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Ebro-Delta | Reis im Wasser, Sand in den Reifen

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Barcelona. Wir erinnern uns: weil der bewachte Parkplatz den Bus mit dem Anhänger nicht aufnehmen wollte, wurde der Bus mit dem Gepäck in die Tiefgerage des Hotels gefahren. Aber die war niedrig. Sehr niedrig. Alle vier (Jochen, Peter, Claudia und meine eine) hatten eine unruhige Nacht. Jeder fragte sich: wie kriegen wir den Bus unbeschadet wieder ans Tageslicht? Erste Maßnahme am Morgen: Luft ablassen. Alle vier Reifen werden etwas platter gemacht. Dann kann es los gehen.

Barcelona: Irgendwie muss der Bus unbeschadet aus 
                der niedrigen Tiefgarage: Luft ablassen!

Jochen stemmt wieder das Rohr nach oben, das trotzdem leicht auf dem Bus entlang schleift. Außerdem fungiert er als Einweiser und schließlich auf der Rampe als Ballast, denn hundert Kilogramm mehr in der Fahrerkabine bringen auch noch mal einen Zentimeter oder zwei. Die Ausfahrt läuft easy, dank der entspannten Reifen sind noch mindestens fünf Zentimeter Platz bis zur Kante. Geschafft! Der Bus steht wieder draußen. Unsere Dicke wird entfesselt und abgeladen. Kurze Zeit später haben wir das Hotelzimmer geräumt und uns in die von allen Membranen befreiten Klamotten geschmissen, denn mittlerweile zeigt unser Schnabelthermometer an der Kuh schon 26°C. Eigentlich gar nicht so viel, aber irgendwie ist die Luft schon so mild, dass es uns wesentlich wärmer vorkommt.

Wir fahren auf der Küstenstraße Richtung Tarragona. Schön. Kurvig. Sie schwingt sich an den Felsen entlang. Links das Meer. Rechts der Felsen. Schneller als 45 km/h kommen wir jdoch nie vorwärts, denn wir haben die Ehre, hinter einem Correos- (also Post-) LKW herzufahren. Die komplette Strecke ist zu Recht mit Überholverbot gesegnet. Aber alle Verkehrsteilnehmer halten sich dran.

Der heutige Tag steht unter dem Stern „Kilometer machen“. Wir wollen ins Ebro-Delta und das möglichst so schnell, damit wir von ebenselben noch etwas zu sehen bekommen. Da die Küste immer wieder mit Städten und Urbanisationen zugebaut ist, umfahren wir diese auf Teilstücken von Schnellstraßen oder Autobahnen. Wir haben gelernt: „A7“ ist keine Autobahn, sondern eine Autostraße. Autobahn heißt in Spanien Autopista, folglich ist erst die Bezeichnung „AP7“ eine Autobahn.

>Zweimal benutzen wir auf kurzen Teilstücken die Autobahn, die in Spanien mautpflichtig ist. Die Bezahlarten an der Autobahn wechseln ständig. An jeder Mautstation erwartet uns eine andere Überraschung. Man zahlt manchmal im Voraus und andermal mit dem Mautticket nach Verlassen der Autobahn. Zwischen Barcelona und Tarragona kostet es einmal 1,74 Euro im Voraus und beim zweiten Mal müssen wir ein Mautticket ziehen, aber als wir es an der „Manual“-Mautstelle einlösen wollen, winkt uns der nette Herr ohne Bezahlung durch. Vielleicht sind manche Abschnitte für Motorräder kostenfrei?

Die völlig ebene Landschaft im Ebro-Delta wird von Gemüsefeldern, 
                Obsthainen und besonders von ausgedehnten Reisfeldern geprägt.
Unterwegs inmitten von Reisfeldern im Ebro-Delta

Die mittlerweile topfebene Küste lässt nicht viel Kurvenfeeling aufkommen. Gut, dass wir kein Goretex mehr in den Klamotten haben - das Thermometer steigt auf über 30°C. Wir fummeln uns durch die Städte Camprils und Salou. Salou macht einen netten Eindruck. Wir steuern die GS direkt durch eine Palmenpromenade am Strand. Wenn wir jetzt baden wollten oder vielleicht sogar einen längeren Stopp einlegen wollten... Wollen wir aber nicht, denn das Ebro-Delta ruft. Dieses Delta befindet sich an der Mündung des Flusses Ebro ins Mittelmeer im Süden von Katalonien. Der Katalane schreibt ihn allerdings Ebre.

Nach reichlich vier Stunden Fahrt erreichen wir das Delta. Diese Flussmündung gehört großteils den inländischen Touristen, denn nur wenige Ausländer verirren sich in die ursprüngliche Gegend, die über Jahrhunderte wuchs und sich stetig veränderte ohne dass der Mensch eingriff. Das Zimmerangebot ist deshalb nicht überwältigend und eine Übernachtung auch nicht immer ganz billig. Pauschaltourismus sucht man vergebens.

Unterwegs im Ebro-Delta

Im Hotel Llansola mitten in der Stadt St. Carles de la Rapida finden wir ein Zimmer. Um die Ecke gibt es einen zum Hotel gehörenden, abgeschlossenen Parkplatz. Wir laden ab und machen uns noch einmal ins unverwechselbare Ebro-Delta auf, das in Katalonien seinesgleichen sucht.

Die völlig ebene Landschaft wird von Gemüsefeldern, Obsthainen und besonders von ausgedehnten Reisfeldern geprägt. Auf einer Fläche von 20.000 Hektar wird Reis angebaut und damit deckt man 95% des spanischen Reisbedarfs. Um mit den Traktoren die matschigen, überfluteten Reisfelder bearbeiten zu können, haben die Traktoren besondere Reifen, die nur aus einem Stahlgeflecht bestehen. Vermutlich sind die Abstände der Stahlstreben auch auf den Reihenabstand der Pflänzchen abgestimmt. Wir sehen zahlreiche Vogelarten, die man sonst in freier Wildbahn selten zu Gesicht bekommt: Pelikane, verschiedene Kraniche und diverse Möwenarten.

Spuren im Sand
Riesiger sandkasten für Männer
Auf einer Fläche von 20.000 Hektar wird im Ebro-Delta Reis angebaut 
                und damit deckt man 95% des spanischen Reisbedarfs.

Während unseres Ausflugs erreichen wir die Meeresküste. Eine sandige Piste führt zunächst zu einem Strand, an dem sich Kitesurfer an der steifen Brise freuen. Jochen freut sich auch: über den nassen Sand am Strand und lässt sich die neuen Heidenau-Reifen beweisen. Wenn er mich wenigstens absteigen ließe! Aber nein, er hat Spaß. Aber ich nicht! Wer weiß, wie lang das hier gut geht? Kaum gedacht, erhalte ich die Antwort: Nicht sehr lang. Nämlich bis der Sand nicht mehr nass, sondern lose wird. Was muss die Beste aller Sozias dann tun? Genau - den Besten aller Göttergatten wieder rausziehen. Zum Glück hat er sich noch nicht richtig eingebuddelt. Aber er ist kurz davor! Die Beste aller Sozias darf endlich absteigen und zieht vorsichtig am Heck der Q, während kräftige Männerbeine sich fest in den Sand stemmen und die Q Zentimeter um Zentimeter wieder auf festeres Terrain drücken.

Eine sandige Piste führt weiter über einen schmalen Damm zu den Salinen auf der Halbinsel, aber das lassen wir nach zweihundert Metern Fahrt dann doch sein. Die Fahrt im Sand zu zweit... Kann gutgehen - muss aber nicht. Ich bin ganz froh, dass Jochen die Sandtauglichkeit der Reifen nicht noch mehr testen will. Außerdem ist es Zeit für einen Einkauf, das Spritfaß will noch gefüllt werden und das Abendessen ruft auch schon.

Unterwegs im Ebro-Delta

Ich gestehe: die sprachliche Urlaubsvorbereitung fiel diesmal sehr spärlich aus. Sie beschränkte sich darauf, sich in Google Übersetzer einige Wörter vorlesen zu lassen. Aber ich vergaß die Zahlen! Beim Tanken will ich die Zapfsäule Nummer 4 bezahlen. Aber was heißt 4 auf spanisch? Mir fällt es trotz vielen Nachdenkens nicht ein. In Türkisch könnt' ich es.... Ich ziehe mich elegant aus der Affäre: „La Moto.“

Dem Tourverlauf folgen:
weiter mit Vom Ebro-Delta nach Denia / Cabo de San Antonio

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