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Rasende Rennradler vs. schleichende Kuhtreiber

(Fast) allein durch die Sierra Espuna. Ziel: Denia und Cabo de San Antonio. Nach einer letzten Rundtour durch das interessante Ebro-Delta machen wir uns am nächsten Morgen auf den Weg zum nächsten Etappenziel, das 400 Kilometer entfernt liegt.

Sierra Espuna - hier sind wir allein auf der Straße. 
                Das dachten auch die zwei Rennradler ...

Wir haben uns Denia an der Costa Blanca herausgesucht, weil wir dort bei der Vorrecherche genügend Unterkünfte gesehen haben und ein abendliches Bad im Meer schon fast gebucht ist, im Gegensatz zur Unterkunft. Wir haben ja Zeit. Kaum sind wir in Spanien, haben wir uns den Gepflogenheiten der Einheimischen angepasst. Wir machen zwar keine Siesta, aber so schnell wie wir uns an die Wärme gewöhnt haben, sind wir auch im Essensrhythmus der Spanier angekommen. Die Restaurants öffnen abends nie vor 20:00 Uhr. Vor der Tour konnten wir uns überhaupt nicht vorstellen, so spät erst zu essen. Wir sahen uns schon jeden Abend entweder mit knurrenden Mägen vor dem Restaurant lauern, daß es endlich etwas zu essen gibt oder mit den im Supermarkt eingekauften Lebensmitteln im Hotelzimmer sitzen. Abends erst ab 20:30 Uhr zu essen ist sehr ungewohnt für uns, aber bei den Entfernungen, die wir täglich zurücklegen, ist es gar nicht mal so ungeschickt.

Sierra Espuna - hier sind wir allein auf der Straße. 
                Das dachten auch die zwei Rennradler ...

Nur die Küstenstraße zu benutzen ist langweilig, vor allem wenn die Küste vorwiegend aus Hotels und Ferienhaussiedlungen besteht. Wir haben uns deshalb für unsere Weiterfahrt eine nette Strecke durch die Sierra Espuna in der Region Murcia herausgesucht, die richtig Laune macht. Wenn man durch das dicht bewaldete Gebirge fährt, ist es kaum vorstellbar, dass noch vor 100 Jahren alles kahl und unbewaldet gewesen sein soll.

Nur weil der Forstingenieur Ricardo Cordorníu eine Vision von einer grünen Sierra hatte und den abgeholzten Landstrich wieder aufforstete, sind wir heutzutage in der Lage, uns mit dem Motorrad auf guten Straßen über bewaldete Berge zu schwingen. Die Region wurde im Jahre 1978 zum Naturpark erklärt. Wir befinden uns auf der kurvigen CV-219. Die Bezeichnung „kurvig“ muss in Folge eigentlich kaum noch erwähnt werden - auch wenn wir es aus Gewohnheit sicher immer wieder tun - hier ist einfach alles kurvig! Die herrlichen Bergstrecken in der Sierra sind unser. Im wahrsten Sinne. Außer uns ist keiner unterwegs hier. Fast keiner ...

Sierra Espuna - über dem Ort Eslida

Wir schleichen gerade durch eine uneinsehbare Rechtskurve an einem Felseck oberhalb des Orts Eslida, der schön in einem Talschluß liegt, während wir die Bergstraße über dem Ort hinaufklettern.

Ich halte die Videokamera in der Hand und zeichne ein paar Fahraufnahmen auf, während wir immer höher steigen. Eslida zieht alle Aufmerksamkeit auf sich. Wir blicken auf die Dächer der Stadt. Ich kann mich kaum sattsehen an der einzigartigen Landschaft. Die Videokamera läuft noch, als ich durch einen lauten Schrei aus meiner Versunkenheit gerissen werde.

Zwei Radler schießen mit Karacho talwärts und genießen sicher den Fahrtwind. Beide Rennradler kommen uns in der Kurve auf unserer Spur entgegen! Der Zweite ist noch mehr auf Kollisionskurs als der Erste. Da er genauso wenig wie wir um den Felsen herumsehen kann, entdeckt er uns erst in allerletzten Sekunde, gibt einen lauten, erschrockenen Schrei von sich und macht einen Schlenker zur Mitte, genau wie Jochen reflexartig nach rechts ausweicht.

Sierra Espuna - geniale Straßen durch unbewohnte Gegenden.

Der Begriff Gegenverkehr wird von diesen zwei Rennradlern sehr wörtlich genommen! Es geht rasend schnell - ich bekomme den Fastzusammenstoß nur durch diesen Schrei mit. Der Schrei hallt noch ewig in meinem Kopf nach. Jochen meint später, wenn er nicht auch mit Schauen beschäftigt gewesen wäre und die Kurve so wie gewohnt in der ersten Hälfte ganz außen angefahren hätte, wären wir abgeschossen worden. Oder der Radfahrer durch uns. Opfer und Täter sind an dieser Stelle beliebig austauschbar.

Als wir wenig später eine Rast einlegen und die in die Botanik geworfenen Käserinden unserer Mittagsmahlzeit in Nullkommanichts von ein Zentimeter großen Waldameisen in Beschlag genommen werden, hören wir immer noch in Gedanken den erschrockenen Schrei der Radfahrer. Die beiden waren während der kompletten Passage der Sierra Espuna unser einziger Gegenverkehr - welche Macht des Schicksals hat sie genau in dieser Kurve in unsere Spur geschickt?

Pause in der Sierra Espuna - wann kommt hier jemand vorbei?

Kurze Zeit später, es ist mittlerweile 14:30 Uhr, bemerkt Jochen treffend, dass wir nun mal ein wenig Gas geben sollten, denn wir haben noch 216 Kilometer vor uns. Er hat Recht! 216 Kilometer bei einem Schnitt von 30 bis 40 km/h - das bedeutet noch eine lange Fahrt. Aber durch diese kurvige und sehenswerte Strecke ersparen wir uns die stressige Route durch Valencia. Wir durchqueren auf der weiteren Fahrt Städte und Landstriche, die etwas besiedelter sind als die Sierra Espuna. Je näher wir der Küste kommen, um so belebter wird alles.

Spanien - Land der kreisverkehre

Spanien - Land der Kreisverkehre! So entspannt die Verkehrssituation an Kreisverkehren wirkt, so langsam aber sicher nervt die immer wiederkehrende Ansage unserer „Steffi“: „... im Kreisverkehr einfahren und ...“ Ein Kreisverkehr folgt auf den nächsten. Auf der anderen Seite: an roten Ampeln stehen wir noch ungeduldiger!

Hotel in Denia, direkt am Meer. Nach der heißen Tagestour ruft ein Bad im Meer.

Nervig sind auch Städte, in denen „Steffi“ versucht, diagonal abzukürzen. Spanische Verkehrsplaner haben sich nämlich eine perfide Masche der Verkehrsberuhigung ausgedacht. Sie gestalten Straßen so, dass sie alle 30 Meter von vorfahrtsberechtigten Straßen gekreuzt werden. Hier gilt dann rechts vor links. Aber noch perfider ist die Tatsache, dass vor und nach jeder vorfahrtsberechtigten Straße (dann also alle sieben Meter) ein Zebrastreifen auf die Straße gemalt ist, auf dem Fußgänger die Straße seeeehr unvermittelt überqueren! Ohne sich von dem Haltewillen des motorisierten Verkehrsteilnehmers zu überzeugen! Der Bremshebel muss immer griffbereit sein. Aber sind wir mal froh, dass nicht jeder Zebrastreifen ein „Paso elevado“ ist. Die Dinger nerven noch mehr. Aber dazu an anderer Stelle mehr ...

Insgesamt haben wir 407 Kilometer heruntergespult, als wir in Denia eintreffen und eine Unterkunft finden. Letzteres ist nicht schwer, denn es gibt sie wie Sand am Meer. Wir haben nur keine Lust, groß zu suchen. Ein Doppelzimmer ist zwar nicht mehr frei, jedoch ein Appartement. Das Motorrad steht direkt vor der Tür, es gibt einen Pool und das Beste: direkt an das Hotelgelände schließt sich der Meeresstrand an. Parken, Koffer runter und Badezeugs raussuchen sind ineinander übergreifende Tätigkeiten ...

Dem Tourverlauf folgen:
weiter mit Von Denia nach Andalusien / Cabo de Gata

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