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Marienburg: Sitz des Deutscher Ordens

Ausblick vom Rollberg am Elblag Kanal bei Buczyniec

Vor unserem Tagesziel, dem Elblag-Kanal, liegt die Malbork, zu deutsch Marienburg. Das ist ein absolut lockerer Ritt auf Neben- und Hauptstraßen, um die Mittagszeit sind wir dort. Die Marienburg gilt als die größte Burganlage, die in Europa aus Backstein gebaut wurde. Millionen von Ziegeln im Klosterformat wurden in der zwanzig Hektar großen Anlage am Ufer des Flusses Nogat verbaut.

Blick auf die Marienburg

Wir müssen zugeben, das Klosterformat mussten wir auch erst mal googeln: es ist eine Ziegelgröße, das im Mittelalter von Mönchen entwickelt wurde. Von Anfang des 14. bis Mitte des 15. Jahrhunderts war die Marienburg Sitz der Hochmeister des Deutschen Ordens, der in der Geschichte des Baltikums eine bedeutende Rolle spielte. In dem Backsteingebäude ist ein Museum zur Geschichte des Deutschen Ritterordens, eine umfangreiche Bernsteinsammlung sowie ein Burghotel untergebracht.

Auf dem großen Parkplatz unweit der Burganlage parken schon mehrere Busse. Unsere Lust auf Gedrängel hält sich in Grenzen, weswegen es zurück über die Brücke des Nogat in Richtung Elbing geht. Von hier aus werfen wir noch einmal einen Blick auf die Burg. Jetzt sind es nur noch etwa dreißig Kilometer bis zur Stadt Elbing, in dessen Dunstkreis wir uns eine Übernachtungsmöglichkeit suchen wollen, um uns den Elblagkanal, der zu Zeiten Ostpreußens Oberländischer Kanal oder Oberlandkanal genannt wurde, näher anzuschauen.

Rittergut Hansdorf: Glamour und Vergänglichkeit

Rittergut Hansdorf. Auf den ersten Blick eine Unterkunft von der gehobenen Klasse.
Im Internet hatten wir das Herrenhaus „Pałac w Janowie“ gesehen und da es Gästezimmer anbietet, steuern wir es nun an. In einer kleinen Straße außerhalb Elbings stehen einige Häuser in unterschiedlichen Erhaltungszuständen. Das Backsteinhaus am rechten Fahrbahnrand sieht ärmlich aus. Der Putz im offenen Hauseingang blättert ab. Bunte Kinderkleidung weht auf der Wäscheleine. Nach zweihundert Metern tuckern wir durch ein offenes, schmiedeeisernes Tor, schwarz mit goldenen Spitzen. Zuerst sehen wir nur ein baufälliges Backsteingebäude. Doch dann taucht hinter den Bäumen ein prunkvolles, weiß gestrichenes Herrenhaus auf. Die hohe Haustür steht offen. Wir tasten uns ins düstere Innere vor. Dunkel gestrichene Wände. Ein fensterloser Flur mit funzelnden Kandelabern. Antike Teppiche und Haushaltsgegenstände im angesagten Shabby-Stil. Ein Saal mit einer Decke aus vergoldeten Stuckelementen und weiß gedeckte Tische sowie Stühle mit weißen Hussen. In einem der Räume finden wir die Besitzerin und mieten uns für zwei Nächte ein Zimmer im Herrenhaus. Angesichts des prunkvollen Gebäudes ein verblüffend einfaches Zimmerchen, jedoch auch zu einem günstigen Preis.

Das ehemalige Rittergut Hansdorf, heute „Pałac w Janowie“, besitzt eine Jahrhunderte alte Vergangenheit. Vier Gebäude begrenzen einen langgestreckten, verwilderten Platz: ein renoviertes Herrenhaus, einen Kuh- oder Schweinestall und zwei weitere, durch Jahrzehnte langen Renovierungsrückstau sehr in Mitleidenschaft gezogene Gebäude.

Der Marstall - die Unterstellmöglichkeit fürs Motorrad für die Dauer unseres Aufenthaltes
Exponat einer ehemaligen Ausstellung?
Unser Motorrad darf in die Garage, wie die Besitzerin den früheren Marstall nennt. In dem baufälligen Gebäude wurden vor Jahren Kunstworkshops abgehalten, erzählt sie uns. Das muss schon einige Jährchen her sein, denn die Werke der damaligen Teilnehmer stehen verloren und mit Staub bedeckt immer noch in der „Garage“.

Ein besorgter Blick wandert hinauf zu den groben Holzbalken in der Decke. Hoffentlich halten die Balken noch! An einigen Stellen sind die dicken Dielen im ersten Stock durchgefault, offensichtlich ist das Dach darüber nicht mehr dicht. Doch die zwei Tage werden die Balken schon noch halten! Neugierig durchstöbern wir das Gebäude, allerdings nur das relativ sichere Erdgeschoss, in dem ja auch unser Motorrad steht.

Im Nachbarraum finden wir einen Zahnarztstuhl mit Zubehör und einen Inkubator. Vielleicht waren die Gegenstände auch mal Mitwirkende in einer Kunstinstallation? Erst kürzlich, so erzählt uns die Besitzerin wenig später, fällte der Sturm eine dicke Weide, so dass diese das Backsteingebäude an einer Ecke traf und eine große Hausecke wegbrach.

Die Weide können wir bei einem Rundgang noch ans Gebäude gelehnt sehen. Wenn nichts geschieht, wird dies den Verfall immens beschleunigen.

Die angrenzenden Gebäude sind teilweise sehr baufällig mit dem Hang zur Einsturzgefährdung.
Gegenüber des Herrenhauses befindet sich in hundert Metern Entfernung ein langgestrecktes Gebäude, das aus zwei festen Bauten mit einer sehr breiten, überdachten Holzkonstruktion dazwischen besteht. Hier standen wohl früher vor Regen geschützt ein halbes Dutzend Kutschen und dergleichen.

Leider ist auch dieses Gebäude einsturzgefährdet, ein tragender Balken ist weg gefault und hängt bedrohlich in der Luft. Unter dem absturzgefährdeten Dach werden einige antike Kutschen mit geflochtenem Korpus bzw. Schlitten vom Unkraut überwuchert. So schade um die einzigartigen Stücke, die hier vergammeln!

Ansicht vom Vordereingang des Gutshofes
Übernachten wir womöglich ohne es zu wissen im „Atlantis des Nordens“? In den Wiesen, die zum Gut gehören, wurden bei Ausgrabungen Häusergrundrisse, Gerätschaften und Werkzeuge gefunden, die man dem sagenumwobenen Ort Truso zurechnet. Ein Wikinger namens Wulfstan berichtete im 9. Jahrhundert von seiner Reiseroute zur Handelsstadt Truso, die an der Weichselmündung lag.

Durch Verlandung ist die Mündung heute zum Drausensee geworden und der befindet sich ganz in der Nähe von Hansdorf, das heutzutage Janów Pomorski genannt wird. Der Bericht des Wikingers liegt in einem Londoner Museum und gibt viele überraschende Einblicke, lässt aber auch noch genügend Deutungsspielraum.

In der Gegend um Elbing fand man eine Vielzahl Wikingergräber, die genau in die Zeit der Reise Wulfstans hineinpassen. Spannende Sache!

Die Alarmanlage des Hauses
Am Abend sitzen wir auf der Terrasse des „Pałac“. Draußen flattert unsere Wäsche unter den alten Buchen auf der Leine. Die Besitzerin erzählt uns, dass sie und ihr Mann das Anwesen mit 750 Hektar Grund im Jahr 1994 kauften. Das Herrenhaus wurde damals etwas restauriert. Wer sich etwas Zeit nimmt und die Details im Haus unter die Lupe nimmt, wird feststellen, dass noch oder schon wieder viel zu tun wäre.

Der äußere Eindruck mit Stuck und Gold blendet. Sie würden gerne noch weiter restaurieren, meint sie, aber ihre zwei Töchter seien nach England gegangen. Da eine Heimkehr immer noch nicht in Aussicht stünde, wäre es Essig mit der weiteren Renovierung. Soll vermutlich heißen: einen Millionenkredit könnte wohl nur die junge Generation schultern.

Wir genießen den lauen Sommerabend und unseren Wein, aber nach kurzer Zeit erfolgt der Angriff der Monstermücken, dem wir uns bald durch Rückzug ins Zimmer entziehen.

Dem Tourverlauf folgen:
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