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Rumänien

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Wir erreichen Șandra im Banat

Rumänien Rumänien, wir sind da! Kaum ein Reiseziel ist mit so vielen Klischees belastet wie dieses Land. "Passt bloß auf Eure Sachen auf. Die klauen wie die Raben." Das sagt einer, der noch nie in Rumänien war. Eine andere Bekannte beschwört uns, nicht in dieses Land zu reisen, weil ein Freund von ihr in den Karpaten unter mysteriösen Umständen um's Leben kam.

Als wir die Urlaubsplanung in Angriff nahmen, hatten wir die Idee, die andere Seite der Schwarzmeerküste zu erkunden, nachdem uns die türkische Seite so begeistert hatte. Als erste Orientierung kauften wir einen kleinen Marco-Polo-Reiseführer, um uns einen Überblick über Bulgarien zu verschaffen. Und waren sehr erschrocken, als man darin empfahl, AUF KEINEN FALL mit dem eigenen Fahrzeug in dieses Land zu fahren. So gefährlich sollte Bulgarien sein? Auch den Rumänen dichtete man ein hohes Kriminalitätspotential an. Und da müssen wir auf jeden Fall auch durch. Wir konnten es nicht glauben. Nach stundenlanger Recherche in Foren und nach dem Lesen von zahlreichen Reiseberichten stand jedoch fest: Rumänien ist viel zu sehenswert, um es als Transitland nur anzukratzen. Und die bulgarische Schwarzmeerküste, der sogenannte Goldstrand, ist nicht so sehenswert, dass er als ein lohnenswertes Ziel für eine Motorradtour dienen könnte. Also werden wir uns vom Meer abwenden und die Karpaten als Ziel anvisieren. Und ganz schnell steht fest: Rumänien ist so vielfältig und sehenswert, dass es uns in den drei Wochen keineswegs langweilig werden würde und am Ende noch genug Sehenswertes für eine weitere dreiwöchige Tour übrigbleiben wird.

Keine ehe-kammer im Banat
Aber eine bettstatt für pharaonen

Während der ersten Kilometer auf rumänischen Straßen ändert sich erst einmal gar nichts. Die Geschwindigkeitsbeschränkungen sind in beiden Ländern (Ungarn - Rumänien) identisch. 90 km/h außerorts, 50 km/h innerorts und 130 km/h auf Autobahnen, die für uns derzeit keine Alternative darstellen. Man schone seine Reifen. Wir befinden uns im Banat, der südwestlichsten Region Rumäniens. Die Straßen sind gerade, die Landschaft ist flach und wird von langen Straßendörfern geprägt. Die Banater Schwaben oder Donauschwaben sind Begriffe, die sicher jeder schon einmal gehört hat. Hier lebten viele Deutschstämmige, die ab dem 17. Jahrhundert durch die österreichische Krone zum Wiederaufbau nach den Türkenkriegen ins Land geholt wurden.

Banat Es ist Nachmittag. Die 30-Grad-Marke ist geknackt. Die Straßen sind noch nicht schlechter oder besser als die in Ungarn. Kommt vielleicht noch. Sandra naht. Nein, kein hübsches Mädchen wie in Grenznähe vereinzelt am Straßenrand stehend.

Sandra ist eine kleine Stadt im Banat, in der wir nach einem Zimmer fragen wollen. Das „Schwabenhaus“ ist ein aufwändig renoviertes Anwesen von 1794. Ein langes Gebäude wie viele Häuser hier. Hohe Räume mit sechzig Zentimeter dicken Außenmauern, getrennten Betten, sogar mit Klimaanlage und einer Mini-Bar zu einem für rumänische Verhältnisse allerdings stolzem Preis. Sehr rustikale Massivholzbetten nach Omas Art. Aber – welch Überraschung – 2,20 Meter lang!

Jochen meint: "In diesen Betten haben sie schon Pharaonen beerdigt." Was in diesem Fall ein großes Kompliment bedeutet und als eindeutiger Hinweis auf die Haltbarkeit dieser Bettstatt gedacht sein soll.

Das mit den getrennten Betten im Doppelzimmer ist eine rumänische Besonderheit. Manchmal bieten Hotels und Pensionen Doppelzimmer mit einzeln stehenden Betten und ebenso welche mit breiten Ehebetten an. Die mit Einzelbetten sind meist ein wenig billiger. Zu Ceaușescus Zeiten war es möglich, ein Doppelzimmer mit einzelnen Betten zu verbilligtem Preis als Einzelner zu buchen, lief dann aber Gefahr, dass man ihm einen zweiten, fremden Gast mit nächtlicher Sägewerkphonetik auf's Zimmer legte. Diese Praxis hat sich bis heute erhalten. Am einfachsten fragt man nach einem "Camera duplu". Camera cu doua Paturi bedeutet dann einzelne Betten und das Wort "Camera matrimonial" bezeichnet ein Zimmer mit Doppelbett, wörtlich übersetzt eine Ehe-Kammer.

Wir lassen uns zu einem Eis und einem Frappé verleiten. Wir wundern uns allerdings , dass uns nur das Eis serviert wird und mahnen später den "vergessenen" Frappé an. Dass die rumänische Variante des Frappé auch nochmals Eiskugeln und eine Riesenkappe Sahne enthält, entzieht sich unserer Kenntnis - die Bedienung vermutet sicher, die zwei verrückten Deutschen hätten hochgradigen Zucker- und Fettnotstand. (Zu unserer Entlastung muss erwähnt werden, dass der uns bekannte, griechische Frappé ein kalter, aufgeschäumter Nescafé mit einem kleinem Schuss Milch und wahlweise einer Prise Zucker ist, also bei weitem keine solche Kalorienbombe ist.)

Am Morgen nach dem Frühstück wollen wir nur noch eine Kleinigkeit aus der Minibar zahlen. Aber die nette Dame kann nicht wechseln. Sie schickt mich zu einem Textilladen gegenüber. Eine normale Eingangstür und dahinter ein zehn Quadratmeter großer Raum mit einigen Textilien. Die zwei anwesenden Frauen kruschteln in einer Schublade, aber fünfzig Lei können sie nicht wechseln.

Auf zum nächsten Laden. So langsam wird mir warm in meinen Motorradhosen. 28° C am Morgen. Ich betrete einen Hinterhof und dann einen Raum von wenigen Quadratmetern, in dem die wichtigsten Waren des täglichen Bedarfs aufgestapelt sind. Mit Erwerb einer Flasche Mineralwasser bekomme ich den Schein gewechselt. Am Vorabend hatten wir die Suche nach einem Lebensmittelladen ergebnislos abgebrochen. Kein Wunder: Wir Deutsche vermuten in unscheinbaren Hinterhöfen eben keine Lebensmittelläden.

Dem Tourverlauf folgen: 
weiter mit Entlang der Donau ...

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