die Besitzer derselben dinieren und von berittener Polizei und muskulösen Body Guards geschützt werden. Ein Land der Gegensätze. Schon unser Motorrad vor dem Haus einer armen Berberfamilie ist ein Gegensatz, der kaum auszuhalten ist. Der Jetset feiert in Stöckelschuhen hier im Berberzelt und wenige Meter weiter am Stadttor betteln Arme und Behinderte um ein paar Dirham.

Tajine und Couscous haben wir gründlich satt, also suchen wir uns im Fischerstädtchen ein Restaurant, in dem es Calamari gibt. Und finden auch einen Wein zum Abend. Leute mit in braunen Tüten gewickelten Flaschen treten aus dem Restaurant. Nur wenig später nennen wir auch eine braune Tüte unser Eigen.

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In Essaouira sind die „Petit Taxis“ der Stadt blau wie viele Türen und Fenster, sie befördern maximal drei Personen. Größere Taxis wie in anderen Städten haben wir keine entdecken können. In Fes zum Beispiel fahren als „Grand Taxis“ beige Mercedes und als „Petit Taxis“ rote Kleinwagen.

Die Kapazität der „Grand Taxis“ ist hier wie überall in Marokko veritabel: 1 Fahrer und 6 Passagiere. Zwei Passagiere werden auf den Beifahrersitz platziert und im Fond teilen sich 4 Fahrgäste den knappen Raum, indem sie sich leicht versetzt auf die Rückbank quetschen. Wir haben es jedoch nicht weit bis in die Altstadt, sodass wir auch hier kein Taxi benutzen müssen. Als wir am nächsten Tag Essaouira wieder verlassen wollen, will die Stadt uns nicht mehr weglassen. Egal welche Richtung wir einschlagen, wir landen in den eigenartigsten Gegenden mit tiefsandigen Straßen, die garantiert nicht mehr für die Durchfahrt der Touristen gedacht ist.

Dem Tourverlauf folgen:
weiter mit Zwischenziel Casablanca

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