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Wir erreichen die Sierra Nevada und die Alpujarras

Bevor wir am nächsten Morgen dem kleinen Örtchen Agua Amarga in der Region Alicante „Adios“ sagen, verabschieden wir uns von dem Galgo, unserem netten Hotelhund. Galgos sind eine große, spanische Windhundrasse (eigentlich Galgo Espanol) mit einer Schulterhöhe von 60 bis 65 cm. Sie sind wie alle Windhunde angenehme Begleiter (ohne größere Ambitionen, ein Wachhund zu sein), mit denen man sich immer sofort anfreunden kann. Sehr sanfte und liebenswerte Wesen, wenn man sich an ihren schlanken, fast dürren Körperbau gewöhnt hat, muss man sie einfach lieben.

Unser Haushund, ein Galgo Espanol

Galgos werden als ausdauernde Jäger vor allem für die Hasenjagd gezüchtet und in Spanien leider nicht immer gut behandelt. Als Arbeitstiere eben: nicht wenige werden, wenn sie nicht mehr gebraucht werden, ausgesetzt, getötet oder im besten Falle bei einem Tierschutzverein abgegeben.

Unser schwarz-weißer Hotel-Galgo hängt zwar tagsüber oft an einem langen Strick hinter dem Haus, aber da ich den Hotelinhaber auch schon mit dem Hund an der Leine spazierengehen sah, hoffe ich inständig, dass er nicht nur dort angeleint ist, sondern auch seinen Lauftrieb ausleben darf. Er ist hellauf begeistert, wenn ich ihn besuche und packt mich immer wieder mit den Zähnen spielerisch am Unterarm.

Ein paar blaue Flecken bleiben von diesen Aktionen. Seine größte Begeisterung über meinen Besuch drückt er aus, indem er in den Grenzen seines Stricks davonsprintet und in vollem Lauf mit den Vorderpfoten gegen eine Holztür prescht, um gleich darauf zu wenden und zurückzukommen. Am liebsten würde ich ihn von dem Strick lassen, so energiegeladen wie er ist.

Auf der Fahrt von der Küste zur Sierra Nevada.

Wir haben uns die Weiterfahrt in die Sierra Nevada wieder mit einigen Kilometern auf der Autobahn zusammengebastelt. Denn zwischen uns und der Sierra Nevada liegt der Ferienmoloch Almeria. Und sich freiwillig durch die Großstadt zu fummeln, bei annähernd 30 Grad, vielen Ampeln und bestimmt tausenden „Paso elevados“ - das tun nur Masochisten. In der Gegend von Almeria würden wir inmitten eines Meeres von endlosen, hässlichen, ärmlichen Plastikgewächshäusern fahren. Costa de plastico. Das sagt alles.

Mehr als 30.000 Hektar Fläche verschwinden hier unter den grauen und grünen Plastikplanen der Gewächshäuser. Wer sich ein Bild davon machen will, gibt in Google Earth einfach mal Almeria ein und schaut sich das weiße Mosaik drumherum an. Vor allem westlich von Almeria dominiert Plastik die Landschaft. Kleine Dörfer sind umzingelt von riesigen, weißen Folien-Karrees.

Brücken gibt es in den Alpujarras maximal ganz hinten im Talschluß.
Die Alpujarras und die Sierra Nevada.|

Also Autopista. Aber nur ein kurzes Stück. Nach Almeria biegen wir in eine Gebirgsstraße ab. Zweispurig und mit griffigem Belag schwingt sich das Asphaltband durch die Sierra de Gador. Schließlich zweigen wir auf die Straße ab, die parallel zur Sierra Nevada durch die Alpujarras führt. Mit einer Fahrbahnbreite von ca. anderthalb Fahrspuren beglückt sie uns mit Hunderten Kurven und einem tadellosen Asphaltbelag. Überholen ist nur an sehr wenigen Stellen möglich. Die Straße A-4130 folgt ohne Brückenbauten den geografischen Gegebenheiten, vor allem dadurch ist sie so kurvig.

Das ist das Besondere am Straßenbau in den Alpujarras: es gibt keinerlei Begradigungen - wie die Landschaft es vorgibt, so wird die Straße gebaut. Vor uns liegt ein tiefes und vor allem langes Tal, an dessen Talschluß in acht Kilometer Entfernung das Dorf Trevelez liegt. Es ist berühmt für seine luftgetrockneten Schinken und rühmt sich, mit seiner Lage auf 1476 m das höchstgelegene Dorf Spaniens zu sein, verschweigt dabei aber, dass es in der Provinz Teruel ein kleines Dorf namens Valdelinares gibt, dessen Rathaus in 1690 m Höhe liegt.

Um die A-4132 weiterfahren zu können, müssen wir nun erst die acht Kilometer bis ans Ende des Tales hinter uns bringen. Auf der gegenüberliegenden Bergflanke sehen wir sie schon: unsere Straße. Dort können wir wieder auf der anderen Seite raus aus dem Tal.

Wir machen kurz Rast vor Trevelez und lassen das Schinkendorf auf uns wirken. Von der anderen Seite her, von Granada, ist die Straße breiter und so werden Touristen in Bussen in das Schinkendorf gekarrt. Noch wissen wir nicht, wo wir übernachten werden. Die Gegend ist mit einigen Übernachtungsmöglichkeiten gesegnet. Aber Pauschaltourismus findet so gut wie gar nicht statt, von den Ausflüglern als Tagesgäste mal abgesehen. Wir fahren weiter nach Capileira, das ebenso in einem langgestreckten Taleinschnitt liegt.

Serrano-Schinken in der Sierra Nevada
Im Vall del Poqueira liegt in 1436 m Höhe das Dorf Bubion.

an findet kleine heimelige Hotels, Pensionen, Appartements und Hostals. Capileira ist unsere erste Wahl bei der Zimmersuche. Wir hatten im Vorfeld in www.booking.com geschaut, wo das Angebot an Zimmern am größten ist. In 1436 Metern Höhe gelegen nennt es sich das zweithöchste Dorf Spaniens und verspricht angenehme Temperaturen. Wir schauen uns das erste Hotel in dem 500-Einwohner-Dorf an und ziehen erst noch einmal weiter.

Typische Kamine in der Sierra Nevada.

Wir fahren zurück in das nächsttiefere Dörfchen Bubion. Hier bieten sich auch einige Möglichkeiten zum Übernachten direkt an der Durchgangsstraße an. Ein großes Hotelschild weist auf das Hotel „Villa Turistica“ in einer Nebenstraße hin. Wir werden fündig. Der Preis stimmt. Ein Zimmer ist frei. Was heißt eins... alle! Wir wundern uns nur, dass wir das Zimmer vor unserer Zusage nicht besichtigen dürfen, sondern nur Fotos gezeigt bekommen. Aber entweder ist die spanische Hotelangestellte gehfaul oder es ist hier nicht üblich, daß sich Gäste persönlich umsehen.

In einem Komplex mit kleinen, kubischen Reihenhäuschen befindet sich unser Doppelzimmer ganz am Ende der Anlage. Als wir mit einem Plan in der Hand durch die Anlage zickzacken und schließlich unser Heim für die nächsten vier Nächte in Beschlag nehmen, kommen uns starke Zweifel, ob der genannte Preis nicht doch pro Person gedacht ist. Das Zimmer ist nicht im oberen Stockwerk, wie wir verstanden hatten, sondern über zwei Etagen. Die Einrichtung ist ultramodern, edel und sehr neu.

Auf dem Schreibtisch liegt eine Preisliste aus, die den Preis in der Nebensaison mit 110 Euro für die Nacht ausweist. Uuuups. Kann es sein, dass wir den Zusatz „per person“ überhört haben? Es lässt uns keine Ruhe. Ein Gewaltmarsch bis zur Rezeption (naja, fast) und eine nochmalige Nachfrage bringt Gewissheit: es stimmt, die haben hier nichts zu tun, fast keine Gäste, deshalb gibt es Dumpingpreise.

In der Anlage treffen wir ein einziges anderes Gästepaar - wir sind zu viert in dem Komplex! Die Nacht wird etwas unruhig, weil das Bett bei jeder Drehung krächzend um Hilfe schreit (der einzige Makel an diesem Appartement) und sich mehrere Hunde in entgegengesetzten Ecken Bubions immer wieder lautstarke Parolen zurufen.

zur höchsten strasse in europa
Ein tag zwischen Offroad, Schluchten & Schinken
Blick von der Schotterpiste hinunter nach Bubion.
Blick von der Schotterpiste hinunter ins Tal.

Der nächste Tag beginnt hektisch. Wir legen einen Raketenstart auf das Parkett, als wir erst um 10:20 Uhr wach werden. Wir sprinten zum Frühstücksbüfett, das nur bis 10:30 Uhr aufgebaut ist. Apropos Frühstücksbüfett: das ist hier das beste und reichhaltigste der ganzen Spanientour. Und das, obwohl wir nur zu viert in der Anlage sind. Selbst als das andere Paar abreist und wir vermutlich die einzigen Gäste sind, bemerken wir keine Veränderung in der Auswahl. Das nennen wir Durchhaltevermögen und Service!

Später fahren wir nach Capileira, denn hier beginnt die (ehemals) höchste, befahrbare Straße Europas. Leider ist sie schon seit Jahren für den allgemeinen Verkehr gesperrt. Nur noch dreizehn Kilometer sind von Süden her befahrbar, fünf Kilometer davon auf unbefestigter Straße. Der Asphaltbelag ist jedoch so löchrig, dass es keinen Unterschied macht, ob mit oder ohne Asphalt.

Schluss ist bei einer Schranke und einem kleinen Parkplatz mit Parkwächterhäuschen, wobei sich „Parkwächter“ auf den Nationalpark bezieht und nicht auf den Parkplatz. Ab hier in 2200 Metern Höhe verkehren nur noch Kleinbusse der Parkverwaltung, die Wanderer in das Gebiet bringen und zu einer vereinbarten Zeit wieder abholen.

Für Normalmotorisierte wie uns geht es hier nicht weiter. An den Schutzhütten aus Naturstein, ausgestattet mit Picknicktischen und gemauerten Bänken, genießen wir die Ruhe. Wir sind die einzigen Besucher. Riesige Ameisen überall. Wenn man Helm, Handschuhe und Jacke ablegt, sollte man sie vor dem Anziehen generell auf Krabbeltiere untersuchen. Sicher eine kitzlige Angelegenheit, derartige Monsterameisen in der Jacke zu haben.

Schotter, Kies, Gas!! ;-)
Blick hinunter in das Tal von Poqueira.
Offroad durch die Sierra Nevada

Die Straße zurück nach Capileira hat mehrere Abzweige und wir biegen neugierig in einige ein.

Hinter jeder Felskante lauern neue Panoramen. Die Pisten sind recht gut zu fahren. Mehrere hunderte Meter unter uns leuchten die weißen Würfelhäuschen der Dörfer Bubion und Capileira.

Durch die Schlucht, über der wir in 1600 Meter Höhe stehen, schießt ein wild sprudelnder Gebirgsbach. Das Hinweisschild für die Wanderung durch die Schlucht sahen wir schon in Bubion und hier auf dem Schotterweg gibt es einen Wegweiser, der den Fußweg durch die Schlucht nach Bubion mit fünf Kilometern ausweist. Das wär's jetzt - Wanderschuhe an und los geht’s.

Als Abendessen bilden wir uns luftgetrockneten Schinken aus Trevelez ein. Die Siesta ist vorbei, also starten wir nach Trevelez, was noch mal eine 20 Kilometer lange Kurvenorgie bedeutet. Aber schon nach zehn Kilometer entdecken wir in Portugos eine Produktionsstätte und einen Laden für Serrano-Schinken. Wir füllen den Tankrucksack mit Oliven, Baguette, Wein und Ziegenkäse - der Abend ist gerettet. Die Hunde von letzter Nacht haben sich offenbar nichts mehr zu sagen - diese Nacht und auch die folgenden bleibt es ruhig.

Dem Tourverlauf folgen:
weiter mit einer weiteren Tagestour durch die Alpujarras

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