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„Herr Wolf“ betonierte den Wald

Von Ryn aus bewegen wir uns während unserer ersten Tagestour nach Westen. Richtung Ketrzyn, das man mit dem deutschen Namen Rastenburg kennt. Das mit der Aussprache der polnischen Namen und Wörter ist schon ein Kreuz. So viele Konsonanten aneinandergereiht oder so viele Zischlaute hintereinander – nichts für deutsche Zungen!

Der pure Wahnsinn, was im Wald von Ketrzyn (Rastenburg) ab den 1940er Jahren verbaut wurde im Namen des deutschen Volkes.
Die ehemaligen Zeitzeugen könnten sicher einige Geschichten erzählen.
Die Holzstäbe dienen als symbolisches Mahnmal, den Zweck und die Geschichte um die Wolfsschanze niemals zu vergessen.
„Wilczy Szaniec“ steht während der letzten Kilometer immer wieder auf den Hinweisschildern am Straßenrand. Tief im Wald von Ketrzyn (Rastenburg) versteckt, wurde ab 1940 unter Führung Adolf Hitlers eine geheime Bastion errichtet, die als Ausgangsbasis für den Überfall auf die Sowjetunion dienen sollte.

In Anlehnung an das Synonym „Herr Wolf“, das Hitler seit den 1920er Jahren gerne verwendete, nannte man den Komplex „Wolfsschanze“. Den Menschen in den umliegenden Dörfern wurde erklärt, dass eine neue Fabrik gebaut würde. Von einem militärischen Objekt war natürlich keine Rede.

Das perfekt im Wald versteckte Dorf war ausgestattet mit Betonbunkern, hölzernen Lagerbaracken, zwei Flugplätzen, einem Bahnhof, ein Fernheizwerk, ja, sogar Gästehäusern und einem Casino. Hitler, Göbbels, Speer, Bormann, Göring – nur einige wenige Namen von denen, die hier arbeiteten und wohnten.

Die Bunker und Gebäude waren bestens getarnt, die Dächer mit Büschen und Bäumen bepflanzt, so dass Aufklärer sie aus der Luft nicht entdecken konnten. Im Umkreis von siebzig Kilometern wurden weitere Quartiere von Nazigrößen und Zentralen der führenden Militär-Dienststellen des „Dritten Reiches“ eingerichtet. Insgesamt gab es zwölf Führerhauptquartiere in verschiedenen Ländern, einige wurden allerdings nur kurz oder gar nicht genutzt.

Insgesamt eintausend Tage verbrachte Hitler in der offensichtlich manisch geliebten Isolation. So war nicht Berlin, sondern die Wolfsschanze in dieser Zeit die Schaltzentrale des „Dritten Reiches“.

Im Jahr 1944 sollen mehr als zweitausend Menschen in der Wolfsschanze gewohnt haben. Doch die Tage des Führerhauptquartiers waren gezählt. In einer der Lagerbaracken deponierte Graf Stauffenberg am 20. Juli 1944 eine Aktentasche mit einer Bombe, dessen Sprengkraft einige von Hitlers Schergen tötete. Hitler entkam dem Attentat, weil der massive Tisch ihn vor der Bombe schützte.

Am 23. und 24. Januar 1945, nachdem die letzte Großoffensive der Roten Armee die Verteidigung der deutschen Truppen vollkommen durcheinandergewürfelt hatte, wurde die Wolfsschanze in höchster Eile und mit höchster Gewalt in die Luft gejagt.

Die Wucht der Explosionen schleuderte gewaltige Betonklumpen bis zu zwanzig Meter weit und ließ das bis zu 1,5 Meter dicke Eis auf zwei benachbarten Seen vollkommen zerbersten. Die Druckwellen wälzten Teile des Waldes nieder.

Wohl ein Besprechungsbunker. Leider fallen die Hinweisschilder etwas mager aus, wenn man keinen gedruckten Reiseführer dabei hat.
Der Parkplatz ist gut frequentiert. Gleich um die Ecke des Eingangsgebäudes parken schon zehn Motorräder, fünf davon Harleys mit bekutteten Fahrern aus Riga. Auf der ersten Maschine liegt eine Motorradjacke ausgebreitet. Links und rechts schauen zwei Beine raus. Ach so, da drunter pennt einer, mit dem Oberkörper auf dem durch eine Gepäckrolle weich gepolsterten Seitenkoffer.

Über uns hat sich derzeit ein Tiefdruckgebiet festgekreiselt. Es bringt uns eine dichte Wolkendecke und Temperaturen, die gerade so über der zweistelligen Marke liegen. Doch trocken ist es und das ist das Wichtigste. Nach einigen hundert Metern im Gelände – der Rundgang ist wahlweise 1,3 Kilometer oder 1,8 Kilometer lang – bedauern wir trotzdem, den Rückenprotektor nicht am Motorrad gelassen zu haben. Es wird einem doch etwas warm unter der Joppe!

Der Hilterbunker, bzw. das, was vom Bunker noch übrig geblieben ist
Die Bunkerwände stehen krumm und schief oder liegen teilweise bedrohlich schwebend im Wald. Aneinander gefallene Betonwände, meterdick, dazwischen Bäume und Gesträuch. Es ist eine gespenstige Szenerie und kaum vorstellbar, dass dieser Ort einst bewohnbar war. Jede Nazigröße besaß ihren eigenen Bunker.

Hitlers Bunker war mit fünf Meter dicken Wänden und einem acht Meter dickem, doppelten Dach ausgestattet. Acht Meter, das ist monströs! Diese Konstruktion von Albert Speer sollte verhindern, dass bei einer Bombenexplosion der „innere“ Bunker einbricht. Der traurige Betonklotz hatte keine Fenster. Hier in diesem dunklen, kalten Betonteil lebte also Hitler und schmiedete seine irrwitzigen Pläne.

An den Eingängen und den durch die Explosionen klaffenden Öffnungen stehen Schilder, die den Eintritt in die Bunker verbieten. So um die achtzig Gebäude sind es, dessen Reste man in dem Gelände sehen kann. Die Natur holt sich ihr Land zurück, zwischen und auf den Betonresten wachsen Bäume und Sträucher, teilweise haben die Stämme sicher auch stützende Funktion für die verkeilten Wände.

An den Gebäuden sind Nummern angebracht, zusammen mit einer Karte in unserem Reiseführer identifizieren wir so die einzelnen Funktionen der Gebäude. Man muss auf jeden Fall selbst schauen, dass man den Überblick behält. Vorn am Eingang zeigt eine große Tafel die Namen der Gebäude. Die abzufotografieren, ist keine schlechte Idee, damit man weiß, vor welchem Gebäude man gerade steht.

Ein wenig außerhalb entdecken wir während der Weiterfahrt ein umzäuntes Gebiet, eine Art militärischer Freizeitpark. Hier wird aus der militärischen Vergangenheit eine touristische Attraktion mit alten Fahrzeugen und alten Waffen gemacht. Viel sehen wir davon allerdings nicht, der Zaun ist annähernd blickdicht. Es wird geworben, dass man mit alten Militärfahrzeugen mitfahren könne. Wohl auch durch das Gebiet der Wolfsschanze selbst.

Dem Tourverlauf folgen:
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