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Ausritt ins Komovi-Gebirge | Kloster Ðurđevi Stupovi

Auf dem  Trešnjevik-Pass

Morgens ist die Wetter­lage vielversprechend. Wolken und Sonne bei 11°C. Yippieh! Wir nutzen den Tag für einen Ausritt ins Komovi-Gebirge. Die ersten Meter sind etwas mühsam, denn nach dem Abzweig bei Mateševo in Richtung Andrijevica führt unsere Route zunächst über eine Straße, die von den LKWs eines nahen Industriebetriebes ge­nutzt wird. Sie ist nach den tagelangen Regen­fällen zu einer schlaglochübersäten Matschpiste mutiert.

Doch bald ist Schluss mit Matschepampe und die vielleicht anderthalbspurige Straße ziert eine ganz normale, wenn auch etwas rissige Fahrbahndecke. Hier ist nichts. Oder sagen wir: fast nichts. Nur herrliche Kurbelei ohne Ende. Auf den ersten zwanzig Kilometern des Trešnjevik-Passes (1573 Meter) begegnet uns keinerlei Gegenverkehr. Ganz am Anfang bringen zwei Fußgänger ihren Einkauf nach Hause und einige neugierige Kühe laufen durch die Botanik. Ab und zu taucht ein Haus auf, doch ein bewohnter Zustand sähe anders aus. Wo wohnen denn bloß diese Fußgänger?

Auf dem Trešnjevik-Pass

Auf langen Abschnitten wird die Straße von Mischwald begrenzt. Ab und zu tauchen saftige, grüne Wiesen neben uns auf, jedoch nur selten menschliche Be­hau­sungen. Und als dann doch einige Häuser an der Straße stehen, fragen wir uns unweigerlich, wer freiwillig in diese Ab­ge­schie­den­heit umsiedelt? Zig Kilometer von Infrastrukturen wie Einkaufsmöglichkeiten oder medizinischer Versorgung entfernt? Für zivilisationsverwöhntes Volk wie uns nur schwer vorstellbar.

Schließlich schwingen wir einige Serpentinen hinauf. Als wir den höchsten Punkt erreichen und die Straße sich danach in ein Tal hinunter senkt, ändert sich die Szenerie. An der unscheinbaren Passhöhe – eigentlich ist es nur eine Kehre – befindet sich das Restoran Trešnjevik sowie eine Blockhütte mit Infobüro. Hinweisschilder mit der Aufschrift „Etno Selo štavna” deuten in einen Abzweig. Ein paar Kilometer Schottern – und man stünde hoch droben auf einer Sommeralm (= Katun) in 1800 Metern Höhe. Meist stehen in diesen Katuns nur kleine Schlafhüttchen mit steilen Dächern, in die oft gerade einmal zwei Betten hineinpassen. In Katun štavna sind sie etwas komfortabler mit fünf Betten eingerichtet.

Im Umland von Berane

In nicht allzu weiter Ferne leuchten die drei Gipfel des Komovi-Gebirges mit ausgedehnten Schnee­feldern (das Foto zeigt jedoch schon einen Berg bei Berane). Während des Abstiegs ins Tal sehen die Grundstücke langsam bewohnter aus, aber immer noch stehen die Häuser in den saftigen Wiesen sehr versprengt in der Landschaft. Als wir uns eine kurze Pause vor einem verlassenen, winzigen Holzhüttchen genehmigen, sprintet eine junge Dame im Teeniealter die hundert Meter entfernte Wiese mit Sprungschanzencharakter vom hoch gelegenen Wohnhaus herunter, um in Windeseile das Hüttchen zu besetzen und den Erfrischungsgetränk-Ausschank zu öffnen. Zwei Wasser bitte. Dwa mineralne voda molim.

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Tor des Klosters Đurđevi Stupovi

Bald surren wir weiter in Richtung Tal. Die Stadt Berane, berichtet unser Reiseführer, könne getrost mit Tunnelblick durchfahren werden. Eine Ausnahme bei dieser Empfehlung bildet jedoch das Kloster Đurđevi Stupovi, erbaut im Jahre 1213. Es ist das Zentrum der serbischen Ortho­doxie in Montenegro.

Das Klostertor ziert ein großformatiges Schild mit Besucher-Regeln in kyrillischer Schrift sowie perfekter Illustration für alle Fremdsprachler. Ein junger Mönch mit einem langen, dunklen Haarzopf sitzt in einem kleinen Kabuff in der Kloster­kirche und verkauft Ikonen, Kerzen und andere Devotionalien. Es gibt zwar kein Verbots­schild für die Kamera, wir lassen sie trotzdem aus.

Botanischer Garten. Oder so.

Im privaten, botanischen Garten von Kolasin

Kolašin rühmt sich eines privaten „botanischen Gartens”, den wir uns gerne mal anschauen wollen. Daniel Vincek, von Beruf Wirt­schafts­inge­nieur, verwandelte sich in den 1980er Jahren in eine Koryphäe in Biologie und legte an seinem Privat­haus in den Bergen von Kolašin eine bo­ta­nische Sammlung von Ge­birgs­pflan­zen an, die sei­nes­glei­chen sucht. Fürst der montenegrinischen Flora wird er ehrfurchtsvoll genannt. Das Waldgrundstück umfasst 650 Quadratmeter und ist mit ebenso vielen Pflanzen bestückt.

Es ist später Nachmittag. Es dauert eine Zeit, bis wir das alleinstehende Haus am Wald finden. Doch es ist zu spät, geöffnet bis 16 Uhr steht am Tor. Okay, es sollte nicht sein. Als wir wieder fahren wollen, winkt uns vom Gartentor eine Frau, deren Haare dringend nachgefärbt werden müssten. Wir werden uns in Zeichensprache einig, dass wir uns den Garten anschauen dürfen. Sie spricht französisch, aber nur rudimentär englisch.

Lebt Damilo Vincek noch? Hier in dem Haus?

Da wir ihr eine kleine Spende in eine Box werfen möchten, fragen wir, ob sie einen Schein wechseln könne. Sie verschwindet kurz im Haus und meint dann „Yes, my husband ...”. Ich frage mich, ob das der berühmte Danilo Vincek sei. Der müsste dann aber schon weit über neunzig sein. Wenn ja, ist er nicht mehr zur Pflege des Gartens imstande, denn der Garten könnte dringend eine regulierende Hand vertragen. Oft weiß man nicht, welche von den vielen durcheinander wuchernden Pflanzen die auf dem Namensschild ist. Am Haus lungern einige Katzen herum, die das selbe Problem wie der Garten haben: sie bräuchten dringend Pflege und vor allem medizinische Versorgung.

Normalerweise ist das Internet ja allwissend, aber über diesen Mann ist – zumindest in deutsch – nichts zu erfahren. Lebt er überhaupt noch? Auch der an die Wand neben der Eingangstür gemalte Schriftzug bringt uns nicht weiter: "Valeriana pancicii" steht da. Doch das ist der lateinische Name der Baldrian-Pflanze. Oder wohnt in dem Haus jemand ganz anderes, der mit dem Garten gar nichts am Hut hat? Fast könnte man es vermuten. Das world wide web schweigt, leider.

Im Hof unserer Guesthouses Sandra

Als wir gegen Abend wieder in den Hof unseres Guesthouse Sandra einfahren, springt uns sofort unser Herbergsvater Rade entgegen. Dieses Mal schenkt er einen Apfel­brand aus. Ich glaube, er ging davon aus, dass nur Jochen einen Rakija trinken würde und ist erstaunt, dass ich als Frau auch einen Schnaps trinke. Aber wer nicht probiert, kann sich ja kein Urteil bilden. Er fragt dann noch, ob wir nicht mit dem Gartenschlauch das eingesaute Motorrad abduschen wollen. Ach was, morgen wird es eh‘ wieder dreckig, aber danke für das Angebot!

Dem Tourverlauf folgen:
weiter mit Wir zickzacken zurück ans Meer - Herzeg Novi

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