www.bikerdream.de
Montenegro

Startseite Motorradtouren Montenegro Durmitor

Durmitor-Gebirge | höher, tiefer, wow!

Blick durch den Bilderrahmen am Sedlo-Paß auf die beiden, in der Ferne liegenden Doppelgipfel Sedlena Greda (2.227 Meter).

Nun starten wir also unseren zweiten Versuch, das Durmitorgebirge zu erobern. Und unseren letzten. Mehr Zeit steht uns nicht zur Verfügung. Wir umkreisen auf dem Weg nach Norden wieder einmal erst die äußere und dann die innere Boka, um danach die Straße Richtung šavnik zu nehmen.

Heiliger Bimmbamm! Nicht schon wieder!

Für die Streckensperrung auf der P11 wird einfach ein Lieferwagen verwendet. Die Baurbeiten an der Strecke sind kilometerlang.

Komisch, auf der P11 herrscht überhaupt kein Verkehr?! Doch dann erreichen wir eine Kreuzung, an der schon einige Fahrzeuge warten. Wir fahren ganz nach vorne und uns fällt es wie Schuppen aus den Haaren: das ist diese kilometerlange Baustelle, bei der wir uns immer irgendwie an den Straßensperren vorbei quetschten. Auf die wir wegen der Millionen Schlaglochkrater ja eigentlich keinen Bock mehr haben. Aber haben wir eine Wahl? Haben wir nicht. Dieses Mal gibt’s kein Pardon. Bis elf Uhr steht der Kleinbus unerbittlich quer auf der Straße und lässt kein Fahrzeug durch. Mit uns warten noch einige andere Motorradfahrer. Nun hatte es kürzlich auch noch geregnet und die roten Krater sind teilweise Matschelöcher. Heiliger Bimmbamm! Aber alles geht gut, Mensch und Maschine überstehen diese Prüfung des Gottes der Endurostrecken. Irgendwann hat uns der Asphalt wieder.

Die Steinbrücke aus dem dritten jahrhundert überspannt in der Nähe von Nikšić ein ausgetrocknetes Flußbett.

Wenige Kilometer vor Nikšić spannt sich die alte Most Moštanica über einen ausgetrockneten Fluss. Die Bauzeit der Steinbrücke wird ins dritte Jahrhundert datiert. Nur noch eine kleine Pfütze steht am tiefsten Punkt des Flussbettes. Die schmale Fahrbahn besteht aus runden Steinen, die nur noch Fußgängern vorbehalten sind. Jochen liebäugelt zwar kurzzeitig mit einer Brückenpassage per Motorrad, doch da der Weg auf der anderen Seite im Nirwana endet, lassen wir das. Das Bauwerk wurde schon in osmanischer Zeit immer wieder abgerissen, neu aufgebaut, restauriert und instandgehalten, da es an der wichtigen römischen Handelsroute vom griechischen Epidaurus nach Skadar stand.

Heute steht die Brücke fernab jeglicher Ortsverbindungsstraßen. Nur wenige Meter weiter landen wir – zugegebenermaßen trotz Sackgassenschild, wir wollten es einfach nicht glauben, dass die schöne Asphaltstraße hier enden soll – vor einem mit hohen Mauern umzäunten Grundstück, wo uns ein Typ nervös-gestikulierend bedeutet, schnurstracks einen U-Turn zu machen. Uppps, wen haben wir denn hier gestört? Einen Promi? Militär? Egal, die Wende ist schnell vollzogen, dann halt die zwei, drei Kilometer zurück zur Hauptstraße.

Durmitor – aber jetzt!

Nikšić selbst kratzen wir auf unserer Route nur an, denn unser Reiseführer beschreibt sie als 70.000-Einwohner-Stadt, die man nicht unbedingt gesehen haben muss. šavnik folgt als nächstes. Man meint, es ginge ein Pass hinüber in diese Stadt, aber es ist ein ständiges Auf und Ab, Kehren wechseln sich ab mit normalen Kurven. Bis die Straße noch in einiger Höhe in ein Tal austritt und sich hinunter nach šavnik senkt. Die Stadt mit seinen dreitausend Seelen taugt auf jeden Fall, um Vorräte aufzufüllen, sei es Proviant oder Sprit. Die nächste Tankstelle steht erst wieder in Žabljak.

Žabljak bietet einen wundervollen Blick auf die umliegenden Berge. Das auf 1455 Meter hoch gelegene Žabljak gilt als die höchstgelegene Stadt des Balkans.

Žabljak (man spricht es Schabljack) wird für die nächsten zwei Tage unsere Station sein – und die letzte auf unserer Tour, bevor wir uns wieder auf den Heimweg machen. Žabljak liegt auf 1455 Metern und ist damit die höchstgelegene Stadt des Balkans. Schön ist sie eigentlich nicht. Žabljak besteht aus einer losen Ansammlung von Häusern, die fast alle mit Sobe/Appartment-Schilder ausgestattet sind. Der Ort lag ehemals an einer wichtigen Handelsstraße und bot Reisenden Schutz für die Nacht. So richtig entwickelte er sich erst in den vergangenen 150 Jahren. Vorher siedelten nur einzelne Bauern an den saftigen Hängen. Eine Straße gibt es erst seit 1934 hier herauf.

Für Erkundungen in diesem Tourgebiet dient uns die Unterkunft in Žabljak als Standort.

Während wir einige Besorgungen in Žabljak machen, werden wir immer wieder von Anbietern von Apparte­ments an­ge­sprochen. Manche lassen sich kaum abschütteln, andere sind mit einem freundlichen „Nein danke” zufrieden. An einer kleinen Tank­stelle mit einer einzigen Zapfsäule brauchen wir einige Weile, bis das Spritfass wieder voll ist, weil die Fahrzeuge von allen Seiten an den Zapfhahn fahren. Leicht chaotisch, aber ein charmantes Chaos.

Am Ortseingang von Žabljak verfallen einige Hütten. Keine wirklich nette Unterkunft für uns. Scherz. Sind sicher nur alte Schuppen.

Der Zipper von Jochens Motorradjacke ist abgebrochen und verloren gegangen. Er kann die Jacke nicht mehr öffnen – ohne Zipper ist der Reißverschluss verriegelt. Ihm droht, in der Jacke schlafen zu müssen. Im Voli-Super­markt machen wir einen Anhänger mit einem Schlüsselring ausfindig. Jochen trägt also ab sofort einen Zipper mit der Aufschrift BORN IN 1962. Als Backup kaufen wir auch noch einen mit der Aufschrift Supermodel. Er wird den Anhänger je nach körperlicher Verfassung wechseln.

Tara – wild, schön und reißerisch

Die Tara-Brücke im Durmitor

Mit fünf Bögen und 350 Metern Länge spannt sich die Tara-Brücke beim kleinen Dörfchen Durdevica über die gleichnamige Schlucht und gilt als eines der Highlights im Durmitor-Nationalpark. Der Fluss Tara hat sich hier auf 78 Kilometern Länge einen bis zu 1.600 Meter tiefen Canyon in die Berge Montenegros gefräst. Wir stehen über der längsten und tiefsten Schlucht Europas.

Einzige Übergangsmöglichkeit über die Tara: die Brücke, die seit 1941 hier steht.

Die Brücke steht seit 1941 und bietet den einzigen Straßenübergang am Unterlauf des Flusses. Erst kurz vor Einmarsch der italienischen und deutschen Truppen war der Übergang fertig­ge­stellt worden. Aus tak­ti­schen Überlegungen heraus verlangten damals die hiesigen Partisanen die Sprengung des Bauwerkes. Ausgerechnet der Ingenieur, der die Brücke geplant und ausgeführt hatte, sollte die Zerstörung leiten. Gesagt, getan. Er sprengte jedoch spitzfindig nur den größten der Bögen. Er berechnete die Sprengung so genau, dass das restliche Bauwerk keinen Schaden nahm und das Gefüge nach dem Krieg ohne größere statische Probleme wieder hergestellt werden konnte. Leider wurde der Ingenieur von den Deutschen gefangengenommen und für diesen Sabotageakt auf der Brücke erschossen. Am westlichen Brückenkopf steht für ihn heute ein Denkmal.

Adrenalinjunkies aufgepasst! Wie wäre es mit: An einem Stahlseil hängend mit fünfzig Stundenkilometern über den Abgrund rauschen? Eine knappe Minute lang den Wind um die Ohren blasen lassen, vielleicht nach unten schauen (oder auch nicht?) auf das leuchtend türkisblaue Wasser der Tara? Hundertsiebzig Meter Luft unter dem Allerwertesten! Zip-Lines sind in Montenegro wie überall schwer im Kommen. An der Brücke stehen zwei zur Auswahl. Ein Jeepshuttle holt die Mutigen von der anderen Seite wieder ab.

Die Straße P4 verlässt sich auf den Kurvenverlauf der Tara, wir wedeln genüsslich dahin. Die Strecke wurde mit vielen Tunnels angelegt. In einem läuft es wie bei einem Wasserrohrbruch aus der Decke, was sich zentimeterhoch im Tunnel sammelt und der rechtzeitig eintreffende Gegenverkehr schickt die braune Pfütze passgenau zu uns. Ein klein wenig Raftingfeeling für die zweirädrigen Asphaltritter. Natürlich ist unser Fortbewegungsmittel wesentlich unspektakulärer als das der Menschen da unten auf der Tara, die den Fluss mittels Raftingboot kennenlernen.

Tock – Tock – Tock

Auch hier gibt es eine ZIPLINE. Über die Tara-Schlucht hinweg in atemberaubendem Tempo. Nur was für Adrenalin-Junkies.

Als wir am Abend im Zimmer unserer Unter­kunft unter dem Dach sitzen, knackt das Blechdach über uns immer wieder eigen­tüm­lich. Vermutlich weil es sich abkühlt, denken wir. In Wirklichkeit sind es dicke Maikäfer, die schwerfällig-dusselig dagegen fliegen und damit dieses immer­währende Tock – Tock – Tock erzeugen. Als ich mir das Schauspiel näher anschauen möchte und das Fenster öffne, macht es wieder Tock – Tock – Tock und mehrere dicke Brummer werden torkelnd ins Zimmer katapultiert. Ich mag sie, sie sind so herrlich ungeschickt. Diese dicken Käfer beamen mich augenblicklich in die Handlung des Kinderbuchs „Die großen Abenteuer des kleinen Ferdinand”. Ferdinand, die Ameise, hat einen Maikäfer-Freund. Der heißt passenderweise Tolpatsch und hat ständig Beulen am Kopf und immer wieder mal ein gebrochenes Bein.

Dem Tourverlauf folgen:
weiter mit Durmitor | Ringstraße

Email Impressum Datenschutz Partner

links rechts Schließen X