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Entlang der Donau

Kloster Unsere Tagesplanung sieht vor, zur Donau zu fahren, dann dem Fluß bis zum Donaudurchbruch zu folgen, um anschließend in Richtung Norden und den Karpaten abzubiegen. Wie weit wir kommen, werden wir sehen. So wie an jedem Tag. Ein Zimmer finden wir immer.

Bei Moldova Noua erreichen wir die Donau, die die Grenze zu Serbien darstellt. Wenn man sich in Google Maps die Strecke errechnen lässt, ergibt sich ein lustiges Ländergewurschtel: Alle Naselang tangiert die Straße die Grenzlinie und so meldet Google Maps im Wechsel "Sie sind jetzt in Serbien" und dann wieder "Sie sind jetzt in Rumänien".

An einem Felsen entdecken wir ein riesiges Gesicht. Diese vierzig Meter hohe Statue des Dakerkönigs Decebalus ist die höchste Felsskulptur Europas, die Errichtung dauerte aus unerfindlichen Gründen zehn Jahre und befindet sich an einer Felsformation am Donauufer südwestlich der Stadt Orsova im "Naturpark Eisernes Tor".

Rumänien Bis Orsava – und das sind rund hundert Kilometer an der Donau entlang – sind wir fast allein auf der Straße. So gut wie kein Gegenverkehr stört uns. Einigen Staub wirbeln wir in den zahlreichen, autobahnbreiten Baustellen mit Naturbelag auf. Für dieses Teilstück benötigen wir inklusive Fotostopps mehr als zweieinhalb Stunden.

Die Ortschaften bestehen immer nur aus einzelnen Häusern. Angler versuchen der braun und träge dahinfließenden Donau einige Fische zu entreißen. Touristische Strukturen sehen wir nur sehr vereinzelt. Uns wundert ein wenig, dass es so ruhig ist. Weil wir nämlich in Reiseberichten gelesen haben, dass sich der ganze Schwerverkehr durch die schmale Straße zwängt. Bisher ist die Straße jedoch breit und außer uns ist kaum jemand unterwegs.

Wir haben uns zu früh gewundert. Das Bild ändert sich abrupt in Orsava, der ersten größeren Stadt auf unserer Donauroute. Ab sofort machen uns dicke Brummis und zahlreiche andere Verkehrsteilnehmer Konkurrenz. Wenig später sehen wir das „Eiserne Tor“. Das „Eiserne Tor“ ist ein imposantes Staudammprojekt in der Nähe von Orşova. Gleichzeitig ist es der Donaudurchbruch durch die Südkarpaten und den serbischen Balkankarpaten. Gemächlich passieren die Donauschiffe die Schleusen am „Eisernen Tor“. So ruhig ging es nicht immer zu. Schon bei den Römern galten die Donau als gefährlich und wegen der vielen Stromschnellen und Riffe war an Schiffsverkehr nicht zu denken.

der Mythos des eisernen tors

Mein rumänischstämmiger Arbeitskollege Robert erzählt mir, dass der Staudamm ein echtes Prestigeobjekt war. Wenn sich ein Handwerker oder Baumeister mit seinen beruflichen Verdiensten brüsten wollte, dann berichtete er voller Inbrunst von seiner verantwortungsvollen Tätigkeit beim „Eisernen Tor“. Robert meint, er kenne mindestens vier ältere Männer, die voller Stolz berichten, sie seien Bauleiter beim Staudamm gewesen seien.

1956 hat man zusammen mit dem kommunistischen Jugoslawien das gigantische Staudammprojekt in Angriff genommen, was heutzutage bei den Naturschützern einen Riesenaufschrei hervorrufen würde. Denn der Pegel lag nach den Arbeiten, die von 1960 bis 1972 andauerten, 33 Meter über dem alten Wert. Die Gemeinde Ada Kaleh und die Altstadt von Orsova versanken in der Flut. Alle Einwohner der alten römischen Stadt Orsova wurden umgesiedelt und leben heute in der gesichtslosen Neugemeinde Orsova.

Rumänien Die Wassermassen schießen über eine Länge von neun Kilometern zwischen sechshundert Meter hohen Felsufern durch die Enge von Kazan. Bis auf 160 Meter verengt sich am "Großen Strudel" (Veliki Derdap) die Donau und hat dort eine Tiefe von 1120 Metern. Auf Grund des türkischen Wortes Kazan - es bedeutet Kochkessel - lassen sich einige Schlüsse ziehen. Einerseits auf die Fließgeschwindigkeit und Beschaffenheit der Donau, andererseits auf die Geschichte der Region. Türkenheere brachten im 14. Jahrhundert viele rumänische Landstriche unter ihre Herrschaft, nachdem sich in den Jahrhunderten zuvor die Daker, Goten, Griechen, Römer, Magyaren, Tataren und slawischen Reitervölker die Klinke in die Hand gaben. Noch heute findet man einige Wörter mit türkischem Ursprung. Am prägendsten war jedoch die Herrschaft der Römer - Rumänisch ist die einzige romanische Sprache in den Ostblockstaaten.

Rumänien Am nervigsten sind die einspurigen Baustellen. Ampelphasen mit Schwitzgarantie. Denn wir haben eine Hitzephase mit bis zu 38° C erwischt.

Am Ende einer dieser Rotphasen hat ein netter Straßenarbeiter ein Einsehen mit uns beiden Goretexjüngern (Nein, in Goretex® schwitzt man nicht...) und bedeutet uns, wir sollten fahren, weil uns in der Baustelle nur noch ein Roller entgegenkommt.

Achteinhalb Stunden Fahrt reichen. Târgu Jiu ist nicht unsere Traumstadt, wird aber zu unserem Schlafziel an diesem Tag erklärt. Zu diesem Zeitpunkt wissen wir noch nicht, dass wir am nächsten Tag dazu verdonnert werden, noch länger in dieser Stadt (gesprochen: Tirgu Schiu) zu bleiben. Aber unsere Zwangspause verschafft uns einige interessante Einblicke in den rumänischen Alltag im Allgemeinen und das Leben in einer rumänischen Stadt im Besonderen ...

Dem Tourverlauf folgen: 
weiter mit Oltenien ...

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