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Burg Waldeck

Burg Waldeck
Foto: Christian Bickel [CC-BY-SA-2.0-de], via Wikimedia Commons

Die Burg Waldeck ist ein weithin sichtbares Wahrzeichen am Edersee. In der Burg selbst ist ein Hotel untergebracht und, was interessanter ist, ein Museum. In diesem Museum kann man interessante Details über die Justiz in den vergangenen Jahrhunderten erfahren.

Von Niederwerbe kommend schwingt man sich mit gemächlichen 50 km/h die zahlreichen Kurven am Edersee entlang. In Waldeck biegt man an einer scharfen Rechtskurve links zur Burg ab.

Mit dem PKW ist auf dem Parkplatz Endstation. Aber mit dem Motorrad kann man ohne Probleme bis in den Burghof vorfahren und wird - wenn man zufällig zum richtigen Zeitpunkt kommt - von stattlichen Rittern willkommen geheißen. 200 m über dem Edertal gelegen bietet sich von der Burg eine herrliche Rundumsicht.

Vorausgesetzt, die Sicht ist gut, erkennt man in der Ferne die Türme von Korbach und den Eisenberg, der früher auch ein waldeckisches Residenzschloß trug. Der Edersee liegt in seiner ganzen Pracht vor dem Betrachter, viele seiner zahlreichen Windungen bleiben allerdings hinter den bewaldeten Höhen verborgen.

Die Burg Waldeck hat eine also sehr wechselvolle Geschichte hinter sich. Sie diente schon als Landeszuchthaus, Getreidelager, Sitz eines Amtsmannes, Zeughaus, Kriegsgefangenenlager, Försterei und heute als Hotel- und Gastronomiebetrieb:

Graf Volkwin von Schwalenberg wurde der Stammvater des waldeckschen Grafenhauses, als er um 1180 die ursprüngliche Burg kaufte. Im 13. Jahrhundert wurde die Burg weiter ausgebaut. Im 17. Jahrhundert geben die Schweden als Schloßherren ein kurzes Intermezzo. Waldeck wird 1743 Landeszuchthaus, bleibt aber wie bisher Festung, wobei der Kommandant die ehemals gräfliche Wohnung erhält. (Über die Lebensbedingungen der Gefangenen berichtet ausführlich das Burgmuseum.) Im Siebenjährigen Krieg (1760) wird Waldeck von den Franzosen besetzt. Sie halten 2 Jahre durch, bis englische und preußische Truppen die Burg ihrerseits bedrohen. Die Franzosen kapitulieren und erhalten freien Abzug. Das Zuchthaus wird 1868 geschlossen, die Burg dient fortan als Wohnung eines Forstbeamten. Im Deutsch-Französischem Krieg 1870/1871 werden französische Kriegsgefangene auf der Burg untergebracht. Der Nordflügel brennt 1940 restlos aus. Von 1948 bis 1950 wird er jedoch wieder aufgebaut. In den 80er Jahren wurde das Hotel eröffnet.

Das Museum ist der Burggeschichte als Zuchthaus und der Justiz der Vergangenheit gewidmet. Man erfährt viel über die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Gefangenen. Wieviel sie zu essen bekamen, welche Tätigkeiten sie verrichten mußten, welche Vergehen und Verbrechen die Einzelnen wie lange abzusitzen hatten und vieles mehr.

Burg Waldeck
Foto: Gabriele Delhey [CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

Die Exponate der Ausstellung sind manchmal gruslig: Hier wird man z.B. aufgeklärt, was "Rädern" bzw. "Auf's Rad geflochten" bedeutet. Demnach müßte man sich auf der Intensivstation eines Krankenhauses befinden, wenn man sich "gerädert" fühlt.

Wer weiß eigentlich noch, woher der Begriff "Schlitzohr" stammt? Nach der Führung weiß man es: Handwerksburschen hatten einen Ring im Ohr. Wenn ein Handwerker seinen Geschäftspartner nachweislich betrogen hatte und dies vom Gericht geahndet wurde, bestand die Strafe oft daraus, daß man dem Betrüger den Ohrring gewaltsam herausriss, sodass dem Deliquenten ein Schlitz im Ohr blieb. So war er ein Leben lang als unehrlich gezeichnet, eben ein Schlitzohr.

Bei kleineren Vergehen wurde der Delinquent auf einem öffentlichen Platz "ausgestellt". Am meisten verwendet wurde der einfache "Schandpfahl", an den der Verurteilte gefesselt und dem Spott der Bürger preisgegeben wurde. Den sprichwörtlichen Pranger kennt wohl jedes Kind, aber weiß auch jeder, was ein Pranger ist?

Etwas bequemer dürfte der ausgestellte "Käfig" für den Verurteilten gewesen sein. Jochen sollte sich für Demonstrations-, Foto- und Gefühlstest-Zwecke in den Käfig begeben, aber er hat sich standhaft geweigert, ohne rechtskräftige Verurteilung seine Strafe anzunehmen.

Im hinteren Teil des Museums befindet sich der "Hexenspund", ein 8 m tiefes fensterloses Verlies, das nur über ein Loch in der Decke erreicht werden kann. Seinen Namen hat es (angeblich) aus der Zeit der Hexenverfolgung.

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