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Alto de Velefique | 1000 Berge, 1000 Kurven und sonst nix

Unterwegs in der Sierra de los Filabres: einsam und allein auf der Straße!
Unterwegs in der Sierra de los Filabres: einsam und allein auf der Straße!

Nach Besuch des Observatoriums auf dem Calar Alto in 2168 Metern Höhe fahren wir eine ganze Zeitlang hinunter in Richtung Gergal, um dann wieder einen Schwenk Richtung Norden und dem Alto de Velefique zu vollziehen. Noch immer kein Verkehr. Null. Nada. Erst in Bacares, nach etwa fünfzig Kilometern in der fast baumlosen Region, kommen uns zwei Autos entgegen. In Worten: ZWEI!

Der Alto de Velefique ist eine Straße, die auf unserer Spanienkarte überhaupt nicht eingezeichnet ist. Allerdings auf der Reise-Know-How-Karte im großen Maßstab. Schade eigentlich und verwunderlich - es ist so eine schöne Strecke!

Man kann unglaublich viele Straßen in Spanien im Vorfeld per Google Streetview digital im Internet abfahren. Uns begegnete am Camenito del Rey ein solches blau-weißes Fahrzeug mit der auffäligen Rundumkamera obendrauf! Es ist sehr verwunderlich, welche aufgeweichten Pisten die „Straßenblicker“ gefahren sind! Selbst Wege mit zehn Zentimeter tiefem Lehmschlamm haben wir in Google Streetview entdeckt! Wir müssten eigentlich mal nachschauen, ob wir jetzt in Streetview auftauchen ...

Sierra de los Filabres: Wer hier wohl sonst Pause macht?

Die Nordseite der Sierra de los Filabres ist halbwüstenartig und besteht aus tausenden Kuppen. Die Straße schlängelt sich, wie in Andalusien üblich, landschaftsgegeben an den Hügeln entlang. Jeder Luftlinienkilometer entspricht mindestens zwei Straßenkilometern.

Man muss sich das in etwa so vorstellen: da ist ein Areal von lauter kleinen Hügeln bedeckt, dicht an dicht. Die Straßenbauer hatten vermutlich gewettet, dass sie es schaffen, die Straße mindestens zur Hälfte oder dreiviertelst um jeden Hügel herumzubauen. Jochen meint lakonisch: „Kein Wunder, dass wir bei dem Gekringel kaum vorankommen.“ Noch dazu, wo die Straße jetzt sehr unberechenbar wird. Wellen und Senken wechseln sich mit Schlaglöchern ab. An zu spät bemerkten Löchern und Bodenwellen stehen wir mehrmals beide auf den Fußrasten.

Unterwegs in der Sierra de los Filabres: einsam und allein auf der Straße!

Es ist später Nachmittag, für die Unterkunftssuche wäre es immer noch zu früh. Da sind noch einige Kilometer drin heute. Also weiter in Richtung Velez Rubio und einigen kleineren Sierras. Es liegen sogar einige Flussdurchfahrten auf dem Weg. Wir meistern sie mit trockenen Füßen. Kein Tropfen erreicht unsere Hosen, denn die Flüsse sind zu Jochens großem Leidwesen alle ausgetrocknet. Die Sierra de la Torrecilla wird landwirtschaftlich genutzt, wir sehen Mandel-, Pfirsich- und Olivenbäume.

Dazwischen ein großes Grundstück mit komischen Blechrohren. Es dauert einige Zeit, bis wir begreifen: das ist eine Schweinefarm utopischen Ausmaßes und Bauart. Auf einem großen Feld sind in Zehn-Meter-Abständen halbierte Wellblechrohre mit einem Durchmesser von einem reichlichen Meter abgelegt. Was das hier darstellt, wird uns klar, als wir die erste monströse Sau neben einem Wellblechhüttchen liegen sehen. Aha! Das sind so was wie Offenstall-Schweineboxen. Okayyyy – so macht man das hier also.

Sierras gibt's wie Sand am meer,
aber Hotels sind wohl Mangelware?

Wir wechseln die Sierras so oft wie manche Männer die Frauen. Sierra de Madrono, Sierra de Ponce, Sierra de Lavia, Sierra de Burete. Die Gegend hat gewiss keine besonders hohe Einwohnerzahl. Und die Landschaft hat sein Antlitz wieder mal total verändert. Wir entdecken nur ab und zu einzelne Häuser und kleine Weiler zwischen ausgedehnten Kiefernwäldern. Hier wird Weinanbau betrieben und Bauern mit ihren kleinen Traktoren grüßen uns freundlich.

Rast in der spanischen Pampa: die Putzfrau war auch schon da!

Wir machen kurze Rast und beratschlagen. Es ist nach 18:00 Uhr, also werden wir mal so langsam Ausschau nach einem Zimmer halten. Aber wo suchen? Hier ist ja nix! Jochen war dem Irrglauben erlegen, da wo Stauseen sind, muss es auch Tourismus und Unterkünfte geben. Die Stauseen gibt es tatsächlich. Nur den Tourismus nicht.

Wir durchkreuzen immer wieder winzige Dörfchen, in denen wir uns verfranzen, weil die Hinweisschilder zweideutig sind. So wie kurz vor Bullas, wo wir den richtigen Weg suchen und die Dorfstraße entlang irren. Auf dieser schnüffelt ein dickes, fettes Hängebauchschwein interessiert die Straße ab und lässt sich dabei nicht aus der Ruhe bringen. Einige Leute am Straßenrand beobachten das Schwein. Als wir auf gleicher Höhe mit dem Schwein sind, hat Jochen eine etwas nervöse Gashand und lässt den Motor ganz kurz aufheulen. Das Schweinchen quiekt vor Schreck und springt zur Seite. Jochen! Das arme Schwein!

Irgendwo in einer spanischen Kleinstadt ...

Wir erreichen Bullas, eine Stadt mit 12.000 Einwohnern in der Region Murcia. Die Provinz blickt auf eine sehr lange Weinbautradition zurück. Überall große Kellereien. Bullas ist eine römische Gründung, hatte unter muslimischer Herrschaft eine gewisse Größe erreicht und konzentrierte sich nach der Reconquista auf den Weinbau als wirtschaftlichen Hauptzweig. Wir lasen von Bullas, dass es romantisch sein solle. Hmm, was ist hier romantisch?

Wir können den ärmlichen Gassen nicht viel abgewinnen. Wir fahren kreuz und quer durch die Stadt und suchen ein Hotel. Unsere „Steffi“ kennt zwar eines, mit dem komischen Namen „SG Bullas“, aber weiß der Teufel warum, wir finden es trotz Navi nicht.

Macht nichts. Es wird schon noch was kommen. Im nächstgrößeren Ort Mula. Unser Navi weiß wieder eine Adresse, wir fahren auch hin, aber das ist ein Appartementhaus mitten in der Stadt. Ob die wohl nur für eine Nacht vermieten? Und wenn ja, wo parken wir das Motorrad? Hier ist der Teufel los!

Wir versuchen erst gar nicht, jemanden zu finden, der unsere Fragen beantwortet und fahren weiter. Schließlich halten wir stadtauswärts einen Motorradfahrer an und fragen ihn nach einem Hotel. Er schickt uns weiter in die eingeschlagene Richtung. Wieder nichts. Wir finden kein Hotel. Da ist keins, verflixt und zugenäht! Also wieder umdrehen und zurück. Was tun?

Die Situation erinnert uns an eine ähnliche in der Türkei. Da war eine Stadt mit einem sehr ähnlichen Namen im Spiel: Mugla, gesprochen Mula, wie das spanische Mula. Da standen wir abends nach 19:00 Uhr und hatten nach einer langen, abendlichen Offroadpassage noch keine Unterkunft gefunden. Istanbuler Motorradfahrer nahmen uns dann für eine weitere Fahrt von anderthalber Stunde ins Schlepptau bis zu ihrem gebuchten Hotel.

Aber hier in dem spanischen Mula ist keine Motorradgruppe zur Stelle, der wir uns anschließen könnten. Die nächstgrößere Stadt ist die Provinzhauptstadt Murcia, zwar liegt die eigentlich in der falschen Richtung für uns, aber irgendwann brauchen wir schließlich ein Bett. Deshalb beschließen wir, die Autobahn bis Murcia zu benutzen. Und dieses Mal machen wir keine Experimente mehr: „Steffi“ wird beauftragt, uns zum Hotel Ibis zu führen.

Um 20:00 Uhr schlagen wir bei 34°C und mit 633 km mehr auf dem Tacho am Stadtrand von Murcia im Hotel Ibis auf. Wir sind perplex. Echt? Das waren heute 633 km? Super! Wir rücken den Pyrenäen immer näher und durch die abwechslungsreiche Routenführung kommt absolut keine Langeweile und damit auch kein Popoweh auf.

Dem Tourverlauf folgen:
weiter mit Von Murcia nach Torla - wir erreichen die Pyrenäen

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