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Der Skadar-See und die grenzgeniale Klosterroute

Skadarsee, Shkodrasee, Skutarisee - drei Bezeichnungen für den selben See.

Skadarsee – Shkodrasee – Skutarisee, alle diese Namen bezeichnen ein und dasselbe Gewässer. Die deutschen Medien bevorzugen Skutarisee, den Namen, der aus dem Italienischen stammt. Shkodrasee nennen ihn die Albaner. Wir jedoch werden beim Skadarsee der Landessprache bleiben. Bei Ulcinj biegen wir ab zur sogenannten Klosterroute, die am Skadarsee entlang führt. Die Landstraße P16 strebt erst gen Nordosten und wendet sich dann nach Nordwesten, um dem montenegrinischen Seeufer zu folgen.

Panoramastraße P16 am Skadarsee
Ein altes Boot am Skadarsee

Rechts von uns ist an diesem Punkt die albanische Grenze zum Greifen nah. Der See liegt zu einem Drittel auf albanischem und zu zwei Dritteln auf monte­negri­nischem Staatsgebiet. An einer Kurve wurde eine Aussichtsplattform aufgemauert.

Wir haben ja nun schon einige Seen besucht und noch mehr Straßen, respektive Pano­rama­straßen während unserer vielen Touren befahren – dieser Aussichtspunkt verschlägt uns jedoch die Sprache. Aus vielleicht zwei- oder dreihundert Metern Höhe blicken wir auf einen riesigen türkisfarbenen See.

Am Anfang der Route liegt das aus wenigen Häuschen bestehende Ostros. Die Einwohner sind vorwiegend Al­ba­nisch­stäm­mige, was man an der Skenderbeu-Statue sieht sowie an der albanischen Flagge, die an einem Häuschen weht und die im Unterschied zur montenegrinischen Flagge kein goldener, sondern ein schwarzer Doppeladler ziert.

P16 – diese Nummer merken!

Skadarsee, einer der wenigen Zugänge.

In Ostros zweigt ein Sträßlein ab, das uns zu einem der wenigen Seezugänge unterhalb des Weilers Sjerci bringt. An einer verlassenen Anlagestelle aus Beton liegt ein Gewirr von filigranen, haardünnen Fischernetzen im Gebüsch. Die Feigenbäume daneben werden von eleganten, blauen Libellen umschwirrt, man nimmt sie nur als blaue Striche wahr, so fein sind ihre Flügel. Ein Dutzend Schwalben versammeln sich auf dem Betonanleger und zwitschern ein aufgeregtes Lied. Richtige Tratschtanten sind das! Der See liegt abgesehen von diesen Tratschtanten still vor uns. Nur Fische springen ab und zu aus dem Wasser. Baden würden wir hier jedoch nicht wollen. Zu viele Pflanzen im Wasser. Der See ist kaum zum Baden geeignet, da sein Ufer zugewachsen ist.

Wieder auf der P16. Die Straßenbauer, die diese Strecke in den Fels meißelten, hatten kühne Visionen. Die Straße schwebt in der Regel zwei-, dreihundert Meter über dem Wasserspiegel. Leitplanken sind äußerst selten und wenn, dann hat man nur kurze Meterstücke an aus­ge­setz­te Passagen drapiert. Für die psychologische Sicherung. Die restliche Strecke wird einfach durch den „Rand” begrenzt oder durch einbetonierte Steinbrocken. Begegnungsverkehr zwischen zweispurigen Fahrzeugen mutiert für ungeübte Fahrer zum kleinen Nervenkitzel. Selbst für uns mit den Koffern ist Gegenverkehr gelegentlich spannend.

Ein kühler Wald aus Esskastanienbäumen am Skadarsee.
Montenegrinische Spezialitäten unterm grünen Blätterdach am Skadarsee

Ab und zu verlässt die Straße den Berghang, der in der 1595 Meter hohen Rumija gipfelt, und durchquert ruhigere Landschaften. Moment, die Rumija kennen wir doch irgendwoher? Stimmt, Stari Bar liegt vor der Rumija, der Skadarsee dahinter. Nur führen keinerlei Straßen über den Bergrücken. Wer es eilig hat, kann jedoch hindurch: es gibt eine Schnellstraße mit einem Tunnel, den wir jedoch nicht benutzten.

In einem urigen Wald bei Gornja Briska finden wir einen schattigen Picknickplatz unter einem knorrigen Baum. Hier im Wald ist es so kühl, dass wir die Jacke lieber anbehalten. Das Gehölz besteht aus Jahrhunderte alten Esskastanienbäumen mit meterdicken Stämmen. Einen solchen Wald hätten wir als letztes hier erwartet. Unter dem grünen Blätterdach montenegrinischen Käse und Oliven zu verputzen, dazu ein Schlückchen Minerálna voda – hach, was geht’s uns gut! Ein handgemaltes Holzschild weist auf den Verkauf (Prodaje) von Käse (Sir) und anderen Leckereien hin. Aber wo? Vermutlich sind wir zu früh im Jahr unterwegs, in der Hauptsaison stünde vermutlich irgendwo ein kleines Hüttchen mit diesem Feinkost-Angeboten. Die anderen Schilder informieren uns, dass wir vier Stunden Zeit benötigten, um von hier aus die Rumija besteigen zu können. Aber in Motorradklamotten? Na, die Frage stellt sich nicht.

Augen rechts!

Ein großes Wow am Skadarsee
Seit der Gründung des Staates Montenegro im Jahr 1878 kehrten einige Mönche und Nonnen auf die Inseln im Skadarsee zurück und beleben seitdem die verfallenen Sakralbauten.

Unser Geschwin­dig­keits­schnitt von der Meeres­küste bis nach Virpazar am oberen Ende des Sees beträgt letztendlich nur 39 Stunden­kilo­meter. Auf der P16 selbst dürften wir kaum über einen Schnitt von 25 Stunden­kilo­metern gekommen sein.

Der See hat in etwa die Größe des Bodensees und je nach Regen­men­gen und Jahreszeit ist er zwischen 370 und 550 km² groß. Er ist der wohl jüngste See Europas. Ab dem Jahr 1000 hat sich ein Sumpfgebiet ausgeweitet bis diese riesige Fläche geflutet war. Auf dem Grund des Sees soll es sogar noch geflutete Gebäude geben. Sagt man.

„Klosterroute” wird diese Strecke deshalb genannt, weil es auf den Inseln und an den Berghängen neun Klöster gab bzw. gibt. Diese wurden zwar während der türkischen Herrschaft komplett aufgegeben, aber seit der Gründung des Staates Montenegro im Jahr 1878 kehrten einige Mönche und Nonnen auf die Inseln zurück und beleben seitdem die verfallenen Sakralbauten. Auf der wie ein Hufeisen geformten Insel Beška (die wir bei unserem ersten Halt direkt vor uns sehen) leben heute eine Handvoll Nonnen. Eine soll sogar hervorragend Deutsch sprechen. Und auf der Insel Starçevo, zwei Inseln weiter, wohnt ein Einsiedlermönch in Gesellschaft von Hühnern und Schildkröten.

Hotspot mit 350 Einwohnern

Am oberen Ende des Skadarsko jezero

Virpazar besteht eigentlich aus einer kleinen Ansammlung von Häusern am oberen Ende des Skadarsko jezero und ist mit ein wenig Infra­struk­tur der mit 350 Einwohnern winzige, aber trotzdem einigermaßen touristische Hotspot der Region. Doch uns zieht es erst einmal in den kleinen Weiler Karuç. Wir meinen zehn Kilometer Ent­fer­nung gelesen zu haben, die Karuç von Virpazar entfernt läge. Doch weit gefehlt – vermutlich war das Luftlinie? Fakt ist, die Entfernung wird im Routenplaner sogar nur mit sieben Kilometern angegeben, doch wir sind noch eine ganze Stunde unterwegs!

Rijeka Crnojevića.

Rijeka Crnojevića. Rijeka bedeutet Fluss. Ein breites Gewässer mäan­dert in zahlreichen Win­dun­gen durch eine Landschaft, die man genauso gut nach Asien verorten könnte. Eine großzügige Wasserrinne inmitten grüner, gleich­mäßig geformter Bergkegel. Das Wasser fließt völlig entschleunigt dahin. Auf der Wasser­ober­fläche bilden Wasserpflanzen zu beiden Seiten einen dichten Teppich, so dass nur in der Mitte eine Fahrrinne frei bleibt. In Rijeka Crnojevića führt eine Brücke über das breite Gewässer und dann geht’s retour, denn dieses Karuç liegt auf der anderen Flussseite. Die Straße steht der Klosterroute in Sachen Wow-Effekt in keiner Weise nach.

Billige Digitalknipsen streiken bei so viel Schönheit

 Karuç - eine kleine Bucht mit einigen Häusern

In Karuç offenbart sich eine Aussicht, die uns die Spiegelreflexkamera zucken lässt. Wow! Vor uns liegt eine kleine Bucht mit einigen Häusern. Ein neugieriger Wuschelhund zeigt sich freudig über unsere Gesellschaft. Hier ein Zimmer zu finden, das wär‘s! Irgendwo gibt es auch ein oder zwei Unterkünfte, wir müssten sie nur noch finden. Leider gibt es keine Straßenbezeichnungen in Karuç. Alles heißt Karuç bb. Egal ob es 300 Meter oder 1,4 Kilometer von unserem Standpunkt entfernt liegt. Das ist eine montenegrinische Eigenart mit den nicht vorhandenen Straßenbezeichnungen. Wir haben Null Überblick in dieser Katzenbuckellandschaft. Der Wuschelhund beantwortet keine Fragen und das Paar, das wir ansprechen, ist wahrscheinlich selbst im Urlaub und spricht kein Serbisch, Englisch oder Deutsch.

Virpazar

Wer weiß, für was es gut ist. Wir fahren zurück nach Virpazar bzw. in das benachbarte Dorf Godinje, wo wir ein „Farm House” ansteuern und ein Zimmer ergattern. Am Abend testen wir eine Konoba in Virpazar und plündern den Geld­auto­maten sowie den weit und breit einzigen Supermarkt.

Bei jedem Besuch Virpazars werden wir vom gleichen Typen mit Dreitagebart angesprochen und der Grund unseres Aufenthalts unaufdringlich und freundlich abgefragt, um zu ermitteln, ob wir Adressaten für Bootstour- oder sonstige Hilfsangebote seien. Der Besitzer des „Pelikan”-Hotels, vermuten wir. Sogar im Reiseführer spielt er in seiner Rolle als Bootstour-Shanghaier eine Rolle. Wir geben brav an, nur auf der Durchreise zu sein und einkaufen zu wollen, so entlässt er uns nach kurzem Intermezzo gnädig in die Freiheit.

Godinje | weinseliges Dorf am See

Das Haus unserer Gastgeber in Godinje

Unser Privatzimmer in Godinje befindet sich in einem Haus inmitten kleiner Gartenflächen und Weinbergen. Die Familie produziert Käse, Granatapfelsaft, eine Menge Honig und sie keltert Wein. Von Rakija, dem Selbstgebrannten, stehen Dutzende Flaschen verschiedener Geschmacksrichtungen im Regal des Früh­stücks­raums und warten auf geneigte Verkoster. Wollte man sich abends durch das Regal testen, könnte der anschließende Aufstieg ins Zimmer zu einem vierbeinigen Hindernislauf werden.

Der alte Dorfteil von Godinje

Godinje besteht aus einem neuen Ortsteil in der Nähe des Sees und einem alten Dorf, das sich zusammengekauert, eng und gedrungen an den Berg krallt. Das alte Bergdorf mit Gebäuden aus dem 17. Jahrhundert ist so gut wie verlassen. Nur einige wenige Häuser werden noch bewohnt und sind einigermaßen in Schuss, andere werden vermutlich nur noch phasenweise genutzt. Eine Veranda sieht aus, als verließe der letzte Bewohner noch vor gar nicht so langer Zeit das Haus. Läuft noch Wasser in das emaillierte Waschbecken? Und schaut zwischendurch jemand auf das Barometer?

Das alte Bergdorf Godinje mit Gebäuden aus dem 17. Jahrhundert ist so gut wie verlassen.

Andere Gebäude dagegen sind nur noch als Ruinen zu bezeichnen. Kein Dach, keine intakten Fenster, nur noch Mauern bis in den Keller. Die Keller­ge­wölbe des ganzen Dorfes sollen früher so mit­ein­ander verbunden ge­we­sen sein, dass man vom ersten Haus bis zum letzten durchgehen konnte. Sie dienten als Schutzräume (vor den Türken) sowie als Lagerräume für Lebensmittel.

Zack – Konoba gezimmert

Zack, wird das eine Konoba.

Zwei Männer sind gerade an einer benachbarten Ruine zugange, sie winken uns rein, als sie sehen, dass wir inter­essiert ins Gelände lugen. Aber viel gibt es in der Ruine nicht zu sehen, nur eingelagerte Strohmatten und Tische. Einer der beiden Männer erzählt uns, dass das verfallene Haus ihm und seinem Bruder gehöre. Er führt uns weiter. Hier baut er im steilen Gelände auf einem Felsen eine kleine, hölzerne Plattform auf, weiter vorn noch eine zweite. Im Sommer möchte er eine Konoba eröffnen. Doch noch ist er am Hämmern und Zimmern.

Das Gelände rundherum ist terrassiert, auf den einzelnen Stufen werden diverses Gemüse und Weinreben angebaut. Weit unten, durch mannigfaltige Pflanzenbewuchs verborgen, rauscht ein Bach an der kleinen, verfallene Hütte der alten Mühle vorbei. Ihren Traum haben die zwei Brüder echt verwirklicht. Als wir Wochen später das Internet nach der Lokalität befragen – na siehe da: die Besucher überschlagen sich vor Lob. Frischer Fisch, bester Wein, und das in einer Traumlage mit Traumaussicht auf den See: es heißt „Paradise – Organic food & wine”.

Blick von Godinje zum Skadarsee

Wir wandern weiter auf immer kräftiger zu­ge­wach­senen Wegen und Treppen durch das Dorf. Die Stufen zwischen den Gebäuden sind feucht und vermoost. Vorsicht ist geboten – hier heißt es, derb auftreten, um Schlangen rechtzeitig in die Flucht zu schlagen! Ein dunkelbraunes Reptil liegt vor uns auf dem Weg, verschwindet aber recht schnell im Dickicht. Montenegro ist sehr schlangenreich, auch einige giftige sind darunter. Deshalb wird man gewarnt, bestimmte Inseln und Regionen nur mit gewissen Vorsichtsmaßnahmen zu betreten.

Weinprobe am Mittag

In diesem alten Teil des Dorfes mit sage und schreibe fünf Einwohnern existiert am Ortseingang eine Konoba und wir lassen uns auf deren Terrasse nieder. Der redselige Vejko bedient uns und meint, wir sollten ihn ruhig Velko nennen, weil der normale Westeuropäer seinen Namen kaum aussprechen könne.

Konoba am Skadarsee

Das Frühstück ist noch nicht lang genug her, als dass wir schon ein Mittagessen vertragen könnten, aber ein wenig Käse und Oliven gehen immer. Außerdem türkischer Kaffee, Wasser und schließlich für uns sehr ungewöhnlich, weil so früh, und nichts­desto­trotz total genüsslich, zwei Gläser Rotwein. Heute sind wir ja per pedes unterwegs. Drei gute Schlückchen Rotwein bringt Vejko uns zum Probieren, so dass wir einen aus diesen Dreien wählen können. Der Weinbau hat in der kleinen Schwemmlandebene eine lange Tradition. Begrenzt an einer Seite durch den See und an drei Seiten durch hohe Berge gedeihen vor allem Rotweine hervorragend.

In einer konoba am Skadarsee

Die Weine der Konoba (und Vinerija) seien schon zweimal prämiert worden, berichtet Vejko voller Stolz. Auch ein Schild am Eingang weist auf die Medaillen hin. Die Aussicht lässt uns lange verweilen. Die Out­door­küche scheint eher eine provisorische Sommer­küche zu sein, die nur durch Planen und Vor­hänge mehr schlecht als recht vor den Blicken der Gäste verborgen wird und in der seine Frau das Bestellte zurechtmacht. Der Rotwein mundet erstklassig. Hier in dieser Region seine Familie außerhalb des Tourismus in der kurzen Sommersaison durchzubringen, dürfte sehr, sehr schwer sein.

Viele Weinbauern schlossen sich der Initiative Vinski put – Montenegrinische Weinstraße - an.

Die vorwiegend im Nebenerwerb tätigen Weinbauern von Godinje schlossen sich in den letzten Jahren der Initiative „Vinski put – Montenegrinische Weinstraße” an, womit die Region aus dem Dornröschenschlaf erweckt werden soll.

Unsere Gastfamilie keltert einen phantastischen roten Vranac, der vorwiegend in Serbien, Mazedonien und Montenegro angebaut wird. Der samtige Wein leuchtet in einem tief-rotblauen Farbton. In deutschen Läden sucht man lange, um einen Vranac zu finden, warum auch immer. Für den lokalen Weißwein der Rebsorte Krstaç nehmen wir eine Fahrt ins fünf Kilometer entfernte Virpazar zum dortigen Supermarkt „Voli” auf uns. Der Krstaç wird in der Ebene von Podgorica gekeltert und ist ebenso süffig. Doch mit dem Vranac unserer Gastfamilie kann es der Supermarktwein nicht aufnehmen. Und mit dem intensiv-aromatischen Honig der Familie auch nicht.

Eine alte Kirche in Godinje

Auf der anderen Seite der Bergflanke ziehen sich einige neuere Häuser hinauf bis zu einer kleinen Kirche, erbaut Anfang des 18. Jahr­hun­derts. Als wir schnaufend die steile Straße nach oben stapfen – nichts gewöhnt mehr oder das Alter, keine Ahnung – begegnet uns Drago, der fragt, ob er uns helfen könne. Sofort fällt sein breiter württem­ber­gischer Dialekt auf. Drago wurde vor 65 Jahren als Fünfjähriger nach Baden-Württemberg „umgezogen”, erzählt er uns. Aber nun, als Rentner, kam er in sein Heimatland zurück und hat hier die Häuser für sich und seine Kinder gebaut. So ist das eben, Heimat bleibt Heimat, auch wenn sie dem Menschen schon in frühester Kindheit genommen wurde.

uf dem Friedhof von Godinje

Das kleine Kirchlein und der dazugehörige Friedhof befinden sich auf dem höchsten Punkt der Straße. Es gäbe noch eine viel ältere Kapelle aus dem 7. Jahrhundert, berichtet Drago, doch er wüsste nicht, ob der Pfad dorthin schon wieder soweit freigeschnitten sei, dass man die Kirche finden würde.

Aber angesichts des immer wieder einsetzenden Regens begnügen wir uns eh‘ mit der Besichtigung der neueren Variante. Wie die Einwohner des alten Dorfs herüber in diese Kirche gelangt sein mögen, bleibt uns ein Rätsel. Ob es eine Treppe ins Tal gab und hier auf dieser Seite wieder hinauf? Alles andere wäre ein ganz schöner Marsch. Wobei... unsere Altvorderen waren schon um einiges mehr gewöhnt als wir heutigen Schreibtischtäter. Vom offenen Kirchturm mit drei Glocken hängen drei gelb lackierte Ketten herab, jede führt zu einer der Glocken. Die Versuchung ist groß ...

Montenegrinisches Alcatraz

Grmozur im Skadarsee - das montenegrinische Alcatraz

Aus dem Wasser des Skadarsees ragt vor Godinje ein winziges Inselchen, es ist nur fünfhundert Quadratmeter groß und heißt Grmozur. Im Jahr 1843, noch unter türkischer Herrschaft, wurde auf diesem Felsatoll ein montenegrinisches „Alcatraz” errichtet. Mit bis zu hundertzwanzig Zentimeter starken Mauern galt die Gefängnisinsel als absolut ausbruchsicher, vor allem, weil nur Schwerverbrecher mit Nichtschwimmerfähigkeiten inhaftiert wurden. Passenderweise mussten auch die Wächter zwingend Nichtschwimmer sein. Denn sollte einer der Schützlinge unerwarteter Weise fliehen können, hätte der schuldige Wärter die Reststrafe des Geflohenen absitzen müssen. Heute sitzen hier flugtaugliche Insassen innerhalb und auf den Mauern: das Areal ist ein beliebter Platz für zahlreiche Wasservögel und – für Besucher wichtig – zahlreichen Giftschlangen.

Priganice - blobb, blobb - auf den Hüften!

Montenegrinische Köstlichkeit. Priganice - kaum im Magen, blobb, blobb, auf den Hüften!

Unsere Gastgeberin zaubert uns ein letztes Mal das köstlichste Frühstück der Welt. Vor allem die Priganice werden zu unserem neuen Lieblingsfrühstück erkoren! Die machen satt, aber sowas von! Satt und süchtig nach mehr. Gut, dass es die frittierten Hefegebäckboller in Deutschland nicht gibt! Kaum im Magen, blobb, blobb, auf den Hüften! Und zwar pro Monat fünf Kilo! Unsere Gastgeberin freut sich, dass uns ihre Priganice so gut munden, weswegen in dem Körbchen auch nie zu wenige Kügelchen auf uns warten. Bei jedem Teilchen sagt man: das Letzte! Und zack, ist es das Vorletzte! Das gibt Kraft für den ganzen Tag! Popeye und Spinat waren gestern!

Schildkröten sieht man sehr oft.

Wir studierten am vergangenen Abend lange die Wetter­vor­her­sagen. Es schaut so aus, als ob der Regen vor­wiegend in der unteren Hälfte Montenegros bleibt. Die Berge im Norden stünden als Nächstes auf dem Tourplan und der Nord­osten sieht auf dem Regenradar ganz gut aus. Die Wetterpropheten rechnen nur für heute noch mal mit starken Schauern. Demzufolge rüste ich mich bei Abfahrt am Morgen gleich mit Regenhose und -jacke gegen die flüssige Sonne. Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste. Jochen vertraut auf seine normalen Goretex-Klamotten und meint, er könne das Regenzeug überziehen, wenn es anfinge. Doch es fängt recht bald an ... Erst ein bisschen nur, dann immer mehr. Zu spät für Regenzeug.

Der Skadarsee

Ein weiteres Mal rollen wir durch Virpazar. Nanu, kein Mensch auf der Straße? Die kleinen Stände mit den An­ge­boten der Bootstouren nicht besetzt? Klar, bei dem heutigen Wetter wären wir die einzigen potentiellen Kunden. Auch der Hotelchef vom „Pelikan” fand offenbar keinen Regenschirm.

Hinter dem Hauptplatz an der Straße, größer ist Virpazar ja eigentlich auch nicht, spucken gerade drei Busse ihre Ladungen auf den Parkplatz. Ach Du grüne Neune, ob die jetzt bei diesem Mistwetter die seit Langem gebuchte Bootsfahrt antreten müssen? Na dann mal viel Spaß!

Dem Tourverlauf folgen:
weiter mit Kolašin | Kloster Moraça und eine überlebte "gefährlichste Straße der Welt"

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