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Sciacca an der Südküste Siziliens

Blick auf Sciacca Zwischendurch haben wir nun den Ausflug nach Malta hinter uns gebracht und sind gerade wieder mit der Fähre in Pozzallo gelandet. Unser Ziel ist, noch ein klein wenig die Südküste zu erkunden, bevor wir uns wieder Richtung Fährhafen Palermo begeben müssen. Vor unserer Abreise in Deutschland sind wir am heimischen PC noch über eine Homepage einer Deutschen in Sciacca gestolpert, die bei Sciacca vier Appartments vermietet.

Diese Telefonnummer haben wir im Gepäck. Vorher aber stehen wir noch zwei Stunden lang im Hafen mit Wolf und Vivian. Die zwei haben wir schon vor über einer Woche bei unserer ersten Warterei auf einen Fährplatz im Hafen von Pozzallo kennengelernt und nun auf der Rückkehr wiedergetroffen.

Sie spendieren einen Kaffee aus ihrem zu einem Campingbus umgebauten VW-Bus. Zwischendurch ziehen wir mit Sack und Pack und Campingtisch im Hafen ein Stück weiter, da das Rolltor geschlossen werden soll. Wir hätten noch den ganzen Tag quasseln können, aber die zwei wollen noch nach Rom und wir nach Sciacca. Wir rufen die Deutsche an: Ein freies Appartment ist vorhanden.

Tag der Befreiung von den Deutschen

Die Fahrt ist abwechslungsreich. Und die Straßen sind leer. Die Straßen sind zu leer! Und überall sitzen die Leute draußen und grillen. Später geht uns ein Licht auf: Heute ist der Feiertag der Befreiung von den Deutschen. Da kommen wir ja gerade recht. Wir mieten ein sehr liebe- und geschmackvoll eingerichtetes Appartement bei Doris, die seit über zehn Jahren mit einem Sizilianer verheiratet ist. Im Preis inbegriffen ist eine "Erstausstattung" mit dem, was man zum Leben braucht: Spaghetti, Gewürz, Milch, Marmelade, Butter, Saft, Wasser, Wein. Letzteres - ui ui ui - ein Teufelszeug!

Nicht zu verachten auch das Spaghettigewürz: doppelte Menge des Rezepts - auch ein Teufelszeug. Dieser Wein ist der Landwein dieser Gegend, kein gekaufter, sondern das Schild ist handgeschrieben: Alto Grado 15 %. Die Farbe ist goldgelb. Wir heben uns den Wein bis zum letzten Abend auf. Hui - kein Dessertwein, sondern ein normaler Wein, aber der hat's sowas von in sich!

Doris erzählt vom Karneval in Sciacca. Hier finden mehrere Tage lang große, prachtvolle Paraden statt. Alle sind leicht bekleidet, was sonst. Und sie trinken alle, um nicht zu frieren, Alto Grado - was sonst. Und sind danach alle erkältet ;-) (was sonst).

In den ausgedehnten Olivenhainen des Grundstückes steht ein Olivenbaum, der um die 2000 Jahre alt sein soll. Sciacca selbst sieht uns nur zum Einkaufen. Und im Supermarkt unterzieht man mich wieder diesem Kniehängerblick: Man schaut mir ins Gesicht, auf die Jacke, der Blick rutscht tiefer und bleibt -zack- an den Knieprotektoren hängen. Besonders extrem mustert mich eine Frau an der Fleischtheke (wo man übrigens Nummern ziehen muß wie im Meldebüro). Sie steht neben mir und mustert mich minutenlang entgeistert. Ihr Blick gleitet ständig hoch und runter, hoch und runter. An der Kasse kann sie ihre Neugier dann nicht mehr zügeln: Sie fragt mich, ob ich Deutsche sei ...

Motorradtouren um Caltabellotta

Caltabellotta Von Sciacca aus sehen wir in der Ferne ein pittoresk an den Felsen klebendes Städtchen und wir fragen Doris, was das sei. Dies sei Caltabellotta - sie empfiehlt uns, dorthin zu fahren, es wäre eine nette Motorradtour. Ihr würde es allerdings bei dem Gekurbel in den Kurven schlecht werden, da es auf fast tausend Meter Höhe liegt... Also nix wie hin!

Die Straße ist griffig, wir sind allein in den zahlreichen Kurven. Die Landschaft ist einfach grandios! Caltabellotta ist schnell erreicht. Wir wurschteln uns durch die engen Gassen immer bergwärts. Oben befindet sich eine Kirche, die aber verschlossen ist. Wir taufen die Kirche "San Pellegrino", auch Doris bezeichnete eine Kirche hier so. Dder Schutzpatron von Caltabellotta heißt San Pellegrino.

Caltabellotta hat eine bewegte Vergangenheit: Manche Wissenschaftler nehmen an, dass sich auf dem seit frühgeschichtlicher Zeit besiedelten Gebiet des Städtchens Caltabellotta das antike Kamykus, das Reich des mythischen sikanischen Herrschers Kokalos befunden haben soll.

Was sicher ist, dass hier unter diesem Kalkfelsen die Stadt Triokala gelegen war, die während des zweiten Sklavenaufstandes (104 bis 101 v. Chr.) die Hauptstadt der Sklaven war und Zufluchtstätte für gegen die grausame Behandlung rebellierende Sklaven. Als die Armee näher rückte und keine Hoffnung mehr bestand, verübten die Überlebenden gemeinsam Selbstmord. Im Mittelalter nannten die Araber das Städtchen qal'at-al-ballut, Eichenfelsen. 1336 wurde die Grafschaft Caltabellotta Raimondo Peralta übereignet und hatte danach wechselnde Besitzer. Caltabellotta hat vor allem als Schauplatz des Friedenvertrags Berühmt- und Bekanntheit erlangt.

Motorradtour um Caltabellotta

Der Tag ist noch jung, so fahren wir einfach noch ein bißchen der Nase nach. Unterhalb dieser Bergkirche verläuft die Straße auf der Rückseite des Kalkfelsens weiter. Das Verkehrsschild mitten auf der Straße, das die Straße für den Auto- und sonstigen Verkehr als gesperrt ausweist, übersehen wir dabei geflissentlich.

Bald sehen wir auch, warum die Straße gesperrt ist. Hier scheinen Erdbeben, Erdrutsche und große Naturgewalten einiges bewegt zu haben. Mal hebt sich der Asphalt halbmeterhoch in die Höhe. An anderer Stelle klafft ein mit Regenwasser gefülltes Loch in der Straße. Die Verwerfungen sind nicht mehr ganz frisch, aber auch noch nicht jahrealt - vielleicht vom letzten Winter? Das Gesperrtschild ist wohl eher so ein Vorsichtshalberschild ...

Die Touren durch's Hinterland sind zwar ganz nett, bieten aber nicht mehr die Highlights wie z.B. Caltabellotta und seine malerische Lage.

Dem Tourverlauf folgen:
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