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Săpânța

Kloster Weiterfahrt nach Baia Mare. Wo wir das Haus meiner Kollegin Elisabeth für drei Nächte okkupieren werden. Vor dem langweiligen und holprigen Prislop-Pass müssen wir unbedingt nach Süden abbiegen und einen großen Haken schlagen, um nach Baia Mare zu gelangen. Aus irgendeinem Grund mag vor allem Jochen diesen Pass nicht, so dass wir uns einen anderen Weg suchen wollen.

Im Iza-Tal

Wir könnten schwören, dass keine Abzweigung nach Süden kam! Klingt komisch, ist aber so. Shit. Wir hoppeln ein drittes Mal den Prislop-Pass entlang, der die natürliche Grenze zur Bukowina darstellt. Wir erreichen Borsa, das gefühlt längste Kaff der Welt, eine Stadt mit fünfzehn Kilometern Länge. Sie kommt uns vor wie ein nicht enden wollendes Straßendorf und ist eine der ältesten Kurorte Rumäniens.

In Moisei biegen wir in das Izatal ab und erfreuen uns ein weiteres Mal an den vielen typischen Maramureşch-Holztoren und den typisch rumänischen Straßenszenen. In Bârsanaverlassen wir das Tal und fahren über Calinesti und Budesti Richtung Baia Mare. Urtypische Maramureşdörfer mit Fernblick. Aber wir flüchten, denn hinter uns drohen die Regenschauer. Am höchsten Punkt befindet sich ein Skigebiet mit einem Sessellift.

Villa mit viel Gastlichkeit

Maramures Kaum haben wir diesen höchsten Punkt erreicht, ändert sich die Architektur der Häuser abrupt. Keine Maramuresch-Tore mehr. Keine Holzhäuser. Schade. Gesichtslose, kleine Häuser. Wir erreichen Apa – ein kleines unscheinbares Dorf mit ungeteerter Dorfstraße und einem Baggersee. Johann beschreibt uns am Handy ganz genau den Weg zu seiner Villa, weil unser Navi den Weg nie und nimmer finden würde. Behauptet ER. Wir fahren nach seiner Beschreibung und nach Steffis. Stimmt beides. Nur vertut sich Steffi beim letzten Rechtsabbiegen um rund hundert Meter. Das wär nicht so einfach gewesen, die BIG TURTLE über den Bahndamm zu bekommen! Hundertfünfzig Meter vor dem Haus, wir fahren gerade auf einem Feldweg direkt darauf zu – klingelt das Handy. Jochen hält an, ich pfeffere die Brille zwischen Jochen und mir, nicht ohne Jochen anzuweisen, ab sofort nicht mehr auszuatmen, damit meine Brille heilbleibt – Helmabsetzen mit Brille schaffe ich aus unerfindlichen Gründen nicht – gebe Jochen meinem Helm nach vorn und betätige das Handy.... Jochen! Nicht ausatmen! Bist du wahnsinnig? Okay, Telefonat beendet, die Brille ist auch noch heil. Telefonieren auf dem Motorrad ist echt noch optimierungsbedürftig.

Wir werden von der Hausmeisterin des Anwesens mit Tuica, Brot und Salz empfangen. Gottseidank nicht der Hochgradige mit 50 oder 60 %, sondern der milde Palinka.

Anschließend wird uns Ciorba und Kartoffelsalat serviert. Brot dazu. Wein und Tiuca. Mann, was sind wir satt. Endlich duschen. Johanns Nichte mit Familie schneit eine Stunde später noch herein, bringt uns Sarmale (kleine Kohlrouladen), Kartoffeln, Wein, weiteren Țuică (Noroc!), und einen leckeren Kuchen. Ohh, Gott, ist das alles lecker. Aber gleich platzen wir.

Nächster Morgen. Gerade wollen wir das Haus für das Allerallerwichtigste, eine Tasse Kaffee, verlassen, als die gute Fee des Hauses klopft und uns bedeutet, dass sie jetzt das Mic Dejun (Frühstück) bringe. Uns fliegen hier die gebratenen Tauben in den Mund! Außerdem zeigt sie mir, dass sie eine Lammkeule in der Küche hat und die zubereitet. Ich versuche ihr begreiflich zu machen, dass wir noch für eine ganze Hochzeitsgesellschaft Sarmale, Kartoffeln und Risotto im Kühlschrank hätten. Keine Chance. Nach kurzer Zeit gebe ich mangels Vokabular und/oder Überzeugungskraft auf.

Der fröhliche Friedhof in Săpânța (gesprochen söpinza)

Sapanta Wir fahren nach Săpânța, gesprochen "Söpinza" - Rumänisch ist nicht schwer, aber die Sonderlaute brechen uns immer wieder das Genick bei unseren Ver­stän­di­gungs­ver­suchen.

Unser erstes Ziel ist Săpânţa, gesprochen wie Söpinza. Rumänisch ist nicht schwer, aber die Sonderlaute brechen uns immer wieder das Genick in den Verständigungsversuchen. Der „Fröhliche Friedhof“ (Cimitirul Vesel) ist gut ausgeschildert, ist er doch eine einträgliche Geldquelle für das ansonsten unbedeutenden Ort mit 5000 Einwohnern. Eine kleine Tourismusmaschinerie hat sich um den realen, aber eintrittsgebührpflichtigen Friedhof herum aufgebaut, mit Pensionen, Souvenirständen und kleinen Imbisslokalen.

Der Friedhof wird nicht nur von uns besucht. Auch einige tschechische Motorradfahrer und eine Menge anderer Touristen schieben sich durch die Reihen farbenfroher Holzkreuze. Gerade ist eine Gruppe Kinder angekommen. Von Totenruhe kann keine Rede sein.

Sapanta Im Jahr 1935 kam der Holzschnitzer Stan Ion Patras (1909 – 1977) auf die Idee, die Totenkreuze etwas einfallsreicher und farbenfreudiger als bisher zu gestalten. Er kreierte bunte Tafeln, die ein Detail aus dem Leben des Verstorbenen darstellte und dichtete Verse dazu, die den Verstorbenen charakterisierten. Die Verse zeichnen lustige, teils deftige Inhalte aus, auch Seitenhiebe auf eine Eigenart, Unart oder Sünde des Verstorbenen fehlt manchmal nicht, oft wird auf die Todesursache eingegangen. Der „Tuica“ sei ihm zu lieb gewesen, wird von einem Toten berichtet. Dass einer von einem Räuber erschossen und geköpft wurde steht auf einem anderen Kreuz. Dass einer von einer Bahn überfahren wurde – obwohl die Bahn nur einmal täglich fährt.

Die Tradition der fröhlichen Grabkreuze führen seit dem Tod ihres Erfinders einige Holzschnitzer im Dorf fort. Als legitimer Nachfolger gilt Dumitru Pop, dessen Werkstatt sich vierhundert Meter hinter dem Friedhof befindet. Ein Museum ist in zwei winzigen Räumen des alten Holzhauses untergebracht. Dimitru stellt in einer überdachten Freiluftwerkstatt neben dem Haupthaus die einfallsreichen Kreuze her.

Sapanta Die Kirche auf dem Friedhof ist innen abgestützt. Es sind Risse in tragenden Elementen zu sehen. Auch außen ist die aus Natur- und Backsteinen gemauerte Kirche eingerüstet und an jeder Seite versucht man durch dicke Betonstützmauern den hohen Wänden mehr Stabiltät zu verleihen.

Die Innenwände sind mit zahlreichen Fresken versehen. Hoffentlich schafft man es, die Kirche zu erhalten. Kundige Quellen wissen zu berichten, daß Diebstahl auf dem Bau an der Tagesordnung ist. So verschwindet in Rumänien ein Großteil des Baumaterials in dunklen Kanälen.

Baustellen und der Straßenbau sind besonders gefährdet und die halbherzig reparierten Straßen sind wohl auch Folge des Materialschwunds.

Huta - Pass an der rum.-ukrainischen Grenze Die Fahrt führt uns über den Huta-Pass, wo wir, von Satu Mare kommend, die Grenze zu den Maramureş überschreiten. Der Pass mit seinen gerade mal 587 m ist ein nettes Bergsträßchen, von dem man einen herrlichen Ausblick auf die Ausläufer der Maramureş und zurück auf das Flachland bei Satu Mare und Baia Mare hat.

Sobald man die Passhöhe überschritten hat, senkt sich die Bergstraße in einen urigen, dunklen Buchenwald. Welch ein Luxus: In dieser Region sind die Schlaglöcher in der Asphaltstraße gepflastert. Offensichtlich hat die Region Maramureş weniger Geld für den Straßenbau zur Verfügung als andere Regionen, denn die Straßen sind eindeutig schlechter. Wir fahren dicht an der Ukraine entlang, die uns per SMS begrüßt.

Stadt der Frauen und Kinder

Maramures Die Ortsschilder sind mit lateinischen und in kyrillischen Buchstaben bedruckt. Die Häuschen zeigen leider nicht die Charakteristik der Maramures-Häuser. Sie sind meist aus Stein gebaut, nur ganz wenige Holzhäuser sieht man hier. Die schönen geschnitzten Holztore fehlen ganz. Wir sind offenbar von Westen her nicht tief genug in die Maramures eingedrungen, um die charakteristische, alte Architektur zu finden.

Von Süden her durchqueren wir den Ort Negresti-Oas, in dem links und rechts der Ausfallstraße große, prunkvolle Villen auffallen. Manche Villen sind noch in Bau, andere sehen neu, aber irgendwie unbewohnt sowie unpersönlich aus. Große Balkone, säulengeschmückte Eingänge und Veranden. Wir fragen uns, für wen diese Villen gebaut wurden und wer darin wohnt. Kaum vorstellbar, dass eine Familie allein einen derartigen Prachtbau mit riesigen Fenstern und vielen Balkons bewohnt.

Dann erinnern wir uns an einen Fernsehbeitrag, der sich mit der „Stadt der Frauen und Kinder“ beschäftigte. Diese Prachthäuser sind die Projekte von Männern, die ihre Familie verließen, um Geld im Ausland, vorwiegend in Italien, zu verdienen. Und nun ihren Reichtum von dort aus in der Heimat dokumentieren wollen, indem sie außergewöhnliche Häuser für ihre Familien bauen lassen. Manche Auswanderer kommen nur einmal im Jahr kurz zu ihrer Familie, um ihren Bau fortzuführen und ihre auserlesenen Wünsche an die Bauunternehmer der Region weiterzugeben.

Es wird Zeit für uns, unsere Koffer zu packen. Drei Wochen sind um. Wegen unserer Panne mussten wir leider einige Ziele canceln, weil die Tour zeitmäßig sonst nicht zu schaffen war. Die blubbernden Schlammvulkane im Nordosten bei Buzau zum Beispiel sind leider der Panne zum Opfer gefallen.

Das Schicksal schrieb uns ein eigenes Drehbuch, was wir jedoch nicht als großes Drama empfinden, da sie uns andererseits mit lieben Menschen in Kontakt brachte, zu denen wir noch lange Kontakt haben sollten.

Schlaglöcher in Rumänien Diese Straßen! Allerdings kommt dazu, daß unser Zubehörfederbein sein dämpfendes Öl unter sich gelassen hat. Wir haben also vollbepackt "nur" ein Serienfahrwerk zur Verfügung, was auf diesen Straßen etwas unkomfortabel ist. Aber die Weiterfahrt nicht verhindert. Die Heimfahrt beschließen wir anders anzugehen als die Herfahrt.

Ungarn wird dieses Mal auf dem schnellsten Weg auf der Autobahn durchkreuzt und erst bei Wien eine Zwischenübernachtung beim Heurigen eingelegt. Wie wir finden, ist dies die weitaus bessere Lösung als die Landstraßenfahrt durch Ungarn mit Zwischenübernachtung.

Sollten wir die Tour noch einmal fahren, dann durchqueren wir Ungarn wieder auf die schnelle Art. Auch daß uns "Steffi" eine staureiche Stadtrundfahrt durch die Innenstadt von Budapest organisiert, werden wir das nächste Mal zu verhindern wissen. Das nächste Mal sind wir schlauer und quasi schon alte Hasen ...

Dem Tourverlauf folgen: 
weiter mit Bukowina ...

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