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Košice | kommt ein Reifen geflogen ...

Reifenmontage in Košice Eins vorweg: Mit der Stadt Košice hat diese Seite nur periphär zu tun, außer dass wir dort einen zweistündigen Aufenthalt hatten. Nur warum und wieso, berichten wir nachfolgend.

Irgendwann während unserer dreiwöchigen Ost-Tour kommen wir an einen Punkt, an dem wir bemerken: "Oooops, wenn wir weiterhin so einen Kilometerschnitt hinlegen, kriegen wir sechstausend Kilometer mehr auf den Tacho!" Unsere Tourplanung sieht dagegen nur runde 4000 Tour-Kilometer vor.

Für uns null Problemo - jedoch für unseren Hinterreifen schon. Er wäre bei Kilometer sechstausend glatt wie ein Babypopo. Eine nette Mitarbeiterin vom Info-Büro in Liptovsky Mikulas bitten wir um Hilfe, weil wir befürchten, dass wir etwas Verständigungsprobleme haben werden, wenn wir uns allein in die Reifenwerkstätten begeben. Die Info-Dame mit guten Deutschkenntnissen telefoniert sofort mit einer Werkstatt und schickt uns dorthin.

Abgesehen davon, dass wir uns in der Werkstatt kaum verständlich machen können, stellt sich heraus, dass eine Autofirma keine Motorradreifen führt - ach, welch weise Erkenntnis! Die Info-Dame hat die Problematik wohl doch nicht ganz umrissen.

Weitere zwei Werkstätten in der nächstgrößeren Stadt Liptovsky Hradok winken ab. Nicht zu kriegen, dieser Pneu. Sachma, ham die keine Lust, uns den zu besorgen? Denen hängt wohl die jahrzehntelang gepflegte sozialistische Arbeitsmoral noch in den Köpfen? Wir zwingen die Angestellte in der letzten Werkstatt nicht mit der Knarre, aber mit eindringlichen Worten zu telefonieren, um herauszubekommen, ob der Reifen nicht irgendwo bestellt werden kann.

Kein Reifen zu kriegen?

Die Antwort: "Ne!" - das heißt auch in deutsch genau das. Gibt's das? Hilfe! Es muss doch irgendwo einen Bridgestone geben! Aber noch ist nicht aller Tage Abend, wir brechen unsere Suche erst einmal ab und kümmern uns um die angenehmen Seiten des Lebens: motorradfahren.

Der tut's nicht mehr. Flughafen Wie kommen wir zurück?

Später telefonieren wir mit dem ADAC. Der freundliche Herr wird sich erkundigen und meint, dass sich der slowakische Automobilclub bei uns melden wird. Einige Telefonate und drei Tage später...

Die schlechte Nachricht: Es gibt in der Slowakei wirklich KEINEN Bridgestone. Die gute Nachricht: Heute bekommt ein Bridgestone in München Flügel und schwebt über Wien und Prag nach Košice. Der Flieger soll um 14:30 Uhr in der zweitgrößten slowakischen Stadt landen, die etwa 180 Kilometer von unserer Unterkunft entfernt ist. 14:30 Uhr ist eine gute Zeit, so haben wir genug Zeit für eine Tagestour.

Morgens ruft noch einmal der Kollege vom Automobilclub an und gibt uns die Adresse einer Werkstatt durch, wo wir den "Weitgereisten" montieren lassen können. Auf die Ermittlung einer Adresse hatten wir mit Nachdruck bestanden. Erfahrung macht klug. Wir schätzen, ohne die Adresse wäre es wie ein Fünfer im Lotto gewesen, eine Werkstatt zu finden.

Flughafen Wir schleichen uns an Košice sozusagen von unten heran. Das slowakische Paradies (Slovensky Raj) ist uns einen Umweg wert, wenn auch leider die Zeit für die Kraxelei in den Schluchten dieses Gebietes nicht reichen wird. Schade, die vielen urigen Holzleitern durch die Schluchten und an den Felsen sind sehr verlockend. Auch an der Zadiel-Schlucht fahren wir schweren Herzens vorbei.

Endlich erreichen wir den Flughafen. Wir finden ein Parkplätzlein (für das wir wie jeder PKW auch an einer Schranke löhnen müssen) und begeben uns zunächst auf die Suche nach dem Büro der Fluggesellschaft. Nach einer kleinen Odyssee von einem Büro zum anderen werden wir schließlich ins Frachtbüro "verfrachtet", und packen kurze Zeit später unseren Reifen aus. Na denn.

Wer darf nun mit? Reifen oder Sozia? Beide. Wir befestigen das Teil diagonal über dem Topcase, was heißt, dass die Sozia (in dem Fall bin ich die Leidende) ziemlich "scheps" nur noch mit einer A*backe auf dem Sitz hängt. Tja, wenn ich mich nicht weigern würde, mit einem Sozius, der -ich sag's ja nicht- x-Kilogramm schwerer als ich ist, im Rücken zu fahren, hätte Jochen mal "scheps" hängen können.

Irgendwie werde ich langsam hektisch, während Jochen mit einer stoischen Ruhe die optimalste Verzurrung unseres neuen Hinterreifens ertüftelt. Hat der Typ in der Werkstatt nicht gesagt, dass er bis 16:00 Uhr auf uns wartet? Und nun ist es schon Viertel nach drei ?!?!!? Wir wissen nicht, wie weit es bis dahin ist .... und wie oft wir uns unterwegs verfranzen... Mein GOTT, kannste nicht ein bißchen hinnemachen?!?! Später stellt sich heraus: Meine ganze Hektik war völlig umsonst. Ich hatte das falsch verstanden: Der Typ wartete ab sechzehn Uhr auf uns. Nicht bis. Deshalb also hatte Jochen so die Ruhe weg! Ich sag's doch: Mann und Frau sprechen nicht die gleiche Sprache!

Reifenwerkstatt Die angegebene Straße findet sich relativ schnell, obwohl wir erst mal keine Ahnung haben, ob wir in der richtigen Straße sind: wieder einmal ist von Straßenschildern keine Spur!

Als wir neben einem Haus mehrere Motorräder im Hof sehen, halten wir an, um nach dem Weg zu fragen. Hey, das ist schon die Werkstatt!

Nun gut, es ist ein Wohnhaus mit einem kleinen Verkaufsraum für Zubehör, und dazu gehört ein vielleicht vierzigjähriger Inhaber, der auch ein paar gebrauchte Maschinen verkauft und hinter dem Haus an den Maschinen bastelt.
Reifenwechsel zwischen Strasse und Gehweg

Wir parken unsere "Turtle" auf dem Streifen zwischen starkbefahrenem Stadtring und Fussgängerweg. Der Inhaber spricht kein Englisch, aber er ruft seinen Mechanikus an, der den Aus- und Einbau des Rads übernimmt und nebenbei auch etwas englisch spricht. Zwischen Straße und Fussweg wird das Rad ausgebaut, der "Meister" packt sich das Rad in den Kofferraum seines Wagens und fährt zu einer Werkstatt, die den Reifen aufziehen und den Altreifen auch gleich entsorgen.

Außerdem haben wir den Auftrag erteilt, dass er uns eine "richtige" Birne für den Scheinwerfer mitbringt, damit wir unser slowakisches "Teelicht", das nachts dort drin funzelt, entsorgen können. Nach zwanzig Minuten ist "Meister" und Rad mit neuem Reifen wieder da, eine neue Birne für den Scheinwerfer (nicht Marke "Teelicht") auch und während Jochen die Birne einbaut, schraubt der Mechanikus unser Rad wieder hin. Alles Top.

Zwischendurch schauen wir uns im Verkaufsraum um. Leder scheint in der Slowakei die erste Wahl zu sein: es hängen einige gebrauchte Lederkombis im Regal. Und zwei Textiljacken, die so aussehen, als würden sie bei einem Sturz durch die Reibungswärme in Flammen aufgehen. Schließlich geht's an das Bezahlen. Er legt einen gedruckten Kassenbon auf die Theke.

Spinnt der??? 300 Sk will er! Für Radein- und -ausbau , Fremdarbeiten Reifenaufziehen & Altreifenentsorgung und nicht zu vergessen das Scheinwerferbirnchen will der 300 Slowakische Kronen! Als ich etwas ungläubig schaue, versucht er mir noch die einzelnen Posten zu erklären und vorzurechnen.

300 Sk - das sind gerade mal acht Euro!!! Als ich ihm ein Trinkgeld von umgerechnet drei Euro geben will, lässt er sich nicht dazu bewegen, dieses anzunehmen. Wir werden mit einem herzlichen "Gute Reise" verabschiedet und treten die Heimfahrt an. Ein beruhigendes Gefühl, nun keinen Kinderpopomutanten mehr unter dem Hintern zu haben. Die Adresse findet man in unseren Reisetips unter "Organisatorisches".

Neue Reiseart: Luftreisen!

An der nächsten Tankstelle halten wir - Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste - Reifendruck messen!
- Die transportable Luftdruckstation hängt nicht auf dem Haken, wo sie hängen sollte... und auch sonst nirgends...
- An der nächsten Tanke ist sie da, aber hier baumelt nur der nackte Schlauch... Und dann fahren wir eine Tankstelle an, die besitzt gar keine Luftdruckstation...
- Die nächste hat eine, aber ohne Meßgeräte... ("Schatz, drück mal auf den Reifen und sag mir, wenn's reicht!" )

Mannomann! Das war DIE Situation in der Slowakei, da hätten wir die Slowaken an den Ohren auf die Wäscheleine klammern können... und bei uns auch bißchen Druck messen müssen.

E N D L I C H finden wir eine Tankstelle mit "Vzduch"-Station - mit Messgerät und mit Ventil. Das aber nicht sofort passen wollte. Mit ein paar Verrenkungen schaffen wir es dann doch. Reifendruck = 4 bar. Bißchen arg viel. Wir bringen den Druck auf ein gesundes Maß und können unsere Heimfahrt entspannt antreten.

Wieder fallen uns an den Fernverkehrsstraßen die riesigen Werbeschilder am Straßenrand oder auf den Wiesenhügeln auf. Werbung wird hier groß geschrieben, richtig GROSS. An stark frequentierten Straßen stehen alle fünfzig Meter mehrere Quadratmeter große Schilder mit Reklame für Handys, Märkte oder Wassermarken... Selten haben wir so übermächtige Werbetafeln gesehen wie in der Slowakei.

Dem Tourverlauf folgen:
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