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Auf der Leiter von Cattaro in den Lovćen Nationalpark

Die berühmten zweiunddreißig Serpentinen Richtung Njeguši über den gut eintausend Meter hohen Krstac.

Die berühmten zweiunddreißig Serpentinen Richtung Njeguši über den gut eintausend Meter hohen Krstac sind unser nächstes Ziel. Krstac – so heißt auch die montenegrinische Weißweinsorte, auf die wir uns im Laufe der Montenegro-Tour einschießen. Ob der Berg namensgebend für den Rebentrank war?

Bucht von Kotor: ein Kreuzfahrtdampfer im Anmarsch!

Jochen hat am Morgen spontan noch eine ver­meint­lich interessante Anfahrtsvariante zur Serpentinenstraße eingebaut. Das Dorf Njeguši ist schon aus­ge­schil­dert, also scheint dies eine offizielle Route dorthin zu sein.

Eine zweieinhalb Meter breite Gasse (oder nennt man das hier schon Straße?), die sich in steilen und auch überaus steilen Kehren nach oben windet. Das wäre alles noch im willkommenen Bereich, wenn die Fahrbahn nicht zur Hälfte als brüchigem, löchrigem Beton sowie irgendwelchem Füllmaterial bestünde. Und das zu zweit auf dem Motorrad. Vor allem in den winzigen Haarnadelkurven mit dem größtmöglichen Steigungsmaximum bete ich, dass der Gott der Fahrphysik mit uns sei und das Vorderrad seine Haftung nicht verliere. Hätt‘ ich mal lieber nicht so viel gefrühstückt! Als wir auf die eigentliche Serpentinenstrecke einbiegen, hört man mich ver­mut­lich noch unten am Hafen gaaanz tief Luft holen.

Bis Ende des 19. Jahr­hun­derts bildete die sogenannte „Leiter von Cattaro” den einzigen Zugang ins Landesinnere. Heute natürlich asphaltiert, ist die berühmte Serpentinenstraße gerade so breit, dass zwei Autos mit viel Gefühl aneinander vorbeikommen. Es gibt einige Ausweichstellen sowie Aussichtspunkte. Wir können uns über zu viele Verkehrsteilnehmer wirklich nicht beklagen. Gut, dass wir in der Nebensaison unterwegs sind! Unser Reiseführer rät zu einer Fahrt früh am Morgen, wenn noch keine Touristenbusse unterwegs seien. Doch von Bussen keine Spur, erst bei der Rückfahrt am Nachmittag begegnen uns zwei, drei Reisebusse sowie ein einziges Wohnmobil mit niederländischem Kennzeichen – wir sind uns sicher, ganz viele Schweißperlen auf der Stirn des älteren Fahrers gesehen zu haben ...

Unerfüllte Hoffnungen auf dem montenegrinischen Olymp

Das Mausoleum von Petar II.
Auf dem Jezerski Vrh, dem mit 1.655 Meter zweithöchsten Gipfel des Lovćen-Nationalparks führt ein gepflasterter Weg bis zur Aussichtsplattform.

Auf dem Jezerski Vrh, dem mit 1.655 Meter zweithöchsten Gipfel des Lovćen-Nationalparks, befindet sich das Mausoleum eines Mannes, den die Montenegriner hoch verehren. Der Fürst­bischof Petar II., auch Dichter­fürst genannt, wuchs in der ersten Hälfte des 19. Jahr­hun­derts im Dorf Njeguši auf. Auf ihn, der sich selbst den Beinamen „Njegoš” gab, gehen einerseits ganz pragmatische Modernisierungen im Schul- und Steuersystem zurück, andererseits tat er sich als Dichter hervor.

Er starb 38- oder 40jährig (die Gelehrten streiten sich über sein Geburts­jahr) und ließ sich auf dem Berg Jezerski Vrh in einer ganz bescheidenen Kapelle beisetzen. Nach einigen Wirren um seine sterblichen Reste landete der Sarkophag dann doch wieder auf dem Gipfel, wo man in den 1970er Jahren einen typischen Bau des „sozialistischen Realismus” drumherum formte. Die Montenegriner verehren ihren Dichter­fürsten sehr. Wir gleich die Aussicht. Hoffen wir.

Es ist warm, auch die Sonne scheint, doch rundherum steigen immer mehr Wolken herauf. Wir gehen den Aufstieg zum Mausoleum trotzdem an. Wenn wir schon mal hier sind. Vor uns liegt eine breite Treppe, die nach dreißig Stufen in einen Tunnel mündet. Was wäre gewesen, wenn wir vorher gewusst hätten, dass wir 461 Stufen in Motorradklamotten bis zum höchsten Grabtempel der Welt steigen müssen? Außen am Fels führt für Wanderer ein Treppenpfad im Zickzack nach oben. Sind wir Wanderer? Ja, aber nicht heute. Nicht in Motorradkluft. Der Tunnel ist leicht gekrümmt, ein Ende ist deshalb niemals in Sicht. Der Muskelkater von der Festungsbesteigung hält unsere Waden noch fest umklammert und die Protektoren in den Motorradhosen lassen uns nicht gerade flockig die Treppe hinaufhopsen.

Oben angekommen treten wir aus dem Tunnel und sehen ... WEISS! Die Wolken kommen stetig näher. Es ist so schade! Die Sicht muss an guten Tagen einfach bombastisch sein: bis zur Hauptstadt Podgorica, dem Skadarsee mit dem albanischen Shkodra, der Bucht von Kotor und bei guter Fernsicht im Frühjahr soll man sogar das Durmitorgebirge im Norden des Landes sehen können.

Das Mausoleum auf dem Jezerski Vrh - man könnte es auch als montenegrinischen Olymp bezeichnen.

Für das Mausoleum ist noch einmal Eintritt fällig. Vielleicht ist das Wetter auf der Rückseite des Berges besser? Eigentlich Schmarrn, aber die Hoffnung stirbt nie. Wir bezahlen die geforderte Gebühr und erhalten einen beidseitig be­druck­ten Zettel mit der Über­schrift „German”. Der Text ist in Blocksatz gedruckt, was ja noch ginge, aber zwischen den einzelnen Buchstaben sind Leerzeichen. Wer macht denn so etwas? Der Zettel schaut durch die Hunderte kleiner Buchstaben wie ein winzig kleines Kreuzworträtsel aus. Auf der anderen Seite angekommen – ach Shit, die Sicht ist die gleiche. Bis zur Aussichtsplattform gehen wir gar nicht erst, denn an dieser fehlt das Schild „Wegen Überfüllung geschlossen”. Ein Bild für die Götter: Die kreisrunde Plattform mit der buntbejackten Besucherschar (ein oder zwei Schulklassen) gleicht einer köstlichen Waldfruchttorte inmitten watteweicher Schlagsahne.

Furztrocken, jedoch die regenreichste Region Europas

Mausoleum Petar II. Wegen Überfüllung geschlossen

Die Rückfahrt führt durch eine surreale Landschaft von blendend weißen, zerklüfteten Felsen, die eng aufgeschichtet eine unwirkliche Kulisse bilden. Das vierhundert Quadratkilometer große Orjen-Gebirge ragt bis zu 1984 Meter hoch über die zum Greifen nahen Küstenstreifen hinaus.

Das Land der schwarzen Berge ist zwar über­schau­bar, macht das jedoch durch seine Höhen­unter­schiede auf kleinstem Raum wett. Der wichtigste Ausrüstungsgegenstand ist zweifelsohne eine Regenjacke, denn mit rund 5000 Millimetern Niederschlag im Jahr ist diese Bergwelt die regenreichste Region Europas. Zwar verschwindet der Regen in Nullkommanichts im löch­rigen Karstgestein, trotzdem gedeiht wegen der häufigen Niederschläge eine reiche, mediterrane Vegetation. Die Pflanzenvielfalt in dieser kargen Gegend ist unbeschreiblich. Zwei superdicke, schwarzblaue Holzbienen streiten sich um den Sitzplatz auf einer pinkfarbenen Distelblüte. Obwohl sie total harmlos sind, erzeugen die fetten Brummer doch immer einigen Respekt. Eine Eidechse mit etwas zu kurzem, also wohl kürzlich in der Not abgeworfenem Schwanz räkelt sich auf einem aus dem Boden ragenden Gesteinsbrocken.

Pflanzenvielfalt im Karst

Das Wort Karst ent­stammt der slowenischen Sprache und bedeutet steiniger, unfruchtbarer Boden. Das Karstgestein ist furztrocken und löch­rig, Regen versickert sofort in unergründliche Tiefen. Wer hier wandert, muss immer genügend Wasservorräte mitführen. Wenn wir flüchtig in die Runde schauen, meinen wir Eisbrocken zwischen hervorbrechenden Frühjahrsblühern zu sehen. Doch nein, es sind Steine und Felsen! Unfruchtbar kann ich diese Landschaft keinesfalls nennen. Im Gegenteil: was hier alles wächst! Bei einer Pause am Straßenrand durchstreife ich das angrenzende Gelände und kann mich gar nicht sattsehen an der Vielfalt der Flora. Die meisten Pflanzen sind sehr resistent gegen Trockenheit. Aber einige kahle Bäume zeugen davon, dass nicht jeder diese Lebensumstände überlebt.

Die Lebensbedingungen im Karst sind karg.

Njeguši ist bekannt und berühmt für seine geräucherten Schinken. Kaum ein Restaurant in Montenegro leistet es sich, keinen „Njeguški pršut” auf der Vor­speisen­karte zu haben. So konnten wir ihn auch schon zum Frühstück genießen. Ein sehr streng und lang geräucherter Schinken. Eine Führung in einer der hochheiligen Räucherkammern mit Verkostung, das wär doch was! Die meisten Betriebe verkaufen jedoch laut unserem Reiseführer nur ganze Schinken mit einem Gewicht von fünf bis neun Kilogramm. Zu viel für unser Topcase. Und einfach nur kucken und fotografieren und dann nichts kaufen – irgendwie nicht ganz unser Ding, also halten wir uns nicht lange auf. Übrigens, falls sich jemand wundert, dass man nirgends Schweineställe sieht: Das Rohmaterial für den Schinken wächst großteils in den Mastställen Hollands und Serbiens auf. Den Njeguški sir, einen kräftigen Käse, stellt man hier auch her. Ob der auf unserem Frühstücksteller heute morgen einer aus Njeguši war?

Dem Tourverlauf folgen:
weiter mit U-Boot Station Rose - wenn das mal gut geht ...

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